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»Ein nasser Hund ist besser als ein trockener Jude« - Shalicar, Arye Sh.
  • Broschiertes Buch

2 Kundenbewertungen

- Eine Coming-of-Age-Geschichte von großer erzählerischer Wucht
- Ein außergewöhnliches Migrantenschicksal
- Ein brisantes Thema
Die Geschichte eines Deutsch-Iraners, der Israeli wurde Seine Familie kam aus dem Iran. Er wuchs in Berlin auf. Er interessierte sich überhaupt nicht für seine Herkunft. Auch regelmäßige Besuche bei Verwandten in Israel änderten daran nichts. Nach dem Umzug in den von muslimischen Zuwanderern geprägten Berliner Stadtteil Wedding änderte sich jedoch alles. Hass auf Israel und die Juden ist an der Tagesordnung. An den Häuserwänden stehen entsprechende Parolen.…mehr

Produktbeschreibung
- Eine Coming-of-Age-Geschichte von großer erzählerischer Wucht

- Ein außergewöhnliches Migrantenschicksal

- Ein brisantes Thema
Die Geschichte eines Deutsch-Iraners, der Israeli wurde
Seine Familie kam aus dem Iran. Er wuchs in Berlin auf. Er interessierte sich überhaupt nicht für seine Herkunft. Auch regelmäßige Besuche bei Verwandten in Israel änderten daran nichts. Nach dem Umzug in den von muslimischen Zuwanderern geprägten Berliner Stadtteil Wedding änderte sich jedoch alles. Hass auf Israel und die Juden ist an der Tagesordnung. An den Häuserwänden stehen entsprechende Parolen. Als sich herausstellt, dass Arye Jude ist, wird er zur Zielscheibe dieses Hasses. Da ist er 15 Jahre alt. Mithilfe eines befreundeten muslimischarabischen Kurden gelingt es ihm, sich in der Welt der Jugendgangs "hochzuarbeiten". Nur mühsam kann er sich aus dieser Welt wieder lösen. Er beginnt, sich mit seiner jüdischen Herkunft auseinanderzusetzen. Er erfährt von seinen Eltern, welchen Verfolgungen die Juden im Iran ausgesetzt waren, wo "ein nasser Hund" besser war "als ein trockener Jude". Das Gefühl der Nichtzugehörigkeit wächst. Schließlich wandert Arye nach Israel aus, wo er ein anderes Leben führen will: ein Leben der Zugehörigkeit, ein Leben ohne schiefe Blicke, ein Leben als Jude.

"Für die Deutschen war ich ein Kanake, für die Moslems ein Jude, für die Juden ein krimineller Jugendlicher aus dem Wedding."
  • Produktdetails
  • dtv Taschenbücher Bd.24797
  • Verlag: Dtv
  • 2. Aufl.
  • Seitenzahl: 248
  • Erscheinungstermin: 21. September 2010
  • Deutsch
  • Abmessung: 210mm x 136mm x 23mm
  • Gewicht: 344g
  • ISBN-13: 9783423247979
  • ISBN-10: 3423247975
  • Artikelnr.: 27987945
Autorenporträt
Arye Sharuz Shalicar, Jahrgang 1977, diente nach dem Abitur 1997 bei der Bundeswehr als Sanitäter und begann an der FU Berlin zu studieren. 2001 wanderte er nach Israel aus, wo er 2006 an der Hebräischen Universität Jerusalem das Bachelor-Studium Internationale Beziehungen, Nahostgeschichte und Politik absolvierte sowie im Anschluss bis 2009 ein Masterstudium der European Studies. Von 2006 bis 2009 arbeitete er für The Jewish Agency for Israel und 2007 - 2009 für das Nahost-Studio der ARD in Tel Aviv. Er ist ehrenamtlich Vorsitzender der Organisation junger deutschsprachiger Einwanderer in Israel (NOAM) und seit Oktober 2009 Pressesprecher der israelischen Armee (IDF).
Rezensionen
Besprechung von 07.11.2010
Im Wedding konnte ich nur als Krimineller überleben
Ein Gespräch mit dem iranischen Juden Arye Shalicar über sein Buch und seine Kindheit unter Muslimen in Berlin

Arye Shalicar, Sie sind 33 Jahre alt und veröffentlichen ein Buch, das als "Autobiographie" angekündigt wird. Sind Sie dafür nicht ein bisschen jung?

