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Wie ein Lauffeuer ging die Nachricht von Napoleons Landung bei Antibes am 1. März 1815 durch Frankreich. Der Mann, der immer alles auf eine Karte setzte, wollte es nach seiner Absetzung nochmals wissen. Die Massen strömten ihm zu, und siegreich zog er erneut in Paris ein. Balzac bemerkte dazu später schwärmerisch: "Hatte es vor ihm jemanden gegeben, der ein Reich nur dadurch eroberte, dass er seinen Hut zeigte?" Napoleons "Invasion eines Landes durch einen Mann" (Chateaubriand) ist in der Geschichte singulär. Günter Müchler erzählt die dramatische Geschichte der '100 Tage', von der…mehr

Produktbeschreibung
Wie ein Lauffeuer ging die Nachricht von Napoleons Landung bei Antibes am 1. März 1815 durch Frankreich. Der Mann, der immer alles auf eine Karte setzte, wollte es nach seiner Absetzung nochmals wissen. Die Massen strömten ihm zu, und siegreich zog er erneut in Paris ein. Balzac bemerkte dazu später schwärmerisch: "Hatte es vor ihm jemanden gegeben, der ein Reich nur dadurch eroberte, dass er seinen Hut zeigte?" Napoleons "Invasion eines Landes durch einen Mann" (Chateaubriand) ist in der Geschichte singulär. Günter Müchler erzählt die dramatische Geschichte der '100 Tage', von der Vorgeschichte, der ersten Abdankung Napoleons in Fontainebleau 1814, bis zur endgültigen Verbannung auf Sankt Helena. Es ist für ganz Frankreich - und für den Rest Europas - ein kurzes Zeitfenster extremster Anspannung, eine Episode, die erst den Grundstein legte für den Napoleon-Kult. Denn mit den 100 Tagen endet endgültig das Ancien régime und eine neue Epoche bricht an.
  • Produktdetails
  • Verlag: Wbg Theiss
  • Seitenzahl: 264
  • Erscheinungstermin: August 2014
  • Deutsch
  • Abmessung: 223mm x 151mm x 30mm
  • Gewicht: 498g
  • ISBN-13: 9783806229653
  • ISBN-10: 3806229651
  • Artikelnr.: 40877639
Autorenporträt
Müchler, Günter
Günter Müchler ist passionierter Frankreichkenner und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Französischen Revolution und Napoleon. Er studierte Geschichte und Politikwissenschaft und wechselte nach Stationen bei verschiedenen Zeitungen 1987 zum Rundfunk. Bis 2011 war er Programmdirektor von Deutschlandfunk, Deutschlandradio Kultur und DRadio Wissen. Mit einer fulminanten Biographie legt er nun (Frühjahr 2019) die Synthese seiner langjährigen Beschäftigung mit dem großen Korsen vor.
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

"Antiromantisch" und deshalb umso informativer ist Günter Müchlers Blick auf "Napoleons Hundert Tage" seiner erneuten Machtübernahme bis zur Schlacht bei Waterloo. Interessiert liest der Kritiker, wie Müchler die Spaltung und die Erschöpfung des französischen Volkes nach fünfundzwanzig Jahren der Revolution und des Krieges beschreibt. Vor allem aber lobt Speicher Müchlers Konzentration auf moralische Fragestellungen: Er erfährt in den detailreichen Ausführungen des Autors wie der schnelle Übergang von absoluter zu konstitutioneller Monarchie, Konvent, Anarchie, Direktorium, Konsulat und Kaisertum die Bürger psychisch zermürbte und zur Denunziation bewegte. Diesem ebenso "schwungvoll" wie klug geschriebenen Buch kann der zufriedene Kritiker auch das Fehlen eines Anmerkungsapparats verzeihen.

