Geschichten vom Ursprung des Lebens - Dawkins, Richard
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Geschichten vom Ursprung des Lebens ist eine erzählte Reise durch vier Milliarden Jahre Evolution: vom Homo sapiens bis zum geheimnisvollen Beginn des Lebens. Anhand des erlebten Schicksals vieler Arten entfaltet sich das gesamte Wunder der Entstehung unserer Welt. Ein einzigartiges neues Buch von Erfolgsautor Richard Dawkins, einem der größten Wissenschaftler und Intellektuellen unserer Zeit.
Richard Dawkins hat sich nichts Geringeres vorgenommen, als die Geschichte des irdischen Lebens zu erzählen, und es ist ihm meisterhaft gelungen. Gemeinsam mit allen anderen Lebewesen reisen wir durch
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Produktbeschreibung
Geschichten vom Ursprung des Lebens ist eine erzählte Reise durch vier Milliarden Jahre Evolution: vom Homo sapiens bis zum geheimnisvollen Beginn des Lebens. Anhand des erlebten Schicksals vieler Arten entfaltet sich das gesamte Wunder der Entstehung unserer Welt. Ein einzigartiges neues Buch von Erfolgsautor Richard Dawkins, einem der größten Wissenschaftler und Intellektuellen unserer Zeit.

Richard Dawkins hat sich nichts Geringeres vorgenommen, als die Geschichte des irdischen Lebens zu erzählen, und es ist ihm meisterhaft gelungen. Gemeinsam mit allen anderen Lebewesen reisen wir durch die Zeit, um unsere Vorfahren zu treffen. Dabei kreuzen sich unsere Wege mit längst ausgestorbenen Arten und lebenden Fossilien. Angesichts dieser Fülle von Lebensformen scheint es unglaublich, dass wir mit ihnen allen einen gemeinsamen Urahnen haben. Dawkins erzählt die Geschichte der ersten Primaten, von blinden Höhlenfischen und von atemberaubend schönen Paradiesvögeln. Aus all diesen Berichten spricht eine große Ehrfurcht vor dem Leben, und sie alle belegen Darwins Evolutionstheorie auf unnachahmliche Weise. Geschichten vom Ursprung des Lebens ist das erste Buch, das sich wissenschaftlich fundiert und erzählerisch zugleich mit dem Ursprung des Lebens befasst. Ein naturwissenschaftliches Meisterwerk, spannend erzählt wie ein Roman.
  • Produktdetails
  • Verlag: Ullstein HC
  • Originaltitel: The Ancestor's Tale
  • 3. Aufl.
  • Seitenzahl: 928
  • Erscheinungstermin: 9. Oktober 2008
  • Deutsch
  • Abmessung: 220mm x 150mm x 51mm
  • Gewicht: 1194g
  • ISBN-13: 9783550087486
  • ISBN-10: 3550087489
  • Artikelnr.: 23837725
Autorenporträt
Dawkins, RichardRichard Dawkins, 1941 geboren, ist Evolutionsbiologe. Von 1995 bis 2008 hatte er den Lehrstuhl für Public Understanding of Science an der Universität Oxford inne. Sein Buch Das egoistische Gen gilt als zentrales Werk der Evolutionsbiologie. Seine Streitschrift Der Gotteswahn ist ein Bestseller.
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 17.10.2008

