Über die Schönheit der Seele - Cheng, François
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Vierzig Jahre ist es her: Ein noch wenig bekannter Schriftsteller sitzt in der Pariser Metro einer Frau gegenüber, deren Schönheit ihn bewegt, ja erschüttert. Sie erkennt ihn und spricht ihn an. Mehrfach treffen sie sich wieder, bevor sie einander aus den Augen verlieren. Doch nun, Jahrzehnte später, erreicht ihn ein Brief von ihr: In vorgerücktem Alter denke sie immer mehr über die Seele nach. Und sie bittet ihn, ihr von der Seele zu erzählen. Seine Antwort gibt François Cheng der fernen Geliebten in sieben Briefen, die uns mit ihrem poetischen, zarten Ton voller Lebensweisheit berühren.…mehr

Produktbeschreibung
Vierzig Jahre ist es her: Ein noch wenig bekannter Schriftsteller sitzt in der Pariser Metro einer Frau gegenüber, deren Schönheit ihn bewegt, ja erschüttert. Sie erkennt ihn und spricht ihn an. Mehrfach treffen sie sich wieder, bevor sie einander aus den Augen verlieren. Doch nun, Jahrzehnte später, erreicht ihn ein Brief von ihr: In vorgerücktem Alter denke sie immer mehr über die Seele nach. Und sie bittet ihn, ihr von der Seele zu erzählen. Seine Antwort gibt François Cheng der fernen Geliebten in sieben Briefen, die uns mit ihrem poetischen, zarten Ton voller Lebensweisheit berühren.
  • Produktdetails
  • C.H. Beck Paperback .6369
  • Verlag: Beck
  • Originaltitel: De l'âme. Sept lettres à une amie
  • Seitenzahl: 155
  • Erscheinungstermin: 18. Juli 2019
  • Deutsch
  • Abmessung: 193mm x 126mm x 12mm
  • Gewicht: 167g
  • ISBN-13: 9783406742293
  • ISBN-10: 3406742297
  • Artikelnr.: 56008327
Autorenporträt
Francois Cheng wurde in China geboren und siedelte mit 19 Jahren nach Frankreich über. Er hat Romane, Gedichte und philosophische Sachbücher verfasst und ist darüber hinaus ein berühmter Kalligraph. Seit 2002 ist er Mitglied der Académie française.
Rezensionen
"Ein Buch, das man mit dem beglückenden Gefühl aus der Hand legt, einen Gefährten an seiner Seite gefunden zu haben." Libération "Ein berührendes, sehr zu empfehlendes Buch." Otto A. Böhmer, Frankfurter Rundschau "In Chengs Stil liegt eine große Ruhe. Wenn das Buch nach rund 150 Seiten endet, fühlt man sich einer guten Begleitung beraubt. Allein gelassen geht der Blick nun nach innen, vielleicht mit einer neuen Empfänglichkeit für eine umfassendere Dimension der Existenz." Brigitte Neumann, SWR2

