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Die geheimen Lageberichte des "Befehlshabers der Sicherheitspolizei und des SD" (BdSudSD) in Norwegen liegen in unterschiedlichen Kumulationsstufen bzw. Berichtsserien vor. Den höchsten Kumulationsgrad repräsentieren die "Meldungen aus Norwegen". Da diese nur teilweise überliefert sind, wurden in die Edition auch alle nachweisbaren "Tagesrapporte" und Sonderberichte aufgenommen. Inhaltlich wurden die "Meldungen" durch Gestapo, Kriminalpolizei und SD gespeist. Im Gegensatz zu den entsprechenden Polizei-SD-Apparaten in den besetzten Ostgebieten hatte der BdSudSD in Norwegen keinen…mehr

Produktbeschreibung
Die geheimen Lageberichte des "Befehlshabers der Sicherheitspolizei und des SD" (BdSudSD) in Norwegen liegen in unterschiedlichen Kumulationsstufen bzw. Berichtsserien vor. Den höchsten Kumulationsgrad repräsentieren die "Meldungen aus Norwegen". Da diese nur teilweise überliefert sind, wurden in die Edition auch alle nachweisbaren "Tagesrapporte" und Sonderberichte aufgenommen. Inhaltlich wurden die "Meldungen" durch Gestapo, Kriminalpolizei und SD gespeist. Im Gegensatz zu den entsprechenden Polizei-SD-Apparaten in den besetzten Ostgebieten hatte der BdSudSD in Norwegen keinen Vernichtungsauftrag, da er in einem "germanischen" Bruderland operierte. Die Schwäche des norwegischen Kollaborationsregimes unter Vidkun Quisling und der zunehmende Widerstand gegen die Besatzung zwangen jedoch zu immer stärkerer Repression. Eine ausführliche Einleitung wird durch Organisationsübersichten der sicherheitspolizeilichen Dienststellen, Kurzbiographien der wichtigsten Akteuere, einer Karte mit den am 1.2.1945 bestehenden Kommandeursgebieten und sämtlichen nachgewiesenen Dienstorten des SD ergänzt. Ein ausführliches Register erschließt die Edition.
Die Reihe erscheint seit 1977. In ihr erscheinen vor allem Editionen historischer Quellen und Inventare; sie dient aber auch zur Publizierung von Bibliographien, Handbüchern und Monographien.

Autorenporträt
Stein Ugelvik Larsen ist Professor für Vergleichende Politikwissenschaft an der Universität Bergen.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 12.03.2009

Auf Prellbocksuche

Wie funktionierte die Überwachungsarbeit, was erwarteten die deutschen Besatzer von Kollaborateuren? Lageberichte aus Norwegen 1940 bis 1945

Von Bruno Thoss

Ursprünglich hatte die deutsche Besatzungsmacht ihre polizeiliche Überwachung im besetzten Norwegen nur als Übergangsregelung gedacht - bis sich die Exekutivkräfte der Kollaborationsregierung etabliert hätten. Der unerwartete und dauerhafte Widerstand der Besetzten machte aus dem Provisorium einen fünfjährigen Dauerzustand. Neben den auf zirka 4000 Mann anwachsenden norwegischen Polizeikräften waren schließlich auf deutscher Seite etwa 1000 SD-Angehörige und zusätzliche 5000 Ordnungspolizisten im Einsatz. Der Nachlass ihrer Überwachungsarbeit liegt jetzt ediert vor. Da die etwa alle zwei Wochen angefertigten "Meldungen" erhebliche Lücken in der Überlieferung aufweisen, wurden sie durch aussagekräftige Polizeiberichte unterer Ebenen ergänzt.

Auch in Norwegen war die Besatzungsherrschaft von erheblichen Reibungen geprägt: zwischen deutscher Zivil- und Militärverwaltung, Polizeiorganen und SS sowie zur kollaborierenden Nasjonal Samling. Häufige Doppelmitgliedschaften in deutschen und norwegischen Nachrichtendiensten stellten bei alledem sicher, dass man über die Verbündeten im Lande besser informiert war als über den gemeinsam bekämpften Widerstand. Dazu trug wesentlich seine Fehlwahrnehmung als kommunistisch geleitet oder zumindest unterwandert bei, die erhebliche Differenzierungen zu seinen nationalen Teilen hin übersehen ließ. Im deutschen Berichtswesen nimmt die lückenlose Überwachung der Kooperationswilligen nicht selten breiteren Raum ein als die Nachrichten aus der Widerstandsbewegung.

Wesentlicher war der Besatzungsmacht ganz offenkundig ihr Rekrutierungsreservoir für die Waffen-SS als die durchgängig abgewerteten "Kollaboranten" in Regierung, Verwaltung und Polizei. Bezeichnend ist es auch, dass sich selbst der norwegische Widerstand gezielter gegen eigene willfährige Landsleute als gegen die deutschen Polizeikräfte richtete. Daraus entstand eine eigentümliche indirekte Gemeinsamkeit, bei der die Kollaborateure den von den Deutschen gern genutzten "Prellbock" zwischen Besatzungsmacht und mehrheitlich ablehnender Bevölkerung zu spielen hatten.

Die Stimmung bei den Deutschen, ihren Kollaborateuren und der Bevölkerungsmehrheit unterlag je nach Kriegsverlauf starken und gegenläufigen Schwankungen. Das Abhören ausländischer Sender, grenzüberschreitende Kontakte nach Schweden und ein bei Deutschen wie Norwegern verbreitetes Gerüchteunwesen schufen eine außerordentlich komplexe Gemengelage an Meinungen und Einstellungen. Hinzu kamen starke Tendenzen zur Realitätsverweigerung und selektiven Wahrnehmung - je nach den gegensätzlichen Interessen von Besatzern und Besetzten. Gerade aus dieser sehr durchwachsenen Nachrichtenlage erwuchs neben dem bewaffneten Kampf der sogenannten "Militärorganisation" im Untergrund ein unorganisierter, aber jederzeit hervorbrechender "Spontanwiderstand" in der Bevölkerung, für den das edierte Material eine aussagekräftige Quelle bietet. Insgesamt gilt jedoch auch für Norwegen der Befund aus dem übrigen besetzten Europa: Effiziente Repression wirkte letztlich weniger abschreckend als verstärkend auf eine sich herausbildende flächendeckende Resistenz.

Stein Ugelvik Larsen/Beatrice Sandberg/Volker Dahm (Herausgeber): Meldungen aus Norwegen 1940-1945. Die geheimen Lageberichte des Befehlshabers der Sicherheitspolizei und des SD in Norwegen. R. Oldenbourg Verlag, München 2008. 1789 S. in drei Bänden, 298,- [Euro].

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