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Milan Kunderas berühmtes Buch über den modernen Roman liegt hier in einer vom Autor überarbeiteten Fassung und neuen Übersetzung vor. Es ist keine Theorie, sondern die Summe der Erfahrung eines Schriftstellers, der seine Arbeit als Spiegel und Fortsetzung einer alten Tradition begreift. Nur im Roman ist etwas aufgehoben, was Europa ausmacht: die kostbare, gefährdete Substanz des europäischen Individualismus. Ein Klassiker unter Essays des 20. Jahrhunderts und ein intellektuelles Vergnügen hohen Ranges.…mehr

Produktbeschreibung
Milan Kunderas berühmtes Buch über den modernen Roman liegt hier in einer vom Autor überarbeiteten Fassung und neuen Übersetzung vor. Es ist keine Theorie, sondern die Summe der Erfahrung eines Schriftstellers, der seine Arbeit als Spiegel und Fortsetzung einer alten Tradition begreift. Nur im Roman ist etwas aufgehoben, was Europa ausmacht: die kostbare, gefährdete Substanz des europäischen Individualismus. Ein Klassiker unter Essays des 20. Jahrhunderts und ein intellektuelles Vergnügen hohen Ranges.
  • Produktdetails
  • Edition Akzente
  • Verlag: Hanser
  • Artikelnr. des Verlages: 505/20926
  • Neuausg.
  • Seitenzahl: 206
  • Erscheinungstermin: 25. August 2007
  • Deutsch
  • Abmessung: 212mm x 134mm x 24mm
  • Gewicht: 322g
  • ISBN-13: 9783446209268
  • ISBN-10: 3446209263
  • Artikelnr.: 22793600
Autorenporträt
Kundera, Milan
Milan Kundera, 1929 in Brünn geboren, lebt in Paris. Bei Hanser erschienen zuletzt Der Vorhang (2005), Die Kunst des Romans (Essay, 2007), Eine Begegnung (2011) und Das Fest der Bedeutungslosigkeit (Roman, 2015).
Rezensionen
Besprechung von 08.04.2008
Tomas, Teresa und der Tod
Kämpferisch: Milan Kunderas „Die Kunst des Romans”
Als Milan Kunderas Roman „Der Scherz” 1968/69 „in alle westlichen Sprachen” übersetzt wurde, war der Autor schockiert. Zumindest in diesem Fall wurde ihm die „Leichtigkeit des Seins” tatsächlich „unerträglich”, weil seine Übersetzer es mit der Werktreue nicht besonders ernst nahmen: Die französische Ausgabe war stilistisch aufgeblasen, die englische um alle Reflexionen gekürzt und neu angeordnet. Ein anderer Übersetzer konnte nicht einmal die Originalsprache und stützte sich auf die korrumpierte französische Version. Seitdem hat sich Kundera intensiv um seine Bücher gekümmert und kontrolliert die Ausgaben, so gut es eben geht. Nun liegt auch die Essay- und Interviewsammlung „Die Kunst des Romans” in einer neuen Übersetzung von Uli Aumüller vor, die einer vom Autor durchgesehenen Vorlage folgt. Sie liest sich so gut wie die alte von Brigitte Weidemann aus dem Jahr 1987.
Der Wert der Abschweifung
Das Buch hat zwei Seiten: eine handwerkliche und eine programmatische. Als Einweisung in die Handwerkskunst des Romanciers haben die Essays nichts an ihrer Aktualität eingebüßt. Im Gegenteil passen sie in eine Zeit, in der nicht mehr nur regelmäßig über das „Making of” von Filmen berichtet wird, sondern Berichte aus der Arbeitsstube des Autors ganze Buchreihen füllen – heute prägen die Schreibschulen, aus deren Geist die jüngste Literatur geboren wird, allmählich die Sicht auf die Literatur. Kundera plaudert aus dem Nähkästchen: über die Gewichte in der Gesamtkomposition, über das Timing, über die differenzierte Beleuchtung der Figuren oder über den Wert der Abschweifung.
Kundera wurde auch durch Übersetzungsfragen dazu gezwungen, über die ‚Kunst’ als eine ‚Technik’ des Romans nachzudenken, und dabei sind ihm gerade die einzelnen Wörter zum Problem geworden. Tatsächlich gibt es hier im Detail einige bemerkenswerte Veränderungen zwischen der alten und der neuen Übersetzung. So handelt der Eingangsessay nicht mehr vom „verkannten”, sondern vom „missachteten Erbe des Cervantes”. Man könnte das für eine Pointierung halten, die viel über den historischen Ort von Kunderas Überlegungen aussagt.
