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    Buch mit Leinen-Einband

Hegels Verfassungsschrift war lange Zeit ein Stiefkind der Forschung. Dabei ist dieser zu Hegels Lebzeiten nie veröffentlichte Text ein wahres Ideen-Laboratorium: eine Fülle von Elementen des Hegelschen Staats-, Rechts- und Geschichtsdenkens findet sich hier in verhältnismäßig lockerem Aggregatzustand - spielerisch entfaltet im Rahmen einer Flugschrift (oder Denkschrift). Die mustergültige Textgestalt der Schrift beruht auf der Edition von Kurt R. Meist im Rahmen der historisch-kritischen Ausgabe der Gesammelten Werke Hegels durch die Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften. Hans…mehr

Produktbeschreibung
Hegels Verfassungsschrift war lange Zeit ein Stiefkind der Forschung. Dabei ist dieser zu Hegels Lebzeiten nie veröffentlichte Text ein wahres Ideen-Laboratorium: eine Fülle von Elementen des Hegelschen Staats-, Rechts- und Geschichtsdenkens findet sich hier in verhältnismäßig lockerem Aggregatzustand - spielerisch entfaltet im Rahmen einer Flugschrift (oder Denkschrift). Die mustergültige Textgestalt der Schrift beruht auf der Edition von Kurt R. Meist im Rahmen der historisch-kritischen Ausgabe der Gesammelten Werke Hegels durch die Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften. Hans Maier ordnet in seinem Nachwort die Verfassungsschrift in den historischen Kontext ihrer Entstehung und in das philosophische Werk Hegels ein.
  • Produktdetails
  • Bibliothek des deutschen Staatsdenkens Bd.10
  • Verlag: Beck
  • Seitenzahl: 276
  • Deutsch
  • Abmessung: 204mm x 129mm x 27mm
  • Gewicht: 390g
  • ISBN-13: 9783406489839
  • ISBN-10: 3406489834
  • Artikelnr.: 10224886
Autorenporträt
Dr. phil., Dr. jur. h.c. Hans Maier, geboren 1931, seit 1962 Professor für politische Wissenschaft in München, war von 1970 bis 1986 bayerischer Kultusminister und ist seit 1999 Prof. em. für christliche Weltanschauung, Religions- und Kulturtheorie. Von 1976 bis 1988 war er Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken. Er ist u. a. Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.

Georg Wilhelm Friedrich Hegel, geb. am 27. August 1770 in Stuttgart, gest. am 14. November 1831 in Berlin. Er wuchs in einem pietistischen Elternhaus auf. Vermutlich ab 1776 besuchte Hegel ein Gymnasium in Stuttgart, seit 1784 das Obergymnasium. Seine Interessen waren breit gestreut. Besonderes Augenmerk widmete er der Geschichte, insbesondere der Antike und den alten Sprachen. Ein weiteres frühes Interesse bildete die Mathematik. 1788 nahm Hegel an der Tübinger Universität das Studium der Theologie auf. Im September 1790 erhielt er den Grad eines Magisters der Philosophie, 1793 wurdeihm das theologische Lizenziat verliehen. Hegel profitierte viel von dem intellektuellen Austausch mit seinen später berühmten Zimmergenossen Hölderlin und Schelling. Sie hegten große Sympathie für die revolutionären politischen Ereignisse in Frankreich. Jedoch fand später durch das Scheitern Napoleons eine politische Umorientierung bei Hegel statt. Er wurde ein Anhänger der konstitutionellen Monarchie Preußens und söhnte sich mit den politischen Gegebenheiten aus. Hegels Philosophie erhebt den Anspruch, die gesamte Wirklichkeit in der Vielfalt ihrer Erscheinungsformen einschließlich ihrer geschichtlichen Entwicklung zusammenhängend, systematisch und definitiv zu deuten. In ihrer Wirkung auf die westliche Geistesgeschichte ist sie mit dem Werk von Platon, Aristoteles und Kant vergleichbar. Sein philosophisches Werk Phänomenologie des Geistes aus dem Jahre 1807 zählt zu den wirkmächtigsten Werken der Philosophiegeschichte überhaupt.
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Nachdenklich hat Rezensent Albrecht Cordes dieser Band gemacht, in dem -zweihundert Jahre nach seinem Entstehen der Druck eines Textes Hegels über die Verfassung des Alten Reiches nachgeholt wird. Cordes zufolge geht es darin um die "Spannung zwischen Staat und einer modernen Staatsbildung im Wege stehenden 'alten deutschen Freiheit'", von welcher der Rezensent Hegel dennoch mit Respekt sprechen sieht. Doch betrachtet Cordes seinen Versuch, das Buch einfach von vorne nach hinten durchzulesen, bald als gescheitert. Es klingt ein schüchtern vorgetragener Vorwurf an die Herausgeber an, dass sie den Leser nicht besser durch diese "Baustelle von Hegels Staatsdenken" hindurchgelenkt haben, beispielsweise in dem sie die Fragmente zu einem zusammenhängenden Text kombinierten. Man müsse schon viel Zeit haben und masochistisch veranlagt sein, um sich allein durch Reiner Meists siebzigseitige Erklärung der Textedition samt ihrer Badwurmsätze zu "quälen". Gott sei dank fand der Rezensent dann wenigstens im zwanzigseitigen Nachwort Hans Maiers Hegels Gedanken systematisiert und "eine Auswahl von charakteristischen Fundstellen" zitiert. Erschwert wurde dieser Zugang dann allerdings wieder durch ein unübersichtliches Layout der Seite, das die Suche der Stellen im Text zu einer umständlichen Angelegenheit machte. Auch wenn Cordes der Meinung ist, dass dieser Band dem Leser den Zugang zu seinem Inhalt hätte erleichtern müssen, befindet er zum Schluss, dass sich die Mühe der Einarbeitung in das schwierige Buch lohnt.