© Perlentaucher Medien GmbH
Besprechung von 18.11.2014
Das Laster, Arm in Arm mit dem Verbrechen
Eine blutige Episode, verführerisch für die Phantasie: Günter Müchler reflektiert über die Hundert Tage Napoleons
Napoleons „Hundert Tage“ sind immer als eine der glänzendsten Erscheinungen der Geschichte bewundert worden. Mit nichts als seiner Person kehrt Napoleon von Elba nach Frankreich zurück. Am 1. März 1815 landet er im Golf von Jouan, am 20. März bezieht er die Tuilerien in Paris, es folgt die Mobilmachung. Im Juni treffen seine Truppen und die Englands und Preußens auf den Schlachtfeldern Belgiens aufeinander, am Abend des 18. Juni ist die Niederlage Napoleons bei Waterloo besiegelt. Glänzend ist diese Episode, weil sie die Macht eines einzelnen Mannes zeigt. Er nimmt Frankreich in Besitz, kein Schuss fällt. Wo er sich zeigt mit Zweispitz und langem grauem Mantel, da laufen die Soldaten zu ihm über. „Hat jemals“, fragt Balzac, „ein einzelner Mensch ein ganzes Reich erobert, indem er seinen Hut vorzeigte?“
  Zugleich aber sind die Hundert Tage eine bloße Episode. Sie besserte nichts mehr für Frankreich, sie brachte ihm nur eine „neue Katastrophe“, wie der große Historiker Georges Lefebvre schrieb. In seiner klassisch gewordenen Napoleon-Biografie braucht er für diese Katastrophe nur noch 10 Seiten von 570. Aber er weiß auch, dass diese wenigen Tage, Waterloo und das trübe Exil auf St. Helena Napoleon ein romantisches Prestige eingetragen haben, „das die Phantasie der Menschen immer verführen wird“.
  Das weiß auch Günter Müchler. Aber sein Gesichtspunkt ist ein dezidiert antiromantischer. So großartig der Adlerflug sich ausnimmt – Frankreich war zu erschöpft für große Taten. Das galt sicher für Ludwig XVIII. und die restaurierte Monarchie. Ludwig interessierte sich nur für seinen Komfort und fürs Essen, vor Napoleon zog er sich kampflos nach Gent zurück. Die würdige Haltung, die sein älterer Bruder im Unglück bewiesen hatte, ging ihm ab. Persönlich war er nicht frei von Einsicht und Kompromissbereitschaft. Aber seine Entourage verdarb alles wieder; sie hatte, wie Talleyrand sagte, „nichts gelernt und nichts vergessen“. Wie elend sie war, zeigte sie während Napoleons Marsch auf Paris. Für ihre Loyalität ließ sie sich Prämien aussetzen.
  Napoleon war seinem Widerpart turmhoch überlegen. Aber Frankreich, das er retten wollte – wollte es sich retten lassen? „Wir fingen an, glücklich zu werden; jetzt bringen sie alles durcheinander“, das musste sich Napoleon am Abend seiner Landung von einem Bauern anhören. Die Provence war royalistisch, Grenoble aber begrüßte Napoleon begeistert.
  Frankreich war tief gespalten, regional wie auch gesellschaftlich. Die Soldaten jubelten ihrem Kaiser zu, aber das Land war nach fünfundzwanzig Jahren der Revolution und des Krieges müde. „Der Adler der Nation fliegt von Kirchturm zu Kirchturm, bis zu den Türmen von Notre Dame“, so hatte Napoleon seinen Marsch auf die Hauptstadt vorhergesehen, so kam es. Doch die Hauptstadt reagierte verhalten. Während der Revolution war sie das Zentrum aller Bewegung gewesen, jetzt empfing sie Napoleon „mit verschränkten Armen“. In der Provinz sah es oft kaum anders aus. Napoleon war gerade acht Tage in Paris, da begann er Soldaten anzuwerben. Aber das Anwerbeprogramm zog nicht recht. Das Land hatte seelisch abgerüstet, die Männer wollten nicht mehr in den Krieg. Die Bürgermeister, die die Rekrutierung hätten unterstützen müssen, waren lau.
  Die revolutionären Kräfte, sie versprachen sich etwas von Napoleon, obwohl er am 18. Brumaire doch angetreten war, die Revolution zu beenden. Jetzt, 1815, schien er auf die revolutionären Gelüste, den erneuerten Hass auf Adel und Klerus, einzugehen.
  Aber der Jakobinismus war ihm ganz fremd, ihn konnte er nicht aufgreifen. Er unterhielt eine sentimentale, keine politische Beziehung zum Volk, dessen jähen Stimmungsschwankungen er fürchtete: „Ich hätte mir die rote Mütze aufsetzen und die Leidenschaften anheizen können. Aber die rote Mütze hätte mir nicht gepasst.“ Auf die einen will er sich nicht stützen, auf die anderen kann er sich nicht stützen. Dass sie sich dem neuen Aufbruch verweigern, das hat mit der materiellen Erschöpfung und den Blutverlusten zu tun. Aber es gibt auch eine moralische Frage, und sie ist es, die Müchler interessiert. Im April 1815 hatte ein Bürger mittleren Alters erlebt: die absolute und die konstitutionelle Monarchie, Konvent, Anarchie, Direktorium, Konsulat, Kaisertum. Die Verfassung, die Napoleon erarbeiten ließ, war die siebte seit 1789. Müchler spricht vom „Stresszustand einer zutiefst verunsicherten Gesellschaft“. Das Frankreich von 1789 und der Folgejahre war auch darin modern, dass es viel tiefer in die psychische Existenz seiner Bürger eingriff als ältere politische Formen, abgesehen vielleicht vom Zeitalter der Glaubensspaltung. Zur revolutionären Herrschaft gehört die Gewissenskontrolle und zu dieser die Denunziation.  Fünfundzwanzig Jahre Revolution haben mich gelehrt, mich über keinen Betrug und keine Absurdität aufzuregen“, schrieb Benjamin Constant. Er sollte als Überläufer zu Napoleon 1815 selbst ein großes Beispiel des Verrats abgeben.
