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Henner hat seine Frau an den Krebs verloren. Und seinen Sohn an ein Computerspiel. Patrick, siebzehn Jahre alt, sieht das ganz anders. Seit Monaten verbringt seine Zornelfe jede freie Minute mit Mr. Smith, dem Barbar. Zusammen sind sie ein unschlagbares Team geworden. Mr. Smith ist Nevena, ein siebzehnjähriges Mädchen, das angeblich in Belgrad lebt. Sie ist frech und quirlig, außerdem Kummerkasten und guter Geist ihrer leicht verrückten Großfamilie. In Hunderten von Mails erzählt sie Patrick von einer Welt, aus der ihn der Tod der Mutter vertrieben hat. Als Nevena von einem Tag auf den anderen…mehr

Produktbeschreibung
Henner hat seine Frau an den Krebs verloren. Und seinen Sohn an ein Computerspiel. Patrick, siebzehn Jahre alt, sieht das ganz anders. Seit Monaten verbringt seine Zornelfe jede freie Minute mit Mr. Smith, dem Barbar. Zusammen sind sie ein unschlagbares Team geworden. Mr. Smith ist Nevena, ein siebzehnjähriges Mädchen, das angeblich in Belgrad lebt. Sie ist frech und quirlig, außerdem Kummerkasten und guter Geist ihrer leicht verrückten Großfamilie. In Hunderten von Mails erzählt sie Patrick von einer Welt, aus der ihn der Tod der Mutter vertrieben hat.
Als Nevena von einem Tag auf den anderen aus dem Spiel und aus dem Netz verschwindet, ist Patrick verzweifelt. Über die wirkliche Nevena weiß er nur wenig, er kennt nicht einmal ihre Adresse. Da bietet ihm Henner an, Nevena gemeinsam zu suchen. Im Wohnmobil der Mutter unternehmen sie eine Reise, die durch die schreckliche Geschichte des ehemaligen Jugoslawiens führt, aber auch eine spannende Reise zur eigenen Identität wird.
  • Produktdetails
  • Verlag: Schöffling
  • Seitenzahl: 378
  • 2012
  • Ausstattung/Bilder: 2012. 378 S.
  • Deutsch
  • Abmessung: 211mm x 139mm x 35mm
  • Gewicht: 550g
  • ISBN-13: 9783895610448
  • ISBN-10: 3895610445
  • Artikelnr.: 35675957
Autorenporträt
Burkhard Spinnen, geboren 1956 in Mönchengladbach, Studium der Germanistik, Publizistik und Soziologie in Münster, 1989 Promotion. Wissenschaftlicher Assistent am Germanistischen Institut der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, seit 1996 freier Autor in Münster. Preise und Auszeichnungen: u. a. 1991 aspekte-Literaturpreis, 1996 Kranichsteiner Literaturpreis, 1999 Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung und 2004 den Niederrheinischen Literaturpreis der Stadt Krefeld für sein bisheriges Gesamtwerk.
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

In Burkhard Spinnens Jugendroman "Nevena" sind die digitale und die analoge Sphäre so eng miteinander verwoben, dass sie ineinander übergehen, stellt ein eingenommener Michael Schmitt fest. Es ist die Geschichte von Vater und Sohn, die sich nach dem Tod der Mutter über die Suche einer 18-jährigen Internet-Freundin in Bosnien des 17-jährigen Patrick wieder näher kommen. Der Rezensent schätzt nicht nur die Behutsamkeit des Buches bei der Annäherung von Vater und Sohn, sondern findet es auch sehr angenehm, dass Spinnen nicht überaufgeregt die "Gefahren des Computerspiels" zum Thema macht.

© Perlentaucher Medien GmbH
Besprechung von 06.10.2012
Der Barbar und seine Schutzelfe

Burkhard Spinnen, den Heldenepiker unseres Kleinbürgertums, zieht es im neuen Roman ins Internet. Das geht gut. Im Wohnmobil aber verliert er den Faden.

Von Jochen Hieber

Nevena, die titelgebende Figur in Burkhard Spinnens mittlerweile fünftem Roman, ist eine siebzehnjährige Serbin aus Belgrad. Jedenfalls erzählt sie das ihrem Partner Patrick im Chatroom des Computerspiels, in dem sich die beiden als virtuelles Paar im Kampf gegen Monster, Orks und ähnliche Bösewichte zu bewähren haben. Patrick, ebenfalls siebzehn, lebt in der Nähe von Frankfurt am Main und hat gerade seine Mutter verloren - nach Operation und Chemotherapie hatte sie jede weitere Behandlung verweigert und im Stockwerk über seinem Kinderzimmer fast ein Jahr lang auf den Tod gewartet. Das Sterben der Mutter hat er Nevena verschwiegen. Deren groteske Familiengeschichten vom Balkan faszinieren ihn hingegen ungemein.

