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Emanzipiert, frustriert, ratlos: War der Feminismus ein verhängnisvoller Irrtum? Viele Frauen spüren heute, dass Ihnen das Wichtigste verloren gegangen ist - ihre Weiblichkeit, ihre Bindungen, ihr Glück. Vor allem aber ihre Kinder. Eva Herman beschreibt Wege aus dem Dilemma. Sie zeigt, was wirklich wichtig ist.…mehr

Produktbeschreibung
Emanzipiert, frustriert, ratlos: War der Feminismus ein verhängnisvoller Irrtum? Viele Frauen spüren heute, dass Ihnen das Wichtigste verloren gegangen ist - ihre Weiblichkeit, ihre Bindungen, ihr Glück. Vor allem aber ihre Kinder. Eva Herman beschreibt Wege aus dem Dilemma. Sie zeigt, was wirklich wichtig ist.
  • Produktdetails
  • Verlag: Pendo
  • Deutsch
  • Abmessung: 21, 5 cm
  • Gewicht: 461g
  • ISBN-13: 9783866121058
  • ISBN-10: 3866121059
  • Artikelnr.: 20862836
Autorenporträt
Eva Herman ist als ehemalige Tagesschau-Sprecherin und Talkshow-Moderatorin einem Millionen-Publikum bekannt. Ihr Buch 'Das Eva-Prinzip' sorgte für kontroverse Diskussionen.
Rezensionen
Besprechung von 11.09.2006
Der Eva-Knall
Warum Eva Hermans Hausfrauen-Buch doch auch sein Gutes hat

Eva Herman, 47 Jahre alt, Moderatorin der Tagesschau, hat Karriere gemacht. Sie hat einen Sohn, der acht Jahre alt ist. Immerhin. Es gibt Frauen (und Männer), die gar keine Kinder haben und keine Karriere gemacht haben (habilitierte Arbeitslose zum Beispiel). Frauen nennen unter all den Problemen, die ein Leben in Deutschland aufwirft, ein Problem gerne ihr Problem: wie sie Beruf und Kinderwunsch unter einen Hut bringen. Darüber wird zur Zeit geredet. Jetzt redet Frau Herman. Die Debatte wurde von der Frage ausgelöst: Warum kriegen die Deutschen so wenige Kinder?

Eva Herman sagt den Frauen, daß sie lieber zu Hause bei den Kindern und dem Ehemann bleiben sollen, statt ihrem Beruf nachzugehen. Daß sie lieber kochen statt operieren, lieber die Socken sortieren statt Plädoyers vor Gericht halten sollen. Sie ruft die Frauen ins Heim zurück, die sich im Beruf, so Herman (nachdem sie sich selbst verwirklicht hatte), selbst verwirklichen wollen. Und sie ruft auch die Frauen, die nur arbeiten gehen, weil sie sich einfach mehr leisten wollen (noch ein Auto, noch eine Sitzecke). Bisher rief sie mit ihren Büchern "Vom Glück des Stillens" und "Mein Kind schläft durch". Nun ruft sie mit dem "Eva-Prinzip".

Familie gründen, Kinder kriegen: Das ist einerseits ein individuelles Problem. Findet man den richtigen Mann? (Auch Männer müssen die richtige Frau finden, sonst sitzen sie ohne Kinder beim Abendbrot.) Hat man einen Beruf, den man sehr gerne macht? (Die Debatte um Kind und Karriere wird nicht von Fabrikarbeiterinnen geführt, die selbstredend auch nicht von beruflicher Selbstverwirklichung reden.) Soll man den lieben Beruf für die Kinder aufgeben? Wer soll das machen, der Vater oder die Mutter? Wer verdient denn mehr? Hat man sieben Töchter oder sieben Söhne - soll die Mutter beziehungsweise der Vater daheim bleiben? Hat die Familie genügend Geld, wenn nur einer arbeitet, oder müssen Vater und Mutter arbeiten, damit die Familie über die Runden kommt?

Das Problem mit den Kindern und dem Beruf ist andererseits nicht nur ein individuelles, sondern auch ein allgemeines, ein politisches Problem. Welche Lösungen hat der Staat (die Wirtschaft)? Ein kleines Paradies für Adam, Eva und die Kinder begänne, wenn die Arbeitgeber dem Vater und der Mutter mehr Zeit für die Kinder zur Verfügung stellten. Wenn man bei gleichem Lohn schneller aus dem Büro nach Hause zu den Kindern käme, die man nicht in Ganztagsbetreuungsanstalten unterbringen möchte. (Man setzt ja nicht Kinder in die Welt, um sie wegzugeben.)

