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Einst waren sich die gesellschaftlichen Interessengruppen aller Alpenstaaten einig darüber, dass die Alpen als wichtiger Teil des jeweiligen nationalen Lebens- und Wirtschaftsraums zu betrachten seien. Doch diese Einheit zerbricht mit der Epochenwende des Jahres 1989 und dem Erstarken des neoliberalen Denkens. Aber nach der Jahrtausendwende explodieren die Kontroversen, indem mit Ideen wie »alpiner Brache«, »Wildnis«, »Wasserschloss« oder »Freizeitpark« die alten Alpen-Vorstellungen grundsätzlich infrage gestellt und durch ganz andere Zukunftsbilder ersetzt werden. Der bekannte Alpenforscher …mehr

Produktbeschreibung
Einst waren sich die gesellschaftlichen Interessengruppen aller Alpenstaaten einig darüber, dass die Alpen als wichtiger Teil des jeweiligen nationalen Lebens- und Wirtschaftsraums zu betrachten seien. Doch diese Einheit zerbricht mit der Epochenwende des Jahres 1989 und dem Erstarken des neoliberalen Denkens. Aber nach der Jahrtausendwende explodieren die Kontroversen, indem mit Ideen wie »alpiner Brache«, »Wildnis«, »Wasserschloss« oder »Freizeitpark« die alten Alpen-Vorstellungen grundsätzlich infrage gestellt und durch ganz andere Zukunftsbilder ersetzt werden. Der bekannte Alpenforscher Werner Bätzing, Autor des Standardwerks Die Alpen (vollständige Neubearbeitung März 2015), stellt in dieser Streitschrift pointiert die Leitideen der wichtigsten Alpen-Perspektiven dar, die gegenwärtig diskutiert werden, und bewertet sie kritisch im Hinblick auf die mit ihnen verbundenen Auswirkungen auf die Alpen. Da Bätzing diese Auswirkungen in allen Fällen als problematisch und bedenklich beurteilt - Verlust von Lebens-, Wirtschafts-, Umweltqualität -, skizziert er im letzten Teil dieser Streitschrift eine ganz andere, eine »unzeitgemäße« Perspektive für die Alpen, in der die Alpen als dezentraler Lebens- und Wirtschaftsraum eine Zukunft erhalten sollen.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 14.10.2018

NEUE REISEBÜCHER

Für den Tisch Die Alpen, wie wir sie kennen, sind im Begriff zu verschwinden. So lautet, stark verkürzt, die Botschaft zweier Bücher, die soeben erschienen sind und die Verfallsgeschichte illustrieren. Werner Bätzing, emeritierter Professor für Kulturgeographie, widmet sich in seinem Buch dem "Verschwinden einer Kulturlandschaft". Der Bildband mit wissenschaftlichen Begleittexten befasst sich zunächst allgemein mit Natur und Kultur des Gebirges, um sich dann seiner Modernisierung und Zukunft zu widmen. Massentourismus, Verstädterung und Klimawandel, "dessen Auswirkungen in den Alpen deutlicher zu sehen sind als in vielen anderen Teilen Europas", wie Bätzing schreibt, verändern die Alpen - und wenn man die gegenübergestellten Aufnahmen des Gepatschferners im österreichischen Kaunertal sieht, dann hat man dazu keine weiteren Fragen. Ein Foto aus dem Jahr 1904 zeigt einen riesigen Eisstrom, eines aus dem Jahr 2017 nur noch ein klägliches grauweißes Etwas in einer zerfurchten Kraterlandschaft. Und trotz dieses drastischen Kontrasts bewertet Bätzing "die Verstädterung der Tallagen" als die größte und chaotischste aller Veränderungen. Neue Gewerbegebiete in den alpinen Ballungszentren haben für ihn mehr Auswirkung auf das Bild der Alpen als schmelzende Gletscher auf 3000 Meter. "Die traditionellen Kulturlandschaften", schreibt Bätzing, "verschwinden durch Entsiedelung und durch Zersiedelung, und das, was vom Menschen in den Alpen übrig bleibt", seien austauschbare Formen, "die sich bestenfalls graduell von denen der europäischen Metropolen unterscheiden". Die Heidi-Alm-Romantik, die man als gestresster Großstädter noch immer mit den Alpen verbindet, verwandelt sich mehr und mehr in eine Billig-Einkaufzentren-Architektur. Bätzing schreibt: "Die Realität der Alpen und das ,Alpenbild im Kopf' fallen hier besonders weit auseinander."

