Coming Home - Pilcher, Rosamunde
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Produktdetails
  • Verlag: MACMILLAN AUDIO
  • Gesamtlaufzeit: 999 Min.
  • Erscheinungstermin: 13. März 2018
  • ISBN-13: 9781427297570
  • Artikelnr.: 48956301
Autorenporträt
Rosamunde Pilcher has had a long and distinguished career as a novelist and short story writer, but it was her phenomenally successful novel, The Shell Seekers, that captured the hearts of all who read it, and won her international recognition as one of the best-loved storytellers of our time. It was voted one of UK's top 100 novels in the BBC's Big Read in 2003. Her bestselling novels, September, Coming Home and Winter Solstice were made into television films. She was awarded an O.B.E for services to literature in 2002 and an honorary Doctor of Laws degree from Dundee University in 2010.
Rezensionen
Besprechung von 14.11.1995
Hoffentlich reicht das gute Make-up
Rosamunde Pilcher verrät, wie man schlechte Zeiten stilvoll übersteht / Von Gernot Kramper

Ein Jahrzehnt der Bewährung liegt vor der vierzehnjährigen Judith Dunbar, als sie im Frühjahr 1935 Abschied von ihrer Familie nimmt. Mutter und Schwester reisen nach Singapur, sie bleibt in einem Internat in Cornwall zurück. Rosamunde Pilcher berichtet aus einer Zeit, in der eine Tochter alles besser machen konnte, als ihre Mutter es vermochte. Die Tochter wird Auto fahren können, ohne von der Bremse abzurutschen. Sie wird ein Heim haben, kochen und das Weihnachtsfest feiern können. Vor allem wird sie keine Furcht haben. Letzte Fragen bewegen Mutter und Tochter gleichermaßen: "Wer bin ich? Wo bin ich? Wohin gehe ich, und was wird geschehen, wenn ich dort ankomme?" Die zurückgelassene Tochter läßt sich von der Schwere einer nichtigen Existenz im unendlichen Universum nicht erdrücken. Die entwurzelte Mutter hingegen fühlt sich hilf- und kraftlos.

Mit solchen Frauen kennt die Autorin keine Gnade. Rosamunde Pilcher erwartet, daß jede Frau ihre Pflicht erfüllt. Folgerichtig ertrinkt die schwache Mutter. Als sie sich einen Moment unter Deck ausruhen will, wird ihr Dampfer im Chinesischen Meer torpediert. Ihre Tochter Judith wird sich nie unter Vorwänden ins Bett zurückziehen, das tapfere Mädchen bleibt auf dem Posten und richtet sich an den Gebräuchen heroischer Matrosen auf. Wenn ein Schiff Ihrer Majestät in die Schlacht segelt, erinnert sie sich, zieht die Besatzung frische Kleider an. Schön und praktisch, so bleibt im Falle einer Verwundung die Gefahr einer Infektion gering.

"Die Häuser anderer Leute faszinierten sie immer", heißt es, und Rosamunde Pilcher läßt den Leser an dieser Lust teilhaben. Es sind die gestohlenen Blicke der Nichtdazugehörigen in die Salons der vermögenden und alten Familien, zu denen Judith Dunbar durch wohlmeinende Zufälle Zutritt erhält. Alles Schöne in den Häusern der sorglosen Reichen ist köstlich: das Essen, die Stoffe und die Liebe. Rosamunde Pilcher besingt keine sinnlichen Genüsse, sondern das reichliche Vorhandensein des Notwendigen. Frisch duftet auf mancher Seite die gebügelte Wäsche, beruhigend hüllt der Geruch warmer Baumwolle ein. Wer niemals die Mühen der Hausarbeit gekostet hat, wird die Freude kaum zu schätzen wissen, wenn ohne Anstrengung alles vor Sauberkeit strahlt und gepflegt aussieht.

Die Erzählerin kennt ihre Welt; ihr Leser weiß die Vorzeichen des Krieges zu deuten. So teilt er das schöne Gefühl, vieles besser zu wissen. Da mögen die Frauen des Romans das Radio abstellen und die politischen Seiten der Zeitungen mit ihren unerfreulichen Nachrichten aus Deutschland überschlagen, die Pläne des "grauenhaften" Hitler werden sie doch erreichen. Pilchers Frauen hassen den Krieg, einfach "weil er alles zerstört". Irgendwo fechten Soldaten gegen die Diktatur. Zeugnis geben Briefe, Traueranzeigen und die Meldungen des Radios, aber am Krieg der Männer, an krepierenden Granaten und dröhnenden Motoren zeigt der Roman kein Interesse. Es bleibt die Gleichzeitigkeit des Unpassenden: Die Deutschen bedrängen das britische Expeditionskorps bei Dünkirchen, und dennoch strahlt die Sonne, die Kinder planschen im Schwimmbecken. Eine Fregatte darf eine Walkuh mit ihrem Jungen in die See eskortieren, und Judith zerschneidet sich den Fuß an einer Scherbe beim Baden nahe der Marinebasis. Der Krieg der Frauen findet in den muffigen Schreibstuben der Hilfskorps statt und beginnt zunächst im eigenen Haus.

