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Psyche. Macht. Sex.
Sexualität ist mehr als nur Sex - es geht um Rollenzuschreibungen, Regeln und Rechte. Also wie frei, gleichberechtigt und sexuell selbstbestimmt sind Frauen im 21. Jahrhundert? Hat weibliche Sexualität sich emanzipiert oder lediglich maskulinisiert? Und wie viel wissen Frauen wirklich über ihre eigene sexuelle Identität? Was ist "normal", und wer bestimmt das? Um diese Fragen zu beantworten, stellt Sandra Konrad die Geschichte weiblicher Sexualität dar und entlarvt bis heute wirksame Geschlechterklischees. Dabei verbindet sie psychohistorische Erkenntnisse mit aktuellen…mehr

Produktbeschreibung
Psyche. Macht. Sex.

Sexualität ist mehr als nur Sex - es geht um Rollenzuschreibungen, Regeln und Rechte. Also wie frei, gleichberechtigt und sexuell selbstbestimmt sind Frauen im 21. Jahrhundert? Hat weibliche Sexualität sich emanzipiert oder lediglich maskulinisiert? Und wie viel wissen Frauen wirklich über ihre eigene sexuelle Identität? Was ist "normal", und wer bestimmt das? Um diese Fragen zu beantworten, stellt Sandra Konrad die Geschichte weiblicher Sexualität dar und entlarvt bis heute wirksame Geschlechterklischees. Dabei verbindet sie psychohistorische Erkenntnisse mit aktuellen Forschungsergebnissen aus der Sexualwissenschaft und zahlreichen Interviews mit jungen Frauen, die zeigen, wie unbewusste Rollenvorgaben auch heute noch das Geschehen im Schlafzimmer prägen.

"Sandra Konrad hat ein wichtiges Buch geschrieben über männliche Herrschaft und weibliche Anpassung." Psychologie heute
"Must-read!" Jolie
  • Produktdetails
  • Piper Taschenbuch .23619
  • Verlag: Piper
  • Seitenzahl: 382
  • Erscheinungstermin: 1. März 2019
  • Deutsch
  • Abmessung: 188mm x 121mm x 27mm
  • Gewicht: 269g
  • ISBN-13: 9783492236195
  • ISBN-10: 3492236197
  • Artikelnr.: 54398716
Autorenporträt
Konrad, Sandra
Dr. Sandra Konrad ist Diplom-Psychologin und arbeitet seit 2001 als systemische Einzel-, Paar- und Familientherapeutin in eigener Praxis in Hamburg. In ihrer wissenschaftlichen und therapeutischen Arbeit untersucht sie transgenerationale Übertragungen - also den starken Einfluss der Vergangenheit auf die Gegenwart. Im Piper Verlag erschienen von ihr »Das bleibt in der Familie« und »Liebe machen«. Sandra Konrad ist verheiratet und lebt in Hamburg.
Inhaltsangabe
Spoilerwarnung: Dieses Buch kann Widerstand auslösen

Einleitung

EINS Weibliche Lust und männliche Normen oder sie will, was er will

Die Krux mit der Lust - Die gebremste Frau
Die Matrix der Lust - Wie Lust entsteht und wie sie vergeht

Das Tier in ihr - Die hysterische Frau
Die Gebärmutter auf Abwegen
Der große Auftritt der Hysterie: Charcot lässt die Puppen tanzen
Trauma und Tabu - Vom verführten Kind zur hysterischen Lügnerin
Die frigide Nymphomanin - Der Feind in seinem Bett
Miley Cyrus' freche Zunge oder wozu die ganze Hysterie?Freud und Leid des weiblichen Orgasmus - Die unreife Frau
Die richtige Mischung - Als der weibliche Orgasmus noch dem Erhalt der Menschheit diente
Sünde Selbstbefriedigung - Vom peinlichen Gefühl, Genitalien zu haben
Good Vibrations - Warum Ärzte vor der Entdeckung des Vibrators mit hysterischen
Frauen alle Hände voll zu tun hatten
Von Penislosigkeit zu Penisneid - Wie Freud den reifen Orgasmus erfand und eine Prinzessin
ihre Klitoris versetzte
Vaginal, klitoral, egal - Hauptsache, Happy Ending

Von Dornröschen zu Tinderella - Die sexuell befreite Frau
"Mein Bauch gehört mir!" - Das Recht auf Verhütung und Abtreibung oder die Wieder-
aneignung des weiblichen Körpers
"Untenrum" oder Viva la Vulva! - Worte für das Unaussprechliche finden
Es hinter sich bringen - Der Hype um die Jungfräulichkeit
Friends with benefits und Booty Calls - Die neue Art zu lieben

ZWEI Pornografie und Prostitution oder der Traum von der immergeilen Frau

Die Frau als Ware oder die Geschichte der Pornografie - Die gefickte Frau
"Porno ist die Theorie, Vergewaltigung die Praxis" - Wie gefährlich ist Pornografie?
Voll Porno! Was Pornografie mit Jugendlichen macht und umgekehrt
"Igitt" oder "Oh Gott" - Frauen und Porno
Sexuelle Befreiung oder Erniedrigung - Zwischen Sasha Grey und "Shades of Grey",
oder gibt es feministische Pornografie?

