Secretum meum. Mein Geheimnis - Petrarca, Francesco
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Das Prädikat "epochemachend" kommt wohl nur wenigen Werken mit so großer Berechtigung zu wie Petrarcas lateinischsprachigem Dialog Secretum. In diesem fiktiven Gespräch zwischen dem Kirchenvater Augustinus und "Franciscus", einem stilisierten alter ego Petrarcas, geht es um nichts weniger als um den tastenden Entwurf einer frühneuzeitlichen Subjektphilosophie, die das menschliche Individuum aus den einschränkenden Banden mittelalterlich-theologischen Denkens zu befreien trachtet und damit zentrale Wichtigkeit für den von Petrarca (1304-1374) begründeten Renaissance-Humanismus hat.…mehr

Produktbeschreibung
Das Prädikat "epochemachend" kommt wohl nur wenigen Werken mit so großer Berechtigung zu wie Petrarcas lateinischsprachigem Dialog Secretum. In diesem fiktiven Gespräch zwischen dem Kirchenvater Augustinus und "Franciscus", einem stilisierten alter ego Petrarcas, geht es um nichts weniger als um den tastenden Entwurf einer frühneuzeitlichen Subjektphilosophie, die das menschliche Individuum aus den einschränkenden Banden mittelalterlich-theologischen Denkens zu befreien trachtet und damit zentrale Wichtigkeit für den von Petrarca (1304-1374) begründeten Renaissance-Humanismus hat.
  • Produktdetails
  • Excerpta Classica Bd.21
  • Verlag: Dieterich'Sche Verlagsbuchhandlung
  • 2., neubearb. Aufl.
  • Seitenzahl: 544
  • Erscheinungstermin: 10. Juni 2013
  • Deutsch, Latein
  • Abmessung: 175mm x 108mm x 30mm
  • Gewicht: 347g
  • ISBN-13: 9783871620591
  • ISBN-10: 3871620599
  • Artikelnr.: 11933866
Autorenporträt
Francesco Petrarca (1304 - 1374), Schriftsteller, Denker und Forscher. Am 20.7.2004 ist der 700. Geburtstag von Francesco Petrarca.
Rezensionen
Besprechung von 18.10.2004
Richtig liegen mit Dr. Grönemeyer

Das wird auch den sporadischen Leser, sofern er über Rückgrat verfügt, aufhorchen lassen. Auf Platz eins der Bestsellerliste steht seit dieser Woche ein Buch gegen Rückenschmerzen, genauer: ein Buch darüber, was man tun muß, um keine Rückenschmerzen zu bekommen und wie man sich am besten therapieren läßt, wenn man doch welche bekommen hat. Autor ist Professor Dietrich Grönemeyer, der Bruder des Sängers ("Mein Rückenbuch". Das sanfte Programm zwischen High Tech und Naturheilkunde. Verlag Zabert Sandmann, München 2004. 216 S., geb., 19,95 [Euro]). Grönemeyer leitet in Bochum ein dem Rücken wohlwollendes Institut, das als Privatambulanz seines Lehrstuhls für Radiologie und Mikrotherapie der Universität Witten-Herdecke angeschlossen ist. Sein Buch ist, so viel gleich zu Beginn, ein Meisterwerk der Inklusion. Hier werden Praxistips für die Trainingsmatte im Wohnzimmer effektvoll mit weitreichenden gesundheitspolitischen Forderungen verknüpft.

Der politische Kalkül des Buches liegt auf der Hand: In dem Maße, wie Grönemeyers Anleitungen zu richtigem Sitzen und richtigem Liegen breitenwirksam zünden, dürfte auch sein Appell zur Gesundheitsreform populär, ja unumkehrbar werden. Grönemeyer appelliert nämlich schon seit Jahren vergeblich an die Krankenkassen, statt sinnloser Röntgenaufnahmen doch endlich die High-Tech-Therapien zu finanzieren, die er selbst bei Rückenschmerzen für effektiv hält und in Bochum praktiziert: Kernspintomogramm und computertomographische Techniken, bildgebende Verfahren mithin, welche - richtig interpretiert - viel genauer die Rückenschäden beleuchten können als die grauen, oft kontraproduktiven Röntgenbilder.

