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In den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts begegnen sich die österreichische Malerin Marie-Louise von Motesiczky (1906-1996) und der Schriftsteller und spätere Nobelpreisträger Elias Canetti (1905-1994). Beide sind vor den Nazis von Wien nach England geflüchtet, beide sind Künstler. Die Malerin aus wohlhabender Familie unterstützt den Dichter finanziell, und er unterstützt sie in ihrem Kunstschaffen. Sie verlieben sich und führen bis zu Canettis Tod im Jahr 1994 eine spannungsreiche Beziehung, belastet von ungleichen Lebensbedingungen und unerfüllten Hoffnungen. In ihren Briefen aus fünf Jahrzehnten entsteht ein großer tragischer Liebesroman.…mehr

Produktbeschreibung
In den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts begegnen sich die österreichische Malerin Marie-Louise von Motesiczky (1906-1996) und der Schriftsteller und spätere Nobelpreisträger Elias Canetti (1905-1994). Beide sind vor den Nazis von Wien nach England geflüchtet, beide sind Künstler. Die Malerin aus wohlhabender Familie unterstützt den Dichter finanziell, und er unterstützt sie in ihrem Kunstschaffen. Sie verlieben sich und führen bis zu Canettis Tod im Jahr 1994 eine spannungsreiche Beziehung, belastet von ungleichen Lebensbedingungen und unerfüllten Hoffnungen. In ihren Briefen aus fünf Jahrzehnten entsteht ein großer tragischer Liebesroman.
  • Produktdetails
  • Fischer Taschenbücher Bd.19623
  • Verlag: Fischer Taschenbuch
  • Artikelnr. des Verlages: .1015571
  • Seitenzahl: 383
  • Erscheinungstermin: 20. Februar 2014
  • Deutsch
  • Abmessung: 190mm x 126mm x 30mm
  • Gewicht: 295g
  • ISBN-13: 9783596196234
  • ISBN-10: 359619623X
  • Artikelnr.: 39987052
Autorenporträt
Canetti, Elias
Elias Canetti, 1905 in Rousse (Rustschuk)/Bulgarien geboren, studierte nach Aufenthalten in England und Frankfurt Naturwissenschaften in Wien und schrieb seinen großen Roman »Die Blendung«. 1938 musste er Österreich verlassen und emigrierte mit seiner Frau Veza nach England, wo sein soziologisches Hauptwerk »Masse und Macht« entstand. Seit den späten 60er Jahren lebte er in London und Zürich, wo er 1994 starb. Elias Canetti erhielt 1981 den Nobelpreis für Literatur.

Motesiczky, Marie-Louise von
Marie-Louise von Motesiczky (geboren 24. Oktober 1906 in Wien, gestorben 10. Juni 1996 in London) war eine österreichische Malerin.
Rezensionen
Besprechung von 07.03.2014
NEUE TASCHENBÜCHER
Der Freund
der Künstlerin
Besonders in den letzten Lebensjahren hatte sich Elias Canetti vollkommen eingeigelt in seinem Schweizer Domizil, ließ sich allerhand Ausreden einfallen, um sich am Telefon selber zu verleugnen. Auch in seinen Romanen hat man selten das Gefühl, dem Menschen Canetti näher zu kommen. Es geht immer ums Große, ums Ganze, dies in bisweilen intim anmutenden Details, dennoch nie um den Autor. Vielleicht ist das auch gut so, denn so richtig sympathisch wird einem der Mensch Canetti auch beim Lesen seiner Briefe nicht unbedingt, nicht einmal dann, wenn er in aufrichtiger Schmeichelprosa seine Freundin Marie-Louise von Motesiczky umwirbt, ermuntert, belehrt, väterlich lobt. Oft sieht er in ihr vor allem die anhängliche Bewunderin. Dann wieder fordert er sie auf, sich mehr zuzutrauen. Motesiczky, die mit Canetti von Wien nach London floh und ihn in jungen Jahren finanziell unterstützte, ist Malerin – ein Porträt Canettis hängt in der National Portrait Gallery, sie studierte bei Max Beckmann. Dieser Briefwechsel ist neben der oft tragischen Lebensliebesgeschichte ein erstrangiges Zeitzeugnis; mit beeindruckendem Namensregister.
HELMUT MAURÓ
Elias Canetti, Marie-
Louise von Motesiczky: Liebhaber ohne Adresse. Briefwechsel 1942-1992. Fischer Verlag, Frankfurt am Main. 2014.
384 Seiten, 12,99 Euro.
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
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Besprechung von 26.11.2011
Stellvertreterin der Lebens- und Liebeslust

