Das kreative Netzwerk - Schmidbauer, Manfred
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Zeichnen und Malen sind spezifisch menschliche Hirnleistungen und waren ursprünglich keine elitäre Freizeitgestaltung, sondern ein lustbegleitetes Lernprogramm in der Auseinandersetzung mit der Umwelt. Sie sind in der Kindheit Vorbote und Begleiter der Sprachentwicklung. Bildliches Gestalten verbindet viele Einzelfunktionen unseres Nervensystems zu einem Aktionskanon und aktiviert Einzelfunktionen, die bei Gehirnerkrankungen beeinträchtigt wurden oder sichtbarer Ausdruck solcher Störungen sind. Damit können Zeichnen und Malen wertvolle Elemente der neurologischen Diagnostik und Rehabilitation…mehr

Produktbeschreibung
Zeichnen und Malen sind spezifisch menschliche Hirnleistungen und waren ursprünglich keine elitäre Freizeitgestaltung, sondern ein lustbegleitetes Lernprogramm in der Auseinandersetzung mit der Umwelt. Sie sind in der Kindheit Vorbote und Begleiter der Sprachentwicklung. Bildliches Gestalten verbindet viele Einzelfunktionen unseres Nervensystems zu einem Aktionskanon und aktiviert Einzelfunktionen, die bei Gehirnerkrankungen beeinträchtigt wurden oder sichtbarer Ausdruck solcher Störungen sind. Damit können Zeichnen und Malen wertvolle Elemente der neurologischen Diagnostik und Rehabilitation sein. Dieses Buch enthält keine Definition von Kunst, noch werden die beispielhaften Arbeiten neurologischer Patienten als Kunst gesehen, sondern der Autor zeigt die zerebralen Mechanismen, die in ihrem Zusammenwirken zu dieser menschenspezifischen Leistung führen und demonstriert an ausgewählten Beispielen die Auswirkung von organischen Hirnerkrankungen auf das "Funktionsorchester" bildnerischen Gestaltens.
Zeichnen und Malen ist eine allgemeinmenschliche Begabung. Sie entspringt der Notwendigkeit, die qeqenstendliche Umwelt kennen zu lernen und ihre Merkmale anderen mitzuteilen. Visuelle Umweltmerkmale, die fur unser Le ben wiehtig sind, werden instinktiv, auf Basis individuellerErfahrungoderepo chal im Kulturkollektiv bewertet. Daher treibt uns bereits Iruh in der Kindheit eine Motivation zur Auseinandersetzung mit Stitt und Pinsel. Ich versuche hier, die cerebralen Mechanismen darzustellen, weIche - so weit bisher bekannt oder empirisch naheliegend - in ihrem Zusammenwirken diese exklusiv menschliche Leistung erm6glichen, und zeige an Beispielen die Auswirkung von organischen Hirnerkrankungen auf das .Punktionsorchester" bildhaften Gestaltens. Diese Arbeit versteht sieh als fragmenthafter Beitrag zu einer neurologi schen Betrachtung der Asthetik oder zu einer .Neuro-Asthetik". wie es Semir Zeki in seinem Buch "The inner vision" (1)ausqedriickt hat. Im Gegensatz zu Zekis Konzept beschrankt sich diese Arbeit nicht auf Beziehungen zwischen Kunst und Neurophysiologie, sondern beabsichtigteine m6glichstvieltaltiqe An kniipfunq an klinisch-neurologische Phanomene, die das visuelle Gehirn betref fen, und entsprechend wird illustrativen Fallbeispielen viel Raum gegeben. Die Analyse setzt auch keinen elektiven Schwerpunkt auf moderne Kunst im Vollbewusstsein ihrer stark reflexiven Wirkung auf Teilbereiehe der visuel len Wahrnehmung - , sondern berucksichtiqt in gr6fierem Rahmen unsere ge qenstandhche und narrative abendlandische Maltradition.
  • Produktdetails
  • Verlag: Springer, Wien
  • Erscheinungstermin: 22. September 2004
  • Deutsch
  • Abmessung: 249mm x 169mm x 17mm
  • Gewicht: 407g
  • ISBN-13: 9783211208342
  • ISBN-10: 3211208348
  • Artikelnr.: 12985294
Autorenporträt
Manfred Schmidbauer, Krankenhaus Lainz, Wien
Inhaltsangabe
Ursprünge: Einleitung Hirn und Hand - Eine faszinierende Wechselwirkung in zwei Richtungen Die Menschwerdung von Hand und Hirn - Was im Gedächtnis der Art verankert liegt, geht dem Einzelnen nicht so leicht verloren Die Ontogenese ist eine kurze Wiederholung der Phylogenese (Ernst Haeckel) Individuelle und kulturkollektiv synchronisierte bildliche Betrachtung und Gestaltung: Kinderschritte in bildnerischem Gestalten und ästhetischem Urteil Instinktiv und individuell durch Erfahrung entstandene Priorität Epochal in Kulturkollektiven synchronisierte Priorisierungen Die neuronale Maschine bildlichen Gestaltens und ihr Bezug zu neurologischer Klinik und Kunst: Hirnfunktionen und ihre 'Anatomische Mechanik' im bildlichen Gestalten Funktionssysteme und Interaktionen als Grundlage von Zeichnen und Malen - ein zweiter Durchgang für alle, die es genauer wissen wollen Emotion Visuelle Verarbeitung Gedächtnis Das erfinderische Moment im bildlichen Gestalten und seine Beziehungen zum Stirnhirn Motorische Planung, Ausfolge, letzte gemeinsame Endstrecke Hand Das Assoziations- und Commissurensystem Lateralisation und Dominanz Ein Blick ins dynamische Hirnmodell bildnerischen Gestaltens - Zwischenbilanz der bisherigen Ausführungen Das kranke Gehirn und seine bildnerischen Möglichkeiten: Der Parietallappen - Ein exotischer Garten von 'Signatursyndromen' und Disconnexionsphänomenen 'Netzwerkstörungen ohne spezifische Lokalisation' Emotionale und kognitive Störungen Das gestaltungstherapeutische Repertoire und seine Anwendungen in der Neurologie Glossar Literatur