So ist der neue Bestseller einerseits Ratgeber, andererseits aber auch ein gesundheitspolitischer Lobbyismus in eigener Sache. Der eine Aspekt schließt den anderen ein, so wie der Mediziner Grönemeyer von dem anthropologischen Bonus des Sängers Grönemeyer zehrt. Der Mensch ist Mensch, erklärt Dietrich Grönemeyer, weil er im Trainingszirkel einbeinig so weit nach unten geht, bis er unter seinem Knie die Fußmitte gerade erkennt. Der Mensch ist Mensch, weil er Rückenschwimmen betreibt, Tanzen geht und stoßweise Bewegungen vermeidet. Der Mensch ist Mensch, wenn er in Bochum seinen Rücken durch eine Kombination von westlicher High-Tech und östlicher Naturheilkunde stärkt. Diese Botschaft illustriert Grönemeyer mit einer irritationsfreien Sprache, übersichtlichen Tabellen und anmutigen Farbbildern. Die Art der Darstellung folgt dem bewährten journalistischen Traditionsstrang, welcher noch auf die Trennung von Nachricht und Kommentar Wert legt. So wird der laufende Text immer wieder durch eingerahmte, mit einem Paßbild Grönemeyers versehene Kästchen unterbrochen. In diesen Kästchen wird die Zurückhaltung im Werturteilsstreit jeweils aufgegeben und unter der Überschrift "Mein Standpunkt" Tacheles geredet (da wird dann etwa dafür plädiert, inmitten der Laborwerte "die Seele" nicht zu vergessen).

Das Buch fasziniert durch eine geheime Verheißung: Wenn es tatsächlich ein sicheres Verfahren gibt, einen so partikularen Bereich des Lebens wie den Rücken in Ordnung zu bringen, dann kann es auch um das Leben als Ganzes nicht so schlecht bestellt sein wie gedacht. In diesem Sinne ist "Mein Rückenbuch" ein philosophisches Manifest, vergleichbar Francesco Petrarcas nahezu preisgleichem Buch "Mein Geheimnis", einem fiktiven Dialog über die Möglichkeit, das verfahrene Leben in die richtige Bahn zu lenken (Francesco Petrarca: "Secretum meum". Lateinisch-Deutsch. Herausgegeben, übersetzt und mit einem Nachwort von Gerhard Regn und Bernhard Huss. Dieterich'sche Verlagsbuchhandlung, Mainz 2004. 544 S., br., 19,- [Euro]). Wie Petrarcas Geheimnis-Buch dreht sich auch Grönemeyers Rückenbuch um die Frage: Quid ergo me retinet? Was hält mich zurück, ein Leben mit Rückgrat zu führen? Wie befreie ich mich von den goldenen Fesseln, die mir die Zivilisation in Form von Schreibtischjob, Autosessel, Sex auf dem harten Bürotisch, zu weichen Matratzen daheim angelegt hat - Fesseln, die jedenfalls meine Wirbelsäule verkümmern lassen? Wie gelingt, anders gefragt, die Konversion zur Seligkeit auf Erden? Was Petrarca angesichts der beginnenden Pluralisierung von Wahrheit noch sanft in der Schwebe ließ, nimmt Grönemeyer beherzt in die Hand.

