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Gesundheit ist ein Generationenprojekt
Was ist Gesundheit? Neue Erkenntnisse zeigen: Gesundheit ist kein Zustand, sondern ein Prozess. Und dieser beginnt weit vor unserer Geburt. Sogar Erfahrungen unserer Eltern und Großeltern sind molekularbiologisch in unseren Genen gespeichert. Anschaulich und spannend präsentiert Wissenschaftsautor Peter Spork, wie die Weitergabe von Gesundheit und Persönlichkeit funktioniert, und zeigt, wie wir unseren Kindern und Enkeln den Weg in ein langes, gesundes und glückliches Leben bereiten können.
Ausstattung: mit Abbildungen
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Produktbeschreibung
Gesundheit ist ein Generationenprojekt

Was ist Gesundheit? Neue Erkenntnisse zeigen: Gesundheit ist kein Zustand, sondern ein Prozess. Und dieser beginnt weit vor unserer Geburt. Sogar Erfahrungen unserer Eltern und Großeltern sind molekularbiologisch in unseren Genen gespeichert. Anschaulich und spannend präsentiert Wissenschaftsautor Peter Spork, wie die Weitergabe von Gesundheit und Persönlichkeit funktioniert, und zeigt, wie wir unseren Kindern und Enkeln den Weg in ein langes, gesundes und glückliches Leben bereiten können.

Ausstattung: mit Abbildungen
Autorenporträt
Spork, PeterPeter Spork, geboren 1965, hat Biologie studiert und im Bereich Neurobiologie promoviert. Seit 1991 ist er freiberuflicher Wissenschaftsjournalist (unter anderem für DIE ZEIT, Geo Wissen, FAZ, NZZ, Süddeutsche Zeitung, bild der wissenschaft), Herausgeber des Newsletters Epigenetik und als Experte auf Fachtagungen gefragt. Sein populärwissenschaftliches Buch »Der zweite Code« wurde zum Bestseller.
Rezensionen
»Peter Spork ist der Mann, der die Epigenetik populär machte.« Deutschlandfunk

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 18.03.2017

Gene haben etwas übrig für die Umwelt

Sind die Auswirkungen unserer Lebensstile vererbbar? Peter Spork stellt verblüffende neue Einsichten und Vermutungen der Epigenetik vor.

Von Barbara Hobom

Lange schon rätseln die Wissenschaftler, wie die Umwelt auf unsere Erbanlagen einwirkt und damit viele Lebensprozesse womöglich nachhaltig beeinflusst. Hatten die Forscher bislang vor allem die Gene als Zielorte von Umwelteinflüssen im Blick, so nehmen sie nunmehr immer stärker dynamische Prozesse rund um die Gene herum ins Visier. Diese als Epigenetik bezeichnete Modulation beeinflusst die Aktivität von Erbanlagen, ohne jedoch den Informationsgehalt der Gene selbst zu verändern. Durch geringfügige Variationen an einzelnen Genbausteinen kann die Wirkung der betreffenden Gene verstärkt oder abgeschwächt werden. Umwelteinflüsse können außerdem die Struktur des Chromatins, der Proteinhülle des Erbmoleküls, verändern. Auch auf diese Weise lässt sich die Aktivität von Genen sehr genau feineinstellen.

Die Epigenetik ist im Begriff, unser Verständnis von Gesundheit und Krankheit zu revolutionieren. Der Wissenschaftsautor Peter Spork, ausgewiesener Experte in Sachen Epigenetik, schildert in seinem Buch zahlreiche Beobachtungen aus der jüngsten Zeit, wie Epigenetik wirkt. Die Fülle der Untersuchungen vor allem an Nagern, aber auch am Menschen, macht allmählich klar, wie Erbgut und Umwelt miteinander kommunizieren. Nicht nur beim Gestalten des Erscheinungsbildes eines Lebewesens, sondern auch bei seinem Verhalten.

Ein eindrucksvolles Beispiel liefert ein Mäusestamm, dessen Nachkommen je nach dem Futter, das ihre Leihmütter während der Trächtigkeit erhielten, zwei völlig verschiedene Erscheinungsformen zeigten: die einen Tiere hatten hellgelbes Fell, waren dick und krankheitsanfällig, die anderen dagegen hatten braunes Fell und waren schlank und gesund. Genetisch waren diese Tiere identisch, der Unterschied in ihrem Erscheinungsbild, ihrem Phänotyp, lag allein an einer unterschiedlichen epigenetischen Modulation bestimmter Erbanlagen. Ein hoher Vitamingehalt im Futter der trächtigen Mäusemütter führte dazu, dass bei ihren Nachkommen bestimmte DNA-Bausteine in dem für helles Fell und Fettleibigkeit zuständigen Gen so modifiziert wurden, dass dieses Gen abgeschaltet wurde. So entwickelten die Nachkommen braunes Fell und waren gesund. Fehlten den Föten während ihrer Entwicklung diese Zusatzstoffe, wurde ihr Fell hell und sie wurden sehr dick.

