12,00
versandkostenfrei*
Preis in Euro, inkl. MwSt.
Sofort lieferbar
0 °P sammeln

  • Broschiertes Buch

Jetzt bewerten

Emil Nolde zählt zu den großen Künstlern der Moderne. Seine ausdrucksstarken, farbintensiven Gemälde und Aquarelle gehören zum Bilderkanon unserer Zeit. Die erfahrene Biographin Kirsten Jüngling legt die erste große Nolde-Biographie vor und wirft einen neuen Blick auf dieses bemerkenswerte Künstlerleben, in dem sich die großen Umbrüche der Hälfte des 20. Jahrhunderts spiegeln.…mehr

Produktbeschreibung
Emil Nolde zählt zu den großen Künstlern der Moderne. Seine ausdrucksstarken, farbintensiven Gemälde und Aquarelle gehören zum Bilderkanon unserer Zeit. Die erfahrene Biographin Kirsten Jüngling legt die erste große Nolde-Biographie vor und wirft einen neuen Blick auf dieses bemerkenswerte Künstlerleben, in dem sich die großen Umbrüche der Hälfte des 20. Jahrhunderts spiegeln.
  • Produktdetails
  • Ullstein Taschenbuch Nr.37706
  • Verlag: Ullstein Tb
  • Seitenzahl: 351
  • Erscheinungstermin: 14. Juli 2017
  • Deutsch
  • Abmessung: 185mm x 120mm x 25mm
  • Gewicht: 249g
  • ISBN-13: 9783548377063
  • ISBN-10: 3548377068
  • Artikelnr.: 47072588
Autorenporträt
Jüngling,
Die Publizistin Kirsten Jüngling, geboren 1949, schrieb hochgelobte Biographien über Elly Heuss-Knapp, Elizabeth von Arnim, Frieda von Richthofen, Franz und Maria Marc, Katia Mann sowie die Doppelbiographie über Schillers Frau Charlotte und deren Schwester Caroline von Lengefeld. 2008 legte sie die erste Biographie von Heinrich Manns Ehefrau Nelly vor. Zuletzt erschien ihre Biographie über Emil Nolde. Kirsten Jüngling lebt in Köln.
Rezensionen
„Mit umfangreichen Archivstudien nimmt Jüngling erstmals in dieser Gründlichkeit den ganzen Nolde in den Blick.“, Deutschlandradio Kultur, Eva Hepper, 09.01.2014

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

War Nolde nun Nazi oder nicht? Julia Voss empfiehlt Kirsten Jünglings Nolde-Biografie zur Beantwortung dieser Frage. Laut Voss informiert die Autorin nicht nur detailreich und kurzweilig über Leben und Werk des Malers, sondern auch über seine wechselnden Freunde (zu denen Goebbels zeitweise zählte) und Feinde wie auch seine Rezeption. Sie unterzieht zudem Noldes autobiografische Schriften einer editionsgeschichtlichen Untersuchung. Allein die Erkenntnis, was wann daraus gestrichen wurde, scheint Voss eine recht erhellende zu sein.

© Perlentaucher Medien GmbH
Besprechung von 10.02.2014
Meine Kunst ist deutsch, stark, herb und innig

Seinen Erfolg als Maler hat er sich erkämpft. Den Nationalsozialisten steht er nahe. Dann werden sein Bilder für "entartet" erklärt: Neue Bücher über Emil Nolde zeigen, dass sich Opfer und Täter unter den Künstlern nicht immer leicht scheiden lassen.

Zu Emil Nolde, dem expressionistischen Maler, der 1956 in Seebüll starb, sind jetzt gleich drei Bücher erschienen: eines für jugendliche Leser, die beiden anderen für Erwachsene. Spontan greift man zuerst zum Jugendbuch, in der Hoffnung, dort am schnellsten Auskunft zu erhalten. Das ist ja das Versprechen der Jugendbücher: dass sie eine Geschichte oder einen Sachverhalt besonders anschaulich darstellen und damit den Einstieg in ein Thema ermöglichen.

Es verhält sich allerdings genau umgekehrt. Ausgerechnet das Jugendbuch, das in einer Reihe mit dem Titel "Junge Kunst" erschienen ist, lässt den Leser eher verwirrt und mit vielen Fragen zurück. Und wer nach Antworten sucht, der sollte gleich zu den beiden anderen Neuerscheinungen greifen: Zum einen die Nolde-Biographie der Publizistin Kirsten Jüngling, zum anderen ein hervorragender Sammelband über "Ausstellungswesen und Sammlungspolitik in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg", der aus einer kunsthistorischen Tagung am Kölner Museum Ludwig hervorgegangen ist.

