Die Idee der Gerechtigkeit - Sen, Amartya
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Drei Kinder streiten darüber, wem von ihnen eine Flöte gehören sollte. Das erste Kind hat Musikunterricht gehabt und kann als einziges Flöte spielen. Das zweite ist arm und besitzt keinerlei anderes Spielzeug. Das dritte Kind hat die Flöte mit viel Ausdauer selbst angefertigt.
Mit diesem Gleichnis eröffnet Amartya Sen, einer der wichtigsten Denker unserer Zeit, sein Buch über die Idee der Gerechtigkeit. Es ist John Rawls gewidmet und grenzt sich doch von der wirkungsmächtigsten Gerechtigkeitstheorie des 20. Jahrhunderts ab. Wer eine weitere abstrakte Diskussion der institutionellen…mehr

Produktbeschreibung
Drei Kinder streiten darüber, wem von ihnen eine Flöte gehören sollte. Das erste Kind hat Musikunterricht gehabt und kann als einziges Flöte spielen. Das zweite ist arm und besitzt keinerlei anderes Spielzeug. Das dritte Kind hat die Flöte mit viel Ausdauer selbst angefertigt.

Mit diesem Gleichnis eröffnet Amartya Sen, einer der wichtigsten Denker unserer Zeit, sein Buch über die Idee der Gerechtigkeit. Es ist John Rawls gewidmet und grenzt sich doch von der wirkungsmächtigsten Gerechtigkeitstheorie des 20. Jahrhunderts ab. Wer eine weitere abstrakte Diskussion der institutionellen Grundlagen einer gerechten Gesellschaft erwartet, der wird enttäuscht sein. Wer sich hingegen darüber wundert, was diese Theorien eigentlich zur Bekämpfung real existierender Ungerechtigkeiten beitragen, der wird großen Gewinn daraus ziehen.

Sen nämlich stellt die Plausibilität solcher Anstrengungen der reinen Vernunft in Frage. Seine Theorie der Gerechtigkeit ist weniger an der Ausformulierung einerethisch perfekten Gesellschaft interessiert als an Argumenten, deren Maßstab die konkrete Überwindung von Ungerechtigkeit ist. Sen eröffnet Perspektiven, die dem westlichen Denken meist fehlen. Seine Kenntnis der hinduistischen, buddhistischen und islamischen Kultur ist wundervoll eingewoben in das Buch und prägt den ganzen Charakter seines Philosophierens. Die Vernunft sucht die Wahrheit, wo immer sie sich finden lässt - und wie der Autor dieses außergewöhnlichen Werkes entdeckt sie auf ihrer weiten Reise viele gangbare Wege zu einer gerechteren Welt.
  • Produktdetails
  • Verlag: Beck
  • Originaltitel: The Idea of Justice
  • 2. Aufl.
  • Seitenzahl: 493
  • Erscheinungstermin: 19. Juli 2020
  • Deutsch
  • Abmessung: 223mm x 151mm x 40mm
  • Gewicht: 770g
  • ISBN-13: 9783406606533
  • ISBN-10: 3406606539
  • Artikelnr.: 29055592
Autorenporträt
Amartya Sen, geboren 1933 in Shantiniketan in Indien, lehrt an der Harvard University als Professor für Philosophie und Ökonomie. Bis 2004 war er außerdem Master des Trinity-College an der Cambridge University. Sen hat u.a. in Kalkutta, New Delhi, London und Oxford gelehrt. 1998 erhielt er den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften, 2007 den Meister-Eckhart-Preis. Er gilt als einer der einflussreichsten Denker der Gegenwart und wurde für sein Werk mit über 100 Ehrendoktoraten ausgezeichnet. Im Oktober 2020 wird ihm der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen.