Charles Darwin und die Konstruktion des Blumenkohls
Dies ist das zur Zeit lesens- und bedenkenswerte Buch über die Evolution überhaupt: Richard Dawkins’ „Geschichten vom Ursprung des Lebens”
Vielleicht, es könnte ja sein, sind Wolken und Regen Anpassungen, „mit denen Mikroorganismen für ihre eigene Verbreitung sorgen”. Richard Dawkins hat, als er diese Vermutung in seinem gerade auf Deutsch erschienenen Buch „Geschichten vom Ursprung des Lebens” äußert, bereits eine lange Reise hinter sich. Er hat die große Katastrophe der Kreidezeit vor 65 Millionen Jahren inspiziert, sich Gedanken über jene Abbildungen gemacht, die die Entwicklung des Menschen von einem gebückt gehenden haarigen Wesen bis zum heutigen Menschen im Anzug zeigen, hat die Geschichte der Heuschrecken erzählt und die Geschichte des Lebens zu einer Geschichte der Vererbung umgedeutet. Auf mehr als 900 Seiten ist Dawkins der Evolution der Lebewesen nachgefahren und hat dabei all das vermieden, wofür er sonst berüchtigt ist. Er hat weder, wie in seinen Büchern über den „Gotteswahn” und das „egoistische Gen”, die Religion in Bausch und Bogen verdammt, noch die Geschichte auf einen Molekülmotor eingedampft, der die Lebewesen zu Vehikeln der Gene macht, versehen mit der einzigen Anweisung, ihre eigenen Gene möglichst zahlreich in die Welt zu schleudern.
Auf den ersten Blick scheint Dawkins in manchen Passagen des Buches sogar das Gegenteil seines Wissenschaftsatheismus für möglich zu halten. So zitiert er zustimmend in einer seiner schönsten Geschichten, der Geschichte des Flusspferdes, den Prediger Salomo: „Es geschieht nichts Neues unter der Sonne. Geschieht etwas, von dem man sagen könnte: ,Sieh, das ist neu‘? Es ist längst vorher auch geschehen in den Zeiten, die vor uns gewesen sind.” Geschichte soll sich also wiederholen und nichts anderes tun, als einen alten Schöpfungsplan immer wieder abzuspulen? Hatte nicht gerade Charles Darwin jeden Plan aus der Entwicklungsgeschichte des Lebendigen genommen und die andauernde Veränderung der Lebewesen postuliert? Und ist nicht Richard Dawkins der entschiedenste und radikalste Darwinist unserer Tage?
Ja doch, so ist es, und genau darin liegt das Problem und die Größe von Dawkins’ Opus magnum, als das man dieses Werk bezeichnen muss. Natürlich ist Dawkins, der an anderer Stelle auch noch den Propheten Hesekiel zu Wort kommen lässt und die Texte des Alten Testaments wegen ihrer „herrlichen sparsamen Sprache” lobt, keinen Millimeter von seinem Atheismus abgerückt. Ein Mensch, der in einem Garten zuerst eine Inventur der dort zu sehenden Pflanzen vornimmt, sie in die bestehenden biologischen Systeme einordnet, ihre physiologischen Leistungen bewundert – Dawkins ist ein Fan der Konstruktionsleistungen des Blumenkohls –, ist ihm immer noch lieber als ein Dichter, der sofort, ohne Ahnung, von Elfen zu faseln beginnt.
Nur, und da unterscheidet er sich von deutschen Darwinisten wie dem Kasseler Evolutionsbiologen Ulrich Kutschera, sieht Dawkins die Schwierigkeiten: Wie kann man mit einem reinen Zusammenspiel des Zufalls, der alle Lebenserscheinungen hervorbringt, und der Selektion, die in die zufälligen Hervorbringungen der Natur eine Richtung schlägt, den Beginn des Lebens und damit das Leben überhaupt erklären? Zudem kann Dawkins lesen, eine Fähigkeit, die im deutschen Biologiestudium weder geschätzt noch ausgebildet wird. Und beim Lesen ist ihm ein fundamentaler Widerspruch aufgefallen. Charles Darwin – im nächsten Jahr wird sein 200. Geburtstag und der 150. Geburtstag von „Über die Entstehung der Arten” gefeiert –, Darwin wollte ausdrücklich nicht von der Entstehung des Lebens handeln, das hielt er für so überflüssig wie das Nachdenken über den Beginn der Materie. Das Alte Testament aber handelt von der Schöpfung, also vom Beginn des Lebens. Wer wie Dawkins über diesen Beginn handeln will, ohne religiös zu werden, setzt sich zwangsläufig in ein Verhältnis zur Schöpfungslehre und zu ihrer heute entwickeltsten, der „Intelligent Design”-Theorie.