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 15.06.2018

Wehmut eines
alten Wiegenlieds
Der Dichter und Kalligraph François Cheng
macht sich Gedanken über die Existenz der Seele
VON JOSEPH HANIMANN
Schlägt man in Frankreich, dem Land der Toleranz, das Thema Seele an, dann setzen die intellektuellen Besserwisser sofort ihr bei Voltaire gelerntes spöttisches Lächeln auf, schreibt der Autor dieses Buchs. Er hätte gegen dieses Lächeln ein polemisches Plädoyer für die Existenz der Seele schreiben können. Doch das ist nicht seine Art. Der 1949 im Alter von zwanzig Jahren aus China nach Frankreich gekommene Dichter, Romancier, Essayist, Übersetzer und Kalligraph François Cheng, Mitglied der Académie Française, ist keine intellektuelle Kämpfernatur. Statt auf Kontroverse setzt er auf Begegnung und Austausch zwischen den Kulturen – der chinesischen seiner Herkunft und der westlichen, in der er lebt.
Er neigt dazu, seine Werke mit autobiografischen Einschüben erzählerisch aufzuladen, das nimmt ihnen den Anschein theoretischer Abhandlungen. „Meditationen“ nannte er in den letzten Jahren manche seiner Veröffentlichungen, etwa über die Schönheit oder den Tod. Nun hat er sieben Briefe an eine Freundin geschrieben, die ihm nach vierzig Jahren Schweigen ihre Entdeckung mitteilt, eine Seele zu haben. Was bedeutet dieses Wort, fragt er sich, das man heute mit allen möglichen Ersatzausdrücken wie „innere Welt“, „Selbstgefühl“, „Intimität“, „Individualität“, „Ich“, „Über-Ich“ zu umgehen sucht. Mit definitorischer Vorabklärung kommt man hier jedoch nicht weiter. So schlägt der Briefautor den Umweg über eine frühe Erinnerung ein. Er denkt an die erste Begegnung mit jener Frau zurück, als er ihr, damals noch als unbekannter Schriftsteller, auf einem Klappsitz in der Métro gegenüber saß und sie ohne Umschweife fragte, wie man eine solche Schönheit auf sich nehmen könne – nicht „haben“ oder „besitzen“, sondern auf sich nehmen, annehmen, tragen könne. Der Perspektivenwechsel für sein Thema ist somit vollzogen, die Titelerweiterung der deutschen Ausgabe – „Schönheit der Seele“ – gegenüber dem französischen Original „De l’âme“ ein Stück weit gerechtfertigt. Denn ähnlich wie mit der Schönheit, so das Fazit, verhalte es sich mit der Seele, wenn es denn tatsächlich so etwas gibt. Man hat sie nicht, eher hat sie einen.
Wer hier versucht ist, das Buch als Erbauungsliteratur für besinnliche Stunden beiseitezulegen, sollte dennoch weiterlesen. Mit prägnanten Leseverweisen auf Platon, Hildegard von Bingen, Pascal, Kierkegaard, Simone Weil sowie auf chinesische Autoren hebt Cheng unsere eingespielten Leib-Seele-Vorstellungen sanft aus den Angeln. Die moderne Realitätsauffassung, die ihre Begriffe der zersplitterten Welt ständig neu umsortiert, sucht er auf Hinweise einer verborgenen Einheit ab. Hinter den Lebensfunktionen des Atmens, Sich-Ernährens, Sich-Bewegens, Fühlens, Denkens, Bangens, Sich-Erinnerns findet er ein nicht zu unterdrückendes Bedürfnis und Begehren zu atmen, sich zu ernähren, sich zu bewegen, eine Kraft, die das Disparate der Welt um uns herum in der Wahrnehmung auf einen Zusammenhang bündelt. Diese Spur des verborgenen Mittelpunkts führt François Cheng zufolge zur Realität der Seele.
Wie dem Leib wird die Seele gern auch dem Geist gegenübergestellt. So persönlich dieser in jedem Menschen auch angelegt sein mag, er hat doch, so Chengs Briefautor, einen allgemeinen Charakter. Geist ist auf Sprache gegründet, auf den Erfahrungsschatz einer kulturellen Umgebung, er entspringt Traditionen, entfaltet sich im Kontext von Gemeinschaft und Austausch. Die Seele hingegen habe etwas Originäres, wurzele tief im Unbewussten, liege diesseits – oder jenseits – der Sprache, sei das Zeichen der Einzigartigkeit des Einzelwesens im Horizont des Universalen. Unsere Epoche indessen setzte vor allem auf die Qualitäten des Geistes. Man möchte geistreich sein, mit dem angeeigneten Erbschatz brillieren und stellt, was als Rührung über die Schönheit eines Gesichts, Beglückung durch einen Vogelruf, Ergriffenheit vor einer Landschaft, Wehmut aus einem alten Wiegenlied nicht unmittelbar verwertbar ist, als zweitrangig diskret „in den Keller oder auf den Dachboden unserer Seinsbehausung“.