Elias Canetti und die Malerin Marie-Louise von Motesiczky verband erst eine Liaison und dann eine Hoffnung. Die blieb einseitig, wie ihr Briefwechsel zeigt.

Von Andreas Platthaus

Dieser Briefwechsel erzählt von einem Ein- und einem Missverständnis. Das erste ist alltäglich, das zweite schrecklich. Denn dass Menschen sich ineinander verlieben, ist zunächst nichts Besonderes, außer für die beiden Beteiligten. Wenn die sich aber derart übereinander (und auch einander) täuschen, wie Elias Canetti und Marie-Louise von Motesiczky es getan haben, wird mit dem Scheitern mehr in Frage gestellt als eine Liebe. Es geht ums Leben.

Und damit um alles, was Elias Canetti verteidigen wollte. Lieben war eine seiner Methoden, den Tod zu vergessen, und an Motesiczky faszinierte ihn noch Jahre später ein Satz, den sie ihm zu Anfang ihrer Liaison gesagt hatte. Er notierte ihn 1947: "Im ersten Winter, sagte M., dachte ich, wir würden wirklich nicht sterben."Da war eine Frau, die Canettis Lebenstraum zumindest glaubte.

Marie-Louise von Motesiczky aber ist um den ihren von Canetti betrogen worden. Die 1906 geborene Malerin war eine Lieblingsschülerin von Max Beckmann. Unmittelbar nach dem "Anschluss" Österreichs ans Deutsche Reich verließ sie mit ihrer Mutter Wien. 1939 fanden beide ihre neue Heimat in England. Dort kam gleichzeitig der 1905 geborene Elias Canetti mit seiner Frau Veza an; auch sie hatten Wien als Juden verlassen müssen. Das gemeinsame Exilantenschicksal machte das mittellose Schriftstellerpaar und die vermögende Malerin zu Freunden; Motesiczky vermittelte den Canettis 1940, als London bombardiert wurde, eine Wohnung auf dem Land in ihrer Nachbarschaft und gewährte wenig später Elias Canetti ein Darlehen über 500 Pfund. Der Brief, in dem er diesen Kredit bestätigte, stammt vom 1. Juli 1941.

Wann die Malerin und der Schriftsteller, damals beide in ihrer neuen Heimat völlig unbekannt, sich ineinander verliebten, ist unbekannt. Selbst der britische Literaturwissenschaftler Jeremy Adler, der viel später beider Freund werden sollte und 2005 aus Motesiczkys Nachlass die "Aufzeichnungen für Marie-Louise" publizierte, die Canetti ihr Ende 1942 geschenkt hatte, musste im Nachwort zu diesem Buch vage bleiben: Das Geschenk sei der erste greifbare Liebesbeweis. Adler kannte damals den gleichfalls im Motesiczky-Nachlass überlieferten Briefwechsel nur in Auszügen; er behauptete, die ersten datierbaren Briefe stammten aus der Endphase des Zweiten Weltkriegs.