Und da wird es jetzt wirklich kompliziert. Für reine Zufallsapolegeten wie den Evolutionsbiologen Stephen Jay Gould würde sich nichts in der Evolution noch einmal so ereignen, wie es geschehen ist: Begänne die Evolution von vorne, brächte sie gewiss nicht noch einmal ein Lebewesen wie den Menschen hervor – weil sie eben ohne Plan vorgeht. Und genau in dem Punkt ist sich Dawkins nicht sicher: Ob es nicht doch Wiederholungen und „Reime” in der Entwicklungsgeschichte des Lebendigen geben könnte? Zu ähnlich sind sich manche Strukturen wie die Augen bei verschiedenen Lebewesen, die zudem noch völlig unabhängig in nicht miteinander verwandten Tierstämmen entstanden sind. Wie erklärt man Phänomene wie die vierzigfache unabhängige Entwicklung des „Auges”, wenn man ohne intelligenten Designer der Lichtverarbeitungsapparaturen auskommen muss, weil man Darwinist ist?
Mit dem Zufall allein kommt man da nicht sehr weit, was schon Darwin ahnte, dem beim Anblick des Säugetierauges ganz schwindelig um seine Theorie wurde. Dawkins’ Lösungsverschlag für die Entstehung ähnlicher Strukturen bei nicht verwandten Gruppen des Tierreichs nun ist das zur Zeit lesens- und bedenkenswerteste in der gesamten Biologieliteratur überhaupt. Hierzulande muss man das betonen, weil erst kürzlich wieder in einer liberalen Wochenzeitung zu lesen war, dass die Evolutionstheorie mit Darwin ihren Newton gefunden hätte und jetzt nur noch auf ihren Einstein warte. Eine Analogie, die komplett in die Irre führt, weil die Biologie eben keine Physik ist, allerdings natürlich auch von physikalischen Gesetzen und Phänomen abhängt. Dawkins, der öfter auf physikalische Theorien eingeht und sie knapp in ihre Grenzen weist, wenn es um das Leben geht, sagt es so: „Eine Tätigkeit wie das Sehen kann nur in einem Universum ablaufen, in dem Sterne das sind, was man sieht. Aber es gibt noch ein wenig mehr zu sagen.”
Zum Beispiel dies: In der biologischen Evolution gibt es keine bevorzugte Abstammungslinie und kein vorherbestimmtes Ende. Was es aber gibt, sind wiederkehrende Strukturen. Die Echoortung hat sich unabhängig bei Fledermäusen und Walen entwickelt. Giftstacheln, mit denen sich ein Gift unter die Haut injizieren lässt, sind in der Evolution mindestens zehnmal unabhängig aufgetaucht: bei Quallen, bei Spinnen, Skorpionen, Hundertfüßern, Insekten, Weichtieren (Kegelschnecken), bei Schlangen, Rochen, Knochenfischen (Steinfisch), Säugetieren (Schnabeltiermännchen) und Pflanzen (Brennels). Das Geräuscherzeugen zu sozialen Zwecken hat sich unabhängig bei Vögeln, Säugetieren, Heuschrecken und Grillen, Zikaden, Fischen und Fröschen entwickelt. Dawkins zählt noch eine Reihe anderer Phänomene wie den „Flatterflug” und die Elektroorientierung auf und schreibt, dass man sehr lange suchen müsse, um Einmaligkeiten in der Evolution zu finden. Auch das tut er nicht ohne Beispiel: Die Wasserspinne, eine ins Wasser zurückgekehrte Spinne, löst ihr Sauerstoffproblem einmalig. Sie spinnt sich aus Seide eine Taucherglocke, verankert sie unter Wasser an einer Pflanze, füllt sie mit Sauerstoff von oben aus der Luft, wartet in der Taucherglocke auf Beute, die sie dort nach dem Fang auch verstaut und frisst.
Es gibt also Einmaligkeiten, aber wesentlich häufiger separat entstandene Ähnlichkeiten. Dawkins’ Erklärung dafür ist so einfach wie erprobt. Wenn man die Geschichte des Lebens zum Ursprung zurückverfolgt, kommt man immer zum Einen, mit dem alles anfing und aus dem alles hervorging. Das Eine hat sich sehr schnell aufgespalten, ging hier hin, da hin, ließ manches liegen – die meisten Arten sind ausgestorben –, verfolgte anderes weiter, spaltete sich wieder ab, landete auf Inseln ohne und mit Konkurrenz, blieb wie es war oder veränderte sich in der Konkurrenz. Das ist nichts anderes als die Geschichte der Arten, wie sie auch andere erzählen: Am Anfang war die Einheit alles Lebendigen, und heute freuen wir uns an der Vielfalt.
