Raus aus Amal - Alexandra Dahlström/Rebecka Liljeberg
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Ein talentiertes und in seiner skandinavischen Heimat höchst erfolgreiches Debut ist dem 30jährigen Schweden Lukas Moodysson mit diesem sensibel frischen, völlig unverkrampften Film über emotionale Probleme und Sehnsüchte Heranwachsender gelungen. "Raus aus Amal" hat in Schweder knapp unter einer Mio. Besucher gehabt und damit nicht weniger als "Titanic". Auf der Berlinale galt er fast als Geheimtip, bakam eine lobende Erwähnung der Jury des Internationalen Filmkunsttheaterverbands und den Teddy als Bester Film von der Jury der schwul-lesbischen Festivalmacher. Hierzulande dürfte das…mehr

Produktbeschreibung
Ein talentiertes und in seiner skandinavischen Heimat höchst erfolgreiches Debut ist dem 30jährigen Schweden Lukas Moodysson mit diesem sensibel frischen, völlig unverkrampften Film über emotionale Probleme und Sehnsüchte Heranwachsender gelungen. "Raus aus Amal" hat in Schweder knapp unter einer Mio. Besucher gehabt und damit nicht weniger als "Titanic". Auf der Berlinale galt er fast als Geheimtip, bakam eine lobende Erwähnung der Jury des Internationalen Filmkunsttheaterverbands und den Teddy als Bester Film von der Jury der schwul-lesbischen Festivalmacher. Hierzulande dürfte das Arthose-Publikum, ob jugendlich oder erwachsen, seine helle Freude an dem kurzweiligen, humor- und verständnisvollen Film haben.

Mit den aus unserem Kino- und Fernsehprogramm sattsam bekannten Hollywood-Teenie-Soaps hat "Raus aus Amal" absolut nichts zu tun. Lukas Moodysson setzt auf größtmöglichen Realismus in seiner mit Charme und Einfühlsamkeit erzählten Fiktion. In der schwedischen Kleinstadt Amal herrscht, vor allem für Jugendliche, Langeweile: Schule, Elternhaus und nichts weiter. die 15jährige Elin (Alexandra Dahlström) träumt davon, eines Tages ein Star zu werden und dann endlich raus aus Amal zu kommen. Die 16jährige Agnes (Rebecca Liljeberg) ist erst knapp zwei Jahren in dem Kaff und tut sich mit Kontakten und Freundschaften immer noch schwer. Sie bewundert Elin nicht nur wegen ihres guten Aussehens, sondern vor allem auch wegen ihrer aufmüpfigen Art und dem energischen Charme, mit dem sie die Jungs der Gegend um den Finger wickelt. Agnes möchte Psychologin werden und ist reifer, als ihre besorgten Eltern wahrhaben wollen, die in ihr immer noch das Kind mit Kuscheltieren sehen. Sie sind es auch, die Agnes eine Geburtstagsparty ausrichten, zu der niemand kommt außer plötzlich doch noch Elin mit ihrer etwas älteren Schwester Jessica. Als die beiden in Agnes' Computertagebuch entdecken, daß dort von deren heimlicher Zuneigung zu Elin zu lesen ist, hecken sie einen spontanen Streich gegen das zurückhaltende Mädchen aus. In der Schule wird Agnes in den folgenden Tagen als Lesbe gehänselt, worauf hin sie in ihrer Verzweiflung einen rührend hilflosen Selbstmordversuch unternimmt, den Elin im letzten Moment aufhalten kann.

Es ist bewundernswert, mit welcher Natürlichkeit und Leichtigkeit Moodysson seinen Film inszeniert, und wie ungezwungen und frei die Mädchen agieren. Das macht die Story, die man natürlich auch mit einem hoch erhobenen Zeigefinger erzählen kann, so wahrhaftig und glaubwürdig. Zwischentöne, Unaussprechliches, Emotionen werden auf der Leinwand spürbar, und daß die rastlose, energiegeladene Elin nachzudenken beginnt über Agnes und dabei ihre Gefühle für sie entdeckt, ist ebenso glaubwürdig wie amrührend. Lukas Moodysson führt seine Teenager nicht als Barbie-Puppen vor, sondern nimmt sie ernst, läßt sich auf sie ein und überzeugt so auch sein Publikum. fh.
Quelle/Copyright: Entertainment Media Verlag

