Die Goodwill-Gesellschaft - Jacobi, Robert
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Warum gut gemeint noch lange nicht gut gemacht ist Oetker, Quandt, Hopp, Krämer, Buffett, Otto und Gates: Stifter, Spender und Mäzene scheinen sich förmlich zu überbieten, wenn es um gute Taten geht. Wer sollte etwas dagegen haben? Doch das Geldverschenken erfolgt steuerbegünstigt, und wir alle haben einen Anspruch darauf zu erfahren, was hier geschieht. Es ist höchste Zeit, die Welt des Goodwills genauer unter die Lupe zu nehmen. Robert Jacobi hat mit Stiftern und ihren Mitarbeitern, Beratern und Wissen- schaftlern gesprochen. Er hat Projekte besichtigt von Westafrika bis Heidelberg und…mehr

Produktbeschreibung
Warum gut gemeint noch lange nicht gut gemacht ist Oetker, Quandt, Hopp, Krämer, Buffett, Otto und Gates: Stifter, Spender und Mäzene scheinen sich förmlich zu überbieten, wenn es um gute Taten geht. Wer sollte etwas dagegen haben? Doch das Geldverschenken erfolgt steuerbegünstigt, und wir alle haben einen Anspruch darauf zu erfahren, was hier geschieht. Es ist höchste Zeit, die Welt des Goodwills genauer unter die Lupe zu nehmen. Robert Jacobi hat mit Stiftern und ihren Mitarbeitern, Beratern und Wissen- schaftlern gesprochen. Er hat Projekte besichtigt von Westafrika bis Heidelberg und beantwortet die zentralen Fragen: Was wird sichtbar, der gute Ruf der guten Taten oder der schlechte Ruf der Geldwaschanlagen? Wie lässt sich verhindern, dass das Helfen schlecht gemacht wird? Und wie findet man in dem riesigen Angebot von Hilfsorganisationen und Stiftungen die richtigen Partner oder Spendenempfänger? Robert Jacobi nennt Ross und Reiter eines Milliardenspiels. Sein Buch ist der erste umfassende Report über die boomende Goodwill- Branche.
  • Produktdetails
  • Verlag: Murmann Publishers
  • Seitenzahl: 252
  • Erscheinungstermin: 3. Dezember 2009
  • Deutsch
  • Abmessung: 215mm x 138mm x 25mm
  • Gewicht: 438g
  • ISBN-13: 9783867740609
  • ISBN-10: 3867740607
  • Artikelnr.: 27933971
Autorenporträt
Robert Jacobi, geb. 1979, hat die Deutsche Journalistenschule absolviert und Fotografie in Harvard/USA studiert. Seit seiner Jugend reist Robert Jacobi, wann immer er Zeit dafür findet. Dabei helfen ihm fünf Sprachen, die er fließend beherrscht. Für die Süddeutsche Zeitung und das SZ-Magazin arbeitete er mehrere Jahre lang als Autor und Korrespondent. In dieser Zeit berichtete er über Weltwirtschaftsgipfel, die Terroranschläge in New York und arbeitslose Jugendliche in Ostdeutschland. Über seine Reise entlang der Panamericana berichtete er online für die Süddeutsche Zeitung. Für seine Reportagen und Leitartikel erhielt er den Alexander-Rhomberg-Preis der Gesellschaft für deutsche Sprache, den Georg-von-Holtzbrinck-Preis und den deutsch-amerikanischen Arthur F. Burns-Journalistenpreis.
Rezensionen
Besprechung von 24.12.2009
Transparenz gefordert
Stiftungen, Mäzene, Spender, Ehrenamtler: Gemeinnütziges Engagement ist groß in Mode. Die Zahl neuer Stiftungen erreicht jedes Jahr einen neuen Höchststand, auch die Medien interessieren sich endlich für solchen Einsatz. Stifter wie Peter Krämer und Arend Oetker müssen nicht mehr im Verborgenen wirken. 23 Millionen Menschen engagieren sich in der einen oder anderen Form ehrenamtlich in Deutschland. Die ehrenamtliche Tätigkeit der Deutschen beläuft sich auf einen jährlichen Gegenwert von mehr als 50 Milliarden Euro – sofern sich so etwas messen lässt.
