Jenseits des sozialen Marktes - Siebert, Horst
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Deutschland hat über fünf Jahrzehnte lang einen kontinuierlichen Anstieg von Wohlstand erlebt. Seit zehn Jahren aber stottert der Motor. Und die Politik ist zu überzeugenden Lösungen der drängenden Probleme nicht imstande, die Bevölkerung will tiefgreifende Reformen nicht.
Horst Siebert zeichnet ein realistisches und unverzerrtes Bild der deutschen Wirtschaft - und fordert eine Rückbesinnung auf ihre marktwirtschaftlichen Grundlagen im Hinblick auf die Probleme, die zu bewältigen sind und durch mehr Dynamik, individuelle Freiheit und Wettbewerb auch bewältigt werden können.
Deutschland
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Produktbeschreibung
Deutschland hat über fünf Jahrzehnte lang einen kontinuierlichen Anstieg von Wohlstand erlebt. Seit zehn Jahren aber stottert der Motor. Und die Politik ist zu überzeugenden Lösungen der drängenden Probleme nicht imstande, die Bevölkerung will tiefgreifende Reformen nicht.

Horst Siebert zeichnet ein realistisches und unverzerrtes Bild der deutschen Wirtschaft - und fordert eine Rückbesinnung auf ihre marktwirtschaftlichen Grundlagen im Hinblick auf die Probleme, die zu bewältigen sind und durch mehr Dynamik, individuelle Freiheit und Wettbewerb auch bewältigt werden können.


Deutschland hat jahrzehntelang einen kontinuierlichen Anstieg seines Wohlstands erlebt. Seit zehn Jahren aber stottert der Motor der größten europäischen und der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt. Nahezu Stagnation, hohe Arbeitslosigkeit und nichtmehr finanzierbare Sozialsysteme - die Erosion des wirtschaftlichen Fundaments ist nur zu sichtbar. Halbherzige Reformen werden dieses strukturelle Problemknäuel nicht zum Verschwinden bringen. Dennoch gibt es eine Lösung: Deutschland muß seine Steuerungsmechanismen umbauen, es benötigt einen institutionellen "Urknall", eine radikale Erneuerung seiner Marktwirtschaft - jenseits des sozialen Marktes.

Horst Siebert, einer der prominentesten und politisch einflußreichsten deutschen Ökonomen und zwölfJahre lang Mitglied der "Fünf Weisen", zeichnet ein realistisches und unverzerrtes Bild der deutschen Volkswirtschaft und zeigt Lösungsansätze für die Strukturprobleme Deutschlands auf allen Feldern der Wirtschaftspolitik auf: vom Arbeitsmar
  • Produktdetails
  • Verlag: DVA
  • Seitenzahl: 538
  • Deutsch
  • Abmessung: 220mm
  • Gewicht: 767g
  • ISBN-13: 9783421058485
  • ISBN-10: 3421058482
  • Artikelnr.: 13236463
Autorenporträt
Prof. Dr. Horst Siebert ist Präsident des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel. Seit 1990 ist er Mitglied der "Fünf Weisen" vom Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung.
Rezensionen
Besprechung von 21.10.2005
Wachstum und Armutsbekämpfung in einer globalisierten Welt
Deutsche Wirtschaftswissenschaftler empfehlen ihr aktuelles Lieblingsbuch

Auch wer die Wirtschaft als Wissenschaft betreibt, ist nicht nur am Rechnen. Ökonomen lesen viel und gern. Vor dem Hintergrund der Frankfurter Buchmesse haben wir deutsche Ökonomen gefragt, welche neu erschienenen Wirtschaftsbücher sie in jüngster Zeit beeindruckt haben - und zwar so sehr, daß sie sie einem breiteren Publikum zur Lektüre empfehlen würden. Hier ist sie, die Leseliste der Ökonomen. (orn.)

Lawrence Lessig: Free Culture. How Big Media Uses Technology and the Law to Lock Down Culture and Control Creativity. Penguin Press, New York 2004, 345 Seiten, 24,95 Dollar.

