Der Verlust - Urban, Thomas

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"Ebenso kenntnis- und faktenreich wie politisch sensibel blättert Urban die Geschichte der wechselseitigen deutsch-polnischen Vertreibungen im 20. Jahrhundert auf. Dabei kommen deutsche und polnische Historiker gleichermaßen zu Wort."
Klaus Bednarz, Die Zeit

Produktbeschreibung
"Ebenso kenntnis- und faktenreich wie politisch sensibel blättert Urban die Geschichte der wechselseitigen deutsch-polnischen Vertreibungen im 20. Jahrhundert auf. Dabei kommen deutsche und polnische Historiker gleichermaßen zu Wort."

Klaus Bednarz, Die Zeit
  • Produktdetails
  • Beck'sche Reihe Bd.1715
  • Verlag: Beck
  • Seitenzahl: 223
  • Erscheinungstermin: 19. September 2006
  • Deutsch
  • Abmessung: 193mm x 123mm x 16mm
  • Gewicht: 220g
  • ISBN-13: 9783406541568
  • ISBN-10: 3406541569
  • Artikelnr.: 20853251
Autorenporträt
Thomas Urban, geboren 1954, ist Osteuropa-Korrespondent der "Süddeutschen Zeitung" mit Sitz in Warschau. Er ist der Sohn deutscher Breslauer und verheiratet mit einer polnischen Breslauerin.
Rezensionen
'Das Buch sollte ab sofort einen festen Platz in der politischen Bildungsarbeit zum Thema Deutschland-Polen erhalten.' Karlheinz Lau, Das Parlament

'Ebenso kenntnis- und faktenreich wie politisch sensibel blättert Urban die Geschichte der wechselseitigen deutsch-polnischen Vertreibungen im 20. Jahrhundert auf. Dabei kommen deutsche und polnische Historiker gleichermaßen zu Wort.' Klaus Bednarz, Die Zeit
Besprechung von 03.12.2008
Freiheitsdrang
Von SZ-Autoren: Thomas Urban über Polen und Deutsche
Helmut Schmidt und Richard von Weizsäcker geben gemeinsam unter dem Titel „Die Deutschen und ihre Nachbarn” eine auf zwölf Bände angelegte Reihe heraus, in denen jeweils ein Land vorgestellt wird. Im Mittelpunkt stehen die Traditionen und Eigenarten der Gesellschaft sowie ihre Reflexe gegenüber den Deutschen. Mit dem Polen-Band der Reihe beauftragten die Herausgeber Thomas Urban, seit genau zwei Jahrzehnten Osteuropa-Korrespondent der SZ. Urban schildert darin einerseits die Perioden des gedeihlichen Miteinanders und der gemeinsamen Interessen der Nachbarn, arbeitet aber andererseits auch die historischen und psychologischen Gründe für die jüngsten Verwerfungen in den deutsch-polnischen Beziehungen heraus. Dabei macht er keinen Bogen um solche umstrittenen Themen wie die gegenseitigen Vertreibungen oder die Antisemitismus-Debatten. Er legt auch dar, dass der von den Deutschen oft als romantisch abgetane polnische Freiheitsdrang, der einhergeht mit einem unerschütterlichen Gottesglauben, entscheidend Anteil an der Überwindung der Spaltung Europas hatte. SZ
THOMAS URBAN: Polen. (Reihe: Die Deutschen und ihre Nachbarn. Herausgegeben von Helmut Schmidt und Richard von Weizsäcker). Verlag C. H. Beck, München. 2008, 180 Seiten, 18 Euro.
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Besprechung von 20.12.2004
Vieles schwärt noch
Flucht und Vertreibung im deutsch-polnischen Verhältnis

Thomas Urban: Der Verlust. Die Vertreibung der Deutschen und Polen im 20. Jahrhundert. Verlag C.H. Beck, München 2004. 223 Seiten, 19,90 [Euro].

Keine andere Nation hat so unter Deutschen gelitten wie die polnische. Als Volk von Arbeitssklaven sollte sie nach der "rassischen Flurbereinigung" weiterexistieren, wenn überhaupt. Hunderttausende Polen wurden nach dem Einmarsch der Wehrmacht vertrieben, Hunderttausende Deutsche kamen "heim ins Reich", sie wurden aus ihren Siedlungsgebieten im Baltikum, der Bukowina oder Bessarabien in die eroberten Gebiete verschickt. Polen, die im östlichen "Großsiedlungsfeld" Zwangsarbeit und Sklavenexistenz bis Kriegsende durchlitten, sollten nach dem "Endsieg" in Sibirien verhungern, sechzehn bis zwanzig Millionen Polen drohte dieses Schicksal. Bis 1945 waren die Besatzer auf ihrem Weg dorthin schon ein größeres Stück vorangeschritten.

Dann aber folgten Vergeltung und Wiederaneignung als Fortschreibung der Zeitläufe, die stets den einen brachten, was sie den anderen fortgerissen hatten, so wie die Gezeiten der See. Bitterkeit und nie verheilte Wunden wirken giftig bis in die Gegenwart. In pommerscher Erde und auf schlesischem Grund wurzeln alte und uralte Anlässe für deutsch-polnische Mißhelligkeiten, die bis heute innerhalb weniger Sätze die Gemüter und auch die Regierungen und Parlamente in Berlin und Warschau in Wallung versetzen können.