Was macht das Jugendbuch "Emil Nolde" so verwirrend? Auf knapp vierzig reich bebilderten Seiten wird darin die künstlerische Entwicklung von Nolde vorgestellt, angehängt ist zudem eine Kurzbiographie, außerdem einige Briefe, Aufzeichnungen und andere Dokumente. Irritierend macht die Lektüre weniger der Text, der im Buch steht, als jener, der fehlt. Denn natürlich ist der Teil der Biographie, den das Buch erzählt, ganz richtig: Emil Nolde wurde als Hans Emil Hansen 1867 in Nordschleswig geboren. Die Karriere als Künstler wird ihm nicht in die Wiege gelegt, er muss sie sich erstreiten. Erst gegen den Vater, einen Landwirt, dann gegen die Münchner Kunstakademie, gegen Franz von Stuck, der seine Bewerbung ablehnt.

Es ist der Erfolg einer Serie von selbst gemalten Bergpostkarten, die Nolde in hoher Auflage drucken lässt, die ihm den finanziellen Rückhalt gibt, sich für den Beruf Künstler zu entscheiden. Private Malschulen ebnen weiter den Weg. Nolde malt sich durch zahlreiche Gattungen: Landschaften, Gärten und Sagen und Mythen, Bibelmotive, Nachtleben, die Südsee. Er liebt seine Heimat und unternimmt doch große Reisen, nach Neuguinea, in die Schweiz, nach Dänemark, Italien, Schweden, England, Frankreich und Spanien. Was Nolde zu Papier oder auf die Leinwand bringt, erstrahlt in glühender Farbigkeit. Die zum Teil innovativen Maltechniken Noldes sind auch Thema des Jugendbuchs. Der Ton ist meist sachlich, die gängigen Künstlerklischees werden dennoch bemüht. Als Nolde etwa 1907 aus der Künstlervereinigung "Die Brücke" wieder austritt, nachdem man zuvor heftig um ihn geworben hatte, heißt es: "Nolde blieb der Einzelgänger, der seinen Weg als Künstler alleine gehen wollte."

"Einzelgänger", "alleine gehen" - das ist ein häufig bemühtes Bild, es entspricht dem Ideal künstlerischen Schaffens, das möglichst unangepasst und unabhängig sein soll. Aber passt es zu Nolde? Um zu wissen oder wenigstens schon gehört zu haben, dass es durchaus eine Bewegung gab, der sich Nolde gern angeschlossen hätte, muss man kein Kenner sein: Die Rede ist vom Nationalsozialismus. Bei wem sich allerdings ein Da-war-doch-noch-etwas-Gefühl einstellt, bleibt damit bei diesem Buch allein. Die einschlägigen Fakten werden im schnellen Slalom umfahren. Da heißt es etwa lapidar: "Noch wenige Jahre zuvor hatte Nolde gehofft, vom nationalsozialistischen Regime anerkannt zu werden, doch wurden 1937 in den deutschen Museen 1052 seiner Arbeiten im Rahmen der Aktion gegen die sogenannte ,entartete Kunst' beschlagnahmt und öffentlich diffamiert." Später noch die Stelle : "Als dänischer Staatsbürger wird Nolde Mitglied der 1935 in Nordschleswig gegründeten NSDAP-N." Das war's. Mehr sollen jugendliche Leser offensichtlich nicht über Nolde und den Nationalsozialismus erfahren.

Wer Aufklärung sucht, kann zum Glück zu Kirsten Jünglings Biographie greifen. Auf knapp dreihundert Seiten erzählt die Autorin klug und kurzweilig Noldes Leben. Zudem hat sie sich die Mühe gemacht, die "Editionsgeschichte von Noldes autobiographischen Schriften" zu untersuchen, das heißt nachzuprüfen, was aus seinen Lebenserinnerungen wann gestrichen wurde. Anschaulicher kann man Nolde und dessen wechselndes Verhältnis zum Nationalsozialismus nicht beschreiben. Nur ein Beispiel: "Jahre der Kämpfe" hieß 1934 eine von ihm selbst verfasste Schrift, in der er feststellte, die Juden hätten "als Leistung die Bibel und das Christentum" und "durch ihre unglückselige Einsiedelung in den Wohnstätten der arischen Völker und ihre starke Teilnahme in deren eigensten Machtbefugnissen und Kulturen" sei "ein beiderseitig unerträglicher Zustand entstanden". Diese Passage wurde in der zweiten Auflage, die nach Noldes Tod 1956 erschien, gestrichen. Verantwortlich dafür war die Stiftung Seebüll, die bis heute Noldes umfangreichen Nachlass verwaltet.

In die große Schublade des Vergessens hoffte man über die Jahre noch mehr Unrat stopfen zu können. Jüngling zitiert aus einem Brief von Werner Haftmann, der 1963 an Bernhard Sprengel schrieb, Joachim von Lepel, der erste Vorsitzende der Stiftung Seebüll, habe ihn beschworen, die "Nazi-Vergangenheit Noldes" zu verschweigen und "doch ja jeden Hinweis darauf in meinem Buch zu streichen". In der Rückschau schildert Haftmann damit die Entstehungsgeschichte seines opulenten Bildbands "Emil Nolde", der fünf Jahre zuvor publiziert worden war.