Die Fähigkeit zu Innovation wird für alte Industrieländer im Zeitalter der Globalisierung zu einer Überlebensfrage. Diese Fähigkeit wird nachhaltig beeinflußt von den Institutionen, innerhalb deren sie möglich wird. Das reicht von Patenten und Urheberrechten über Designschutz bis hin zum Schutz von Software und Datenbanken. Angeführt von den Vereinigten Staaten tobt gegenwärtig eine Schlacht um eine Ausdehnung des Schutzbereichs von geistigem Eigentum bis hin zum Investitionsschutz. Einen solchen kann es allerdings in einer freien Wirtschaftsordnung nicht geben. Lawrence Lessig, Professor in Stanford, mahnt in seinem ebenso kundig wie spannend geschriebenen Buch zu Vorsicht, damit nicht individuelle Rechtspositionen Wettbewerbsprozesse letztlich behindern statt befördern. Das Thema hat in Deutschland trotz seiner grundlegenden Bedeutung die breite Öffentlichkeit noch nicht erreicht. Das Buch kann lizenzfrei aus dem Internet heruntergeladen werden (http://www.free-culture.cc/freeculture.pdf), solange dies zu nicht kommerziellen Zwecken geschieht.

Horst Siebert: Jenseits des Sozialen Marktes. DVA, München 2005, 544 Seiten, 29,90 Euro.

Der Vorzug dieses Buches besteht in einer geglückten Verbindung zwischen einer wissenschaftlich fundierten Diagnose sowie Analyse der Stärken und Schwächen des Wirtschaftsstandorts Deutschland und daraus konsequent abgeleiteten Reformvorschlägen. Dabei werden die wichtigsten wirtschaftspolitischen Bereiche thematisiert, angefangen vom Arbeitsmarkt über die Systeme der Sozialen Sicherung und der öffentlichen Finanzen bis hin zu Aspekten einer alternden Bevölkerung. Der Autor bietet zahlreiche, sorgfältig recherchierte quantitative Informationen, aber er überfrachtet sein Buch damit nicht. Man muß nicht mit jedem Detail seiner wirtschaftspolitischen Ratschläge uneingeschränkt übereinstimmen, um aus der Lektüre einen hohen Gewinn zu ziehen. Vor dem Hintergrund zahlreicher thematisch ähnlich ausgerichteter Bücher wird damit die Bringschuld der Ökonomen zur Lösung hiesiger Probleme eindrucksvoll abgegolten.

Heinz-J. Bontrup: Arbeit, Kapital und Staat. Plädoyer für eine demokratische Wirtschaftspolitik. Papy-Rossa-Verlag, Köln 2005, 424 Seiten, 24,80 Euro.

Bücher, welche die großen Herausforderungen Arbeitslosigkeit, staatliche Finanzkrise und kollabierende Sozialsysteme auf die Fesselung der Marktkräfte durch den Staat und die Gewerkschaften zurückführen, gibt es im Überfluß. Heinz-J. Bontrup indes präsentiert eine alternative Interpretation der Ursachen der sozial-ökonomischen Herausforderungen und darauf aufbauender Reformvorschläge. Er rückt die Arbeit in den Mittelpunkt der die Gesellschaft bestimmenden Ökonomie, als "einzig realem Wert in der Wirtschaftswelt" - und führt die anhaltende Stagnation und hohe Arbeitslosigkeit auf Defizite der internen Verfassung der Unternehmenswirtschaft sowie der politischen Gestaltung zurück. Bontrup entpuppt sich als aufgeklärter Keynesianer: Aus der Falle zwischen einzelund gesamtwirtschaftlicher Rationalität könne nur gesamtwirtschaftliche Politik führen; diese sorge dafür, daß das ökonomische System nicht "unter seinen Verhältnissen" produziere. Auch für den eingefleischten Neoklassiker, der einäugig Arbeitslosigkeit immer nur auf zu hohe Arbeitskosten zurückführt, lohnt sich die Lektüre. Denn Bontrup referiert kenntnisreich die irrealen Annahmen, die Ableitungen und schweren Folgen der neoklassischen Arbeitsmarkttheorie.

Raghuram Rajan/Luigi Zingales: Saving Capitalism from the Capitalists. Unleashing the Power of Financial Markets to Create Wealth and Spread Opportunity. Princeton University Press, Princeton 2004, 392 Seiten, 18,95 Dollar.

Dies ist ein Buch, das erklärt, warum funktionierende Finanzmärkte eine zentrale Bedingung für Wachstum und Chancengleichheit sind und warum mächtige Interessengruppen sich dagegen sträuben. Ein revolutionäres Buch.

Peter Richerson/Robert Boyd: Not by Genes Alone: How Culture Transformed Human Evolution. University of Chicago Press, Chicago 2004, 342 Seiten, 30 Dollar.