Jede zweite Röntgenuntersuchung sei überflüssig, so schreibt er, das bestätige einem sogar die Deutsche Röntgengesellschaft. Oft werde bei Rückenschmerzen nur deshalb durchleuchtet, weil Fachärzte sich ein Röntgengerät in die Praxis gestellt hätten, das sich durch häufige Anwendung amortisieren müsse. Aber müssen sich nicht auch Grönemeyers Geräte durch häufige Anwendung amortisieren? Die Kritik an den stümpernden Kollegen wäre denn auch noch durchschlagender ausgefallen, wenn Grönemeyer nicht nur die Chancen, sondern auch die Risiken seiner eigenen Therapien transparenter gemacht hätte (im Sinne von Gerd Gigerenzer: "Das Einmaleins der Skepsis". Über den richtigen Umgang mit Zahlen und Risiken. Berliner Taschenbuchverlag, Berlin 2004. 406 S., br., 10,50 [Euro]). Wir möchten dem Buch ja gerne glauben, daß viele Rückengeschädigte nach Bochum pilgern, die bereits eine Odyssee durch die Arztpraxen und Kliniken der Republik hinter sich haben. Aber wie viele von denjenigen, die in Grönemeyers Auffanglager therapiert werden, müssen dann ihrerseits wieder weiterpilgern und sich anderswo nachbehandeln lassen? Der Bestseller weiß es präzise nicht zu sagen. Dafür findet sich hinter den Bildnachweisen ganz am Ende des Buches ein Kästchen mit dem lakonischen Hinweis: eine Haftung des Autors oder des Verlags "für Personen-, Sach- oder Vermögensschäden" sei ausgeschlossen.