Denn die neue Fassung verstärkt das kämpferische Moment in Kunderas Grundsatzerklärung, die mittlerweile in die Defensive geraten ist: Der große europäische Roman seit Cervantes, so Kundera, erforsche das „vergessene Sein” des Menschen: seine Gefühle (Richardson), seine Geschichtlichkeit (Balzac), seinen Alltag (Flaubert) oder seine Zeitlichkeit (Proust). Die Philosophie habe diese Themen erst viel später entdeckt und noch dazu die prinzipielle „Relativität und Ambiguität der menschlichen Dinge” übersehen.
Es ist bedauerlich und unverständlich, dass in der Neuausgabe die Quellennachweise für die einzelnen Texte gekürzt wurden. Denn diese „Kunst des Romans” kommt von weit her, aus einer Zeit, in der man über den Tod des Romans sehr ernsthaft debattierte; aus einer Zeit, in der der Kalte Krieg die Welt in klare Alternativen zerlegte; und aus einer Zeit, in der die großen Romane von Dostojewski, Joyce, Kafka, Broch und Musil noch den Maßstab für Literatur abgaben.
Es waren die 1980er Jahre, als alle den großartigen Roman über „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins” gelesen hatten, weil im Verhältnis von Tomas und Teresa das Lebensgefühl einer Zeit eingefangen wurde: „Das Leichte und das Schwere”, wie der erste Teil überschrieben ist, hätte auch als Motto über der historischen Phase vor dem Ende des Kalten Kriegs stehen können, über einer Spaßgesellschaft, die mit der Naherwartung der atomaren Selbstzerstörung lebte.
Die Zeiten haben sich geändert. Nach wie vor leiden wir unter den von Kundera beschriebenen „Termiten der Reduktion”, allen voran unter „den Medien”, die im Dienst des Klischees die Welt vereinheitlichen und vereinfachen. Wir könnten gut einen Begriff von Literatur gebrauchen, der Poesie als Agent des Widerstreits versteht. Der „Geist des Romans”, so meint Kundera in einem Vortrag von 1983, ist „der Geist der Komplexität”. Die großen, dicken Romane von heute heißen allerdings nicht mehr „Der Mann ohne Eigenschaften” oder „Ulysses”, sondern „Sakrileg” oder „Harry Potter”, und dort endet bekanntlich alles im großen Einverständnis: „Alles war gut”.
Für Kundera besteht ein zentrales Problem darin, dass die Welt zur „Falle” geworden ist und dass die Verhältnisse das Individuum einschnüren. Für uns besteht das Problem jedoch darin, dass diese Bande nicht mehr existieren – wir leben in ‚entfesselten’ Zeiten. „Die Kunst des Romans” erinnert daran, welche Hoffnungen man einmal auf die Literatur gesetzt hatte. Kunderas Buch tut das überaus klug und lehrreich. Nicht, dass diese Hoffnungen heute ganz aufgegeben worden wären. Aber sie wirken eben immer ein wenig nostalgisch und wie die Beschwörung einer guten, alten Zeit, die mittlerweile nicht mehr ‚verkannt’, sondern ‚missachtet’ wird. STEFFEN MARTUS
MILAN KUNDERA: Die Kunst des Romans. Essay. Aus dem Französischen von Uli Aumüller. Carl Hanser Verlag, München 2007. 207 Seiten, 19,90 Euro.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Eine Dienstleistung der DIZ München GmbH
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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Für Steffen Martus ist Milan Kunderas Essay- und Interviewsammlung in einer neu übersetzten Fassung so aktuell wie eh und je. So flüssig lesbar wie in der alten Übersetzung von Brigitte Weidemann aus dem Jahr 1987 präsentiert sich das Buch zugleich als Einblick in die Werkstatt des Romanciers wie auch als Apologie des großen europäischen Romans, der sich laut Kundera mit existenziellen Themen befasste, bevor sich die Philosophen mit ihnen auseinandersetzten. Wichtig findet der Rezensent in dieser Hinsicht einige Übersetzungsänderungen, die das "kämpferische Moment", mit dem sich Kundera für den Roman als Seinserforschung des Menschen einsetzt, verstärken. Mit Unverständnis begegnet Martus deshalb auch den Kürzungen der Quellennachweise dieser Ausgabe, weil damit, wie er meint, die Verankerung der Texte in ihrem zeithistorischen Kontext verschleiert werde. Trotzdem, die Textsammlung findet beim Rezensenten höchstes Lob und er preist überschwänglich ihre Klugheit und ihren Erkenntnisgewinn.

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