Dawkins’ Erklärung, wie aus dieser Einheit dann Ähnlichkeiten und Wiederholungen in der Vielfalt entstehen, ohne dass er den Zufall ganz ausschließt, machen ihn zum einzig ernstzunehmenden Strukturalisten der Gegenwartsbiologie. An den Anfang, als Einheit, setzt Dawkins nämlich keine Lebewesen, sondern eine Struktur. Den Anfang bildeten Stoffe, die sich selbst replizieren konnten, das war nicht die heutige DNA oder RNA. Die ursprünglichen Replikatoren waren vielleicht anorganische, mineralische Kristalle. Dawkins hält das für möglich, meint aber, dass der Stoff, der die Replikation und damit die „echte” Vererbung in die Welt gebracht hat, nicht so wichtig und sowieso nicht mehr rekonstruierbar sei. Wichtiger ist, dass damit das Prinzip, die strukturelle Gemeinsamkeit alles Lebendigen entstanden sei: die Vererbung.
Damit verabschiedet Dawkins auch den Lebensbegriff aus der Geschichte der Lebensformen und ersetzt ihn durch die Geschichte der Vererbung. Er trennt die Stammbäume der Lebewesen von den Stammbäumen der genetischen Information. Leben als solches sei nicht eindeutig definiert, Vererbung schon. Auch damit steht er natürlich nicht allein. Die moderne Biologie arbeitet nicht mehr mit dem Lebensbegriff, sie ersetzt ihn durch Reaktionen, autopoietische Systeme, Funktionen oder Mechanismen. Neu an Dawkins’ Erklärung ist nur, dass einsichtig wird, wie die aus der Einheit hervorgegangenen Lebewesen so viele ähnliche Strukturen unabhängig voneinander hervorbringen konnten und wahrscheinlich immer wieder können werden. Die aus der Einheit kommende Vielfalt trägt immer noch die Informationen vom Anfang mit sich und kann sie dann an vielen verschiedenen Orten und in vielen verschiedenen Arten jeweils spezifisch, aber doch ähnlich, realisieren.
Es gibt also Wiederholungen in der Evolution, nur sind sie nie gleich. Weil jede neue aus der Einheit hervorgegangene Lebensform die Atmosphäre, die Lebensumstände verändert, und zwar einfach nur dadurch, dass sie da ist. Aufeinanderfolgende Wiederholungen fallen deshalb in der Biologie nie gleich aus. Es macht einen Unterschied, ob sich etwas unter zehn verschiedenen Arten wiederholt, oder ob es sich mit Millionen verschiedener Arten wiederholt. Biologisch bleibt an dieser Konzeption der Wiederholungen die Unvorhersehbarkeit. Es gibt keine Möglichkeit, aus der Kenntnis der Struktur der Mechanismen der Vererbung vorherzusagen, was demnächst sich entwickeln wird. Das Zusammenspiel von Lebensformen und ihren Umwelten ist konstitutiv unberechenbar. Das unterscheidet biologische Gegenstände prinzipiell von physikalischen.
Die Geschichte der Lebewesen muss also immer wieder neu erzählt werden, darf aber ruhig auf erprobte Erzählformen zurückgreifen. Das tut Richard Dawkins auch. Er nennt seine Reise von heute zum Anfang des Lebens eine Pilgerreise. Die Blaupause dafür liefern ihm Geoffrey Chaucers „Canterbury Tales”. Dawkins beginnt seine Reise bei Craig Venter und seinem Pudel und steigt immer weiter herab, über die Geschichte der Schimpansen, der Lemuren, der Beuteltiere bis zu den Bakterien. 3,5 Milliarden Jahre fasst er zusammen und erzählt die Geschichte der Sexualität genauso wie die der Fossilien. Mehr kann man zur Zeit in einem Buch nicht lesen. Das ist dem Reichtum seines Gegenstands angemessen. CORD RIECHELMANN
RICHARD DAWKINS: Geschichten vom Ursprung des Lebens. Eine Zeitreise auf Darwins Spuren. Aus dem Englischen von Sebastian Vogel. Ullstein, Berlin 2008. 928 Seiten, 29,90 Euro.
Wie erklärt man die „Reime” der Evolution, wenn man Atheist ist?
Das Prinzip alles Lebendigen ist die Vererbung
Wir erklärt man das Verhältnis von Zufall und Wiederholungen in der Geschichte des Lebens? Giftstacheln etwa sind in der Evolution mindestens zehnmal bei verschiedenen Arten, unabhängig voneinander, entstanden – so auch beim gestreiften Korallenwels (Plotosus lineatus). Foto: Rodger Klein/SeaTops
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Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 15.01.2009