Das Korrespondenzkonvolut, aus dem Ines Schlenker und Kristian Wachinger nun eine Auswahl getroffen haben, scheint immer noch Rätsel genug aufzugeben. Wie wäre es sonst erklärbar, dass sein Titel "Briefwechsel 1942-1992" lautet, obwohl doch das erste Schreiben, die schriftliche Darlehensbestätigung, von 1941 stammt? Und ist es nur der Verführungskraft einer Korrespondenzdauer über scheinbar genau fünf Jahrzehnte zu verdanken, dass man die Schreiben der Jahre 1993 und 1994 (Canettis Todesjahr; Motesiczky starb 1996) nicht mehr berücksichtigt hat? Aus Sven Hanuscheks Canetti-Biographie, in der erstmals aus dem Briefwechsel mit Marie-Louise von Motesiczky zitiert worden ist, kennt man das Datum der letzten Botschaft, die Motesiczky am 1. Februar 1994 nach Zürich an Canetti sandte. Es war eine Einladung zu einer Ausstellungseröffnung, und der letzte Satz lautete: "Ich wollte Sie könnten kommen."

Dieser Satz, so harmlos er klingt, zeugt von der ungebrochenen Zuneigung einer Frau, der von ihrem Liebhaber denkbar übel mitgespielt worden ist. 1963 starb Veza Canetti, und damit schien ihr Mann nun frei für eine Ehe mit Motesiczky, zumal eine weitere Nebenbuhlerin, die Schriftstellerin Friedl Benedikt, schon 1953 gestorben war. Die ursprüngliche Ménage à quatre, die der Schriftsteller in London unterhielt, ist am schönsten dokumentiert in den Briefen von Elias und Veza Canetti an Georges Canetti, Elias' jüngsten Bruder. Die erschienen vor fünf Jahren als erster Band mit Canetti-Briefen, und nach dem jetzt publizierten zweiten dürfte lange Zeit kein weiterer mehr folgen, denn Elias Canetti hat seinen in Zürich aufbewahrten Nachlass testamentarisch streng sekretiert. Dass seine Korrespondenz mit Marie-Louise von Motesiczky überhaupt herauskommen kann, hat seine Ursache in einer großen Zäsur ihres gemeinsamen Lebens, nach der Elias Canetti fast alle Briefe von Motesiczky an diese zurückgab. Deshalb unterliegen sie nicht der Nachlassregelung. Canettis Tochter Johanna hat erfreulicherweise die Publikation späterer Briefe an den Vater, die sich in ihrem Besitz befinden, ermöglicht.

Das ist ein heroischer Akt, denn Elias Canetti zeigt sich in der Korrespondenz von unangenehmster Seite, und Johanna Canetti ist unfreiwillig an jenem Ereignis beteiligt, das das Leben von Marie-Louise von Motesiczky zerstört hat. Schon 1961, also noch zu Lebzeiten Vezas, erweiterte Canetti sein Liebesleben um eine neue Frau: die Schweizer Restauratorin Hera Buschor. Motesiczky ahnte nichts davon, und selbst als Canetti 1971 Buschor heirateten, und im Jahr darauf ihre gemeinsame Tochter Johanna zur Welt kam, hielt er das vor jener Frau, die sich immer noch eine Ehe mit ihm erhoffte, geheim.

Canetti selbst hatte mit seiner Geliebten emotional abgeschlossen. Am 11. Juni 1971 notierte er in seinem Tagebuch: "Sonderbar zu denken, dass ich an M. nur darum festhalte, weil sie während 22 Jahren von Vezas Leben da war. Ich fürchte, dass ein Teil von Veza in mir abstirbt, wenn ich mich über M. nicht mehr zu ärgern habe." Leider schweigt sich das Nachwort des Briefbands über solche zynischen Betrachtungen aus. Es gibt auch keinen Hinweis auf die Kriterien bei der Auswahl der Briefe; dass es viele mehr geben muss, entnimmt man ihnen leicht. Und auch der teilweise parallele Briefwechsel mit Georges Canetti wird nicht genutzt, um die Verhältnisse von und um Elias Canetti zu verdeutlichen. Das ist eine verpasste Chance.