Zu seinen Forschungs- und Publikationsthemen zählen die Entwicklungs- und Wohlfahrtsökonomie, die Entscheidungstheorie, Sozialwahltheorie, Gender Studies und Fragen zur sozialen Ungleichheit. Er selbst stellt sich in einer abkürzenden Auswahl als "Asiate, Bürger Indiens, Bengale mit bangladeschischen Vorfahren, Einwohner der Vereinigten Staaten oder Englands, Ökonom, Dilettant auf philosophischen Gebiet, Autor, Sanskritist, entschiedener Anhänger des Laizismus und der Demokratie, Mann, Feminist, Heterosexueller, Verfechter der Rechte von Schwulen und Lesben, Mensch mit einem areligiösen Lebensstil und hinduistischer Vorgeschichte, Nicht-Brahmane und Ungläubiger, was das Leben nach den Tod angeht" vor.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 26.09.2010

Wer bekommt die Flöte?

Drei Kinder streiten um eine Flöte. Anne beansprucht sie, weil sie die Einzige ist, die Flöte spielen kann. Bob meint, er sei der Ärmste von allen und habe, anders als die anderen, noch kein Spielzeug. Und Clara erklärt, sie habe die Flöte mit viel Ausdauer selbst angefertigt. Nicht um das Wesen der vollkommenen Gerechtigkeit geht es Ökonomie-Nobelpreisträger Amartya Sen, sondern um die Frage, wie wir verfahren, wenn strittig ist, was gerecht ist. Ein nützliches, aber nicht ganz anspruchsloses Buch.

ank.

Amartya Sen: "Die Idee der Gerechtigkeit". C.H.Beck, 29,95 [Euro]

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 05.09.2012

Einleuchtender
Perspektivwechsel
Der indische Ökonom und Politologe Amartya Sen gehört zu den angesehensten Wissenschaftlern der Welt. Der 79-Jährige erhielt 1998 den Wirtschaftsnobelpreis. In Harvard lehrt er Ökonomie und Philosophie. 2010 ist „Die Idee der Gerechtigkeit“ im Original erschienen. In kritischer Auseinandersetzung mit den eher abstrakten Überlegungen seines – 2002 verstorbenen – Freundes und Harvard-Kollegen John Rawls, der 1971 die „Theorie der Gerechtigkeit“, das einflussreichste Buch politischer Philosophie in der zweiten Hälfte des
20. Jahrhunderts, vorlegte, geht es Sen darum, dass „Gerechtigkeit nicht indifferent gegenüber dem Leben sein darf, das Menschen tatsächlich führen können“. Statt nach dem „vollkommen Gerechten“ zu suchen wie Rawls, will er lieber dem „offenkundigen Unrecht vorbeugen“. Für diesen klugen, in unserem Zeitalter der Abklärung sofort einleuchtenden Perspektivwechsel gab es viel Lob. Leider wagt Sen sich dann doch nicht wirklich an konkrete, lokale Beispiele heran, bleibt also seltsamerweise auch eher abstrakt. Eine kundige Summe zum Stand der Gerechtigkeitsforschung ist der Band freilich allemal.
JENS-CHRISTIAN RABE
  
Amartya Sen:
Die Idee der Gerechtigkeit. Aus dem Englischen von Christa Krüger.
dtv, München 2012.
496 Seiten, 14, 90 Euro.
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
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Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Nach wie vor kommt man, stellt Rezensent Wilhelm Vossenkuhl fest, um John Rawls bei der Grundsatzfrage nach der Gerechtigkeit nicht herum. Das gilt auch für Amartya Sen, der zwar dem für seine Begriffe viel zu "transzendental? angelegten Vertragsmodell bei Rawls recht entschieden widerspricht, dies aber eben doch nur im Bezug auf Rawls tun kann. Leider sind Sens Versuche, die abstrakte Theorie durch einen empirisch gesättigten Kasualismus zu ersetzen, nach Ansicht des Rezensenten Wilhelm Vossenkuhl nicht wirklich überzeugend. Gerade der "Wirklichkeitsbezug?, den Sen wiederholt fordert, könne er in diesem Band, in dem viel Gelehrsamkeit drinstecke, selbst nicht leisten. Deshalb ist der Rezensent insgesamt von dem Buch eher enttäuscht und empfiehlt eher Martha Nussbaums in derselben Kritik besprochenen Band "Die Grenzen der Gerechtigkeit? dem Rawls-Skeptiker zur Lektüre.