Im Spiel selbst ist Nevena ein kriegerischer Barbar mit Kampfnamen Mr. Smith, während Patrick als dessen Schutzelfe Pocahonta agiert, ihn also mit Zauberkräften vor Verwundungen bewahrt oder die Feinde auf dem Schlachtfeld mittels magischer Energie lähmt. Als die beiden gerade im Begriff sind, einen gewaltigen Minotaurus zur Strecke zu bringen, blinkt in Patricks Chatfenster eine Kurznachricht auf. "Gtg, sorry", lautet sie. "Got to go" meint das, Nevena signalisiert, sie müsse das Spiel mal eben kurz verlassen.

Fortan jedoch bleibt sie verschwunden, eine Stunde, einen Tag, eine Woche, einen Monat, wie aus allen Maschen des Internets gefallen und wie vom Erdboden verschluckt. Patrick versteht die Welt nicht mehr. Klar wird ihm überdies, dass er trotz der vielen Geschichten, die sie ihm auftischte, so gut wie nichts über die wirkliche Nevena weiß, noch nicht einmal ihren Nachnamen kennt er. Und da sie auch keinen Facebook-Eintrag hat, ist sie im Grunde inexistent.

Es ist zunächst überaus reizvoll, am Erzählspiel des Burkhard Spinnen teilzunehmen. Geschickt, gekonnt, ja elegant springt er zwischen realer und virtueller Welt hin und her. Henner, Patricks Vater und jetzt "ein Witwer um die Fünfzig", hat mit Astrids Tod auch die Aufgabe verloren, die ihn aufrecht hielt, die Pflege seiner Frau. Es ist ein elegisches, dabei psychologisch sehr präzises Porträt, das der Roman von diesem jetzt verzagten, immer antriebsloser werdenden Mann zeichnet - und von seinem so stillen wie heroischen Kampf, die einstige beruflichen Energie wenigstens nicht ganz zu verlieren. Henner ist Restaurator in einem Museum.

Patrick fahndet derweil im Netz nach irgendeiner Nevena-Spur, ohne seine Partnerin schleicht er auch wieder durchs Computerspiel, für das sich Spinnen - so verrät er in der Danksagung - am Internethit "World of Warcraft" orientiert hat. Vater und Sohn jedenfalls sind zwei Verlorene, die auch aneinander keinen rechten Halt finden, obwohl sie es immerhin versuchen: gemeinsames Frühstück, mal zusammen fernsehen, Henners Besuch in Patricks digitalem Universum, "dieser Pixelwalachei", Patricks bemühtes Interesse an dem alten Möbelstück, das sein Vater wieder auf Vordermann bringen will.

Merkwürdigerweise aber verliert der Roman an Intensität, wenn er den Stillstand im Trauerhaus verlässt, um handlungsheftig in Bewegung zu geraten. Nach gut hundert Seiten brechen die beiden auf - Henner hat einen Auftrag in Triest angenommen, Patrick hofft, in einem Ferienhotel an der kroatischen Küste den Schlüssel zu Nevenas Geheimnis zu finden. Zum road novel wird das Buch gleich in der Frankfurter Vorstadtgarage. Denn dort steht Astrids liebstes Stück - ein Wohnmobil aus den endsiebziger Jahren, ein kaum noch fahrbares Fossil, das auf den etwas zu possierlichen Namen "Erich" hört.

Ein Erzählmeister ist Burkhard Spinnen, wenn er kleine deutsche Wirklichkeiten schildert, Fußgängerzonen, Supermärkte, Bushaltestellen, wenn er, wie in seinem wunderbaren Roman "Langer Samstag" (1995) oder wie im ersten Teil des neuen Buchs deutsche Kleinbürger zu Helden mit tragikomischem wie tragischem Potential macht. Südeuropäische Städteporträts sind seine Sache nicht so ganz - wir fahren mit "Erich" nun aber von Triest über Opatija, Rijeka und Mostar bis nach Sarajevo. Ganz unvermeidlich kommt dabei auch einheimisches Personal ins Bild, Mirko, der Kellner mit dem Gipsarm etwa, Alex, der Fremdenführer aus Mostar, Ivan Maric, der halbverrückte Müllwerker, von dem es heißt, er sei im jugoslawischen Bürgerkrieg "ein hohes Tier" gewesen - von Spinnen geschildert, wirken sie bisweilen wie bloße Staffage. Den Schreckenszeugnissen des Jugoslawien-Kriegs begegnet das Buch mit großem Ernst. "Das wäre mein Krieg gewesen", geht es Henner einmal durch den Kopf, "für den", fügt der anonyme Erzähler gleich hinzu, "hätte er das richtige Alter gehabt".

Aus Vater und Sohn sind inzwischen entschlossene Amateurdetektive geworden. Aber je mehr sie in der fremden Welt recherchieren, desto dringlicher wird es für ihren Autor, die Geschehnisse und die Figuren einigermaßen plausibel zu halten. Der krimiähnliche Konstruktionsaufwand ist beträchtlich - und wirkt nicht selten bemüht. Nevena, das wird bald klar, hat ihre Balkan-Grotesken ebenso erfunden wie ihre serbische Identität. Der Roman gewährt diesen Lügen die Weihe der Not und lässt ihre Motive zumindest nachvollziehbar, wenn nicht gar edel erscheinen. Glaubhaft machen kann er jedoch nie, warum sie den armen Patrick, in den sie fernverliebt ist, so sehr und dauerhaft ins Bockshorn gejagt hat.