Doch die Briefe selbst bieten Nutzen genug. Einmal in psychologischer Hinsicht, denn hier ist ein Blaubart-Phänomen dokumentiert, wie man es sich kaum drastischer denken kann. Und als Motesiczky im Juli 1973 doch noch von der Heirat und vor allem der Geburt des Kindes erfährt, das sie sich selbst sehnsüchtig von Canetti gewünscht hatte, da wird der Briefwechsel zu einem Drama des verletzten Stolzes von ihrer und höchst peinlicher Rechtfertigungen von seiner Seite, das keine Parallele kennt. (Die entsprechenden Schreiben sind in dieser Zeitung vorabgedruckt worden; F.A.Z. vom 20. August.)

Noch eindrucksvoller jedoch ist der Einblick in Elias Canettis Denken und Arbeitsweise, den der Briefwechsel gestattet. Als sich die Beziehung Mitte der fünfziger Jahre abkühlt, berichtet er vor allem über seine Reisen und Buchvorhaben. Noch bevor Canetti "Die Stimmen von Marrakesch" niederschrieb, erzählte er in seinen Briefen aus der marokkanischen Stadt, was ihn dort fasziniert hat. Reichhaltig sind auch die Verweise auf "Masse und Macht", vor allem auf die für Canetti lebenswichtige Beschäftigung damit. Nie wird er so bitter gegenüber Motesiczky, als wenn er deren mangelndes Verständnis für die Bedeutung dieses Werks beklagt.

Umso unverständlicher, dass aus der Zeit unmittelbar nach Erscheinen des in zwanzigjähriger Arbeit entstandenen Buchs kein Brief Aufnahme fand. Gab es keine? Schwer zu glauben. Dafür ist dann umso eindrucksvoller, wie der greise Canetti angesichts des Todes so vieler Wegbegleiter und der eigenen Schwäche immer mehr verbittert. Sein Widerstand gegen den Tod, bei dem er auch den Beistand der Malerin gesucht hatte, wich der Verzweiflung: "Nach diesen Jahren und Jahren des Kampfes bin ich geschlagen und vernichtet. Es war alles vergeblich. So bin ich selbst vergeblich", schreibt er 1989 an Motesiczky: "Ich weiss nicht mehr, wer ich bin. Ich unterschreibe mit dem Namen, der von mir in der Welt bleiben wird und den ich nicht verdiene. Elias Canetti." Das war das einzige Mal in einem halben Jahrhundert, dass er nicht den gemeinsamen Kosenamen "Pio" wählte.

Marie-Louise von Motesiczky hieß in ihrer Beziehung übrigens "Muli", und in der Tat: Sie hatte die wahre Last dieser Liebe zu tragen.

Elias Canetti, Marie-Louise von Motesiczky: "Liebhaber ohne Adresse". Briefwechsel 1942-1992.

Hanser Verlag, München 2011. 384 S., Abb., geb., 24,90 [Euro].

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Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Für Franz Haas kommt mit diesem 50 Jahre umfassenden Briefwechsel mehr Licht ins Dunkel um die Beziehung zwischen Elias Canetti und seiner Geliebten, der Malerin Marie-Louise Motesiczky. Doch windet sich der Rezensent bei der Lektüre dieses "Tatsachenromans" spürbar: An zahlreichen, von Haas ausgiebig referenzierten Stellen erscheine der Nobelpreisträger als "Nörgler und Ekel", der die ihm bis zuletzt ergebene, überdies spendable Geliebte konsequent auf Distanz und hierarchisch unter sich oder, in den Worten des Autors selbst, in einer "Wüste von Erwartungen" halte. Lob ernten die Herausgeber für den zur Seite gestellten Kommentar und das Nachwort, die das Dokument auch Kreisen jenseits der Canetti-Spezialisten aufschließen, allerdings kann Haas nicht umhin zu bemängeln, dass auch diese Briefesammlung lediglich eine Auswahl der Gesamtkorrespondenz darstellt.

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