Das älteste Gewerbe der Welt - Die "andere" Frau
Die dreckige Hure - Das notwendige Übel
Geiz ist geil oder Straßenstrich und Flatrate-Bumsen - Die billige Frau

Sterne oder Staub? Die Illusion der Wahl - Die (ohn)mächtige Frau
Ein Beruf wie jeder andere? Der schmale Grat der Freiwilligkeit
Sex oder Gewalt, Unterdrückung oder Ermächtigung, verbieten oder legalisieren?

DREI Sexualisierte Gewalt oder warum Frauen eigentlich selbst schuld sind

Die Hexe soll brennen - Die böse Frau

Sei still, sei still - Die verstümmelte Frau
Die Weitergabe der Gewalt - Wenn Traditionen traumatisieren
Die Beschneidung der Lust - Die Beschneidung des Willens - Die Beschneidung der Freiheit

Kavaliersdelikt Vergewaltigung - Die aufreizende Frau
Vergewaltigung - Die doppelte Gewalt
Das risikolose Delikt und das männliche Gesetz
"Manche Männer sind einfach rabiater" - Sexuelle Gewalt in der Ehe
"Triebgesteuert" und andere Tätermythen - Die aggressive Tat mit sexuellen Mitteln

Cybergewalt, Sexting und Revenge-Porn - Die bloßgestellte Frau

Nein heißt Nein oder das Ende des Schweigens - Die beschützte Frau

VIER Zwischen Sexobjekt und Sexgöttin - Subjekt des Begehrens werden

Schönheit ist Macht - Die normierte Frau
Schau! Mich! An! - Warum sexy wichtiger ist als lustvoll
Scham & Haare - Die Banalität der Normalität
Unfuckable wegen Falten - Die alternde Frau

Feministin klingt mir zu ungebumst - Die bedrohliche Frau
Wer F... sein will, muss freundlich sein - Das unbeliebte F-Wort
"Du läufst wie ein Mädchen" - Alltäglicher Sexismus oder die Geschichte der minder-
wertigen Frau
Das unsolidarische Geschlecht - Frauen gegen Frauen und den Rest der Welt

FÜNF Was will das Weib? Zwischen sexueller Freiheit und Selbstbestimmung

Von männlicher Herrschaft zu weiblicher Selbstbeherrschung

Das Diktat der sexuellen Freiheit oder der große Bluff

Danksagung
Literaturverzeichnis
Rezensionen
»Die Hamburger Psychologin und Sexualtherapeutin Sandra Konrad (...) entlarvt in ihrem Buch ›Das beherrschte Geschlecht. Warum sie will, was er will‹ anhand der Geschichte weiblicher Sexualität die bis heute wirksamen Geschlechterklischees.«, Deutschlandfunk Kultur "Lesart", 03.02.2018
Besprechung von 07.04.2018
Frauen gehören erst dem Vater, dann dem Mann?
Einst tugendhaft, dann frigide, jetzt funktionsgestört: Sandra Konrads kenntnisreiche Geschichte der weiblichen Sexualität neigt zu steilen Behauptungen

Dieses Buch dürfte jetzt schon eines der am meisten missverstandenen Werke des Jahres sein. Und es war ein Missverständnis mit Vorsatz: "Warum sie will, was er will", lautet der Untertitel, und auch der Klappentext insinuiert, dass die weibliche Sexualität von männlichen Vorstellungen diktiert wird. Da stellen sich sofort ein paar methodische Fragen: Wie will man herausfinden, was die unverfälschten weiblichen Vorstellungen sind, wenn doch alle Frauen mit Männern aufgewachsen sind? Und verläuft die Grenze der Vorstellung davon, wie guter Sex auszusehen hat, wirklich trennscharf zwischen Männern und Frauen?

Die Autorin Sandra Konrad ist Diplom-Psychologin und hat in den vergangenen Jahren nach eigenen Angaben mehr als siebzig Frauen zwischen achtzehn und fünfundvierzig Jahren über ihre Sexualität befragt. Einige ihrer Schilderungen haben Eingang ins Buch gefunden, und auch das wirkt heikel: Konrad zitiert immer das, was gerade zu ihren Thesen passt. Oder basieren die Thesen wirklich auf den Aussagen der Frauen? Es ist schwer nachzuvollziehen, und genau darin liegt das Problem einer qualitativen Befragung: Man darf danach auf keinen Fall von "den Frauen" sprechen. Nicht einmal von "den meisten Frauen". Eine quantitative Erhebung hätte es immerhin erlaubt, von "zwei Dritteln der befragten Frauen" zu sprechen - eine solche Untermauerung hätte einigen der steilen Thesen gutgetan.