Meine Geschichte habe ich aufgeschrieben, um eines Tages meinen Kindern zu erklären, warum ihr Vater seinem Geburtsland Deutschland den Rücken gekehrt hat. Aber auch, um Lesern in Deutschland klarzumachen, dass Antisemitismus in ihrem Land weiterhin verbreitet ist, insbesondere unter muslimischen Jugendlichen. Es spielt weniger eine Rolle, wie alt der Mensch ist, der seine Autobiographie veröffentlicht; entscheidend ist, was er zu erzählen hat.

Sie schildern die Ausgrenzung, Verachtung, schließlich die Misshandlungen, die Sie als Jude unter muslimischen Jugendlichen, Ihren Mitschülern an einer Berliner Schule, erfahren haben. Wie erklären Sie den Hass junger Muslime auf einen gleichaltrigen Juden?

Nach meinem Eindruck ist Antisemitismus weit verbreitet in der islamischen Gesellschaft. Und wird in die Länder exportiert, in die Muslime einwandern. Das Schlimmste habe ich auf der Straße erlebt. Manchmal musste ich große Umwege gehen, um nach Hause zu kommen. Warum ich gehasst wurde, war mir damals ein Rätsel. Nachdem sich herumgesprochen hatte, dass ich Jude bin, wurden Mitschüler, sogar gute Freunde wie Mahavir, von einem auf den anderen Tag zu meinen ärgsten Feinden. Mahavir hat sicher nicht genau gewusst, warum "Muslime zusammenhalten müssen, um alle Juden zu töten". Aber er hat es offenbar bei seinen Eltern so gehört oder bei seinen muslimischen Freunden auf dem Fußballplatz, die es wiederum von ihren Eltern oder älteren Geschwistern beigebracht bekommen haben.

Galt der Hass Juden im Allgemeinen, oder bezog er sich in erster Linie auf Israel?

Der Hass galt mir in erster Linie als einem Juden. Es war für viele Muslime einfach nicht akzeptabel, dass ein Jude auf "ihren Straßen" rumlief. So wurde ich zur Zielscheibe erklärt, mit der Absicht, mich aus dem Viertel zu vertreiben. Ich wurde auch oft als Israeli bezeichnet, obwohl ich nie in Israel gelebt hatte und kaum ein Wort Hebräisch sprach. Viele radikale Muslime machen keinen Unterschied zwischen einem Juden und einem Israeli - beides ist der Feind, beides sollte am besten nicht existieren.

Als Sie Ihr Buch schrieben, wussten Sie nichts von Thilo Sarrazin und seinen Thesen zur "Integration" muslimischer Einwanderer in Deutschland. Nun gilt Ihr Buch als wichtiger Beitrag zu dieser Debatte. Wundert Sie das?

Ich habe mein Buch in den ersten Jahren nach meinem Umzug nach Israel geschrieben. Damals gab es noch keine wirkliche Integrationsdebatte, man sprach kaum öffentlich über Moscheebau und Burkaverbot. Ich denke, zwischen meiner Geschichte und den Schilderungen von Herrn Sarrazin besteht ein grundlegender Unterschied: Während Sarrazin "von oben" hineinschaut und anhand von Theorien und Statistiken zu veranschaulichen versucht, dass viele Muslime kein Interesse haben, sich in Deutschland zu integrieren, habe ich mitten in einem Ausländergetto gelebt, war Teil dieser Gesellschaft.

Der israelische Botschafter Ben Zeev hat kürzlich in einem Interview gesagt, in Israel sei man erfolgreicher mit der Integration von Einwanderern als in Deutschland. Stimmen Sie ihm zu?

Die Mehrheit der Neuankömmlinge kommt nach Israel, um so schnell wie möglich Teil der israelischen Gesellschaft zu werden. So wie ich selbst. Die Mehrheitsgesellschaft in Israel ist an die vielen Neueinwanderer gewöhnt und nimmt sie normalerweise mit offen Armen auf. Wie in meinem Fall. In Deutschland ist es ganz anders. Natürlich haben sich viele Einwanderer in Deutschland integriert, diese kommen jedoch meist aus dem nichtmuslimischen Kulturraum. Auch gut integrierte Muslime gibt es, wie meinen Freund Erdal, der ein Diplom an der Technischen Universität Berlin gemacht hat und heute für ein namhaftes Unternehmen arbeitet. Doch es gibt viele Muslime, die in einer abgeschotteten Parallelwelt mit eigenen Gesetzen leben und kaum Kontakt zu Deutschen haben.