  Napoleon verschärfte diese Not, weil er ja auf Verrat setzen musste. Die Armee, die überlief, brach den Eid, den sie dem König geschworen hatte. Das Beispiel Michel Neys, des berühmtesten der napoleonischen Marschälle, zeigt es. Er wollte Napoleon entgegentreten, hatte es dem legitimen König feierlich zugesagt und erlag dann doch seinem Kaiser. Müchler beschreibt mit einer Fülle von Details diese Gewissensverkrümmungen; hier bedauert man, dass die Anmerkungen fehlen, die das im Einzelnen nachweisen würden. Geht nicht gelegentlich der Autor zu weit, wenn er Parteigänger und Gegner Napoleons (vor allem erstere allerdings) wie im Selbstgespräch belauscht? Doch ist das ein kleiner Einwand gegen ein Buch, das schwungvoll und klug die Erzählung der Geschehnisse mit der Reflexion verknüpft.
  Napoleons Versuch der Wiederkehr endet bei Waterloo. Es war eine Schlacht der verpassten Gelegenheiten. Schwer zu entscheiden, ob Napoleon oder Wellington mehr Fehler gemacht hätten, meinte Bernard Montgomery mit der Urteilsfreude der alten Kriegsgurgel.
  Müchler deutet die Fehler der französischen Seite als Ausdruck fundamentaler Verunsicherung. Ney versagte zweimal, durch Zögern bei Quatre Bras, durch Ungestüm bei Waterloo. Ihm habe „der Verrat den Verstand geraubt“. Er war nicht der einzige. Sogar Napoleon war sich seiner selbst nicht sicher und machte entscheidende Fehler.
  So blieben die Hundert Tage eine blutige Episode. Übrig blieb der gesteigerte Mythos Napoleons. Und natürlich Ludwig XVIII. Wie kläglich die Geschichte ausging, zeigt eine Episode, über die Chateaubriand berichtet. Auf dem Weg zurück nach Paris empfing der König in der Abtei von Saint Denis Talleyrand, den Außen-, und Fouché, den Polizeiminister. Der erste ein gewesener Bischof, der zweite ein gewesener Jakobiner, der für die Hinrichtung Ludwigs XVI. gestimmt hatte. Chateaubriand spricht vom „Laster, Arm in Arm mit dem Verbrechen“. Später wollte der König wissen, was er darüber denke. Chateaubriand: „Ich glaube, dass es mit der Monarchie vorbei ist.“ Nach einer Pause erwiderte Ludwig: „Nun gut, ich bin Eurer Ansicht.“
STEPHAN SPEICHER
Günter Müchler: Napoleons Hundert Tage. Eine Geschichte von Versuchung und Verrat. Theiss Verlag, Darmstadt 2014. 264 Seiten, 15 s/w-Abbildungen, 24,95 Euro.
Frankreich war tief gespalten,
die Gesellschaft nach 25 Jahren
grundlegend verunsichert
In Waterloo war auch Napoleon
seiner selbst nicht sicher und
machte entscheidende Fehler
„Ich hätte mir die rote Mütze aufsetzen und die Leidenschaften anheizen können“: Werner Krauss als Napoleon in „Die Hundert Tage“, Deutschland 1934/35.
Foto: Scherl
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"Ein lesenswertes Buch zur 200. Wiederkehr der Schlacht von Waterloo, in dem sich eine dichte Einzeldarstellung an die nächste reiht. So macht Geschichtserleben Spaß." Westfälische Nachrichten
"Der Leser wird auf ebenso informierende wie spannende Weise durch 'Napoleons hundert Tage' geführt, in denen sich das Schicksal Napoleons selbst und die Zukunft Europas entscheiden (...)." der Niederrhein
"Müchler schreibt flott, prägnant, spannend - und emotional, denn er bleibt nicht nur neutraler Beobachter: Immer wieder nimmt der Autor Napoleons Perspektive ein oder die seiner Mitstreiter und Widersacher." Die Rheinpfalz
"Leichte und empfehlenswerte Lektüre für Geschichtsfreunde." MünzenRevue