Geschichte der deutschen Entwicklungspolitik - Bohnet, Michael

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Die deutsche Entwicklungspolitik war unter den bislang 13 Ministerinnen und Ministern durch ein Wechselbad von Strategien geprägt. Außen- und Sicherheitspolitik, Wirtschafts- und Rohstoffpolitik sowie Umwelt- und Friedenspolitik waren stets durchwoben von ethisch-humanitären Motiven.
Der Autor skizziert diese häufigen Paradigmenwechsel und vermittelt eine eindrucksvolle Innenansicht der Etappen der deutschen Entwicklungspolitik. Zu allen Perioden werden Stimmen von Zeitzeugen wiedergegeben.
Das Buch schließt mit einer Bilanz: Fortschritte und Rückschläge werden deutlich benannt und neun
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Produktbeschreibung
Die deutsche Entwicklungspolitik war unter den bislang 13 Ministerinnen und Ministern durch ein Wechselbad von Strategien geprägt. Außen- und Sicherheitspolitik, Wirtschafts- und Rohstoffpolitik sowie Umwelt- und Friedenspolitik waren stets durchwoben von ethisch-humanitären Motiven.

Der Autor skizziert diese häufigen Paradigmenwechsel und vermittelt eine eindrucksvolle Innenansicht der Etappen der deutschen Entwicklungspolitik. Zu allen Perioden werden Stimmen von Zeitzeugen wiedergegeben.

Das Buch schließt mit einer Bilanz: Fortschritte und Rückschläge werden deutlich benannt und neun große Herausforderungen für eine zukünftige Entwicklungspolitik aufgezeigt.
  • Produktdetails
  • UTB Uni-Taschenbücher Bd.4320
  • Verlag: Utb; Uvk Lucius
  • Artikelnr. des Verlages: .UTB4320, UTB4320
  • Seitenzahl: 284
  • Erscheinungstermin: April 2015
  • Deutsch
  • Abmessung: 185mm x 121mm x 22mm
  • Gewicht: 297g
  • ISBN-13: 9783825243203
  • ISBN-10: 3825243206
  • Artikelnr.: 41789371
Autorenporträt
Professor Dr. Michael Bohnet war sowohl Leiter der multilateralen als auch der bilateralen Abteilung und stellvertretender Staatssekretär im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ( BMZ ) sowie Sonderbeauftragter des BMZ für den Wiederaufbau Afghanistans.
Inhaltsangabe
Vorwort 5

Abkürzungsverzeichnis 14

1 Grundwissen Entwicklungspolitik 19

Definitionen 19

Ziele 19

Arten 20

Erfolgskontrolle 26

2 Die mühseligen Anfänge der deutschen Entwicklungspolitik (1953-1961) 29

Beschreibung und Wertung 29

Stimmen von Zeitzeugen: Walter Kiefer, Dr. Günther Oldenbruch 33

3 Entwicklungspolitik im Dienste der Deutschlandpolitik 37

Minister: Walter Scheel (1961-1966)

Beschreibung und Wertung 37

Stimmen von Zeitzeugen: Harald Hofmann, Dr. Winfried Böll, Prof. Peter Molt, Dr. Martin Greiff 50

4 Entwicklungspolitik unter erschwerten innenpolitischen Bedingungen 55

Minister: Hans-Jürgen Wischnewski (1966-1968)

Beschreibung und Wertung 55

Stimmen von Zeitzeugen: Dr. Wolf Preuss, Dr. Helmut Giesecke, Dr. Sigvard Clasen 60

Geschichte der Entwicklungspolitik

5 Entwicklungspolitik im Lichte der ökologischen Grenzen des Wachstums 65

Minister: Erhard Eppler (1968-1974)

Beschreibung und Wertung 65

Stimmen von Zeitzeugen: Manfred Kulessa, Herbert Sahlmann 75

6 Entwicklungspolitik im Zeichen des Ölpreisschocks 79

Minister: Egon Bahr (1974-1976)

Beschreibung und Wertung 79

Stimmen von Zeitzeugen: Prof. Uwe Holtz, Karsten Hinrichs, Jochen Kenneweg 83

7 Entwicklungspolitik zur Förderung der Frauen 87

Ministerin: Marie Schlei (1976-1978)

Beschreibung und Wertung 87

Stimmen von Zeitzeugen: Hans-Jürgen Stryk, Elisabeth D'Hondt 91

8 Entwicklungspolitik in einer Phase verschärfter Ost-West-Spannungen 95

Minister: Rainer Offergeld (1978-1982)