Und ganz im Gegensatz zu den überbevölkerten Tälern ziehen sich Menschen "aus peripheren Lagen" mehr und mehr zurück. Diese, laut Bätzing, "Entvölkerung der Hochlagen" ist der Schlüssel zum zweiten alpinen Dekadenzbuch, dem Bildband "Geisterhäuser. Verlassene Orte in den Alpen". Er folgt dem Trend zur Begeisterung für "lost places" und inszeniert auf großformatigen Fotos verfallende Grandhotels, Wildbäder und Casinos, Staudämme, Grenzhäuschen, Minen, Militäranlagen und leerstehende Dörfer in ihrer ganzen destruktiven Pracht. Wenn das nicht alles so wunderschön aussehen würde, könnte man richtig traurig werden. Oder, um es mit Werner Bätzings erschütterndem Fazit zu sagen: "Die Alpen werden bestenfalls noch als Kulisse, Hindernis oder Störfall wahrgenommen."

asl

Werner Bätzing: "Die Alpen. Das Verschwinden einer Kulturlandschaft". Wbg Theiss, 216 Seiten, 38 Euro Stefan Hefele / Eugen E. Hüsler: "Geisterhäuser. Verlassene Orte in den Alpen". Bruckmann, 240 Seiten, 49,99 Euro

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 08.11.2018

Ansichten einer
Kulturlandschaft
Zwei Bücher zeigen die Alpen aus ganz unterschiedlichen
Blickwinkeln. Spannend sind beide
Es liegt nahe, ein Gebirge gleichzusetzen mit Natur. Zumindest für die Alpen ist das aber falsch: Sie sind keine Natur-, sondern eine Kulturlandschaft. Die seit Jahrtausenden geprägt wird von den Menschen, die sie bewohnen und benutzen. So wären die Alpen weitaus stärker bewaldet, als sie es seit langem sind. Erst der Mensch hat viele Hänge gerodet. Gibt er die Landwirtschaft und die Viehhaltung in bestimmten Regionen auf, wachsen die freien Flächen übrigens wieder zu. Das zum Beispiel zeigt Werner Bätzing in seinem Buch „Die Alpen. Das Verschwinden einer Kulturlandschaft“. Es ist die völlig neu überarbeitete Fortführung seines Klassikers „Bildatlas Alpen
“ von 2005.
Bätzing skizziert in dem Band klug und klar, wie die Alpen zu einer Kulturlandschaft geworden sind, welche Facetten diese hat, wie sie sich gewandelt hat und wie sie in der Gegenwart in ihrem Bestand vielerorts bedroht ist. Anschaulich wird dies besonders durch die geschickt gewählten, aussagekräftigen Fotos. Das klingt spröder, als es ist: Wer Bätzing liest, kriegt einen tiefen Begriff von den Alpen. Der emeritierte Kulturgeograf konterkariert und korrigiert damit auch das Bild, das Michael Seeber als Herausgeber von „Kunst Landschaft Tirol“ von den Alpen präsentiert. Seeber zeigt, vor allem mit Gemälden aus der Sammlung Alfons Walde, wie die Alpen überwiegend in der Malerei, aber auch in der Plakatkunst und der frühen Fotografie dargestellt worden sind. Es ist eine Ansicht dieser Gebirgswelt, die der von Bätzing in vielem widerspricht.
Beide jedoch zeigen Wahrheiten. Seeber dokumentiert den Blick von außen. „Kunst Landschaft Tirol“ verdeutlicht, welchen Begriff sich die Menschen aus dem Flachland von diesem Gebirge gemacht haben, und zwar nicht Pragmatiker wie Händler, sondern Künstler. Für sie waren die Alpen erst schrecklich-schön und später wild-romantisch. An diesem Image trägt das Gebirge noch heute. Bätzing indessen besieht sich die Alpen von innen. Spannend ist beides.
STEFAN FISCHER
Werner Bätzing: Die Alpen. Das Verschwinden einer Kulturlandschaft. Wissenschaftliche Buchgesellschaft WBG / Theiss, Darmstadt 2018. 216 Seiten, 38 Euro.
Michael Seeber und Stadtgemeinde Kitzbühel / Museum Kitzbühel Sammlung Alfons Walde (Hrsg.): Kunst Landschaft Tirol. Eine Entdeckungsreise von der Romantik bis zur Gegenwart. Tyrolia Verlag, Innsbruck / Wien 2018. 192 Seiten, 29,95 Euro.
Alexander Kanoldt, anfangs Kubist, später der Neuen Sachlichkeit verpflichtet, porträtiert 1920 Klausen. Zehn Jahre zuvor hat Gustav Jahn Werbung für Arlberg entworfen.
Fotos: Stiftung Museion / Museum für zeitgenössische kunst bozen, Sammlung Arnaldo Loner / Bozen
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