© Perlentaucher Medien GmbH
"Der Band spiegelt die Weite des Denkens, die Fülle praktischer Erfahrung eines großen Intellektuellen und engagierten Humanisten, der sich nie gescheut hat, Mögliches zu wagen und seine Überlegungen einem Praxistext zu unterziehen."
Alexandra Kemmerer, Frankfurter Allgemeine Zeitung

"[Auch] wenn Sens Argumentation durchaus aufs Globale zielt, betont er vor allem die Wichtigkeit der 'praktischen Realisierbarkeit' von konkreten Maßnahmen zur Behebung manifester Ungerechtigkeit. Und wer seine Grundthesen in Handlungsanweisungen ummünzen möchte, könnte, kurz gefasst, auch sagen: think global, act local."
Katharina Granzin, taz

"Ein wahrhaft globales philosophisches Panorama, das seinesgleichen sucht - indische Weisheiten werden mit westlicher Philosophie in Beziehung gesetzt, reale Geschichten mit abstrakten Gedankenexperimenten und theoretischen Debatten verknüpft. Kaum jemand vermag es wie Sen, solche Diskussionen klar und knapp darzustellen und dies zugleich mit einer Prise Ironie und dem Ernst zu verbinden, den dieses Thema erfordert. Deshalb ist dies ein wichtiges und wuchtiges Buch von einem der großen Geister unserer Zeit."
Rainer Forst, Die Zeit

"Ein im besten Sinne eingreifendes Buch."
Rudolf Walther, Berliner Zeitung

"Für all jene, die weltweit gegen Ungerechtigkeit kämpfen, bietet das neue Buch von Sen ein unverzichtbares intellektuelles Rüstzeug."
profil

"Überhaupt gehört die ungeheure Sicherheit, mit der Amartya Sen kulturelle und konzeptionelle Unterschiede zur Kenntnis nimmt, nie der Versuchung nachgibt, sie zu vereinheitlichen, und doch keinen Zweifel daran hegt, dass sie in einen vernünftigen allgemeinen Diskussionszusammenhang zu bringen sind, zu den beeindruckendsten Qualitäten des Buches. (...) So entdecken Leser in dem Buch von Amartya Sen ein (...) ungewöhnliches, reiches (...) Panorama auf das Problem der Gerechtigkeit, das neben den verschiedenen disziplinären Perspektiven auch manches von der bemerkenswerten Biographie des Verfassers präsentiert."
Christoph Möllers, Süddeutsche Zeitung

"Man stellt fest, dass hier ein Denker am Werke ist, den man in unseren Breiten lange suchen muss: Ein Ökonom, der auf der Höhe des philosophischen Diskurses schreibt, ist in Deutschland so selten wir ein Philosoph, der auch in den Niederungen ökonomischer Prozesse zu Hause ist."
Christoph Fleischmann, Deutschlandfunk

"Ein lesenswertes Buch eines beeindruckenden Autors."
Frank Wiebe, Handelsblatt

"Wichtiger als der Streit um die Durchsetzung des Rechts nach der gerade herrschenden Auffassung aber sei die Verringerung des jeweils konkret herrschenden Unrechts - und genau dafür bietet sich Sens 'capabilities approach' an."
Eike Gebhardt, Deutschlandradio Kultur

"Sen leitet auch nicht der Hauch von Theoriefeindlichkeit - im Gegenteil: Er bedient sich geradezu virtuos bei anderen Gerechtigkeitstheorien. Ihn treibt die Dringlichkeit der ethisch-moralischen und politischen Probleme um. Ein im besten Sinne ergreifendes Buch."
Der Standard
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»Ein im besten Sinne eingreifendes Buch.«
Rudolf Walther, Berliner Zeitung 09.12.2010