Bonusmaterial

Kinotrailer, Bio- und Filmografien, Produktionsnotizen, Fotogalerie, Trailer, DVD-ROM-Teil
  • Produktdetails
  • EAN: 4010324020673
  • Best.Nr.: 10055857
  • Artikeltyp: Film
  • Anzahl: 1
  • Datenträger: DVD
  • Erscheinungstermin: 11. April 2001
  • Hersteller: EuroVideo
  • FSK: Freigegeben ab 12 Jahren gemäß §14 JuSchG
  • Sprachen: Deutsch, Schwedisch
  • Untertitel: Deutsch
  • Regionalcode: 00
  • Bildformat: 1:1, 66
  • Tonformat: Dolby Digital 2.0
  • Gesamtlaufzeit: 90 Min.
Rezensionen
Besprechung von 04.12.1999
Fliehkräfte
Im Kino: "Raus aus Åmål"

Agnes ist Vegetarierin. Zur Geburtstagsparty aber hat ihre Mutter ein großes Roastbeef vorbereitet, um den Eingeladenen zu imponieren. Kein Wunder, dass die nun Sechzehnjährige, die sich gar nicht feiern lassen will, bockt und trotzt. Seit zwei Jahren lebt Agnes in der Kleinstadt Åmål, aber eine Freundin hat sie nicht gefunden. Zu Elin fühlt sie sich auf irritierende Weise hingezogen, aber die hat für Agnes nur Missachtung und Spott.

Diese Elin, erst vierzehn, aber viel abgeklärter wirkend als die dunkelhaarige und vom Ernst umdüsterte Agnes, ist genau deren Gegenteil: ungebärdig in ihrem Lebenshunger, unstet in ihren Gefühlen, ziellos in ihrer Rastlosigkeit. Stolz stellt die blonde Range ihren Busen in weit ausgeschnittenen T-Shirts zur Schau, während die scheue Agnes ihren Körper lieber in dickem Flanell verbirgt. Dass die Leute sie für lasterhaft halten, stört Elin nicht. Dass sie selbst nicht weiß, wohin mit sich, macht ihr weit mehr zu schaffen. Ungestüm rennt sie gegen die Wälle der Provinz an, von denen sie sich umstellt fühlt. Das Vorbild der zwei Jahre älteren Schwester, die sich mehr und mehr mit der Enge um sie herum abzufinden scheint, ist Elin ein Graus. Sie will nur eines und das unbedingt: "Raus aus Åmål".

Rüder, aber den Jargon der Halbwüchsigen entschiedener treffend hat der Schwede Lukas Moodysson, der sich damit vom Lyriker zum Drehbuchautor und Regisseur mauserte, seinen ersten Film betitelt. "Fucking Åmål" verzichtet auf jedes erwachsene Besserwissen und nimmt die Perspektive von Agnes, Elin und ihren Mitschülern ganz ernst. Mit behender Handkamera, aber ohne das Dogmen-Trara der Lars von Trier & Co. beschreibt der Film die Fliehkräfte der Pubertät: wie Überschwang jäh umschlägt in Überdruss, wie Verletzlichkeit sich wappnet durch Verletzenwollen und wie auf der anderen Seite die bestgemeinte Fürsorge der Eltern sich zur umfassenden Pein auswächst. Und dass ein Mädchen sich in ein anderes Mädchen fast heillos verlieben kann, ist dem Film und dem alltagsnahen Spiel von Alexandra Dahlström und Rebecca Liljeberg kein spekulatives Thema, sondern eine Selbstverständlichkeit. Zwar braucht es viele Schritte vor, wieder zurück und abermals voran, bis Agnes und Elin sich selbst, der anderen und allen übrigen ihre ungefügige Liebe eingestehen. Aber nicht nur sie lernen dabei, sich zu behaupten: Der Zuschauer lernt mit ihnen, weil er sich, ob Heranwachsender oder schon Erwachsener, in ihnen hervorragend wiedererkennt.

In Schweden war dieser kleine große Film ein immenser Publikumserfolg, mit fast soviel Zuschauern wie "Titanic". Ob er bei uns die Zielgruppe ähnlich erreicht, steht noch dahin. In der regulären Frankfurter Vorstellung, die der Kritiker besuchte, saß nur einer: HANS-DIETER SEIDEL

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