Aber nicht nur äußere Merkmale, auch psychische Eigenschaften sind über epigenetische Vorgänge durch Umweltfaktoren beeinflussbar. Setzten Forscher trächtige Mäuse über eine längere Zeit dem Geruch eines natürlichen Feindes, etwa von Kojoten, aus, reagierten die Nachkommen spontan nicht nur besonders furchtsam auf den entsprechenden Raubtiergeruch. Im Angstzentrum und in anderen Regionen des Gehirns der Tiere fanden sich charakteristische epigenetische Veränderungen. Andererseits hinterließ auch ein besonders umsorgender Umgang von Rattenmüttern mit ihren Nachkommen Spuren im Erbmaterial. Bei eifrig umhegten Rattenbabys fand man charakteristische epigenetische Veränderungen in einem Stress verarbeitenden Gen im Hippocampus.

Das Gen wurde durch das mütterliche Umsorgen leichter aktivierbar, so dass die Tiere Stress leichter abfangen konnten. Dagegen zeigten vernachlässigte Rattenjungen an dem entsprechenden Gen die entgegengesetzte epigenetische Modifikation und widerstanden Stress daher nur schwer. Vielleicht wird man über die Epigenetik eines Tages sogar genauere Einblicke in das Zusammenspiel von Umwelt und psychischen Leiden gewinnen.

Natürlich fragen sich die Wissenschaftler, ob die Umwelt auch beim Menschen über epigenetische Modifikationen am Erbmaterial wirkt. Untersuchungen an eineiigen Zwillingspaaren zeigten, dass deren Gene zwar erwartungsgemäß nahezu identisch waren, dass sie sich epigenetisch aber deutlich unterschieden. Bereits kurz nach der Geburt traten kleine Unterschiede zutage. Über die Jahrzehnte hinweg wurden die Abweichungen immer größer, vor allem dann, wenn einer der Zwillinge in einer ganz anderen Umwelt lebte. So groß wie zwischen zweieiigen Zwillingen aber wurden die Unterschiede nie.

Einige Untersuchungen deuten darauf hin, dass umweltbedingte epigenetische Modifikationen erstaunlicherweise offenbar auch in Keimbahnzellen vorkommen können, und zwar sowohl in Ei- als auch in Samenzellen. Sie können auf diese Weise von einer Generation an die nächste weitergegeben werden. Das klingt zunächst paradox, widerspricht die Beobachtung doch dem Dogma von der Konstanz der Erbanlage, gerade in den Keimzellen. Doch man hat bei Kindern von Müttern, die während der Schwangerschaft rauchten, ein epigenetisches Muster identifiziert, das bekanntermaßen das Risiko für Asthma erhöht. In einem vergleichbaren Experiment ließ sich bei Ratten sogar nachweisen, dass auch die Enkel der dem Rauch ausgesetzten Muttertiere ein erhöhtes Asthmarisiko aufwiesen, obgleich deren Mütter und sie selbst nicht mehr mit Nikotin in Berührung gekommen waren. In anderen Versuchen mit Nagern fand man, dass auch während der Samenreife einwirkende Umwelteinflüsse an die Nachkommen weitergegeben wurden.

Einige Wissenschaftler sind daher überzeugt, dass Ei- und Samenzellen Informationen über den Lebensstil der Eltern speichern und an die Nachkommen weitergeben können. Wie verbreitet das Phänomen beim Menschen ist, ist indessen noch völlig rätselhaft. Im Titel des gut verständlich geschriebenen Buchs klingt bereits an, was dem Autor besonders am Herzen liegt: die generationenübergreifende Prägung unserer Gene durch den Lebensstil und die daraus erwachsende Verantwortung für die Gesundheit der Nachkommen. Dies ist gewiss ein revolutionärer Aspekt. Doch rechtfertigen die bislang eher sporadischen Erkenntnisse nicht, speziell diesem Thema so viel und so redundant Raum zu geben.

Peter Spork: "Gesundheit ist kein Zufall". Wie das Leben unsere Gene prägt. Die neuesten Erkenntnisse der Epigenetik.

Deutsche Verlagsanstalt, München 2017. 416 S., Abb., geb., 22,99 [Euro].

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