16,00
versandkostenfrei*
Preis in Euro, inkl. MwSt.
Sofort lieferbar
0 °P sammeln

  • Broschiertes Buch

Jetzt bewerten

"Jedes einzelne von Baumans Büchern in der letzten Dekade kann als Meisterwerk gelesen werden."
Ulrich Beck
"Make America great again", lautet der Leitspruch des amtierenden US-Präsidenten. Nicht "vorwärts" soll es gehen, wie Barack Obama noch im Wahlkampf von 2012 versprochen hatte, sondern zurück zu alter Größe. Die Menschen scheinen die Hoffnung auf ein besseres Leben in der Zukunft aufgegeben zu haben und wenden sich stattdessen einer angeblich guten alten Zeit zu.
In seinem letzten zu Lebzeiten vollendeten Buch untersucht der große Soziologe und Philosoph Zygmunt Bauman die
…mehr

Produktbeschreibung
"Jedes einzelne von Baumans Büchern in der letzten Dekade kann als Meisterwerk gelesen werden."

Ulrich Beck

"Make America great again", lautet der Leitspruch des amtierenden US-Präsidenten. Nicht "vorwärts" soll es gehen, wie Barack Obama noch im Wahlkampf von 2012 versprochen hatte, sondern zurück zu alter Größe. Die Menschen scheinen die Hoffnung auf ein besseres Leben in der Zukunft aufgegeben zu haben und wenden sich stattdessen einer angeblich guten alten Zeit zu.

In seinem letzten zu Lebzeiten vollendeten Buch untersucht der große Soziologe und Philosoph Zygmunt Bauman die Gründe für diese globale Epidemie der Nostalgie. Gut fünfhundert Jahre nach der Veröffentlichung von Thomas Morus' Utopia , so seine These, haben die Nationalstaaten die Fähigkeit eingebüßt, ihre Versprechen auf Wohlstand und Sicherheit einzulösen. Wer in einer globalisierten Welt nach Orientierung sucht, der richtet seinen Blick daher nicht länger auf einen als Ideal verklärten Ort - einen topos -, sondern in eine untote Vergangenheit.
  • Produktdetails
  • edition suhrkamp Bd.7331
  • Verlag: Suhrkamp
  • Seitenzahl: 220
  • Erscheinungstermin: November 2017
  • Deutsch
  • Abmessung: 198mm x 123mm x 25mm
  • Gewicht: 293g
  • ISBN-13: 9783518073315
  • ISBN-10: 3518073311
  • Artikelnr.: 42376892
Autorenporträt
Bauman, Zygmunt
Zygmunt Bauman, geboren 1925 in Posen, gestorben 2017 in Leeds, lehrte zuletzt an der University of Leeds. Er gilt als einer der bedeutendsten Soziologen der Gegenwart und erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Theodor- W.-Adorno-Preis der Stadt Frankfurt am Main (1998) und den Prinz-von-Asturien-Preis (2013).

Jakubzik, Frank
Frank Jakubzik, geboren 1965, übersetzte unter anderem Zygmunt Bauman, G. K. Chesterton, Colin Crouch, Daniel Miller und Franco Moretti.
Rezensionen
"In seinem letzten Essay erweist sich Bauman noch einmal als formulierungsstarker Meisterdenker der Globalisierung."
Romain Leick, Literatur SPIEGEL Nobember 2017
Besprechung von 09.02.2018
Geht alles den Bach runter
Zwei letzte Bücher von Zygmunt Bauman

Blickt man auf die Daten seines Lebens, dürfte der Titel Jahrhundertzeuge Zygmunt Bauman vielleicht gerade so gerecht werden. Der 1925 in Posen Geborene hat dieses Jahrhundert buchstäblich in seinen Extremen erlebt, erlitten und immer wieder - in einem weitläufigen soziologischen Werk - bezeugt und überprüft. Kurz vor seinem Tod im vergangenen Jahr erschien Baumans letztes Werk "Retrotopia", das jetzt in deutscher Übersetzung vorliegt. Auch der Respekt vor dem großen Namen kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass "Retrotopia" ein schwaches Buch ist.

Nicht, weil es keine starken Worte der Empörung fände, sondern weil es eigentlich aus nichts anderem als solchen besteht. Baumans Klage über den Verlust der Utopien, die die Hoffnungen seines Jahrhunderts waren, macht "Retrotopia" zu einer bedrückenden Lektüre. Atemlos rafft er darin die Liste seiner Anklagen zusammen: Das zwanzigste Jahrhundert habe mit futuristischen Utopien begonnen, und es endete in Nostalgie.

Doch für Bauman sind die Kapitel seines Buches - Zurück zu Hobbes, Zurück ans Stammesfeuer, Zurück zur sozialen Ungleichheit und Zurück in den Mutterleib - keine Chiffren für nostalgische Sehnsüchte. Wir seien vielmehr schon in diesem Zurück, dazu verdammt, in diesen bereits als überwunden gedachten Verhältnissen zu verharren. Das einst Undenkbare, dass sich der Staat von seiner Pflicht der Sicherheitsgarantie innerhalb seiner territorialen Grenzen zurückgezogen hat, habe uns wieder in Hobbes' Krieg aller gegen alle zurückgeschleudert. Infolge der Globalisierung seien die Nationalstaaten auf nicht mehr als große Nachbarschaften zusammengeschrumpft, eingezwängt in vage umrissene, kaum noch zu sichernde Grenzen.