CHRISTIAN GEYER

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Besprechung von 26.01.2006
Frisch, unfromm, fröhlich, frei
Petrarcas grandioser Dialog mit Augustinus: „Mein Geheimnis”
Ein Feingeist findet die Welt zum Kotzen: „Wer könnte den Ekel und den alltäglichen Überdruß in meinem Leben angemessen beschreiben, die traurigste und unruhigste Stadt der Erde, die engste, unterste Bilge” - ein Schiffsraum, auf dessen Boden Brackwasser steht und stinkt -,„die überquillt vom Schmutz der ganzen Welt? Wer könnte in Worte fassen, was ringsher den Brechreiz erregt: stinkende Gassen, dreckige Schweine und geifernde Hunde, der Krach von Rädern, die gegen die Mauern schlagen, Fahrzeuge, die sich quer über die Seitenstraßen schieben; eine Unzahl verschiedener Arten von Menschen, so viele entsetzliche Erscheinungen von Bettlern, so viele Exzesse der Reichen: jene festgebannt vom Elend, diese dahingetrieben von lustvoller Ausschweifung; schließlich so viel Streit und so verschiedenartige Betriebsamkeit, soviel Geschrei und Stimmengewirr und Gedränge von Leuten, die gegeneinander anrennen? All dies erschöpft die Sinne, die bessere Dinge gewohnt sind, raubt edlen Geistern die Ruhe und behindert das Studium der schönen Künste”.
Wie weit es her ist mit einem Weltekel, der aus so wohlgesetzten Worten eine adrette Beschwerdeliste zu fügen weiß, bleibt die Frage. Was Francesco Petrarcas zwischen 1347 und 1353 verfassten Dialog „Secretum meum”, dem der zitierte Passus entstammt, zu einem schlechthin grandiosen Text macht, ist, dass er die Rhetorik des Abscheus über die Welt auf die Spitze treibt und doch die so geschärfte Spitze abbricht, indem er auch dem Abscheu über den Abscheu noch Stimme verleiht: und zwar die des Kirchenvaters Augustin. Der heilige Mann muss sich indes von Petrarca eine Umdeutung gefallen lassen, wie sie so frisch, unfromm, fröhlich, frei nur die Renaissance zustande brachte. Augustinus, dem die Tugenden der Heiden nichts als glänzende Laster waren und der erheblichen Beitrag zur Erosion der antiken Bildung leistete, wird bei Petrarca zu einer Dialogfigur, welcher die Heilige Schrift nurmehr unter ferner liefen rangiert; gerade einmal drei Bibelverweisen in dem Dialog stehen mehr als sechzig Zitate aus der römischen Literatur gegenüber.
Dies Zahlenverhältnis klärt Entscheidendes hinsichtlich der Proportionen innerhalb jener intellektuellen Formation, die als „christlichen Humanismus” zu bezeichnen man sich seit langem angewöhnt hat. Noch über alle antiken Autoritäten stellt sich in ihr aber eine Gestalt, deren Geburtsurkunde in „Secretum meum” zu sehen vielleicht doch keine ganz haltlose Übertreibung ist: das neuzeitliche „Individuum”. Der stolze Satz, den Petrarca allen Anwürfen Augustins entgegenhält: „in me autem singularia quedam sunt”, „bei mir aber sind bestimmte Dinge einzigartig”, hat jedenfalls ein epochales Echo gefunden. Was solchen Stolz beglaubigt, was ihn tief statt dumpf macht, ist dies: er verdankt sich dem Zweifel, nicht fauler Selbstgewissheit. Dass die Geschichte des europäischen Geistes die seiner Selbstbefragung ist, lehrt neben dem platonischen Sokrates, dem Descartes der Meditationen und Nietzsche kein Autor so eindringlich wie Petrarca in diesem Dialog.
Die neue Übertragung von Gerhard Regn und Bernhard Huss hat Schwächen. „Sapienter” sollte man wohl kaum mit „Das ist klug” übersetzen bei einem Autor, der aller antischolastischen Haltung zum Trotz noch zwischen Klugheit („prudentia”) und Weisheit („sapientia”) zu scheiden wusste; zumal Bezug der Stelle zu Anfang des zweiten Buches die Hoffnung auf Gott ist - auf die Ewigkeit, welche laut der philosophischen Tradition Gegenstand gerade nicht der Klugheit, sondern der Weisheit ist.
Darauf, dass das gute deutsche Wort „Gefahr” oder meinethalben die „Gefährdung” in den Werbeprospekten der Versicherer nahezu vollständig zugunsten von „Risiko” ausgemerzt ist, kann ich mir einen Reim machen; weshalb aber die Inflation dieses Terminus nicht zum Halten kommt im Kopfe eines Übersetzers des lateinischen „periculum” in Petrarcas Dialog, durch jene deutschen Worte doch durchaus angemessen wiederzugeben, ist mir nicht so leicht erfindlich. Da der lateinische Text parallel zur Verdeutschung abgedruckt ist, kann man sich freilich jederzeit des originalen Wortlautes versichern; und einen annehmbaren Reiseführer durch den abenteuerlichen Text bieten Übertragung, Kommentar und Nachwort dieser Ausgabe durchaus.
ANDREAS DORSCHEL
FRANCESCO PETRARCA: Secretum meum. Mein Geheimnis. Lateinisch - Deutsch. Herausgegeben, übersetzt und mit einem Nachwort von Gerhard Regn und Bernhard Huss. Dieterich’sche Verlagsbuchhandlung, Mainz 2005. 544 Seiten, 19 Euro.
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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Andreas Dorschel ist nicht ganz einverstanden mit der Übertragung dieser "Geburtsurkunde" des neuzeitlichen Individuums. Seine Bedenken bringt er in einer Polemik gegen die Gewohnheit der Übersetzer zum Ausdruck, aus dem lateinischen Verbum "periculum" immerzu das "Risiko" zu machen, als wär?s der Text einer Versicherungsgesellschaft - wo doch die "Gefahr" wörtlich gemeint ist. Gleichwohl: Das zwischen 1347 und 1353 verfasste "Secretum meum (Mein Geheimnis)" von Petrarca, das auch eine sehr selbstbewusste Auseinandersetzung des Autors mit Augustinus beinhaltet und - in sehr wohlgesetzten Worten - die "Rhetorik des Abscheus über die Welt auf die Spitze treibt", ist laut Dorschel trotzdem ein Muss. Und auch die Arbeit der Übersetzer sei im Verbund mit dem lateinischen Orginaltext, dem Kommentar und dem Nachwort als "Reiseführer" durchaus zu gebrauchen, schließt der Rezensent versöhnlich.

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