Am Ende schafft es "Erich" mit Ach und Krach wieder ins Frankfurter Umland - und der Roman ins friedliche Finale an Patricks PC und Nevenas Laptop. Burkhard Spinnen kann mehr.

Burkhard Spinnen: "Nevena". Roman.

Verlag Schöffling & Co., Frankfurt am Main 2012. 394 S., geb., 19,95 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Besprechung von 09.10.2012
Hacken mit Hydra
Eine Vater-Sohn-Geschichte von Burkhard Spinnen
Wer wie Patrick, siebzehn, beim Computerspiel „Couple Quest“ Marke Fantasy-Mittelalter mit einem Ungeheuer kämpft, dessen Köpfe stets doppelt nachwachsen, wenn man sie abgeschlagen hat, ist im Vorteil, wenn er in der analogen Welt von den Aufgaben des Herakles gehört hat, vom Kampf gegen die Hydra, deren Halsstümpfe man mit einer Fackel ausbrennen muss.
  Wer hingegen in den ganz und gar analogen, nur mühsam befriedeten Nachkriegsstädten Bosniens auf der Suche nach einem Menschen ist, in diesem Fall nach einem knapp achtzehnjährigen Mädchen namens Nevena, kommt womöglich nur voran, wenn er auf Facebook-Seiten nach Schulfreundinnen der Gesuchten fahndet. Die digitale und die analoge Welt sind nicht weit getrennt, sie greifen ineinander, gehorchen vergleichbaren Regeln. Wie auch nicht, sie sind schließlich beide von Menschenhand gemacht. Davon – unter anderem – erzählt Burkhard Spinnens Roman Nevena, nach Belgische Riesen und Müller Hoch Drei sein drittes Buch über zeitgenössisches Familienleben, über die Veränderung von Rollenmustern bei Eltern, Kindern und jungen Erwachsenen.
  Nevena handelt zunächst von einem Sohn und einem Vater, die nach dem Tod der Mutter nur mehr nebeneinander her existieren: Der Junge im Computerspiel und im Chatroom, wo er mit seiner Spielpartnerin Nevena über alles reden kann. Der Vater, ein Fachmann für Kunst des 19. Jahrhunderts, in dem Arbeitszimmer, das er sich eingerichtet hat und in dem er abends Möbel restauriert. Ein trauriges Mittelschichten-Szenario, das erst aufbricht, als sich Nevena nicht mehr einloggt, und der Junge, verliebt in sein digitales Gegenüber, so unglücklich wirkt, dass der Vater sich entschließt, mit ihm gemeinsam nach Bosnien zu fahren, um das Mädchen zu suchen.
  Ein Unternehmen ohne Aussicht auf Erfolg, aber ein Versuch, so etwas wie Nähe und Gemeinsamkeit wieder herzustellen. Ein Abenteuer in zwei Welten, in einer, die aus Benutzeroberflächen und einer schwer greifbaren Community besteht, und in einer anderen, die nur zehn Autostunden entfernt ist und mit Problemen kämpft, die teilweise ähnlich in Deutschland vielleicht vor zwei, drei Generationen zu bewältigen waren, und in der die Auswirkungen des Krieges noch zu spüren sind.
 „Couple Quest“ ist als Begriff ein Schlüssel zu diesem Roman – für Vater und Sohn genauso wie für den Sohn und Nevena. Behutsam tastet die Geschichte sich im analogen wie im digitalen Reich voran, spielt die beiden nicht gegeneinander aus, sondern verschränkt sie bis ins kleinste Detail und hält sich mit hysterischen Thesen zur Schädlichkeit von Computerspielen nicht auf. (ab 14 Jahre und Erwachsene)
MICHAEL SCHMITT
  
Burkhard Spinnen: Nevena. Schöffling 2012. 320 Seiten, 19,95 Euro.
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
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Nach der Lektüre von Burkhard Spinnens neuem Roman "Nevena" muss Rezensent Kilian Trotier gestehen, dass ihn dieses Buch enttäuscht hat. Erzählt wird die Geschichte eines Vaters, der nach dem Tod seiner Frau besorgt beobachtet, wie sein Sohn sich in die Welt von Computerspielen flüchtet und sich nur noch einer Online-Freundin namens "Nevena" anvertraut, die sich allerdings eines Tages nicht mehr meldet. Die Idee, dass sich Vater und Sohn gemeinsam auf einen Roadtrip begeben, um das Mädchen zu suchen, findet der Kritiker eigentlich ganz schön, leider muss er aber feststellen, dass der Autor viel zu viele Themen - neben der Vater-Sohn-Beziehung etwa auch Erinnerungen an den Krieg im ehemaligen Jugoslawien - verhandelt, um in die Tiefe gehen zu können. Darüber hinaus erscheinen Trotier nicht nur die zahlreichen Belehrungen über die Gefahren von Onlinegames in diesem Roman zu "behäbig".

© Perlentaucher Medien GmbH