Scorsese über Scorsese - Scorsese, Martin
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Wie kein zweiter hat Scorsese in den letzten 25 Jahren den amerikanischen Film neu erfunden, ihm eine persönliche Handschrift gegeben.

Produktbeschreibung
Wie kein zweiter hat Scorsese in den letzten 25 Jahren den amerikanischen Film neu erfunden, ihm eine persönliche Handschrift gegeben.
  • Produktdetails
  • Filmbibliothek
  • Verlag: Verlag der Autoren
  • 2. Aufl.
  • Seitenzahl: 318
  • Erscheinungstermin: Dezember 1996
  • Deutsch
  • Abmessung: 208mm x 136mm x 27mm
  • Gewicht: 445g
  • ISBN-13: 9783886611638
  • ISBN-10: 3886611639
  • Artikelnr.: 05978737
Rezensionen
Besprechung von 12.08.1997
Haus der Bilder
Selbstgespräche eines Filmemachers: Scorsese über Scorsese

Wenn Martin Scorsese einen Film schneide, liefen ständig Videos, die seine filmische Phantasie stimulieren sollen, erzählte vor Jahren seine Cutterin Thelma Schoonmaker. Doch sogar in seiner Wohnung, so beschreibt es der Regisseur selbst in dem Band "Scorsese über Scorsese", möchte er von Vor-Bildern umgeben sein: "Am liebsten ließe ich sie in Endlos-Schleifen laufen, in jedem Zimmer meines Hauses einen anderen (Film), bei mir stehen nämlich viele Fernseher herum. Das mache ich manchmal, lege verschiedene Bänder ein und laufe einfach herum und schaffe so eine Gesamtstimmung, eine Gesamtatmosphäre." Wollte Scorsese seine Lieblingsfilme auf eine einsame Insel mitnehmen, brauchte er wohl ein Frachtschiff.

1989 erschien das von den britischen Filmpublizisten Ian Christie und David Thompson herausgegebene Buch "Scorsese on Scorsese" in der Originalausgabe. Im letzten Jahr wurde es aktualisiert, so daß auch der bisher letzte Film des Regisseurs, "Casino", Berücksichtigung fand. Nun liegt die deutsche Ausgabe vor und macht dem Mißstand ein Ende, daß hierzulande der bereits elf Jahre alte (und überdies vergriffene) Band der Hanser-Filmreihe noch immer als das Maß aller Dinge über den bedeutendsten amerikanischen Filmemacher der Gegenwart gelten mußte.

Abgesehen von kurzen Einführungen sowie gelegentlichen Ergänzungen, erteilen Christie und Thompson Scorsese das Wort, um ihn über sein Leben und seine Arbeit Auskunft geben zu lassen. Es ist faszinierend und aufschlußreich zugleich, Scorseses Gedankenstrom zu folgen, der oft ebenso ungestüm ist wie sein Redefluß und in den immer wieder Erinnerungen an seine Kindheit im New Yorker Stadtteil Little Italy, Analysen anderer Filme und Reflexionen über die eigene Arbeit einfließen. Das Kino wird dabei als jene Inspirationsquelle erkennbar, die am heftigsten und ergiebigsten sprudelte; aber es gab auch andere. So mündete die unentwegte Beschäftigung mit der eigenen Religiosität, die im Buch immer wieder zur Sprache kommt, folgerichtig in die Kazantzakis-Verfilmung "Die letzte Versuchung Christi", und Scorsese verbrachte offenkundig viel mehr Zeit mit der Recherche der historischen Gegebenheiten als mit dem Studium von Bibelfilmen. Dieses Verantwortungsgefühl gegenüber der Wirklichkeit dürfte der Hauptgrund sein, warum Filme wie "Taxi Driver", "GoodFellas" und "Zeit der Unschuld" nie in artifizieller Innenschau verharren, sondern stets profunde Lebenserfahrungen vermitteln.