Wer war ich früher?
Richard Dawkins kann auch anders: Unverkrampft erzählt er Geschichten von Maus, Biber und Sandwurm

Der Stammbaum des Lebens ist ein knorriges, ungezähmtes, widerspenstiges Geschöpf. Der Weg von den frühesten selbstreplizierenden organischen Makromolekülen zur gegenwärtigen Vielfalt der Lebewesen ist voller Sackgassen, kleiner Dramen und großer Katastrophen. Die Evolution des Lebens auf der Erde besteht aus solchen Geschichten, die keinem Ziel, keinem "Plot" folgen, sondern deren Spielregeln allein den von Charles Darwin identifizierten ziellosen Mechanismen von blinder Variation, Vererbung und variationsabhängigem Fortpflanzungserfolg gehorchen.

Wie kann diese unübersichtliche Geschichte des Lebens anschaulich gemacht und nacherzählt werden? Bildliche Repräsentationen des Stammbaums bestimmen mit, welche Form eine solche Erzählung annehmen kann. Die Betonung des verwinkelten, unregelmäßigen Wachstums schließt einfache, zielgerichtete Erfolgsgeschichten aus. Richard Dawkins' im Original bereits vor vier Jahren erschienenes Buch hat sich Søren Kierkegaards Diktum zu eigen gemacht, dass das Leben nur rückwärts verstanden werden kann, um der evolutionären Geschichte des Lebens eine narrative Struktur zu verleihen.

Dawkins richtet den Blick in die Vergangenheit und führt seine Leser auf eine in die Tiefe der Zeit führende und von Geoffrey Chaucers Canterbury-Erzählungen inspirierte Reise durch vier Milliarden Jahre Evolutionsgeschichte. Dawkins folgt dabei einem einzigen Pfad durch das dichte Geäst des Lebensbaums, dem Weg vom heutigen Menschen zum Ursprung des Lebens. Dieser Pfad führt an vierzig Treffpunkten vorbei, an denen Begegnungen mit den gemeinsamen stammesgeschichtlichen Vorfahren stattfinden. Bei Begegnung Nummer drei lernt der Leser beispielsweise den letzten gemeinsamen Vorfahren des Gorillas auf der einen Seite und von Menschen, Schimpansen und Zwergschimpansen auf der anderen Seite kennen. An jedem Treffpunkt stoßen neue Tiere und Organismen als "Pilger" zur Truppe hinzu, die Dawkins den Anlass zum Erzählen von Geschichten geben.