Inzwischen ist philanthropisches Engagement auch zum Wettbewerbsfaktor geworden. Unternehmen bessern ihr Image durch Stiftungseinrichtungen auf. Berufsanfänger unterstreichen in Bewerbungen ihren ehrenamtlichen Einsatz. Karrieristen wollen mit Engagements etwa für Obdachlose ihren Marktwert erhöhen. Wo liegt die Grenze zwischen Kalkül und Ernsthaftigkeit?
Ein so großer Sektor wirft Fragen und Misstrauen auf. Zwar sind die Geldmittel, die deutsche Stiftungen selbst erwirtschaften, mit jährlich rund vier Milliarden verschwindend gering im Vergleich zu den staatlichen Aufwendungen. Doch wie wichtig auch dieser Betrag ist, weiß jeder, der die sozialen Notlagen vor Ort kennt, der die Bildungsmisere beklagt, die Theaterschließungen und die wachsenden Klimaprobleme.
„Die Goodwill-Gesellschaft” berichtet von den vielfältigen Aktivitäten dieser Stifter, Spender und Mäzene. Doch für den Autor Robert Jacobi liegt hier vieles im Argen. Er macht ein Dilemma bei den Stiftern und Mäzenen aus: „Gut gemeint” ist oft nicht „gut gemacht”. Zuweilen lähmen die Fördermittel Eigeninitiative und wirken kontraproduktiv. Hilfe zur Selbsthilfe ist erstrebenswertes Ziel der meisten Personen, denen die Mitmenschen am Herzen liegen. Gleichwohl gibt es kaum Maßstäbe und Messlatten für gelungenes stifterisches Handeln.
Für Jacobi zählt nicht der gute Wille, sondern die positive Wirkung der Wohltat. Er hat umfassend recherchiert und mit vielen Menschen gesprochen, die im Stiftungswesen einen Namen haben. Doch in der Fülle der Informationen unterlaufen ihm auch Fehler. Da wird ein Präsident zum Generalsekretär, und Philip Morris heißt schon 1990 Altria.
Die Schwächen des Buches liegen aber im Ansatz selbst. Der Autor macht dort Dilemmata aus, wo keine sind. Die bloße Forderung nach Effizienz nur um der Effizienz willen, dürfte viel Motivation zerstören. Spendenportale wie „clicks4charity”, „Facebook Causes” und „betterplace” sind dem Autor sympathisch. Hier räumt er ein: Missbrauch wird es immer geben. Das schmälert nicht das positive Wirken. Das gilt auch für die Stiftungen. Denn die entscheidende Frage, die der Autor übersieht, ist die nach Vertrauen. Ist die Gesellschaft bereit, gemeinnützige Stiftungen von Steuern freizustellen? Wenn nicht, dann muss das Gemeinnützigkeitsrecht reformiert werden.
Wenn aber doch, dann muss man dem Stifter – kontrolliert durch Stiftungsaufsicht und Finanzbehörde – Handlungsspielräume zugestehen, ohne selbst den Grad an Innovation, Transparenz und Effizienz festzulegen. Jacobi selbst zitiert die „philanthropischen Vordenker” Michael Porter und Mark Kramer: Stiftungen sollten den Bereich wählen, in dem sie am besten wirken könnten, und nicht versuchen, das wichtigste gesellschaftliche Problem zu identifizieren.
Aus zwei Gründen lohnt die Lektüre des Buches dennoch: So schreibt Jacobi sehr persönlich. Zudem enthält das Buch zahlreiche Tipps für alle, die spenden wollen; nicht nur zu Weihnachten ein brennendes Thema. Ulrich Brömmling
Robert Jacobi: Die
Goodwill-Gesellschaft. Die unsichtbare Welt
der Stifter, Spender
und Mäzene. Murmann Verlag Hamburg, 2009. 256 Seiten. 24,90 Euro.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung exklusiv über www.sz-content.de
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Besprechung von 22.03.2010
Das Gute ist selten vollendet
Robert Jacobi hinterfragt Stifter, Spender und Mäzene