Dieses Buch kann jedermann lesen und verstehen - Ökonomen, vor allem Institutionenökonomen, sollten es kennen. Beide Autoren sind in der Szene bekannt, vor allem durch formalere Abhandlungen. In diesem Buch beschreiben sie die Anpassungsfähigkeit der Spezies Mensch, womit insbesondere die Fähigkeit, komplexe Systeme zu beherrschen und damit sich die Erde untertan zu machen, als Ergebnis einer "darwinistischen Kulturrevolution" hervorgehoben wird. Dabei wird eine Verbindung der Kultur zur Biologie aufgebaut, die für Ökonomen - vor allem mit spieltheoretischem Hintergrund - faszinierend ist. Das Buch trägt auch zum Verständnis der Bildungsdebatte in Deutschland bei, weil eben Kultur mit Wettbewerb und mit "Trial and Error" verbunden ist und längst nicht so linear daherkommt, wie sich das die Ministerialen heute vorstellen.

Claude Ménard/Mary M. Shirley (Herausgeber): Handbook of New Institutional Economics. Verlag Springer, Berlin 2005, 884 Seiten, 202,23 Euro.

"Institutions matter": daß Institutionen positive Wohlfahrtseffekte hervorrufen, indem sie Unsicherheit reduzieren und zusätzliche Handlungsoptionen ermöglichen, ist keine neue Erkenntnis. Institutionen sind der Kern einer funktionsfähigen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung, das Fundament für arbeitsteilig organisierte Ökonomien. Schlechte Institutionen korrespondieren mit strukturellen Fehlentwicklungen und ökonomischer Rückständigkeit. Die Veränderung des institutionellen Rahmens ist auch in Deutschland eine der grundlegendsten Aufgaben, die es heute zu bewältigen gilt. Dennoch findet die Gestaltung von Institutionen nicht die notwendige Aufmerksamkeit im politischen Prozeß, und dennoch ist ihre Analyse nicht im Kern der ökonomischen Theorie angesiedelt. Beides wird sich nicht schlagartig durch das "Handbook" verändern, doch es kann einen bedeutenden Beitrag leisten. Vergleichbares liegt bisher nicht vor. Auf mehr als 800 Seiten werden in 30 Beiträgen die Wirkungen von wirtschaftlichen, rechtlichen und politischen Institutionen, die Determinanten der Entwicklung von Governance-Strukturen und der Ausgestaltung von privaten Verträgen sowie von Regulierungssystemen analysiert. Den Inhalt bilden sowohl komparative Institutionenanalysen als auch die Auslotung der Determinanten des institutionellen Wandels. Eine höchst wertvolle und facettenreiche Lektüre - sowohl für die Wissenschaft als auch für Vertreter der wirtschaftlichen und politischen Praxis.

Elhanan Helpman: The Mystery of Economic Growth. The Belknap Press of Harvard University Press, Cambridge (Massachusetts) 2004, 240 Seiten, 25,95 Dollar.

Noch immer lebt etwa ein Fünftel der Weltbevölkerung in größter Armut. Geändert werden kann das nur durch schnelles Wachstum. Dafür müssen die Determinanten von Wachstum bekannt sein. Seit Mitte der achtziger Jahre ist eine neue Wachstumstheorie entstanden, die viel realitätsnäher ist als ihr Vorgänger aus den fünfziger Jahren. Elhanan Helpman, ein führend an der Entwicklung der neuen Theorie beteiligter Wissenschaftler, hat jetzt einen sehr gut lesbaren Überblick über die Entwicklung der vergangenen 20 Jahre vorgelegt. Er zeigt, daß sehr viel dafür spricht, Institutionen als eine fundamentale Ursache von Wachstum zu betrachten. Wenn beispielsweise Eigentumsrechte nicht hinreichend sicher sind, gibt es wenig Anreize, in physisches Kapital und Humankapital zu investieren oder innovativ zu sein. Helpman zeigt aber auch, daß unser Wissen über die Art und Weise, wie Institutionen genau auf Wachstum wirkt, noch unzureichend ist. Insofern ist das Wachstum trotz aller Fortschritte noch immer etwas mysteriös.

Jeffrey Sachs: The End of Poverty. Economic Possibilities for Our Time. The Penguin Press, New York 2005, 416 Seiten, 27,95 Dollar.