Eva Herman redet nicht viel über die Wirtschaft und nicht viel über den Staat. Sie redet lieber über eine biologische Ausstattung, die Mann und Frau seit Urgedenken auf getrennte Wege geschickt hat: den Mann auf die Jagd, die Frau ins Haus. Kinderfremdbetreuung mag sie nicht. Das Kind braucht seine Eltern, das Kind braucht, sagt sie, vor allem die Mutter. Wieso vor allem die Mutter? Weil die Frau anders sei als der Mann. Das sei von der Natur so gewollt, sagt Frau Herman nach langen kinderlosen Karrierejahren in den naturfernen Städten. Die neue Biologie der Kultur erlaubt Allgemeinheiten, die bedrücken: Die Frau sorgt für Geborgenheit und Harmonie.

Das sagt Eva Herman wahrscheinlich, um zu provozieren. Vielleicht sagt sie das auch, weil sie das jetzt glaubt. Ganz sicher sagt sie es nicht, weil sie das gelebt hätte. Kann man so strikt gegen seine Existenz reden? Nur wenn man sich nicht ernst nimmt. Frau Herman war ganz sicher vor ihren neuen Erkenntnissen über die Frau auch schon eine.

Kinder würden sich wahrscheinlich eine Eva-Mutter wünschen, wie sie Eva Herman will. Oder einen Adam-Vater, wie ihn Eva Herman nicht will. Einer der beiden, denken die Kinder, soll immer für sie da sein. Am besten beide. Kinder sind in diesen Bindungen glücklich, und Eltern sind das auch, wenn sie nicht bescheuert sind. Eva Herman steht deswegen vor den Kinderbetreuungsstätten und sieht herzlose Mütter ihren heulenden Nachwuchs in die Hände von unfähigen Erzieherinnen legen. Sie schimpft auf die Feministinnen, weil sie die Frauen in die Männer- und Berufswelt gedrängt hätten, wo sie nun kalt und kerzengerade (wegen der Konkurrenz) und doch geknickt (wegen ihren unerfüllten Kinderwünschen) oder mit sauschlechtem Gewissen (wegen den heulenden Kindern in den Kindergärten) bei der Arbeit sitzen - und Debattenbeiträge zur Kindkarrierefrage schreiben. Die Männer sind offenbar guter Dinge.

Eva Herman sagt der jungen gebärfähigen Frau: Du bist eine Frau, sieh die Wahrheit der Natur, du willst einmal Kinder haben. Paß auf, daß dir die Zeit (die biologische Uhr) nicht davonrennt. Wenn das Kind da ist, mach keine Kompromisse zwischen Selbstverwirklichung im Beruf und Kinder- und Familienpflege. Wähle das Leben mit deinen Kindern, mit deinem Ehemann, bleibe daheim und kümmere dich um ein schönes Zuhause. Aber liebe Frau Herman, das können doch Männer auch: Daheim bleiben, Kinder hüten, kochen wie die Weltmeister und Apfelkuchenbleche in den Ofen schieben (was nicht jede Frau kann, wieso auch).

Die Frauen mischen endlich und häufig segensreich die männliche Berufswelt auf, sie bringen endlich neben Ideen und dergleichen einen anderen Ton in die Berufswelt, einen anderen Umgang - und dann kommt Eva Herman und bläst die Frauenriege zum Rückzug. Kein Wunder, daß ihr das Eva-Prinzip von Frauen (auch von Männern) um die Ohren gehauen wird.

Doch Eva Herman schüttelt ihre blonden Haare (das würden wir nie über einen Mann schreiben! Stimmt. Männer haben nicht so schöne Haare), und während wir uns das ansehen, denken wir: Vielleicht ist diese prominente Provokation, vielleicht sind die Reaktionen darauf zu irgend etwas gut. Vielleicht wacht man durch den Eva-Knall auf und sieht, daß man es sich mit den Kindern, die man in die Welt setzt, nicht einfach machen darf. Die Welt vor den Kindern ist nicht die Welt nach den Kindern. So wie eine Frau, die Mutter wird, so wie ein Mann, der Vater wird, anders sind. Eva Herman sagt den Frauen (wenn sie es doch bloß auch den Männern sagen würde): Ihr werdet es später bereuen, wenn ihr eure Kinder nur als eine Bereicherung eures Berufslebens versteht. Nehmt den Wunsch nach Kindern ernst. Daß sie die Frauen ins traute Heim zurücktreiben will - Schwamm drüber, das schafft sie nicht (auch nicht zusammen mit ihrer Coautorin Christine Eichel von der Zeitschrift "Cicero", in der vor einigen Monaten Eva Herman ihren ersten Eva-Aufruf veröffentlichte).