Thomas Urban beschreibt bündig und gradlinig das Hin und Her von Vertreibung und Wiedervertreibung, von mörderischer Ideologie und heimschmerzender Erinnerung so, daß Rheinländer oder Hessen nachfühlen mögen, was ihren heutigen Nachbarn damals in Breslau, Danzig oder Kremerbruch widerfahren ist. Urban will aber auch umgekehrt Sinne schärfen, für das, was den Familien ihrer polnischen Haushaltshilfen oder ihrer polnischen Gastgeber an der pommerschen Küste oder im Hirschberger Tal von Deutschen und Sowjetrussen angetan wurde. Urban, der ausweislich des Klappentextes selbst eine versöhnliche Modellexistenz als Kind deutscher Breslauer und Ehemann einer polnischen Breslauerin führt, erzählt die Geschichte gegenseitiger Verachtung und Unterdrückung, die bereits das preußische neunzehnte Jahrhundert kannte. Er schildert, wie die Germanisierung im Kaiserreich zur systematischen Unterdrückung alles Polnischen geriet, ehe nach dem ersten verlorenen Weltkrieg eine Gegenwelle über das Land kam und Deutsche wegriß. Von etwa zwei Millionen Deutschen verließ die Hälfte das Gebiet, das vom wiedererstandenen Polen als nunmehr "urpolnische Erde" betrachtet wurde. In Posen wurde das Bismarck-Denkmal demontiert und an seiner Statt ein Herz-Jesu-Monument errichtet. Vertreibung, Enteignung und Unterdrückung geschahen teilweisem im Einklang mit den Diktaten des Versailler Vertrages, vielfach aber auch in vorauseilender oder verbiegender Auslegung. Als Ergebnis der Potsdamer Konferenz wurde und wird polnischerseits deklariert, was seit Kriegsende in den umstrittenen Gebieten geschah. Tatsächlich begannen Rache, Vergeltung, Unterdrückung und Vertreibung schon im frühen Frühjahr dieses Jahres, als Polen von der Roten Armee die Verwaltung über Schlesien, Danzig und das südliche Ostpreußen übertragen bekam. Innerhalb kürzester Zeit zog rächend herauf, was der während der Potsdamer Konferenz abgewählte britische Premierminister Churchill als "Tragöde ungeheuren Ausmaßes" bezeichnete.

Dahinter verbargen sich nicht nur millionenfache Flucht und Vertreibung, sondern auch Vergewaltigung, Folter, Mord, Totschlag, Zwangsarbeit, Zwangsadoption, die ganze Bandbreite menschlicher Grausamkeiten - mit Ausnahme des systematischen Völkermordes. Deutsche in den "wiedergewonnenen Gebieten Polens" mußten weiße Armbinden mit einem großen N (für Niemiec, Deutscher) tragen. Hunderttausende Zivilisten - Frauen und Jugendliche und alte Männer in der Mehrzahl - wurden zur Zwangsarbeit verpflichtet, in Breslau und anderswo entstanden Ghettos für Deutsche, Hunderte von Lagern wurden errichtet oder bestehende, beispielsweise in Auschwitz, unter neuer Leitung fortgeführt. Der Autor beschreibt dies schnörkellos, sein Buch, das auch in polnischer Sprache erscheinen soll, müht sich um einen diplomatisch-nüchternen Ton, er vernachlässigt nicht die Verbrechen der einen und nicht die Schuld der anderen Seite und richtet den Blick auf diejenigen, die den Strömungen der Zeit zum Opfer fielen. Die Darstellung hat einige Schwächen im Faktischen - etwa wenn irrigerweise berichtet wird, Konrad Adenauer sei als Nazi-Gegner "jahrelang interniert" gewesen. Sie schafft aber einen Überblick über 150 Jahre im deutsch-polnischen Verhältnis. Nach der Lektüre wird man sich wundern, wie weit es mit der Versöhnung gekommen ist, und wird zugleich verstehen, daß hinter den Paravents aus internationalen Abkommen und Verträgen noch vieles schwärt. Da bedarf es nur einiger Wundsalzstreuer, um oberflächlich Versöhnte wieder dazu zu bringen, einander wütend Rechnungen zu schreiben.

PETER CARSTENS

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Perlentaucher-Notiz zur ZEIT-Rezension

Für Klaus Bednarz kommt Thomas Urbans Buch über die Vertreibungen der Deutschen und Polen im 20. Jahrhundert "zur rechten Zeit". Es rufe den Debattierenden und Interessierten wieder einmal in Erinnerung, vor welchem komplexen Hintergrund dieses Thema gesehen werden muss. Urban behandle die gegenseitigen deutschen wie polnischen Vertreibungen ebenso "kenntnis- und faktenreich" wie "politisch sensibel". Lobend erwähnt Bednarz, dass Urban dabei immer um ein "Höchstmaß an Objektivität" bemüht sei und sowohl Polen als auch Deutsche nicht vor missliebigen historischen Fakten verschont. Einiges aber vermisst Bednarz: Ihm missfällt etwa, wie zurückhaltend die seiner Meinung nach notorische Rolle des Bundes der Vertriebenen geschildert wird, der "immer wieder Sand in das Getriebe der deutsch-polnischen Verständigung" gestreut habe.

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