Dieses Buch ist für mich ein unangenehmes Wachrütteln. Denn wir Ökonomen können uns schon einmal beliebig weit von realen und oft unangenehmen Zuständen der Welt entfernen, je nach dem, wie es uns paßt. Jeffrey Sachs jedoch, der mich bereits als Student stets zur relevanten Forschung angestachelt hat, mahnt uns alle, daß in einer immer reicher werdenden Welt täglich Abertausende von Menschenleben verlorengehen. Die Existenz von Extremarmut - ein Pro-Kopf-Bruttoeinkommen von weniger als einem Dollar am Tag - ist in der heutigen Zeit nicht mehr tragbar. Um so mehr, als die Kosten dieser Armutsbekämpfung so lächerlich niedrig sind, wie Sachs zeigt, daß ihr Fortbestand für uns alle beschämend sein muß. Auch wenn Sachs manchmal überschäumend schreibt, ist dieses Buch ein wichtiger Beweis dafür, daß es Ökonomen gibt, die sich aktiv für die Verbesserung der Welt einsetzen.

Martin Wolf: Why Globalization Works. Yale University Press, New Haven 2004, 398 Seiten, 31,44 Euro.

Das Buch ist ein "Pro-Globalisierungs-Buch" - was sich bekanntlich wesentlich schlechter verkauft als ein Anti-Globalisierungs-Buch. Es ist von einem sehr guten Ökonomen fachmännisch geschrieben, zugleich aber so, daß auch der Nicht-Volkswirt es gut verstehen kann. Er muß sich nur die Zeit nehmen, den Gedankengang und die empirischen Befunde zur Kenntnis zu nehmen. Wolf war lange bei der Weltbank und kann aus eigener Anschauung schildern, wie ein Land wie Indien oder Bangladesch durch die Hinwendung zum Weltmarkt an Wohlstand gewonnen hat. Er legt unter Verweis auf seriöse wissenschaftliche Untersuchungen dar, daß die Ungleichheit der Einkommen in der Welt abnimmt - und nicht, wie so oft zu hören ist, zunimmt.

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"Eine tägliche ökonomische Morgenandacht im Bundestag mit Sieberts Buch würde der deutschen Politik sicher gut tun."