Doch tatsächlich ist die Kernaussage nicht das Wesentliche an Sandra Konrads Buch; eher wirkt sie wie nachträglich aufgepropft. Die Autorin beschreibt nämlich zunächst kenntnisreich die Geschichte der weiblichen Sexualität in den letzten Jahrhunderten mit all ihren sonderbaren Widersprüchen: Erst galten sexuell desinteressierte Frauen, die nicht zum Orgasmus kamen, als tugendhaft, dann als frigide und dann als funktionsgestört.

In England wurden bis Ende des neunzehnten Jahrhunderts Klitorisentfernungen durchgeführt, wenn eine Frau über Symptome klagte wie "Müdigkeit, Unruhe, unterschiedliche Gefühle, Schmerzen, trockene Haut, zitternde Augenlider (...). Würden diese Symptome nicht behandelt, könnten sie zu ernsteren Folgen wie Katalepsie, Epilepsie, Schwachsinn oder Wahnsinn führen." In Kontinentaleuropa wiederum rettete der Irrglaube, zur Empfängnis sei der weibliche Orgasmus vonnöten, die Frauen vor solchen Verstümmelungen - nicht aber vor der permanenten Abwertung ihrer Geschlechtsorgane.

Freud schrieb über die Frau im Stand der Ehe: "Die Vagina wird nun als Herberge des Penis geschätzt." Davor war sie minderwertig, aber danach notwendig, um der Pflicht des ehelichen Beischlafes nachzukommen. Auch dazu hat Konrad ein wissenswertes Detail aufgetan: 1967 beschloss der BGH, die Frau müsse Anteilnahme am Geschlechtsverkehr zeigen. "Die Frau genügt ihren ehelichen Pflichten nicht schon damit, daß sie die Beiwohnung teilnahmslos geschehen läßt." Die Ehe verbiete es, "Gleichgültigkeit oder Widerwillen zur Schau zu tragen". Dient all das zum Beleg der Kernthese des Buches? Nicht unbedingt, aber das ist nicht wichtig, denn dieser Ritt durch die Geschichte steht für sich.

Zurück in die Gegenwart: Mehrere befragte Frauen erzählten in den Gesprächen, dass beim Sex nicht ihre eigene Lust, sondern die Bewertung ihrer Performance durch den Partner im Vordergrund stehe. Das gelte allerdings nicht in längeren Beziehungen, relativiert die Autorin später, denn dort würden sexuelle Erwartungen und Kränkungen eher geäußert. Prompt versteigt sie sich zum Umkehrschluss, eine rein sexuelle Affäre würde den Frauen meist weder Intimität noch Befriedigung versprechen - eine unzulässige Folgerung, und selbst als Behauptung doch einigermaßen steil.

Bei Pornographie und Prostitution, denen Sandra Konrad eigene Kapitel widmet, ist es immerhin unbestreitbar, dass die männliche Perspektive maßgeblich ist. Doch auch hier geht die Autorin einen Schritt zu weit, indem sie eigentlich allen Prostituierten das Vermögen abspricht, ihren Job kritisch zu hinterfragen, weil sie "ihre Gefühle und Körperwahrnehmungen abspalten, um psychisch überleben zu können". Das mag für einige gelten, womöglich sogar für viele, aber es zeugt nicht von Respekt, es allen zuzuschreiben.

Ein paar kluge Punkte kann Konrad trotzdem setzen. Etwa mit ihrem Verweis auf die amerikanischen Purity-Bälle, bei denen jungfräuliche Töchter ihren Vätern Treue und Gehorsam bis zur Ehe versprechen - kein Massenphänomen, aber doch viel mehr als eine gesellschaftliche Randerscheinung. "Das weibliche Geschlecht gehört dem männlichen - erst dem Vater, dann dem Mann", schreibt Konrad über diese Familien.

Und sie liefert eine gute Erklärung, warum manche Männer so empfindlich reagieren, wenn sie auf patriarchale Gesellschaftsstrukturen aufmerksam gemacht werden: "Wer die Macht hat, ohne sie an sich gerissen zu haben, möchte nicht dafür kritisiert werden." Das macht die Lektüre tatsächlich sehr angenehm: Konrad kritisiert weder Männer noch Frauen, sie konstatiert nur - wenn auch manchmal zu schnell.

JULIA BÄHR

Sandra Konrad: "Das

beherrschte Geschlecht". Warum sie will, was er will.

Piper Verlag, München 2018. 382 S., geb., 24,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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