MARS, Planet des Lebens - Fiebag, Johannes; Sasse, Torsten
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Produktdetails
  • Verlag: ECON
  • 1996.
  • Seitenzahl: 319
  • Abmessung: 220mm
  • Gewicht: 528g
  • ISBN-13: 9783430127905
  • ISBN-10: 3430127904
  • Artikelnr.: 08127946
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 28.01.1997

Der Mars ist tot, es lebe der Mars
Kalte Heimat: Nach den Männchen stirbt auch die Hoffnung, Mikroorganismen zu finden

Am 7. August 1996 verkündigte Präsident Clinton vor dem Weißen Haus, ein in der Antarktis gefundener Meteorit, der vom Mars stamme, enthalte Anhaltspunkte dafür, daß auf dem roten Planeten urzeitliches Leben existiert habe. Diese überraschende Nachricht verbreitete sich in Windeseile um den Globus. Wenig später erregte eine Pressekonferenz größte Aufmerksamkeit, auf der die an der Erforschung des Steinbrockens beteiligten Wissenschaftler ihre Ergebnisse vorstellten. Bewiesen hätten sie früheres Leben auf dem Mars zwar nicht, berichteten sie. Aber vier Befunde im Mikrobereich, die jeder für sich auch anorganisch gedeutet werden könnten, ließen sich in ihrer Gesamtheit am leichtesten organisch erklären. Was diese Forscher entdeckten, wie es dazu kam und wie stichhaltig die Behauptungen sind, schildert Donald Goldsmith in dem Buch "Die Jagd nach Leben auf dem Mars".

Schon einmal - vor etwa dreißig Jahren - hatten Wissenschaftler geglaubt, in einem Meteoriten Spuren außerirdischen Lebens entdeckt zu haben. Peinlich war es, als sich herausstellte, daß es sich bei den Strukturen - einschließlich Pollenkörnern - in dem bei Orgueil (Frankreich) gefundenen Meteoriten nur um irdische Verunreinigungen handelte. Im Jahr 1976 landeten zwei amerikanische Viking-Sonden auf dem Mars. Sie hatten ausgeklügelte Labors an Bord, in denen Bodenproben auf Lebensspuren hin untersucht wurden. Auch damals glaubte man bei der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa zunächst, fündig geworden zu sein. Doch die Enttäuschung folgte schon bald: Alle Meßergebnisse ließen sich auch anorganisch erklären.

Wenige Jahre später wurden in der Antarktis Gesteinsbrocken entdeckt, von denen die meisten Wissenschaftler bald überzeugt waren, daß sie vom Mars stammten. Dazu trugen nicht zuletzt Gaseinschlüsse in dem Meteoriten EETA 79001 bei, die in ihrer Zusammensetzung der von den Viking-Sonden untersuchten Marsatmosphäre entsprachen. Einen der Brocken, den 1984 in den Allan Hills in der Antarktis gefundenen Stein ALH 84001, konnte auch David McKay vom Johnson Space Flight Centre in Houston (Texas) analysieren. Der Forscher hatte zuvor zahlreiche Mondgesteine untersucht, die die Apollo-Astronauten zur Erde gebracht hatten und von denen die meisten in Houston aufbewahrt werden.

Der Autor berichtet, wie McKay nach und nach ein Team bildete, das die immer komplexeren Fragen beantworten konnte, die der Meteorit aufwarf. Die Spuren, die man fand, schienen nicht zueinander zu passen - wenn man nicht annahm, es habe früher, vor Jahrmilliarden, primitives Leben auf dem Mars gegeben. Schließlich verfaßten die Forscher einen Artikel für die Fachzeitschrift "Science", in dem sie ihre These ausführlich erläuterten.

Über den Inhalt sickerten in Washington nach der Darstellung des Autors noch vor Ende der Sperrfrist erste Informationen durch, so daß sich Clinton und die Nasa entschlossen, die Entdeckung sofort umfassend zu präsentieren - nach dem Motto: Der Mars ist tot, es lebe der Mars.