Die Zeit über den Kobra-Effekt
Besprechung von 02.04.2005
Wirtschaftsbuch
Zum Thema
So sagt es Ludwig Erhard
Ludwig Erhard: Wohlstand für alle, Verlag Econ, Düsseldorf 1990, 391 Seiten, 18 Euro.
Das Buch von Ludwig Erhard ist so aktuell wie im Jahr seiner Erscheinung 1957. Erhard sieht die Leistung der Marktwirtschaft darin, dass sie die Klassenschranken überwunden hat.
So viel Staat ist nötig
Andrea M. Schneider: Ordnungsaspekte in der Nationalökonomik - Eine historische Reflektion, Verlag Paul Haupt, Bern, Stuttgart, Wien 2004, 515 Seiten, 52 Euro.
Die Autorin zeigt, welche Gesellschaftsordnung der Mensch braucht und welche Rolle der Staat bei der Gestaltung eines passenden Rahmens einnimmt. Ihre Analyse fußt auf den Ordnungsvorstellungen des Ökonomen Adam Smith und deren Entwicklung.
So sozial soll Marktwirtschaft sein
Deutschlands Wirtschaftskraft fällt im internationalen Wettbewerb zurück. Die Zahl der Arbeitslosen steigt stetig, und die Systeme sozialer Absicherung sind nicht mehr finanzierbar. Die Wirtschaft stagniert. Was ist aus dem Erfolgskonzept der sozialen Marktwirtschaft geworden? Titel und Autor des Buches wecken Erwartungen. Vom Ökonomen Horst Siebert ist zu erwarten, dass er weiß, wovon er schreibt. Jahrelang hat er die Wirtschaftspolitik in diesem Land mitgestaltet, als Mitglied des Sachverständigenrats oder als emeritierter Präsident des Kieler Weltwirtschaftsinstituts. Siebert sagt, er habe das Buch im Hinblick auf jene Probleme geschrieben, die Deutschland in Zukunft lösen muss. Ein realistisches und unverzerrtes Bild der Wirtschaft will er zeichnen. „Ein solches Bild sollte weder die vorhandene Situation beschönigen, noch sollte es die Situation unnötig schwarz malen.”
Horst Siebert ist nicht nur für klare Analysen bekannt, sondern auch dafür, dass er Lösungen vorschlägt. Etwas, wovor viele Politiker zurückschrecken, wenn es darum geht, Aussagen wie „Wir schaffen Arbeit” mit Inhalt zu füllen. Mit Phrasen hält sich Siebert nicht auf, und daher lohnt sich die Lektüre des Buches. Siebert geht systematisch vor. Er zeigt, wie Deutschland mit Hilfe der sozialen Marktwirtschaft zum Wohlstandsgewinner wurde, wie es sich in den internationalen Markt integriert hat und wie diese Volkswirtschaft es bis hin zur Wiedervereinigung geschafft hat. Heute gebe es aber große Probleme: „Der deutsche Motor stottert”, so Siebert. Doch wie lässt er sich wieder in Gang bringen?
Dazu geht der Autor ausführlich auf die soziale Marktwirtschaft ein, die einst als Erfolgsrezept verblüffte und nun nicht mehr zu funktionieren scheint. Was ist passiert? Nicht viel sei übrig vom „Denken in Ordnungen”, analysiert der Autor. Siebert fragt nach, was den Arbeitsmarkt hemmt, was soziale Sicherung mit einer alternden Gesellschaft zu tun hat und warum die Finanzpolitik kränkelt. Umweltschutz, Einwanderungsproblematik, Bildungs- und Technologiepolitik - Siebert lässt nichts aus. Er verdeutlicht, wozu es führt, dass Deutschlands Geldpolitik von der Europäischen Zentralbank gemacht wird. Er stellt fest, dass die Anreize falsch gesetzt sind, dass das institutionelle Arrangement nicht stimmig ist. Was den Arbeitsmarkt angeht, so darf die Lösung nicht darin liegen, alles auf Kosten des Rentensystems zu finanzieren, resümiert er. Deutschlands Politiker rücken weiter von marktkonformen Maßnahmen ab, kritisiert er. Siebert lässt nicht locker und fügt ein Negativbeispiel an das andere. Er belässt es bei seinen Vorschlägen zur „Neuorientierung der deutschen Politik” nicht bei Plattitüden, sondern erinnert an grundlegende ökonomische Prinzipien: „Die Offenheit von Märkten wird nicht nur durch Gütermarktregelungen und Unternehmensaktivitäten tangiert, die die Wettbewerbsintensität verringern, sondern auch durch Subventionen.” Eine Subventionskontrolle ist seiner Ansicht nach ebenso notwendig wie ein funktionierendes Preissystem. Nötig sei eine vollkommene Neubestimmung des sozialen Marktes und einer Marktwirtschaft, die ihren Namen zurecht trägt. „Deutschland befindet sich an einer Wegscheide”, schreibt Siebert und kommt zu dem Schluss: „Ohne eine mentale Umorientierung des Landes wird sich eine höhere Wachstumsrate nicht realisieren lassen. Man muss wachstumshungrig sein.” Doch klar ist auch: Ökonomen können nur als Kompass dienen. Den beschwerlichen Weg müssen alle gehen.
Indira Gurbaxani
Horst Siebert:
Jenseits des Sozialen Marktes - Eine notwendige Neuorientierung der deutschen Politik, Deutsche Verlags-Anstalt, München 2005, 544 Seiten, 29,90 Euro.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
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Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Rezensent Willy Zeller lobt diesen Band als "reichhaltiges" Sachbuch über die Entwicklung der Wirtschaft und Gesellschaft Deutschlands seit der Wiedervereinigung. Im Zentrum der kritischen Betrachtung sieht Zeller vor allem den Sozialstaat "mit seinen Übersteigerungen" stehen, zu den "hauptsächlichen Stichwörtern" zählt er Tariflöhne, Kündigungsschutz und Mitbestimmungsnormen. Seinen Autor stellt der Rezensent als "ordnungspolitsch gradlinigen Wirtschaftswissenschafler" und ehemaliges Mitglied des deutschen Sachverständigenrates vor. Der Rezensent teilt die im Buch formulierte Kritik an der Entfernung der Politik von den Leitlinien der Sozialen Marktwirtschaft und unterstreicht besonders seinen kritischen Aufruf zur "gründlichen Neuorientierung" der deutschen Volkswirtschaft und nach einem "institutionellen Urknall" wie 1948, der zu mehr Wettbewerb und weniger Staat führen soll.

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