Alle haben ihn gefördert. Der Journalist Robert Jacobi hat Geld von der Konrad-Adenauer-Stiftung bekommen, von der Studienstiftung des deutschen Volkes und über die Arthur F. Burns Fellowship auch von der Deutschen Bank, der Allianz und dem Autohersteller Ford. Diese Förderung hat ihm zu vielen Auslandsaufenthalten und zu einer Karriere bis zum Medienberater verholfen. Zufrieden gemacht hat sie ihn offenbar nicht. Er wollte wissen: Woher haben die Sponsoren das Geld? Er hat sich auf die Reise begeben und in mehr als 50 Gesprächen mit Spendern, Sponsoren, Stiftern und Mäzenen herauszufinden versucht, warum jemand freiwillig sein Vermögen einem guten Zweck zur Verfügung stellt.

Jacobi hat viel Material zusammengetragen - und dann wenig damit anzufangen gewusst. Es beginnt bereits damit, dass er den Spender für die Erdbebenopfer in Haiti oder Chile mit den Stiftern, die ihr Vermögen einem gemeinnützigen, über lange Zeiträume anhaltenden Zweck widmen, in einen Topf wirft. Was sie verbindet, ist ein persönlicher Einsatz für eine gute Sache.

"Ich zähle nicht zu den Menschen, die jede Art des persönlichen Einsatzes gutheißen, erst recht nicht, wenn er unreflektiert geschieht, was leider recht häufig anzutreffen ist", schreibt Jacobi im Vorwort. Diese Vorwürfe durchziehen das ganze Buch. Die Stifter, Mäzene und Spender wüssten nicht, was sie tun, gäben ihr Geld ineffizient aus und handelten intransparent, für Dritte nicht nachprüfbar. Das darf seiner Ansicht nach nicht sein, denn damit schaden sie uns allen, denn "Geld für gemeinnützige Aktivitäten ist steuerlich begünstigt, ein Teil kommt also von den Bürgern, nicht vom edlen Spender, und deshalb müssen Fehlschläge und Verschwendung genauso offen eingeräumt werden, wie es von einer staatlichen Behörde zu erwarten sein sollte", formuliert der Autor in seiner zentralen These. Er fordert, die Menschen stärker zu kontrollieren, die glauben, selbst zu wissen, wozu sie ihr Geld ausgeben.

Aber erstens handeln gerade die großen Stiftungen hierzulande bereits sehr transparent. Regelmäßig legen sie Rechenschaft über ihr Schaffen ab. Außerdem wacht der Staat sehr genau darüber, dass die Gemeinnützigkeit auch gegeben ist. Dass der Staat nicht stärker inhaltlich eingreift, ist ein großer Vorteil. Stiftungen haben eine wichtige anregende Funktion. Sie orten gesellschaftliche Probleme und suchen nach Lösungen für die Integration von Ausländern, für die Bildung von Unterschichtenkindern, für die Entwicklungshilfe in der Dritten Welt, für den Erhalt von Umweltschutzzonen, für die Förderung exotischer Forschungsgebiete, für den Erhalt von Denkmälern oder für die Förderung der Demokratie und dergleichen mehr.

Weil sie ihr eigenes Geld einsetzen, dürfen sie auch experimentieren. Viele Ideen und Experimente von Stiftungen sind im Erfolgsfall aufgegriffen und von Privatpersonen, Unternehmen oder dem Staat fortgeführt worden. Dieses gesellschaftliche Experimentierfeld ginge verloren, würden wir dem Autor in seinem Ruf nach mehr Kontrolle und Effizienz folgen. Und das Steuerprivileg ist teuer erkauft. Die Stifter verlieren mit der Übertragung ihres Vermögens auf die Stiftung die freie Verfügbarkeit über das Vermögen. Die Entscheidung, sein Vermögen in den Dienst einer guten Sache zu stellen, ist unumkehrbar. Am Ende ruft auch Jacobi völlig zu Recht die Bürger auf, sich stärker zu engagieren, trotz Mängeln an Effizienz und Aufsicht. Wie recht hatte doch Kästner: "Es gibt nichts Gutes. Außer man tut es." Und darüber ein umfassendes Buch zu schreiben bleibt auch nach Jacobis Buch noch zu tun.

GEORG GIERSBERG

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Merkwürdig ist das schon. Erst kritisiert Robert Jacobi, selbst ein Begünstigter des Stiftungssystems, die Spender, Stifter und Mäzene für die Unreflektiertheit und Undurchsichtigkeit, mit der sie seiner Meinung nach auch Steuergelder unter die Leute bringen und dann fordert er am Ende seines Buches zu mehr Bürgerengagement auf. Georg Giersberg ist außer dieser Seltsamkeit noch mehr Ungereimtes aufgefallen in diesem Buch. Etwa das Missverhältnis von Materialmenge und analytischer Durchdringung. Stattdessen hagelt es Vorwürfe wegen Verschwendung und wie gesagt Intransparenz. Für Giersberg ein klarer Fall von Blindheit gegenüber der Wirklichkeit. Erstens, so stellt er klar, herrsche sehr wohl Transparenz und staatliche Kontrolle in puncto Gemeinnützigkeit. Ein weiterer, inhaltlicher Eingriff ins Fördersystem scheint ihm daher eher nicht wünschenswert. Und zweitens erfüllten die Stiftungen eine bedeutende gesellschaftliche Funktion, indem sie gesellschaftliche Missstände orteten und experimentell nach Lösungen suchten. Meint der Rezensent.

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