Sie sind unfreiwillig ein Kenner der internen Strukturen muslimischer Parallelgesellschaften in Deutschland geworden. Wie sehen diese aus?

Man kann nicht von einer einzigen muslimischen Parallelgesellschaft sprechen. Türke ist nicht gleich Araber, und Araber ist nicht gleich Albaner. Für Außenstehende sehen sie jedoch fast gleich aus, benehmen sich ähnlich und leben zusammen im Kiez. Auch ich war für Außenstehende entweder Türke oder Araber. Es gibt jedoch sehr viele Abstufungen. Ein Großteil der Muslime, ob Türken, Pakistaner, Libanesen oder Palästinenser, sitzt zwischen den Stühlen und hat eine Art Identitätskrise. So gibt es in Bezirken wie Wedding eigentlich mehrere Parallelgesellschaften, die türkische, die libanesische, die palästinensische, die nebeneinander existieren ohne viel Kontakt. In meinem Buch schildere ich, dass ich, der dunkelhäutige Jude aus Iran, einerseits mit Türken befreundet war, andererseits aber auch versucht habe, mich mit Arabern zu verstehen. Es kam sehr selten vor, dass Araber und Türken, zwei Mehrheiten innerhalb der muslimischen Parallelwelt, miteinander befreundet waren. Auch Palästinenser und Libanesen oder Türken und Kurden können einander oft nicht ausstehen. Obwohl sie alle Muslime sind. Es ist also um einiges komplizierter, als sich das die meisten Außenstehenden vorstellen.

Aber es handelt sich um geschlossene Milieus, zu denen ein Außenstehender nicht so ohne weiteres Zutritt erlangt?

Ja. Auch ich war ein Außenstehender, weil ich eben keiner der großen oder kleinen muslimischen Gesellschaften in diesem Milieu angehörte, obwohl ich äußerlich kaum anders aussah. So wurde ich sehr schnell zum Opfer radikaler muslimischer Antisemiten. Erst als ich durch Husseyn "Schutz" bekam, gehörte ich bald zu dem Milieu, das mich zuvor gedemütigt hatte, einem Milieu, in dem es oft ziemlich aggressiv hergeht. Es ist nahezu unmöglich, zu der Jugendszene eines Problembezirkes Zutritt zu erlangen, ohne selbst dort zu wohnen, auf dieselben Schulen zu gehen und sich zu beweisen.

Zu beweisen - auf welche Art?

In geschlossenen Milieus herrschen interne Gesetze. Kriminalität ist an der Tagesordnung. Das sogenannte Milieu gibt den Ton an im Problembezirk. Entweder man gehört dem Milieu an oder sollte sich vor ihm in acht nehmen. Ich als Jude musste dazugehören, wenn ich sicher nach Hause gehen wollte. Mitglieder, vor allem Mitläufer dieser Jugendbanden sind normalerweise fast alle Schüler der Hauptschulen oder Gesamtschulen und manchmal der Realschulen im Kiez. Es ist "cool", Gangmitglied zu sein, Graffitisprühen ist weitverbreitet, Schlägereien vor der Schule sind alltäglich, Jugendliche aus anderen Bezirken "abziehen" ist schnelles und einfaches Geld. So fangen viele Jugendliche ihren kriminellen Werdegang an; kaum jemand interessiert im jungen Alter ein anständiger Werdegang. Viele kommen früh ins Gefängnis und schaffen es nicht einmal, einen vernünftigen Schulabschluss zu erlangen.

In diese Welt der Alltagskriminalität sind Sie schließlich selbst hineingezogen worden. Sie schildern es als unfreiwillige Entwicklung, als die einzige Möglichkeit, weiterem Mobbing, weiterer Aggression zu entgehen. Ist das wirklich so? Gibt es keine anderen Wege?

