Denkerin der Stunde (eBook, ePUB) - Bernstein, Richard J.
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  • Format: ePub


Warum Hannah Arendt die Denkerin der Stunde ist.
»Ein wunderbares Buch.« Jerome Kohn
»Begreifen«, schreibt Hannah Arendt in ihrem Hauptwerk Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft , bedeute, »sich aufmerksam und unvoreingenommen der Wirklichkeit zu stellen, was immer sie ist oder war«. Zur Lebenswirklichkeit der 1906 geborenen Arendt gehörten Antisemitismus und Gestapo-Haft ebenso wie Flucht, Staatenlosigkeit und die Erfahrung, von der US-Regierung systematisch über den Vietnamkrieg belogen worden zu sein. 45 Jahre nach ihrem Tod gehören zu unserer Gegenwart die schrecklichen Zustände…mehr

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Produktbeschreibung
Warum Hannah Arendt die Denkerin der Stunde ist.

»Ein wunderbares Buch.« Jerome Kohn

»Begreifen«, schreibt Hannah Arendt in ihrem Hauptwerk Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft, bedeute, »sich aufmerksam und unvoreingenommen der Wirklichkeit zu stellen, was immer sie ist oder war«. Zur Lebenswirklichkeit der 1906 geborenen Arendt gehörten Antisemitismus und Gestapo-Haft ebenso wie Flucht, Staatenlosigkeit und die Erfahrung, von der US-Regierung systematisch über den Vietnamkrieg belogen worden zu sein. 45 Jahre nach ihrem Tod gehören zu unserer Gegenwart die schrecklichen Zustände in Flüchtlingslagern auf Lesbos oder in Libyen, der Aufstieg autoritärer Bewegungen und ein US-Präsident, der selten die Wahrheit sagt. »Liest man Hannah Arendt heute«, so Richard J. Bernstein, »überkommt einen ein fast schon unheimliches Gefühl zeitgenössischer Relevanz.« Bernstein, der Arendt als junger Professor noch selbst kennengelernt hat, bietet anhand zentraler Themen einen kompakten Überblick über das Denken der Theoretikerin und zeigt, inwiefern ihr Werk die heutigen finsteren Zeiten erhellen kann.


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  • Produktdetails
  • Verlag: Suhrkamp Verlag AG
  • Seitenzahl: 100
  • Erscheinungstermin: 17.08.2020
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783518753361
  • Artikelnr.: 59069929
Autorenporträt
Richard J. Bernstein, geboren 1932, ist Professor für Philosophie an der New Yorker New School for Social Research, an der auch Hannah Arendt bis zu ihrem Tod im Jahr 1975 lehrte.

Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Rezensent Thomas Meyer versteht Richard J. Bernsteins Buch über Hannah Arendt als Plädoyer für offenes Denken, das den Irrtum nicht scheut. Der laut Meyer von Andreas Wirthensohn glänzend übersetzte und hilfreich kommentierte Band ist aber kein hagiografisches Dokument einer Freundschaft, erklärt Meyer. Gerade Bernsteins kritischer Ansatz jedoch macht das Buch für den Rezensenten interessant. Mit Blick auf das engagierte Schreiben Arendts deckt der Autor ihre Fehleinschätzungen damals gegenwärtiger Problemstellungen auf, etwa zum Thema Eichmann. Die Vorverurteilung des engagierten Denkens als des schlechteren Denkens kann der Autor widerlegen, meint Meyer.

© Perlentaucher Medien GmbH

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 10.11.2020

Dem Irrtum in die
Augen schauen
Richard J. Bernsteins grandioses
Buch über Hannah Arendt
Die Zuschreibung, jemand verfüge über „intime Kenntnis“ eines Werkes, ist aus der Mode gekommen. Im Falle von Richard J. Bernsteins Wissen über Hannah Arendts Denken wird man aber nicht um die Phrase herum kommen, allenfalls das Wort „inwendig“ könnte sie ersetzen. Dass der seit 1989 an der New School for Social Research in New York lehrende Bernstein und Arendt einander sehr gut kannten und kollegial schätzten, verschweigt der Philosoph aus guten, hermeneutischen Gründen. Das Buch ist nämlich kein Freundschafts- oder Verehrungsdokument, sondern eine pointierte und auch kritische Auseinandersetzung mit ihrem Schaffen.
Man sollte sich nicht vom leicht missverständlichen Titel oder kleineren Fehlern ablenken lassen: die „Denkerin der Stunde“ ist Arendt nämlich gerade deshalb für Bernstein, weil sie sich selbst der jeweiligen geistigen und politischen Situation der Gegenwart, ja, der „Stunde“ aussetzte. Arendt intervenierte, wenn sie es für nötig hielt. Dass sie dabei auch immer wieder falsch lag, etwa bei ihrer äußerst schematischen Analyse der Unruhen in Little Rock 1957, als neun schwarze Schüler für einen ganzen Tag eine „weiße“ Schule nur mit Hilfe der Polizei und der Armee besuchen konnten, verschweigt er nicht. Ebenso wenig, dass Arendt Adolf Eichmanns Auftritt bei dessen Prozess falsch einschätzte oder sich historisch und moralisch gegenüber den Judenräten irrte. Doch er belässt es nicht dabei. Indem er auf Distanz zu Arendts Fehlern und Zuspitzungen geht, sieht er auch die Klischees, die sich aus ihnen gebildet haben. Dadurch wird ein freierer Blick auf ihre Argumente möglich.
Warum er sich nun erneut mit Arendt beschäftigte fasst Bernstein in drei Punkten zusammen: Ihr Verständnis von Politik war nicht rein theoretisch, sondern immer auf die Praxis und die Verwerfungen des Konkreten in der Politik abgestellt. Zudem durchzog ein „revolutionärer Geist“ Arendts Denken, das sich weder der immer bloß konstruierten Tradition unterwarf, noch das Neue um des Neuen willen guthieß. Und schließlich liest er Arendt als Zeitgenossin, nimmt ihren Hinweis ernst, Wirklichkeit nicht mit einem „Image“ davon zu verwechseln und Öffentlichkeit als Ort zu verstehen, wo Politik entsteht und verhandelt werden muss.
Wichtig ist zudem, dass Bernstein erst gar nicht auf die dämliche, aber immer wieder thematisierte Gegenüberstellung einlässt, wonach der in der Öffentlichkeit Engagierte der schlechtere Denker oder Künstler sein müsste. Arendts Wachheit verdankte sich dem Müde-sein gegenüber dem Unrecht und der Gewalt in der Welt. Bernsteins glänzend von Andreas Wirthensohn übersetztes und mit hilfreichen Bemerkungen angereichertes Buch bietet ein engagiertes Plädoyer für ein offenes, dem Irrtum in die Augen schauendes Denken. Es reiht sich damit in die Liste kluger Einführungen zu Arendt ein, die in jüngerer Zeit von Jana V. Schmidt (Metzler Verlag), Maike Weißpflug (Matthes & Seitz) und vor allem von Stefania Maffeis (Campus) vorgelegt wurden.
THOMAS MEYER
Richard J. Bernstein: Denkerin der Stunde. Über Hannah Arendt. Aus dem Englischen von Andreas Wirthensohn. 141 Seiten, 14 Euro. Suhrkamp Verlag, Berlin 2020.
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