Christies und Thompsons Politik der Nichteinmischung gibt dem Leser zwar die Möglichkeit, Scorsese gewissermaßen von innen kennenzulernen, zugleich aber führt sie zu erheblichen Defiziten. Die Herausgeber haben ihre Fragen an den Regisseur herausgestrichen und seine Antworten zu einem Text kombiniert. So fühlt man sich beim Lesen oft wie auf einer Straße, deren Brücken gesprengt wurden: Am Ende vieler Absätze tun sich Klüfte auf, und es erfordert bisweilen weite Gedankensprünge, um den Übergang zu schaffen. Erschwert wird dies noch, wenn - wie in einer Passage über "Wie ein wilder Stier" - die Reihenfolge des Arbeitsprozesses an einem Film umgekehrt und die Tonmischung vor der Schauspielerführung behandelt wird.

Als die Originalausgabe erschien, war die Kontroverse um "Die letzte Versuchung Christi" kaum abgeklungen, und so ist es verständlich, daß diesem Film ein Schwerpunkt gewidmet wurde. Heute wirken die insgesamt fünfzig Seiten über die Kazantzakis-Adaption, denen lediglich gut fünfzehn Seiten über "GoodFellas" gegenüberstehen, jedoch unverhältnismäßig. Hingegen zählt die Passage über "Zeit der Unschuld", die in der aktualisierten Ausgabe hinzugekommen ist, zu den stärksten des Buches, vermittelt sie doch überaus eindringlich, mit welcher Akribie und Unnachgiebigkeit der Regisseur an einem Film arbeitet.

An dieser Sorgfalt, die Scorsese immer ausgezeichnet hat, mangelt es der deutschen Ausgabe dieses Buches leider gänzlich. Die Übersetzung ist gelegentlich bis zur Sinnentstellung unpräzise. Unbegreiflich sind einige Eingriffe in den Text: Warum wird William Cameron Menzies, im Original korrekt als Regisseur des Films "Things to Come" genannt, auf seine Funktion als Ausstatter reduziert, die er bei dieser Produktion auch ausübte? Kunterbunt geht es bei der Schreibweise der Namen zu: In einer Fußnote von sechs Zeilen Länge werden gleich drei Namen entstellt, und dabei hat es Ryan O'Neal, auch wenn er seit einiger Zeit von der Bildfläche verschwunden ist, wahrlich nicht verdient, daß aus ihm "Ryan O'Neill" wird. Einige dieser Fehler, das soll nicht verschwiegen werden, finden sich bereits im Original.

Die Streichung des Registers mutet beim Buch über einen Regisseur, der sich immer wieder auf die Arbeit anderer Filmkünstler bezieht und deutlich macht, wieviel er ihnen verdankt, fast wie eine Todsünde an. Zudem bringt es den Leser um die Möglichkeit, bei Personen, die im Text nur mit ihrem Nachnamen genannt werden, herauszufinden, um wen es sich handelt: Wenn "Korda" erwähnt wird, dann ist auch bei aufmerksamer Lektüre zunächst nicht klar, wer genau aus jener Familie gemeint ist, die gut eine Handvoll Filmschaffender hervorgebracht hat. So bleibt das betrübliche Fazit: Wer sich mit Scorsese beschäftigen möchte, sollte die Originalausgabe dieses Buches kaufen. LARS-OLAV BEIER

David Thompson und Ian Christie (Hrsg.): "Scorsese über Scorsese". Aus dem Amerikanischen übersetzt von Renate Gehlen. Verlag der Autoren, Frankfurt am Main 1997. 320 S., br., 36,- DM.

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"Mein Vorbild ist Martin Scorsese." Quentin Tarantino "Kaum einer kann so wahrhaftig, kurzweilig, glühend, klar und sympathisch über Film sprechen wie Scorsese. Und kaum einer versteht soviel davon." Dominik Graf, Süddeutsche Zeitung