Vielleicht dient die Eva-Marotte den Frauen und den Männern dazu, das Leben ernster zu nehmen und den Kinderwunsch und die Kinder nicht dem Beruf und einer den Anforderungen der Arbeitswelt willfährig entgegeneilenden Politik auszuliefern.

EBERHARD RATHGEB

Eva Herman: "Das Eva-Prinzip". Für eine neue Weiblichkeit. Pendo Verlag, München und Zürich 2006. 260 S., geb., 18,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Besprechung von 13.09.2006
Die Vorlautsprecherin
Ein Produkt der Emanzipation: Eva Herman und ihr Buch „Das Eva-Prinzip”
Manchmal braucht man ein vorlautes Kind. Es tritt in eine Runde von Erwachsenen und spricht: „Sagt doch, warum seid ihr denn alle so traurig?” Dann gucken sich alle an und suchen nach einer Antwort. Sie ist nicht so schnell zu finden, weil gerade über ernste Dinge gesprochen worden ist, über Renten, Versicherungen, Reproduktionsraten und darüber, wie es in dieser Gesellschaft in zehn oder zwanzig Jahren aussehen wird. Dem Kind dauert das Antworten zu lange. „Ich weiß”, kräht es dazwischen, „Ihr seid so traurig, weil euch keiner mehr lieb hat”. Das Kind hat einen Namen. Es heißt Eva Herman, ist siebenundvierzig Jahre alt und war bis vor kurzem Sprecherin der „Tagesschau”.
So viel Kopfschütteln hat das Kind mit seinem Geplapper verursacht, dass sein Buch, genannt „Das Eva-Prinzip”, in hunderttausend Exemplaren gedruckt werden musste. Das Kopfschütteln gilt vor allem der These, die Emanzipation der Frau sei nur vermeintlich eine Errungenschaft der westlichen, liberalen Gesellschaften gewesen. Die Frauen seien durch ihre zunehmende Selbstständigkeit nicht glücklicher geworden, ja, sie hätten an der Zerstörung all dessen mitgewirkt, was die Natur ihnen als Aufgabe zugeteilt habe: die Familie und die weiblichen Rundungen, die Kinder und die Sorge für den Mann, das Heim und den Blumenschmuck auf dem Esstisch.
Davon spricht das alte Kind, und man muss es reden lassen. Was hilft es, darauf zu verweisen, dass es in der Natur keine Planstellen für Hausfrauen gibt? Darauf, dass Brüste und breite Hüften zwar eine biologische Fähigkeit, keineswegs aber einen Mangel an Durchsetzungsvermögen oder gar Urteilskraft erkennen lassen? Oder darauf, dass Eva Hermans menschheitsumfassende Vision von der Familie historisch und geografisch sehr genau zu fassen ist: im Selbstbild – kaum in der Realität – des bürgerlichen Haushalts während der fünfziger und sechziger Jahre, ein Bild, das es vorher nicht gab und nachher nicht geben wird.
All diese Einwände können das alte Kind nicht treffen. „Aber seht ihr denn nicht, wie unglücklich die Menschen sind?”, sagt es dann, und anschließend erzählt es von Simone und Ines und all den anderen unglücklichen, karrierebewussten, kinderlosen Frauen, denen sie begegnet und die sie immer „nachdenklich” machen. Indizienschlüsse sind schwer zu widerlegen. Versucht man es mit Gegenindizien, geht es gleich gar nicht.
Vorlaute Kinder wären nicht so erfolgreich, hätten sie nicht manchmal recht. Tatsächlich hat Eva Herman etwas über Emanzipation der Frau zu sagen: Dass ihre zunehmende politische, wirtschaftliche und soziale Selbstständigkeit keineswegs einen Anspruch auf mehr Glück umfasst. Im Gegenteil – Emanzipation kann auch heißen, dass die Verfügungsgewalt über die Frau dem Hausherrn entzogen und dem wirtschaftlichen Verwertungsprozess übertragen ist (in diesem lässt es sich allerdings leichter von einer Karriere träumen). Anders gesagt: Mit der Emanzipation der Frau verhält es sich so wie mit der Alphabetisierung der Gesellschaft. Letztere war untrennbar mit der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht verbunden: Wer lesen und schreiben lernte, tat nicht nur etwas für sich, sondern machte sich zugleich zurecht für seine Benutzung durch den Staat. Allerdings käme niemand auf den Gedanken, mit der Wehrpflicht auch die Schulpflicht aufzuheben – und zwar nicht nur aus gesellschaftlichen, sondern auch aus persönlichen Gründen. Im selben Sinne sind Frauen, die über den Ertrag der Emanzipation nachdenken, selber ein (ganz und gar nicht verächtlicher) Ertrag der Emanzipation und nicht deren Widerlegung.