Beschreibung und Wertung 95

Stimmen von Zeitzeugen: Dr. Hans-Peter Schipulle, Georg Lührs, Prof. Dr. Heinz-Günter Geis, Christian Wilmsen, Dr. Hans-Dietrich Pallmann, Heinrich Lehne 102

9 Entwicklungspolitik im Zeichen wirtschaftlicher Rezession 111

Minister: Jürgen Warnke (1982-1987)

Beschreibung und Wertung 111

Stimmen von Zeitzeugen: Dr. Hans-Helmut Taake, Dr. Helmut Schaffer, Dr. Susanne Nonnen, Bernd Blank, Gert-Robert Liptau 117

10 Entwicklungspolitik im geschichtlichen Zusammenhang 125

Minister: Hans Klein (1987-1989)

Beschreibung und Wertung 125

Stimmen von Zeitzeugen: Manfred H. Obländer,

Dr. Alexander G. Friedrich, Dr. Gero Jentsch, Cay Gabbe 132

11 Entwicklungspolitik im Prozess der Wiedervereinigung und das Schicksal der DDR-Entwicklungsprojekte 137

Bundesdeutscher Entwicklungsminister: Jürgen Warnke (1989-1991) und Minister für wirtschaftliche Zusammenarbeit der DDR unter der de Maizière-Regierung: Hans-Wilhelm Ebeling (März-Oktober 1990)

Beschreibung und Wertung 137

Stimmen von Zeitzeugen: Dr. Gerd Schetting, Prof. Dr. Matthias Weiter 142

12 Entwicklungspolitik in gesamtdeutscher Verantwortung 145

Minister: Carl-Dieter Spranger (1991-1998)

Beschreibung und Wertung 145

12 Geschichte der Entwicklungspolitik

Stimmen von Zeitzeugen: Dr. Klemens van de Sand, Prof. Franz Nuscheler, Reiner Kraetsch,

Dr. Günter Bonnet 157

13 Entwicklungspolitik

als globale Strukturpolitik 163

Ministerin: Heidemarie Wieczorek-Zeul (1998-2009)

Beschreibung und Wertung 163

Stimmen von Zeitzeugen: Dr. Michael Hofmann, Adolf Kloke-Lesch, Wolfgang Kroh, Prof. Dirk Messner, Dr. Reinhard Hermle 175

14 Entwicklungspolitik mit wirtschaftsfreundlichem Profil 183

Minister: Dirk Niebel (2009-2013)

Beschreibung und Wertung 183

Stimmen von Zeitzeugen: Prof. Dr. Jürgen Wilhelm, Gerold Dieke, Thomas Albert 190

15 Paradigmenwechsel: Nachhaltigkeit rückt ins Zentrum 195

Minister: Gerd Müller (2013-heute)

Beschreibung und Wertung 195

Stimmen von Zeitzeugen:

Prof. Dr. Dr. hc. Joachim von Braun, Hans-Joachim Daerr, Prof. Constantin von Barloewen 203

16 Fazit und zukünftige Herausforderungen 209

17 Tabellarische Übersichten und Diagramm 221

Tabellen 221

Diagramm 226

18 Die handelnden Personen im Überblick 227

Die Minister des BMZ 227

Die Parlamentarischen Staatssekretäre des BMZ 228
Rezensionen
Besprechung von 02.06.2015
Die Verwalter als Gestalter
Entwicklungspolitik

Die Entwicklungspolitik hat es schwer. Im Gegensatz zu den großen Fragen der Außen-, Innen-, und Wirtschaftspolitik steht sie selten im Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit und muss auch institutionell regelmäßig um ihre Existenz kämpfen. Selbst die immer wiederkehrenden humanitären Katastrophen in vielen Teilen der Welt sorgen nur für kurze Aufmerksamkeit. Michael Bohnet, pensionierter Beamter des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und zuletzt Abteilungsleiter in diesem Haus, möchte die "Strategien, Inhalte und Ergebnisse" der deutschen Entwicklungspolitik seit den 1950er Jahren bis in die Gegenwart "beschreiben und bewerten". Zu diesem Zweck gliedert er die Geschichte der deutschen Entwicklungspolitik in vierzehn Kapitel - eines für jeden Ressortleiter seit der Gründung des Ministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit im November 1961. Jedes dieser Kapitel beginnt mit einer "Beschreibung und Wertung" über die Amtszeit des jeweiligen Ressortchefs und endet mit kurzen Stellungnahmen von Zeitzeugen, die in der Regel ebenfalls Beamte des BMZ sind. So entsteht eine sehr persönlich geprägte Darstellung, die auch vor klaren Urteilen über die jeweiligen Minister nicht zurückschreckt. Vor allem Egon Bahr (SPD) und Dirk Niebel (FDP) werden eher kritisch bewertet, Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) und Carl-Dieter Spranger (CSU) kommen besser weg.