© Perlentaucher Medien GmbH
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Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 09.01.2003

Einladung zur Springprozession
Was Georg Wilhelm Friedrich Hegel über die Reichsverfassung dachte, während das Reich unterging
Man stelle sich einen jungen Philosophen vor, der – parallel zur Arbeit an seiner Habilitation – in den Jahren zwischen 1988 und 1990 versucht hätte, ein Buch über die Verfassung der DDR zu schreiben: wie ihm die sich überschlagenden Ereignisse davongelaufen wären, wie er immer wieder neu hätte ansetzen müssen und wie ihm schließlich der Untergang seines Untersuchungsgegenstandes die Feder aus der Hand genommen hätte. Bei Hegels Fragmenten über die Verfassung des Alten Reichs aus den Jahren zwischen 1798 und 1803 fragt man sich bereits, ob es sich wirklich um eine Schrift handelt. Dass er sie schließlich nicht veröffentlichte, sondern sich dauerhafteren Gegenständen zuwandte, ist jedenfalls kein Wunder, und wäre es nicht gerade dieser Autor, so wäre niemand auf die Idee gekommen, die Publikation zweihundert Jahre später nachzuholen. Wozu geschieht dies also heute? Die Hegelforscher werden den großen Bruder des hier zu besprechenden Buches benutzen, den fünften Band der historisch-kritischen Edition von Hegels gesammelten Werken (hrsg. von Manfred Baum und Kurt Rainer Meist, Hamburg 1998). Es bleiben die an Hegel interessierten Nachbardisziplinen und das allgemeine gebildete Publikum, doch diesem Leserkreis und seinem Horizont hätte der Band den Zugang erleichtern müssen.
Hegel ist selbstverständlich keine einfache Kost, und Meist, der auch zu diesem Band die Textvorlage und eine 70seitige Erklärung der Textedition lieferte, hat sich offensichtlich an seinen Protagonisten assimiliert. Man muss schon viel Zeit haben und auch ein wenig masochistisch veranlagt sein, um sich durch Meists Bandwurmsätze zu quälen. Darin erklärt er unter anderem, warum darauf verzichtet wurde, die Fragmente zu einem zusammenhängenden Text zu kombinieren. So wäre eine Geschlossenheit des Gedankengebäudes suggeriert worden, die es in dieser Phase bei Hegel noch nicht gab. Dies sichert dem Leser also den authentischen Hegel – soweit dies überhaupt möglich ist.
Das Bemühen der Herausgeber ist ehrenwert, doch in Wirklichkeit haben sie natürlich doch interpretierend eingegriffen – und es wäre gar nicht möglich, dies ganz zu vermeiden – , indem sie die Fragmente ausgewählt und in Kapiteln angeordnet haben. Warum leiten sie den Leser dann nicht auch durch behutsame und deutlich gekennzeichnete Zusätze durch die Baustelle von Hegels Staatsdenken? Der Versuch des Rezensenten, das Buch einfach von vorn nach hinten durchzulesen, ist jedenfalls gescheitert. Dafür nimmt er eingedenk Lichtenbergs Aphorismus über den hohlen Klang von Büchern und Köpfen sicherheitshalber die Schuld auf sich und liefert lieber die Gebrauchsanweisung, wie er schließlich doch noch Zugang zu dem Text fand.