Dort ändern sich die Verhältnisse abrupt und endgültig. Auf den Landsitzen wird das gute Silber eingepackt, vielleicht wird es niemals wieder hervorgeholt. Der Butler baut Gemüse an. Das Leben wird weitergehen, solange es das Personal vermag, die Erde unter den Fingernägeln herauszukratzen, bevor die Suppe aufgetragen wird.

"Wirklich unangenehm" wird das Leben, als Kleider und Stoffe allmählich verblassen und verschleißen. Wenigstens hält das gute Vorkriegs-Make-up bis zum Sieg vor. Allerdings, die Zeit der Dienstmädchen und Teetabletts geht vorüber, und die Damen der Gesellschaft können nicht einmal ein Ei kochen. Während ein Mann sich fragen mag, ob diese herrlichen Geschöpfe nur schnattern und einkaufen können, bleiben umgekehrt die maskulinen Vergnügen den Frauen ein Rätsel. Beruht Männerfreundschaft mehr auf Kricket oder darauf, daß die Burschen auf der Jagd alles abschießen, was fliegt?

Einfach, aber nicht falsch ist die Welt eingerichtet. Cottages sind "bezaubernd", die Dörfer wimmeln "von originellen Charakteren", die Taschentücher der Damen müssen aus Spitze sein. Hübsche Dinge, die das Auge erfreuen, sind das Beiwerk für den Glanz einer Frau: "Gepflegt und teuer" sollte sie sein. Also kostet ein anständiges Leben eine Menge Geld im Land der Rosamunde Pilcher. Trotz Anflügen sozialromantischer Naivität der jugendlichen Heldin, die fragt, warum nicht alle Menschen Dienstboten haben können, bleiben der erfahrenen Erzählerin die ökonomischen Härten der schöneren Hälfte der Menschheit im Gedächtnis. Ungetrübten Genuß gibt es nicht, im Hintergrund lauert die klamme Angst derjenigen, deren Heim einer Hypothekenbank gehört. Die Generation vor Judith konnte durch die Gunst einer Heirat der Armut des elterlichen Pfarrhauses entrinnen. Die bedauernswerte Mutter mußte gar mit der "Fischfangflotte" unverheirateter Mädchen zu den ausgehungerten Offizieren in die Kolonien verschickt werden, um versorgt zu sein.

Dank einer weiblichen Akkumulation von Kapital bleibt Judith Dunbar solche Demütigung erspart. Den von ihrer Tante erheirateten Besitz erbt sie, die Stammhalterin der weiblichen Sippe. Geld ist so gut oder schlecht wie die Menschen, die es besitzen, und ein stattliches Bankkonto erfüllt manchen Lebenstraum. Vernünftige Einkaufslüste markieren die Stationen ihres Erwachsenwerdens: ein Fahrrad, etwas unbescheidener dann ein Automobil und schließlich ein solider Stammsitz. Bereits zu Beginn eines Krieges gilt es, Vorsorge zu treffen. Das Ende der turbulenten Zeiten kommt so sicher wie der Sieg der gerechten Sache.

Das Kriegsende besiegelt ein Gottesdienst eigener Art. Kirchen sind genau besehen "hart und grauenhaft unbequem". Sie halten für eine trauernde Frau nicht die Tröstungen bereit, wie sie das untergehende Empire im Überfluß der kolonialen Herrlichkeit ihrem Kaufrausch bieten kann. Einkaufen, lernt Judith, ist mehr als alles andere geeignet, "die Unglückliche zu trösten, die Gelangweilte aufzumuntern und die Zurückgewiesene zu verwöhnen".

Der Krieg behütet das Leben der Frauen, weil die Männer nicht stören können. Manche verbringen eine wilde Zeit mit freien Franzosen, freien Polen oder freien Norwegern, aber wahre Liebe gilt dem Abwesenden. Auf Rosamunde Pilcher sollen die Liebenden vertrauen. Alle Versprechen werden wahr, und schon die erste Begegnung hält die Erfüllung bereit. Man muß nur abwarten, bis die Paare sich auf den letzten Seiten finden. Der erste Kuß erfüllt mit einer "wundervollen Wahrheit". Spart eine Frau ihre Unberührtheit auf, so macht sie ihrem Mann ein "großzügiges Geschenk", von dem der Dankbare weiß, daß er es sein ganzes Leben lang "wie ein Schatz" hüten wird. Sollte sie aber nicht mehr jungfräulich sein, so ist das auch kein Malheur. Zwar war die Berührung des schauderhaften Grabschers einst "ekelhaft", aber Rosamunde Pilcher schüttet das Kind nicht mit dem Bade aus: "Die meisten Männer sind lieb und nett, und es macht Spaß, mit ihnen zusammen zu sein, nur ein paar von ihnen verderben immer alles."

Rosamunde Pilcher: "Heimkehr". Roman. Aus dem Englischen übersetzt von Ingrid Altrichter, Helmut Mennicken und Maria Mill. Wunderlich Verlag, Reinbek 1995. 1161 S., geb., 49,80 DM.

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