Implizit werden auch die Motive deutlich, die die bundesdeutsche Entwicklungspolitik seit den 1950er Jahren prägten. Eine herausragende Rolle spielte auch in diesem Kontext der Ost-West-Konflikt. In den 1960er und 1970er Jahren war Entwicklungshilfe immer auch ein Instrument im Systemkonflikt, weil die Bundesregierung Geld und materielle Hilfe insbesondere solchen Regierungen gewährte, die im Gegenzug die DDR nicht anerkannten. Vor allem in den 1960er Jahren entstand so geradezu ein Wettlauf zwischen beiden deutschen Staaten um die Gunst afrikanischer Länder, denn auch die DDR nutzte das Instrument der Entwicklungshilfe, um die bundesdeutsche Hallstein-Doktrin zu unterlaufen. Ebenso bedeutsam waren jedoch auch moralische Argumente, die unterschiedlich begründet wurden. In diesem Kontext waren in den 1950er Jahren die Kirchen wichtig, aber auch, besonders in den 1970er Jahren, das in der Öffentlichkeit diskutierte dramatische Wohlstandsgefälle zwischen Europa und vor allem den afrikanischen Staaten. Eng verbunden war damit auch die seit den 1990er Jahren dominierende globale Perspektive. Die sozialen und ökologischen Verwerfungen in den unterentwickelten Staaten wurden nun als potentielle Bedrohung für die gesamte Menschheit interpretiert.

Schließlich werden auch die wirtschaftlichen Interessen der Bundesrepublik deutlich. Vor allem in der Mitte der 1970er Jahre, unter der Kanzlerschaft von Helmut Schmidt (SPD), und später unter Minister Dirk Niebel wurden die wirtschaftlichen Interessen der Bundesrepublik stärker betont. Ein Ziel der Entwicklungspolitik war es nun auch, potente Handelspartner für die deutsche Wirtschaft zu gewinnen. Sehr deutlich wird zudem die Konkurrenz der verschiedenen Ministerien im Sektor der Entwicklungspolitik. Es scheint, als seien manche Minister vor allem damit beschäftigt gewesen, die Kompetenzen des BMZ gegenüber anderen Ressorts zu verteidigen und auszubauen. Vor allem mit dem Auswärtigen Amt, dem Bundeswirtschaftsministerium und dem Bundesfinanzministerium gab es in dieser Hinsicht lange Auseinandersetzungen.

Erstaunlich ist, wie wenig die europäische Verflechtung der Entwicklungspolitik thematisiert wird. Das betrifft einerseits die Beziehungen zu Frankreich, den Vereinigten Staaten und Großbritannien, die ebenfalls in starkem Maße entwicklungspolitisch engagiert waren, aber auch zur EWG und der EU. Zudem fällt auf, dass auch die Rolle zivilgesellschaftlicher Organisationen in diesem Feld eher gering eingeschätzt wird. Dies liegt gewiss auch daran, dass die Darstellung in starkem Maße von der Perspektive des ehemaligen Ministerialdirektors und Abteilungsleiters geschrieben ist. Immer wieder werden Anekdoten und persönliche Erinnerungen des Autors geschildert. Er scheut auch nicht davor zurück, eigene Leistungen besonders lobend hervorzuheben. Überhaupt hält er die "Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Ministerien gemeinsam mit den Durchführungsorganen" für die "eigentlichen Gestalter" der Entwicklungspolitik. Auch die Mehrheit der Zeitzeugen am Ende jedes Kapitels schreibt in diesem Duktus. So erhält das Buch in starkem Maße Memoirencharakter. Eine kritische "Geschichte der deutschen Entwicklungspolitik" bleibt dagegen noch zu schreiben.

GUIDO THIEMEYER

Michael Bohnet: Geschichte der deutschen Entwicklungspolitik. Strategien, Inhalte, Zeitzeugen. Verlag UTB, Stuttgart 2015. 284 S., 17,99 [Euro].

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