Terrorismus und ein neuer weltweiter Tribalismus hätten den Staat, Hobbes' einstmals so mächtigen Leviathan, in die Insolvenz getrieben. Die westlichen Gesellschaften zerfielen in Habende und Habenichtse, das ungebremste Wüten von Globalisierung und Neoliberalismus habe die Mittelschichten zum Schrumpfen gebracht, Solidarität gebe es nicht mehr. Die "Straße nach Morgen" sei zum düsteren Pfad des Niedergangs und Verfalls geworden. Wir würden derzeit zurück ins frühe neunzehnte Jahrhundert gestoßen, so das Fazit.

Wer nach Differenzierung und Diskursivität verlangt, nach Argumenten und wenigstens ein paar empirischen Belegen, geht leer aus. Raum für Einwände, für Zweifel an der Hoffnungslosigkeit seiner Diagnosen lässt Bauman nicht. Man kann dieses Buch als eine Polemik lesen oder als eine Bußpredigt. Ein soziologisches Werk ist es nicht. Man könnte ihm zugutehalten, dass sein prophetisches "Kehret um!" aus dem Munde eines Autors kommt, der miterlebt hat, welche Opfer im vergangenen Jahrhundert für linke wie rechte Utopien gebracht wurden.

Von diesem Respekt vor Baumans Erfahrungen zeugt auch der unvollendet gebliebene Gesprächsband über die Jugend des 21. Jahrhunderts, an dem der italienische Journalist Thomas Leoncini mit Bauman noch bis zu dessen Tod gearbeitet hat. Der deutsche Titel "Die Entwurzelten" wird dem italienischen Original "Nati Liquidi" allerdings nicht ganz gerecht. Es geht Bauman hier eher um das in seinen Augen Flüssige, Unstete und Flüchtige des zeitgenössischen Menschen. Aller Hoffnungen, die sich auf das Internet gerichtet hatten, seien mittlerweile enttäuscht, es stehe heute für Isolation, Ausgrenzung und Diffamierung.

Warum Bauman darauf einging, sich von Leoncini über Tattoos, plastische Chirurgie, Hipster, Mobbing und Sex ausfragen zu lassen, bleibt allerdings etwas rätselhaft. Befanden wir uns nicht gerade noch mit Hobbes im Krieg alle gegen alle? Es ehrt den über Achtzigjährigen, mit welcher Ernsthaftigkeit und Neugierde er sich hier den hippen Themen seines sechzig Jahre jüngeren Gesprächspartners stellt. Die Erwartung beider, dass ihre Unterhaltungen über den Horizont und die Interessen Zwanzigjähriger hinausweisen, bleibt allerdings unbelegt. "Retrotopia" endet mit Baumans Warnung, wir müssten uns auf eine lange Zeit einstellen, in der es mehr Fragen als Antworten und mehr Probleme als Lösungen gebe. Da könnte man wohl zu bedenken geben, dass das vermutlich immer schon so war.

GERALD WAGNER.

Zygmunt Bauman: "Retrotopia."

Aus dem Englischen von Frank Jakubzik. Suhrkamp Verlag, Berlin 2017. 220 S., br., 16.- [Euro].

Zygmunt Bauman und Thomas Leoncini: "Die Entwurzelten".

Was uns bewegt im 21. Jahrhundert - ein Gespräch. Eichborn Verlag, Köln 2017. 112 S. , geb., 16,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
…mehr

Perlentaucher-Notiz zur TAZ-Rezension

Eine anregende Lektüre verspricht Rezensent Stefan Hochgesand, der Zygmunt Baumans Thesen nur unterstützen kann: An die Stelle der Utopie, einer Hoffnung auf eine dereinst eintretende gloriose Zukunft, sei die Retrotopie getreten, ein Zeitalter der Nostalgie, ein Anknüpfen an "Antworten, die schon gestern gescheitert sind", etwa den Nationalismus oder das Stammesdenken. Allzuviele wissenschaftliche Belege findet Hochgesand für Baumans These zwar nicht - er sei halt der Mann fürs große Ganze - , auch wendet er ein, dass die Sehnsucht nach dem Goldenen Zeitalter ungefähr so alt ist wie die menschliche Denkfähigkeit, trotzdem stimmt er Bauman in der akuten Diagnose zu. Geradezu den Schlaf raube einem die Einsicht, dass wir neu in ein Hobbessches Zeitalter eines Krieges aller gegen alle eingetreten seien. Und das Internet macht die Sache selbstverständlich nicht besser. Also:unbedingt lesen und erschauern!

© Perlentaucher Medien GmbH
»Mit Retrotopia hat Zygmunt Baumann letztmalig seine Gedanken für eine bessere Welt formuliert. Das Handeln müssen nun andere übernehmen.«
Florian Keisinger, Der Tagesspiegel 13.12.2017