Seine Geschichten von Maus, Biber, Sandwurm und mehr als fünfzig anderen Lebewesen sind ausgezeichnete, anschauliche und nüchterne Wissenschaftsprosa - aber nicht mehr. Dawkins ist kein Fabulierer, der die Möglichkeiten des narrativen Rahmens auszuschöpfen vermöchte. Keine erkennbare Logik steuert, welche Geschichte um welches Tier gesponnen wird. Es ist indes wohltuend, Dawkins nicht abermals als verbissenem - und bisweilen verbohrtem - Kämpfer für wissenschaftliche Rechtgläubigkeit zu begegnen, sondern ihn endlich wieder als abgeklärten Autor lesen zu können. Das bedeutet freilich nicht, dass Dawkins' wissenschaftstheoretische, soziopolitische oder metaphysische Überzeugungen nirgendwo durchscheinen.

Dawkins bietet nur eine, nicht die einzig wahre Lesart der Evolutionsgeschichte des Lebens an. Für ihn sind Einmaligkeiten in der Evolution selten, während wiederkehrende, aber unabhängig voneinander entstandene Strukturen wie das Auge, die Echoortung oder Giftstacheln weitaus häufiger seien. Wie bedeutsam solche Konvergenzen für das Evolutionsgeschehen sind, bleibt aber umstritten. Kaum etwas zu sagen hat Dawkins über neue Theorien, welche die Wirkungskraft der natürlichen Selektion nicht auf die Ebene der Gene beschränkt sehen, sondern die Evolution der biologischen Hierarchie - Gene, Chromosomen, Zellen, Organismen, Gruppen - problematisieren und behaupten, Auslese könne auf jeder dieser Ebenen geschehen. Das mag daran liegen, dass diese Theorien die ernsthafteste Herausforderung von Dawkins' "egoistischen Genen" und ihrer explanatorischen Sonderstellung sind.

Im Ganzen behandelt er aber Vertreter anderer Schulen, sogar den Zufallsapologeten Stephen Jay Gould, mit Fairness und Achtung. Gänzlich ablegen kann Dawkins seinen Konfrontationskurs dennoch nicht. So stichelt er wieder bis zum Überdruss gegen Schöpfungsgläubige und Vertreter des Intelligent Design. Dawkins bietet keinen großen konzeptuellen Wurf. Dies ist möglicherweise eine Stärke des Buches.

THOMAS WEBER

Richard Dawkins: "Geschichten vom Ursprung des Lebens". Eine Zeitreise auf Darwins Spuren. Aus dem Englischen von Sebastian Vogel. Ullstein Verlag, Berlin 2008. 928 S., Abb., geb., 29,90 [Euro].

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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Cord Riechelmann lässt keinen Zweifel daran, dass Richard Dawkins Mammutwerk "Geschichten vom Ursprung des Lebens" großartig ist. Oder wie der Rezensent meint: "Mehr kann man zur Zeit in einem Buch nicht lesen". Was dieses Buch so besonders macht, erklärt uns Riechelmann - nicht ohne Seitenhiebe auf die deutsche Biologie zu verteilen - so: Mit Darwin kann man die Entstehung des Lebens und das Leben selbst nicht erklären. Und dem Zufallsprinzip der Evolution widerspreche auch, dass sich Augen ungefähr vierzig Mal unabhängig voneinander entwickelt haben (mehrfach tauchen auch Giftstacheln auf, die Echoortung oder die Fähigkeit, zu sozialen Zwecken Geräusche zu erzeugen). Dawkins, den Riechelmann als den "radikalsten Darwinisten unserer Tage" schätzt, erklärt dies quasi strukturalistisch. Als Einheit, von der alles ihren Anfang genommen hat, setzt Dawkins kein Lebewesen, sondern eine Struktur, die Möglichkeit, sich selbst zu replizieren: die Vererbung. "Leben als solches sei nicht eindeutig definiert, Vererbung schon", erklärt Riechelmann den großen Coup. Dabei versichert er, schreibe Dawkins in diesem Werk viel nüchterner als etwa in seinem "Gotteswahn" und erzähle dies auf mehr als 900 Seiten als Pilgerreise nach dem Vorbild von Chaucers "Canterbury Tales".

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