Eva Herman hat ein paar Figuren des öffentlichen Lebens zornig werden lassen, weil sie in ihrer Rolle als vorlautes Kind zurecht darauf insistierte, dass Emanzipation nicht glücklich macht. Die These überrascht aber nicht wirklich. Eher schon ist es erstaunlich, dass Menschen an solche Heilsgeschichten glaubten. Ärgerlich, richtig irritierend hingegen wird es in dem Augenblick, in dem das vorlaute Kind sich zur vorlauten Schulmeisterin aufwirft und seinerseits eine Heilsgeschichte diktiert: „Jetzt habt euch mal alle ganz doll lieb!” Und das heißt: ein Mann fürs Leben, zwei, drei, viele Kinder, ein gemeinsames Heim, „und wir erfahren, was Demut bedeutet, Zugewandtheit, Nähe, innige Liebe und vor allem Treue”. Wie kommt Eva Hermann auf den Gedanken, dass ausgerechnet die Familie ein solches Glück begründen könne? Ein kurzer Blick in Familienromane, auch und gerade in diejenigen, die in den fünfziger Jahren spielen, könnten selbst alte Kinder schnell davon überzeugen, was es mit der Wirklichkeit des Familienglücks auf sich hat: Es ist bestenfalls eine andere Art des Unglücks.
Um aber vom Unglück etwas zu verstehen, müsste das vorlaute Kind ein paar Eigenschaften haben, die es nicht besitzt: Geduld, Vernunft, die Bereitschaft zum Zuhören. Das vorlaute Kind besitzt diese Fähigkeiten nicht, weil es vollauf damit beschäftigt ist, an sich selbst als Erlösergestalt herumzupolieren: „Der Schlüssel für ein Umdenken in der Gesellschaft sind wir Frauen. Wir besitzen tiefes Wissen, wie Bindungen und Gefühle entstehen, wie ein Netz der Geborgenheit gespannt wird, wie wir als Partnerin und Mutter zwischen den verschiedenen Bedürfnissen vermitteln können.” Das ist mindestens so eitel, anmaßend und selbstgefällig wie das permanente Eigenlob der mit dem Staatsfeminismus befassten offiziellen Heldinnen der Emanzipation. Und mindestens so ignorant. So ist leider das vorlaute Kind auch ein dummes Kind. THOMAS STEINFELD
EVA HERMAN: Das Eva-Prinzip. Für eine neue Weiblichkeit. Pendo Verlag, München und Zürich 2006. 264 S., 18 Euro.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Eine Dienstleistung der DIZ München GmbH
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Eberhard Rathgeb bricht nicht gerade in Begeisterungsstürme aus über dieses Buch. Mit Fantasie und gutem Willen aber gelingt es ihm schließlich doch noch, dem "Eva-Prinzip" etwas Gutes abzugewinnen. Zunächst aber stört ihn, dass Eva Herman lauter Dinge fordert, die sie so nicht vorlebt, schließlich hat sie ja selbst Karriere gemacht und nicht hinterm Herd. Mit der "biologischen Ausstattung", die die Frau laut Herman an denselben fesselt, könne es also nicht viel auf sich haben. Sowieso hätte der Rezensent lieber etwas über Wirtschaft und Staat gelesen, und wie sie der Familie zuarbeiten könnten. Weil das aber eben nicht der Fall ist, stellt sich Rathgeb folgendes vor und rettet so die Lektüre (für sich): Was, wenn die Eva-Debatte etwas bewegt, nicht in Richtung "Frauen zurück in die Küche", sondern allgemeiner, wichtiger: ­ das Leben ernster zu nehmen nämlich, und vor allem die Kinder.

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