Der Garten der Dariatschangi - Tschiladse, Otar

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"Mein Buch", sagte Tschiladse über seinen ersten Roman von 1973, "zeigt Medea, wie sie bis zum Eintreffen der Griechen war: ein gewöhnlicher lebendiger Mensch, ohne alles Magische. Sie vermag zu lieben und begeht um der Liebe willen Taten, für die sie später leiden muss." Otar Tschiladse erzählt in diesem gewaltigen Roman über die sagenhafte Medea aus der ungewöhnlichen Perspektive der eroberten "Barbaren", der Bewohner der antiken Kolchis (dem heutigen Georgien). Er verwendet dabei die uns aus der griechischen Überlieferung bekannten mythologischen Stoffe und Gestalten, erzählt sie jedoch als…mehr

Produktbeschreibung
"Mein Buch", sagte Tschiladse über seinen ersten Roman von 1973, "zeigt Medea, wie sie bis zum Eintreffen der Griechen war: ein gewöhnlicher lebendiger Mensch, ohne alles Magische. Sie vermag zu lieben und begeht um der Liebe willen Taten, für die sie später leiden muss." Otar Tschiladse erzählt in diesem gewaltigen Roman über die sagenhafte Medea aus der ungewöhnlichen Perspektive der eroberten "Barbaren", der Bewohner der antiken Kolchis (dem heutigen Georgien). Er verwendet dabei die uns aus der griechischen Überlieferung bekannten mythologischen Stoffe und Gestalten, erzählt sie jedoch als Geschichten aus einem gewöhnlichen Alltag, dass sie unser aller Geschichten sein könnten. Der Garten der Dariatschangi schildert elementarste menschliche Leidenschaften: Liebe und Hass, Selbsttreue und Opportunismus, Stolz und Demut, aber auch Demütigung, Gewalt und Duldsamkeit. So lotet Tschiladse die verborgensten Winkel der Seele aus und verleiht seinen Figuren eine große menschliche Dimension.
  • Produktdetails
  • Verlag: Matthes & Seitz Berlin
  • Seitenzahl: 663
  • Erscheinungstermin: Dezember 2014
  • Deutsch
  • Abmessung: 221mm x 144mm x 48mm
  • Gewicht: 875g
  • ISBN-13: 9783882210309
  • ISBN-10: 3882210303
  • Artikelnr.: 36843455
Autorenporträt
Otar Tschiladse, geboren 1933 in Sighnaghi, gilt als wichtigster georgischer Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Zeitlebens engagierte sich der Lyriker, Dramatiker und Prosaautor für ein unabhängiges Georgien, das nicht mehr unter dem Einfluss Russlands zu leiden habe. Tschiladse, ein Klassiker der Weltliteratur, der in den 90er Jahren zweimal für den Literaturnobelpreis im Gespräch war, galt bis zu seinem Tod 2009 als intellektuelle Autorität und beschäftigte sich in seiner schriftstellerischen Arbeit insbesondere mit den antiken Mythen und der kulturellen Anbindung Georgiens an Europa. Anknüpfend an die europäische Erzähltradition entfaltete er in seinen von einer eigenwilligen, poetisch-assoziativen Sprache geprägten Prosawerken einen epischen Atem, der in seinem Bild- und Symbolreichtum an Marquez' magischen Realismus erinnert. Seit 1980 ('Dass mich totschlage, der mich finde') werden seine ausgreifenden, Welt schöpfenden Romane ins Deutsche übersetzt.
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Bereits 1973 erschienen ist der erste Roman des georgischen Schriftstellers Otar Tschiladse nun auch ins Deutsche übersetzt worden, berichtet ein schwärmender Jan Koneffke. Der Rezensent folgt dem Autor hier in die Geschichte des georgischen Volkes, liest aber zunächst Tschiladses den Roman eröffnende Version der Argonauten-Sage, in der nicht nur die mythische Figur der Medea vermenschlicht erscheint. Zugleich bewundert der Kritiker die Magie des Autors, der den Leser etwa leichthändig an den Gedanken von Tieren und Gegenständen teilhaben lässt. Vor allem aber konzentriert sich Tschiladse in seinem herausragenden Epos auf die Folgen, die die Eroberung der Kolchis für die Unterworfenen hatte, verrät der Rezensent. Großartig wie es dem Autor gelingt symbolreich, aber nie überladen, lyrisch, aber dennoch anschaulich und mit beeindruckender psychologischer Figurenzeichnung zu erzählen, lobt der Kritiker, der dieses generationsübergreifende Epos mit modernen Figuren im archaischen Gewand als "süffiges Lesevergnügen" empfiehlt.

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Besprechung von 06.10.2018
Im Brunnen der Schuld
Otar Tschiladses "Der Garten der Dariatschangi"

Ein Mann ist aus der Bahn geworfen, in seiner Familie, der Königssippe im Land der Waner, tun sich Abgründe auf, die alle mit dem rätselhaften Jungen Phrix zu tun haben. Der kam einst übers Meer auf einem Widder geritten, der König nahm ihn auf, später heiratete Phrix dessen Tochter Karissa, die ihm vier Söhne gebar, und alles schien gut, bis Phrix, merkwürdig heimwehkrank, nicht mehr zu seiner Frau zurückfand.

Nun also steigt König Aietes in einen Brunnen, tiefer und tiefer hinab. Was er dort findet, weiß er schon, die Gespenster jeglicher Schuld, die er in seinem Leben auf sich geladen hat. Er lässt sich von ihnen verhöhnen, wieder einmal, und sich bestätigen, wie hoffnungslos die Dinge stehen. Dann steigt er wieder hinaus.

Otar Tschiladse, geboren 1933 im ostgeorgischen Sighnaghi, war als Lyriker im Literaturbetrieb seines Landes bekannt, als er 1973 den Roman "Der Garten der Dariatschangi" vorlegte, seinen ersten, dem bis zu seinem Tod 2009 fünf weitere folgen sollten. Den Lyriker verleugnet diese Prosa nicht, die flimmert und deren Schönheit sich sofort mitteilt. Aber auch die Entstehungszeit hat ihre Spuren in Tschiladses magisch-realistischem Erzählen hinterlassen, die Freude zudem, ein ganzes Bündel an Geschichten und Schicksalen vor dem Leser auszubreiten.

Dass die seit Jahrtausenden erzählte Medea-Geschichte zudem hier so ungeheuer frisch wirkt, liegt nicht nur an der vom Autor ausgesprochen liebevoll ausgemalten Hauptfigur. Es liegt auch an der Umkehr der tradierten Perspektive: Wo sonst die Abenteuer der kühnen Argonauten berichtet werden, von den Vorbereitungen über die Abreise bis hin zum Raub des Goldenen Vlies und schließlich der Rückfahrt, zeigt Tschiladse das Land, das erst noch überfallen werden wird, den Überfall selbst, wie ihn die Einwohner erleben, und schließlich den Zustand der Geschädigten, als die Räuber endgültig geflohen sind. Dass man dabei in Georgien nicht nur an mythische Vorzeiten dachte, liegt auf der Hand.

spre.

Otar Tschiladse: "Der Garten der Dariatschangi". Roman.

Aus dem Georgischen von Kristiane Lichtenfeld. Verlag Matthes & Seitz, Berlin 2014. 663 S., geb. 39,90 [Euro].

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