Es herrscht so etwas wie ein Sog, ein Druck durch die Umgebung. Es geht darum, von den radikaleren Jugendlichen akzeptiert zu werden, von den aggressiveren Bandenmitgliedern, die den Bezirk in der Hand haben. Das war eine unfreiwillige Entwicklung, die ich nicht eingeschlagen hätte, wenn ich in Spandau geblieben wäre, wo wir vorher wohnten. Im Wedding konnte ich mein Überleben nur sichern, indem ich Teil der Alltagskriminalität wurde.

In Ihrem Buch ist viel von Ihrem Zusammenleben, Ihren Beziehungen, Ihren Konflikten mit jungen Muslimen die Rede, aber immer nur von männlichen. In Ihre Schule sind doch sicher auch muslimische Mädchen gegangen. Hatten Sie zu ihnen keinen Kontakt?

In meiner Klasse waren mehrere Türkinnen, eine trug Kopftuch, mit denen ich mich relativ gut verstand. Darüber hinaus war ich eine Zeitlang ziemlich verknallt in eine junge Türkin namens Selma, die mich jedoch abwies, als sich herausstellte, dass ich kein Muslim bin. Obwohl auch sie Gefühle für mich hatte.

Ihre Geschichte liegt 15 bis 20 Jahre zurück. Sie resümieren, Sie hätten sich damals in Berlin verfolgt und unfrei gefühlt. Heute leben etwa 20 000 bis 30 000 Israelis in Berlin, vor allem junge, und fühlen sich dort offensichtlich wohl. Was ist heute anders?

Berlin hat sich seit der Jahrtausendwende verändert, besonders Ost-Berliner Bezirke wie Mitte und Prenzlauer Berg. Die Stadt ist attraktiver geworden für Künstler, Musiker, Studenten und Kosmopoliten aus allen Himmelsrichtungen. So findet man im Zentrum Berlins nicht wenige Franzosen, Spanier, Engländer, Mexikaner, Australier und auch Israelis, die sich wohl fühlen in ihren gemischten Wohngegenden. Doch der Wedding ist geblieben wie in den neunziger Jahren oder sogar schlimmer geworden. Auch der Norden von Neukölln. Israelis kennen die Straßen im Wedding nicht und begeben sich auch nicht nach Nord-Neukölln - und sicherlich nicht mit einem Davidstern-Anhänger frei über dem Pullover hängend.

Mit Arye Shalicar sprach Chaim Noll.

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"Mit Mut und Ehrlichkeit offenbart der Autor seine einzigartige Vita. Sie zeigt die Bundesrepublik von einer Seite, die anderen Durchschnittsbürgern kaum bekannt sein dürfte. Shalicar schreibt damit ein Buch, das erschüttert und zum Nachdenken zwingt. Dieser einzigartige Ausflug in den gefährlichen Hinterhof Deutschlands konfrontiert den Leser mit einer unbequemen Wahrheit jenseits des politisch korrekten Gefasels. Eine Pflichtlektüre für jeden, dem Deutschlands Demokratie und Toleranz am Herzen liegen." -- Gil Yaron

Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Arye Sharaz Shalicar erzählt in seinem Buch die bittere Geschichte eines Jugendlichen, der in Berlin gleich doppelt keine Chance hatte. Als Sohn iranischer Einwanderer wächst er im Berliner Wedding auf und macht Karriere in der Gang Black Panthers. Allerdings bleibt auch im Gangland sein Status prekär, denn Shalicar ist kein Muslim, sondern ein Jude, der nur dank der Protektion seines kurdischen Freundes unangetastet bleibt. Für die einen ist er der Jude, für die anderen der kriminelle Ausländer. Mit 22 Jahren ist Shalicar nach Israel gegangen und dort inzwischen Sprecher der Armee. Auch so können Einwandergeschichten ausssehen. Cornelia Fiedler hat dieses Buch offensichtlich sehr beeindruckt gelesen, sie attestiert ihm eine besondere Eindringlichkeit; allerdings stört sie sich an mangelndem Lektorat und einer Rhetorik, die sie als "brachial-nachdenklich" bezeichnet.

© Perlentaucher Medien GmbH
"Es ist, während wieder einmal viel über Ein- und Auswanderung gesprochen wird, auch die Geschichte eines Deutschen, der dieses Land freiwillig verlassen hat."
Moritz Schuller, Der Tagesspiegel 25. Oktober 2010