Diese Verengung des Blicks auf den abgenutzten Dualismus von Geist und Materie ohne Raum für so etwas wie die Seele führt nach Ansicht des Autors in die gegenwärtige Hilflosigkeit gegenüber dem Auseinandertreten von enormem Wissensstand und wachsendem Sinnbedarf. Der Faszination durch die Astrophysik, Biologie, Neurowissenschaften und ihre brillanten Begleitphilosophien steht das Unbehagen gegenüber, als Molekülhaufen und Neuronenbündel in einem Spiralnebelsystem zu leben. Die Gratwanderung dieses Buchs zwischen Kontemplation, Dichtung, hypothetischem Briefwechsel und philosophischem Dialog der Kulturen streift manchmal haarscharf den Ton erbaulicher Besinnungsliteratur, kippt aber nie in dieses Genre. Dafür ist der Autor François Cheng zu belesen, sein Stil – vom Übersetzer sorgfältig wiedergegeben – zu raffiniert. Doch hätte man bei ihm mitunter statt der stillen Abgeklärtheit gern etwas mehr von der aufgewühlten Ungewissheit Pascals gespürt. Nicht genug danken kann man aber dem Autor dafür, dass er einen seiner sieben Briefe ganz der viel zu wenig gelesenen Philosophin Simone Weil gewidmet hat. Er zeigt, wie in ihren posthum veröffentlichten „Marseiller Heften“ der Begriff „Geist“ seltener wird und das Wort „Seele“ an Bedeutung gewinnt.
Zu ihren letzten Texten, bevor sie 1943 dreiunddreißigjährig in ihrem Londoner Zimmer erschöpft zusammenbrach, gehört eine im Auftrag von de Gaulles „France libre“ verfasste Skizze für eine neue Erklärung der Menschenrechte, die Albert Camus nach dem Krieg unter dem Titel „Die Verwurzelung“ publizierte. Der menschliche Körper benötige Nahrung, Wärme, Schlaf, Hygiene, Ruhe, Bewegung, reine Luft, heißt es darin, die Bedürfnisse der Seele hingegen seien gegensätzlicher Natur: existenzielle Sicherheit und Risiko, Gleichheit und Hierarchie, freie Meinungsäußerung und verbindliche Wahrheit, Intimität und gesellschaftlicher Umgang, persönliches und kollektives Eigentum, Respekt und Strafe für begangene Vergehen.
Alle diese Bedürfnisse seien „heilig“, erklärt François Cheng, weder durch die Staatsraison noch durch finanzielle, nationale, technische oder sonstige äußere Erwägungen relativierbar. Anders gesagt: Wo sonst als in der Seele, der zugleich persönlichsten und allgemeinsten Instanz, ließen sich die Menschenrechte konzeptuell verankern? Die Frage hat ihre Aktualität nicht verloren.
François Cheng: Über die Schönheit der Seele. Sieben Briefe an eine wiedergefundene Freundin. Aus dem Französischen von Thomas Schultz. C. H. Beck Verlag, München 2018. 157 Seiten, 18 Euro.
Es gibt Leseverweise auf
Platon, Pascal, Simone Weil
sowie auf chinesische Autoren
Wo sonst als in der Seele
ließen sich die Menschenrechte
konzeptuell verankern?
Stärkt die Seele, so ungreifbar sie ist, die Menschenrechte?François Cheng hofft darauf.
Foto: J. Faure/Opale/Leemage/laif
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Perlentaucher-Notiz zur ZEIT-Rezension

Fasziniert erzählt Gisela von Wysocki die erstaunliche Lebensgeschichte dieses Autors, der rechtzeitig vor der Kulturrevolution nach Frankreich floh, dort erst das Französische lernte und nun als Académicien über die Reinheit dieser Sprache wacht. Roland Barthes kommt in diesem Lebenslauf vor, auch Jacques Lacan. Und der katholische Glaube, zu dem Cheng konvertierte, weil es in seiner Herkunftskultur keine Idee des Bösen gebe. Das vorliegende Büchlein, so Wysocki, war in Frankreich ein Bestseller mit über 100.000 Exemplaren, erstaunlich, da es um so ein luftiges Thema wie die Seele geht und außerdem noch Gedichte eingestreut sind. Aber auch wieder verständlich, meint sie, denn Cheng schaffe es, das Thema in leichter und schwebender Briefform für alle Lesbar aufzufassen. Nur "schön", wie es der deutsche Titel verheißt, sei die Seele nicht.   

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