Schließlich zitiert Jüngling auch aus dem bekannten Brief an Joseph Goebbels, in dem sich Nolde 1938 brüstet, "als fast einzigster deutscher Künstler" bereits früh "gegen das unsaubere Kunsthändlertum und gegen die Machenschaften der Liebermann- und Cassirerzeit" gekämpft zu haben. Sein künstlerisches Schaffen will er als Beitrag zum Nationalsozialismus verstanden wissen: "Als der Nationalsozialismus auch gegen mich und meine Kunst die Benennungen ,entartet' und ,dekadent' prägte, empfand ich dies sehr als Verkennung, denn es ist nicht so, meine Kunst ist deutsch, stark, herb und innig." Vorausgegangen war diesem Schreiben die bereits erwähnte Beschlagnahmeaktion "Entartete Kunst". Als die gleichnamige Schau 1937 in München eröffnete, war Nolde der Künstler, der mit den meisten Bildern vertreten war. Die Widersprüche enden damit allerdings nicht, wie ein Blick auf die Verkaufszahlen und Einnahmen zeigt. Die offizielle Diffamierung wirkte sich nicht geschäftsschädigend aus. Wie Jüngling berichtet, verdoppelte sich 1937 Noldes Einkommen auf über fünfzigtausend Reichsmark, ein hoher Stand, den Nolde 1940 wieder erreichte, woraufhin er Malverbot erhielt.

War Nolde also nun Opfer oder Täter? War er Vertreter des Nationalsozialismus - oder Verfolgter? Noldes Drama muss man rückblickend wohl so zusammenfassen: Nach der Schau von 1937 errang Nolde nicht mehr die Anerkennung, auf die er zuvor hatte hoffen können. 1933 hatte sich Joseph Goebbels seine Dienstwohnung noch mit Werken von Emil Nolde ausstatten lassen, 1934 hatte der Propagandaminister ein Werk von Ernst Barlach für die Büros seines Ministeriums erworben; bis 1936 war in den nationalsozialistischen Organisationen darüber gestritten worden, ob der "Nordische Expressionismus" zur Staatskunst tauge. Das anti-moderne Lager setzte sich durch, von 1937 an gehörte Nolde zu den "Entarteten" - und was er bis 1945 als Unglück empfand, wurde nach 1945 sein Glück.

Wie Nolde schließlich in der jungen Bundesrepublik doch noch zu einer Art Staatskünstler aufstieg, kann man schließlich in dem Sammelband von Julia Friedrich und Andreas Prinzing nachlesen. Stadt für Stadt, Bundesland für Bundesland wird hier die Erfolgsgeschichte der Moderne im Nachkriegsdeutschland erzählt. Noldes Werkes wurden, wie die Durchsicht der Beiträge zeigt, flächendeckend im Westen angekauft und gezeigt. Die Schattenseiten seiner Biographie teilte er mit vielen Deutschen, darunter auch Kunsthistoriker, Museumsdirektoren und Kuratoren. Nolde wurde zum Star einer Generation von Museumsmachern, die ihrerseits häufig wenig Interesse hatten, ihr Engagement im Nationalsozialismus offenzulegen. Zu Recht fragt daher der Kunsthistoriker Christian Fuhrmeister in seinem Beitrag mit Blick auf die Zeit nach 1945: "Für wen hatte die Beschäftigung mit der ,Moderne' eine entlastende Funktion, für wen wurde sie zu einem temporären Versteck?"

Wer sich also über Noldes Leben und Werk informieren möchte, über die Rezeption, seine wechselnden Feinde, Freunde und Verteidiger, der findet sowohl in Jünglings Biographie als auch in dem Sammelband viel Stoff. Das Jugendbuch hat eine Chance vertan: Ein Buch, das sich auch den dunklen Seiten von Nolde stellt, wäre in jeder Hinsicht die bessere Wahl gewesen. Faktenreicher - und sicherlich auch für jedes Alter spannender zu lesen.

JULIA VOSS.

Kirsten Jüngling: "Emil Nolde". Die Farben sind meine Noten. Biographie.

Propyläen Verlag, Berlin 2013. 352 S., geb., 22,99 [Euro].

Julia Friedrich und Andreas Prinzing (Hrsg.): "So fing man einfach an, ohne viele Worte". Ausstellungswesen und Sammlungspolitik in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg.

Akademie Verlag, Berlin 2013. 240 S., geb., 49,95 [Euro].

"Emil Nolde". Junge Kunst Band 11. Mit Beiträgen von Christian Ring und Hans-Joachim Throl.

Klinkhardt & Biermann Verlag, München 2013. 72 S., Abb., geb., 11,90 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
…mehr