Lost in Translation - Hoffman, Eva

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  • Verlag: Neue Kritik
  • 2. Aufl.
  • Seitenzahl: 306
  • Ausstattung/Bilder: 306 S.
  • Deutsch
  • Abmessung: 205mm
  • Gewicht: 480g
  • ISBN-13: 9783801502515
  • ISBN-10: 3801502511
  • Best.Nr.: 04370698
Rezensionen
Besprechung von 13.01.2003
Der große Bruch
Eva Hoffmans Erinnerungen an den Kulturschock des Exils

Die große Zahl derjenigen, die der Ansicht sind, genug vom Holocaust gehört zu haben, könnte man in böswillige und wohlmeinende Verweigerer einteilen. Die böswilligen kann man getrost ignorieren, es ist ohnehin unwahrscheinlich, daß einer von ihnen diese Memoiren in die Hand nimmt. Die wohlmeinenden kann man versuchen, zu verstehen: Sie fühlen sich von den Medien überfüttert, sie wollen endlich eine Vergangenheit, in der sich die Großeltern vielleicht schlecht bewährt haben, hinter sich lassen, sie wittern die Mode und den Mißbrauch, die mit diesen düsteren Erinnerungen getrieben werden.

Aber dann kommt ein faszinierendes Buch wie das der Eva Hoffman, und alle Vorsätze verwehen wie im Wind. Es zeigt sich, daß man den Erinnerungen der Tochter von Überlebenden der Judenermordung, noch dazu, wenn sie so wunderbar geschrieben sind wie die ihren, gerne das Recht zu solchen Reflexionen einräumt und ihnen gerne folgt.

Vom Schicksal der Juden in Polen - die Erzählerin ist in Krakau geboren - ist nur im ersten Kapitel die Rede, so lange, wie es nötig ist, der Herkunft der Eltern und den Bedingungen ihres Überstehens nachzugehen. Dann verschwindet dieser Erzählstrang wie die Flüsse im Karst, um nur noch gelegentlich an die Oberfläche zu kommen. In der Tiefe freilich spürt man sie am Werk, denn ohne diese Voraussetzungen wäre das Leben der Erzählerin völlig anders verlaufen. Statt bei den elterlichen Erlebnissen zu verweilen, entwirft die Autobiographin das Bild einer geborgenen Kindheit, die in der intimen Atmosphäre Nachkriegspolens trotz antisemitischer Residuen beinahe idyllisch erscheint. Dieser Bericht ist so gesättigt mit anschaulichen Einzelheiten und Charakterbildern, daß sie sich zu einem Mosaik einer einheitlichen Kultur zusammenschließen.

Und nun ereignet sich der große Bruch. Es kommt das Jahr 1959, in dem das Auswanderungsverbot für Juden aufgehoben wird und die Eltern sich mit ihren beiden Töchtern in das ferne kanadische Vancouver aufmachen, wo die Erzählerin, nunmehr dreizehn Jahre alt, eine furchtbare Entfremdung erlebt. Hier setzt das Thema des "Exils" ein, eines gigantischen Kulturschocks in einer Umwelt, wo nicht nur Äußerlichkeiten wie Landschaft und Klima, nicht nur die gesellschaftlichen, sittlichen und ökonomischen Gepflogenheiten der Bevölkerung, sondern das Intimste, Sprache, Empfindungsweise, Initiationsriten, sexuelles Verhalten, ja die Körpersprache, völlig verschieden sind und die Erzählerin in eine lange Jahre währende Krise stürzt. Die Darstellung von deren Auswirkungen auf das Gemüt des Mädchens wird mit meisterlicher Akribie bewältigt, die das Maß des stattgehabten Reifeprozesses angeben, des Kontrastes zwischen den polnischen und amerikanischen Freunden. In New York kehrt das Buch vollends zu dem wohltuenden Tenor der Anschaulichkeit und der Ironie zurück.

In Anbetracht des Titels und im Gegensatz zu ihm sollte hervorgehoben werden, daß die bestimmt vielfach klippenreiche Übersetzung glänzend gelungen und keine Nuance verlorengegangen ist. Wer sich dafür interessiert, was Anomie, ein in der heutigen Welt keineswegs nur mehr überempfindsamen Ausnahmemenschen vorbehaltenes Phänomen, und ihre Überwindung oder, ein wenig bescheidener ausgedrückt, ihre Bezähmung ist, der kann sich in Eva Hoffmans Autobiographie Auskunft holen, denn der Untertitel "Ankommen in der Fremde" heißt ja nicht nur, die Fremde erreichen, sondern auch in ihr bestehen.

EGON SCHWARZ

Eva Hoffman: "Lost in Translation. Ankommen in der Fremde". Aus dem Amerikanischen übersetzt von Gesine Strempel und Helmut Frielinghaus. Verlag Neue Kritik, Frankfurt am Main 2001. 307 S., geb., 19,50 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Nach einer etwas seltsamen Einleitung, in der vom Rezensenten Egon Schwarz einiges Verständnis für den Wunsch aufgebracht wird, mit Holocaust-Geschichten nicht mehr behelligt zu werden, stellt sich heraus, dass dieses Buch gar keine Holocaust-Geschichte ist. Oder genauer: es ist eine Holocaust-Nachgeschichte. Die Autorin Eva Hoffman ist als Tochter von Holocaust-Überlebenden im Nachkriegspolen aufgewachsen, sozialisiert worden im umfassendsten Sinn - und erlebt einen "gigantischen Kulturschock", als ihre Eltern im Jahr 1959 (sie ist dreizehn) mit ihr nach Vancouver auswandern. Ihr Ankommen, ihr Erleben der neuen Welt schildert Hoffman in diesem autobiografischen Bericht, und zwar, so Schwarz, mit "meisterlicher Akribie". Begeistert ist der Rezensent nicht nur von diesem Buch, sondern auch von der Übersetzung, die alle Klippen meistert.

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