Atlas der unheimlichen Orte - Le Carrer, Olivier; Le Carrer, Sibylle

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Über alle Kontinente hinweg bietet der Atlas der unheimlichen Orte eine beispiellose Bestandsaufnahme der unwirtlichsten Gegenden unserer Erde. Vom Kasanka-Nationalpark in Sambia, der von Flughundinvasionen gebeutelt wird, über den Leuchtturm der Verschollenen von Eilean Mòr auf den schottischen Flannan Isles bis zum Wald der Lebensmüden, dem japanischen Aokigahara - jeder der 40 Orte wartet mit einer ebenso bewegten wie bewegenden Geschichte auf…mehr

Produktbeschreibung
Über alle Kontinente hinweg bietet der Atlas der unheimlichen Orte eine beispiellose Bestandsaufnahme der unwirtlichsten Gegenden unserer Erde. Vom Kasanka-Nationalpark in Sambia, der von Flughundinvasionen gebeutelt wird, über den Leuchtturm der Verschollenen von Eilean Mòr auf den schottischen Flannan Isles bis zum Wald der Lebensmüden, dem japanischen Aokigahara - jeder der 40 Orte wartet mit einer ebenso bewegten wie bewegenden Geschichte auf
  • Produktdetails
  • Verlag: Frederking & Thaler
  • Artikelnr. des Verlages: 16184
  • 1. Auflage
  • Seitenzahl: 134
  • Erscheinungstermin: 15. Januar 2016
  • Deutsch
  • Abmessung: 269mm x 194mm x 17mm
  • Gewicht: 575g
  • ISBN-13: 9783954161843
  • ISBN-10: 3954161842
  • Artikelnr.: 44140812
Rezensionen
Besprechung von 15.03.2016
Vertreibung aus
dem Paradies
Olivier Le Carrer entwirft einen
„Atlas der unheimlichen Orte“
Olivier Le Carrer ist kein Mann für eine Pauschalreise. Sein „Atlas der unheimlichen Orte“ führt an 40 verwunschenen Stellen auf Erden geradewegs in die Hölle. Sibylle Le Carrer inszeniert diese Begegnung von Natur und Fantasie grafisch mit dem einen oder anderen barocken Totenschädel-Motiv zwischen den Texten und altertümlichen Karten. Damit man sich ordentlich gruselt beim Lesen. Der Reiz liegt darin, dass es diese Orte tatsächlich gibt – und ihr Schrecken manchmal schrecklich real ist.
  So beginnt Le Carrer sein Kapitel zur Kap-York-Halbinsel damit, ihre weißen Sandstände zu beschreiben, das türkisfarbene Meer, die „anmutig in der Landschaft verstreuten Villen inmitten einer üppigen Vegetation“ – und mitten in der Beschreibung dieses Paradieses verwandelt es sich in den verfluchten Acker, auf den der Mensch verbannt wurde. Gewaltige Salzwasserkrokodile leben hier, die Salties, außerdem Tigerhaie, giftige Schlangen, Spinnen . . .
  Und Menschen. Le Carrer durchwandert das ganze Spektrum des Unheimlichen, durch die Straße von Messina, in deren Strudeln und Strömungen der begeisterte Segler Skylla und Charybdis erblickt, vorbei an allerlei verfluchtem Boden und den Bermudadreiecken dieser Welt, ehe er schließlich zu Schrecken gelangt, „die kein Gott oder Dämon sich auszudenken gewagt hätte“. Der „Atlas“ zeichnet der Erde als vollständig erfasster Terra cognita neue dunkle Flecken ein, „Un-Orte“ außerhalb der Zeit. Die Malediven-Insel Thilafushi, die „vergiftete Lagune“, ist der Abort der nahegelegenen Hauptstadt Malé, die hier ihren Müll entsorgt – täglich mehr als 300 Tonnen. Hier sickern keine blutigen Fantasien, sondern sehr reale Schwermetalle und Batteriesäuren in die Lagune.
  Zur gleichen Zeit rosten am Ufer der Barentssee, dicht an der norwegischen Grenze, sowjetische Atom-U-Boote vor sich hin. Le Carrer spricht von Sapadnaja Liza als dem „Vorhof zur Hölle“ in der endlosen Polarnacht. Wenn es zur altersbedingten Havarie oder zu einer spontanen nuklearen Kettenreaktion in den Schiffsreaktoren kommen sollte, öffnen sich hier in der Tat die Tore zur Hölle. Immer wieder sind es die Lasten der Vergangenheit: Unter der Oberfläche einer nüchtern gewordenen Welt hallen auf dem Nürnberger Reichsparteitagsgelände noch die Stiefel.
  Der „Atlas“ erschließt die Erde als ein gigantisches Denkmal, einen Erinnerungsspeicher. Allem Augenzwinkern zum Trotz stellt er damit den Leser vor die Frage, ob all die durchspukten Ruinen nur ein Fiebertraum vergangener Zeiten sind, ein wohliger Grusel, den man heute mit Hilfe eines nicht ganz ernst gemeinten Reiseführers wie einen Themenpark durchreisen kann. Oder ob es unsere Welt ist, diese riesige Ferienanlage mit ihren künstlichen Stränden, aus der wir eines Tages unsanft erwachen werden, wenn wir durch den Boden aus Pappmaschee direkt in eine neue Hölle fallen.
PHILIPP BOVERMANN
Olivier Le Carrer: Atlas der unheimlichen Orte. Eine düstere Reise um die Welt. Aus dem Französischen von Regine Schmidt und Sabine Grebing. Frederking & Thaler Verlag, München 2016. 136 Seiten, 29,99 Euro.
Es gibt keine weißen Flecken
mehr auf der Welt – aber
dunkle kommen stetig hinzu
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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Mit nicht immer nur wohligem Schaudern reist Rezensent Philipp Bovermann in Olivier Le Carrers "Atlas der unheimlichen Orte" an vierzig verwunschene Plätze der Erde, die häufig doch eher an die Hölle erinnern. Gebannt folgt der Kritiker dem Autor etwa zur Kap-York-Halbinsel, deren weiße Sandstrände und Villengegenden plötzlich von einem "verfluchten" Acker unterbrochen werden, wo Menschen von Salzwasserkrokodilen, Tigerhaien und giftigen Schlangen vertrieben wurden. Ähnlich unheimlich erscheint dem Rezensenten die vergiftete Lagunge auf der Malediven-Insel Thilafushi, in die Schwermetalle und Batteriesäuren geradezu blutähnlich hineinsickern. Ein faszinierendes Buch, urteilt Bovermann, dem auch Sibylle Le Carrers grafische Illustrationen gefallen.

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