Den Wegweiser dazu bildete das zwanzigseitige Nachwort von Hans Maier, das Hegels Gedanken schließlich doch systematisiert und eine Auswahl von charakteristischen Fundstellen zitiert. Erschwert wurde dieser Zugang freilich dadurch, dass sich der Umbruch verschoben hat, nachdem Maier auf die Seiten in Hegels Text verwiesen hatte. Die angegebenen Seitenzahlen sind anfangs richtig, in der Mitte um eins und gegen Ende um zwei zu hoch. (Fußnote 36 verweist richtig auf Seite 54, Fußnote 21 auf Seite 60 – richtig: Seite 59, Fußnote 17 verweist auf Seite 66 – richtig: Seite 64; von da an sind zum Auffinden des Zitats immer zwei von der angegebenen Seitenzahl abzuziehen). Mit etwas Geduld findet man aber zu Hegels prägnanten Formulierungen.
Aus Germaniens Wäldern
Die Ergebnisse dieser Springprozession lassen sich mit Maiers Hilfe in etwa so zusammenfassen: Hegel greift wie mit einer Flugschrift dezidiert ins Tagesgeschehen ein; „eine Fülle von Elementen Staats-, Rechts- und Geschichtsdenkens finden sich hier in verhältnismäßig lockerem Aggregatzustand Aber auch abgesehen vom Zeitgeschehen, vom Tribut, den eine politisch angelegte Schrift notwendigerweise an die Tagesaktualität zahlt: Die Verfassungsschrift enthält auch in sich so viele Spannungen, Ungereimtheiten, terminologische Ungleichheiten, unaufgelöste Widersprüche, dass man sie angemessener als eine mit historischen Exkursen angereicherte Zeitdiagnose – durchaus in politisch-therapeutischer Absicht – lesen sollte”.
Es geht um die Spannung zwischen Staat und der einer modernen Staatsbildung im Wege stehenden „alten deutschen Freiheit”, von der Hegel dennoch mit Respekt spricht. Eine besondere Rolle spielt die germanisch- deutsche Vergangenheit vor allem für die Entwicklung des Prinzips der Repräsentation, das Hegel, sich von Rousseau weg- und zu Montesquieu hinwendend, hier in sein geschichtsphilosophisches Weltbild inkorporiert. Das System der Repräsentation existiert zwar noch nicht in „Germaniens Wäldern”, ist aber aus ihnen hervorgegangen. „Der Zusammenhang der Bildung der Welt”, wie der „Weltgeist” hier noch zurückhaltend genannt wird, hat das Menschengeschlecht in die Mitte zwischen den Ausartungen des orientalischen Despotismus einerseits und der römischen Herrschaft einer Republik über die Welt andererseits geführt, „und die Deutschen sind das Volk, aus welchem diese dritte universale Gestalt des Weltgeistes gebohren worden ist”. Dieses Verdienst kommt den Deutschen zu, auch wenn sie – so muss es dem Chronisten des untergehenden Reichs erscheinen – selbst nicht von dieser Entwicklung des repräsentativen Modells profitieren. Dies scheint vielmehr England zu gelingen, das von Hegel in eine germanische Kontinuität gestellt wird.
Von der späteren Apotheose des preußischen Staats ist Hegel also noch ein weites Stück entfernt. Ein Vergleich der Frühschrift mit dem in später in Berlin ausgefeilten System lässt die Zeitbedingtheit seiner Deutung der Weltgeschichte deutlich werden. Viele der Bausteine, aus denen er später sein geschichtsphilosophisches Gebäude errichtet, sind in der Frühschrift bereits zu erkennen. Auch in unbehauenem Zustand entwickeln sie viel von dem Glanz, der die nachfolgenden Generationen faszinierte, aber auch zum macchiavellistischen Missbrauch eingeladen hat. Der Band macht nachdenklich. Er ist nicht leicht zugänglich, doch die Mühe, sich in ihn einzuarbeiten, hat sich gelohnt.
ALBRECHT CORDES
GEORG WILHELM FRIEDRICH HEGEL: Über die Reichsverfassung. Hrsg. von Hans Maier, nach der Textfassung von Kurt Rainer Meist. C.H.Beck, München 2002. 276 Seiten, 44,90 Euro.
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