Daß es auf dem Mars vor Jahrmilliarden - anders als heute - lebensfreundliche Bedingungen gegeben haben könnte, wird kaum bezweifelt. Die Gründe dafür legt Goldsmith in dem Buch dar. Ebenso klar ist aber auch, wie schwer sich primitive Formen von Leben identifizieren lassen. Der Autor berichtet unter anderem von den Funden urzeitlichen Lebens auf der Erde, die das belegen.

Auch die Viking-Messungen haben gezeigt, wie vorsichtig man an entsprechende Befunde herangehen muß. Damals wurden zunächst die andersartigen Bedingungen auf dem Mars und ihr Einfluß auf das Marsgestein völlig falsch eingeschätzt. Entsprechend vorsichtig sind McKay und seine Kollegen bei der Präsentation ihrer Forschungsergebnisse vorgegangen, wenngleich sie selbst überzeugt sind, daß ihre Spuren tatsächlich auf früheres Marsleben hindeuten.

Was den Kritikern an der Hinweiskette vor allem fehlt, ist der Beweis, daß es sich bei den angeblichen Mikrofossilien in ALH 84001 wirklich um Zellen handelt. Dafür müßte man zumindest belegen, daß es Hohlräume gewesen sind, die auch Spuren von Zellwänden aufweisen müßten. Ob dies der Fall ist, wollen die Forscher in den kommenden Jahren klären. Solange das nicht geschehen ist, bleibt die Frage nach einer früheren Existenz von Leben auf dem Mars jedenfalls noch unbeantwortet. Dies betont auch der Autor unermüdlich, wobei er allerdings anmerkt, immerhin habe die Erforschung des Steins die bisher nur vermutete frühere Existenz von Wasser auf dem roten Planeten belegt, und auch das fordere schon zu einer intensiveren Erkundung des Mars heraus. Ob 1996 in die Geschichte eingehen werde als das Jahr, in dem zum ersten Mal außerirdisches Leben gefunden worden sei, könne nur die Zeit uns lehren.

Insgesamt hat Goldsmith den "Fall" sehr ausgewogen behandelt. Der Leser bekommt, weil der Autor bisweilen auch hinter die Kulissen blickt, eine lebendige Geschichte vorgesetzt, die von vielen Hintergrundinformationen umrankt ist. Auch auf die Zukunft der Marsforschung geht der Autor nüchtern ein. Gelegentlich geäußerte Vorschläge, man solle langfristig die Marsatmosphäre so umwandeln, daß der Planet für Menschen bewohnbar würde, lehnt er ab.

Weniger zurückhaltend gehen Johannes Fiebag und Torsten Sasse in dem Buch "Mars - Planet des Lebens" an das Thema heran. Sie schreiben, ihr Ziel sei es, über eine unglaubliche Entdeckung zu berichten - über die Entdeckung von Leben auf dem Mars. Für die beiden Autoren scheint jeder ein Gegner der Wissenschaft zu sein, der sich zunächst zurückhaltend verhält. Deshalb werden auch die Forscher kritisiert, die in den Meßergebnissen der Viking-Sonden seinerzeit keinen Beweis für Leben auf dem Mars entdeckt haben wollen. Dabei hätte doch eine organische Deutung auf der Hand gelegen.

Die Autoren sind im übrigen der Meinung, daß die Erforschung des Mars ebenso wie die übrige planetare Raumfahrt unabdinglich sei. Ohne Vorstoß in den Kosmos hätten wir auf lange Sicht überhaupt keine Chance, der Menschheit die Zukunft zu bewahren. Fiebag und Sasse gehen entsprechend ausführlich auf die Marsforschung als internationale Aufgabe ein. Eine mögliche Umwandlung der Atmosphäre dieses Planeten für eine Besiedlung paßt in ihr vorgefertigtes Bild. GÜNTER PAUL

Donald Goldsmith: "Die Jagd nach Leben auf dem Mars". Fakten - Hintergründe - Perspektiven. Aus dem Amerikanischen von Will de Blôm. Scherz Verlag, München 1996. 224 S., Abb., geb., 39,80 DM.

Johannes Fiebag / Torsten Sasse: "Mars". Planet des Lebens. Econ Verlag, Düsseldorf 1996. 312 S., Abb., geb., 39,80 DM.

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