»Führerauftrag Monumentalmalerei«
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In den Jahren 1943-1945 ließ Adolf Hitler vom Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda eine Fotokampagne durchführen, die gefährdete historisch und künstlerisch wertvolle Malereien und Raumausstattungen dokumentieren sollte. Unter Beteiligung fast aller prominenten Fotografen Deutschlands entstand ein einzigartiges Farbdiaarchiv zur mitteleuropäischen Wand- und Deckenmalerei. In dieser Publikation wird erstmals die Entstehungs- und Überlieferungsgeschichte des 'Führerauftrags' auf der Grundlage bisher unbekannten Archivmaterials umfassend dargestellt. Fotogeschichtliche…mehr

Produktbeschreibung
In den Jahren 1943-1945 ließ Adolf Hitler vom Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda eine Fotokampagne durchführen, die gefährdete historisch und künstlerisch wertvolle Malereien und Raumausstattungen dokumentieren sollte. Unter Beteiligung fast aller prominenten Fotografen Deutschlands entstand ein einzigartiges Farbdiaarchiv zur mitteleuropäischen Wand- und Deckenmalerei. In dieser Publikation wird erstmals die Entstehungs- und Überlieferungsgeschichte des 'Führerauftrags' auf der Grundlage bisher unbekannten Archivmaterials umfassend dargestellt. Fotogeschichtliche Untersuchungen, u.a. zur Entwicklung des Farbfilms im Dienste der Propaganda, ermöglichen grundlegende Erkenntnisse für zukünftige Studien zum Bildmedium der Fotografie im Nationalsozialismus. Auch die vielfältigen Möglichkeiten, die digitalisierten Bilder für die kunsthistorische Forschung und die Denkmalpflege nutzbar zu machen, werden erörtert.
  • Produktdetails
  • Verlag: Böhlau
  • Erscheinungstermin: 3. Oktober 2006
  • Deutsch
  • Abmessung: 245mm x 174mm x 16mm
  • Gewicht: 745g
  • ISBN-13: 9783412024062
  • ISBN-10: 3412024066
  • Artikelnr.: 20860963
Autorenporträt
Iris Lauterbach studierte Kunstgeschichte und Romanistik und promovierte im Jahr 1985. Seit 1991 arbeitet sie in der Forschungsabteilung des Zentralinstituts für Kunstgeschichte in München und lehrt Geschichte der Gartenkunst an der Technischen Universität München. Zu ihren Hauptforschungsgebieten gehören das 18. Jahrhundert in Frankreich und die Geschichte der europäischen Gartenkunst vom 16. bis zum frühen 19. Jahrhundert.

Stephan Klingen ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Zentralinstituts für Kunstgeschichte in München.

Christian Fuhrmeister ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Zentralinstituts für Kunstgeschichte in München.
Rezensionen
Besprechung von 19.01.2007
Ein Fotoalbum im Bombenkrieg
In einem riesigen Projekt ließen die Nationalsozialisten Wand- und Deckengemälde vor ihrer Zerstörung dokumentieren
Wenn der „Führer” Adolf Hitler etwas wünschte, fand sich in seiner Umgebung sogleich ein willfähriger Mitarbeiter, der diesen Wunsch in einen offiziellen Auftrag verwandelte. Im Frühjahr 1943 waren die Schäden, die der Bombenkrieg angerichtet hatte, unübersehbar. In dieser Situation äußerte Hitler den Wunsch, „dass von sämtlichen wertvollen Deckengemälden, z. B. im Schloss Würzburg, im Rathaus in Augsburg, in alten Kirchen usw.”, Farbfotos angefertigt würden. Sie sollten einer einkalkulierten Rekonstruktion im Falle weiterer Zerstörungen, aber nach dem „Endsieg” zugleich auch der Bemessung der von den Alliierten zu leistenden Reparationsforderungen für diese „barbarische” Zerstörung von Kunstwerken dienen.
Diese Fotoaktion oblag daher dem Propagandaministerium, das die prominentesten Fotografen Deutschlands verpflichtete. Ursprünglich sollten von 700 Bauwerken je 75 Einzelmotive in fünffacher Ausführung hergestellt werden, doch bei Kriegsende war nicht einmal die Hälfte aller Objekte fotografiert worden. Dennoch sind von dieser wichtigsten innerdeutschen „Kunstschutzaktion” der NS-Zeit in München und Marburg 40 000 Diapositive erhalten. Ihre Bergung nach Kriegsende verdankt sich nicht zuletzt Kurt Martin, dem ehemaligen Leiter der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe, der einen Teil der aus Berlin in verschiedene Depots Süddeutschlands verbrachten Dias zusammenführen und katalogisieren ließ. Sie zeigen Wand- und Deckenmalereien von sakralen wie profanen Bauwerken in Deutschland, Österreich, Ost- und Westpreußen, Böhmen sowie Nordmähren.
Die Farbdias mit begrenzter Haltbarkeit wurden inzwischen digitalisiert und sind im Internet unter www.bildindex.de und www.zi.fotothek.org einzusehen (SZ vom 7. Oktober 2005). Das 1946 gegründete Zentralinstitut für Kunstgeschichte in München, das seinen Sitz im ehemaligen „Verwaltungsbau der NSDAP” am Königsplatz hat, fühlt sich der Erforschung des Nationalsozialismus besonders verpflichtet und hat 2005 eine Tagung unter dem Titel „Dokumentation, Digitalisierung, Kunstgeschichte. Das ,Farbdiaarchiv zur Wand- und Deckenmalerei‘ 1943-1945” veranstaltet (SZ vom 25. Oktober 2005), die jetzt in einem vorzüglichen Band dokumentiert wird. Das Buch ist für Denkmalschützer und Medienwissenschaftler, für Kunst-, Fotografie- und Zeithistoriker gleichermaßen interessant.
Farbfotografie war seit den dreißiger Jahren möglich. Die amerikanische Kodak und die deutsche Agfa lieferten sich dabei ein Kopf-an-Kopf-Rennen, das unentschieden ausging, auch wenn Kodak die technisch besseren Verfahren entwickelte. Für diese Kampagne musste in erster Linie mit Kunstlicht gearbeitet werden und es mussten Color-Umkehrfilme für Klein- und Großbildaufnahmen in größeren Mengen und hoher Qualität zur Verfügung gestellt werden. Dies geschah hauptsächlich durch die Filmfabrik Wolfen in Sachsen-Anhalt. An Kosten wurden über 1,5 Mio. Reichsmark veranschlagt, eine exorbitante Summe.
Viele der abfotografierten Monumentalgemälde sind in der Endphase des Krieges tatsächlich zerstört worden und wurden später mithilfe der Fotokampagne rekonstruiert. Die Würzburger Residenz, die Dresdner Frauenkirche oder St. Peter in Mainz sind die prominentesten. Der vorliegende Band zeigt anschaulich, wie technisch aufwendig und zugleich problematisch Rekonstruktionen sind. Er legt aber auch Zeugnis ab von der Allmacht eines Führerwillens, der selbst angesichts des drohenden Zusammenbruchs die Propagandamaschinerie zu Höchstleistungen antrieb, wovon ausnahmsweise heute noch mehrere Forschungszweige profitieren können. FRANK-RUTGER HAUSMANN
CHRISTIAN FUHRMEISTER, STEPHAN KLINGEN, IRIS LAUTERBACH, RALF PETERS (Hrsg.): Führerauftrag Monumentalmalerei. Böhlau Verlag, Köln/Weimar/Wien 2006. 285 Seiten, 24,90 Euro.
Zur Rekonstruktion der barocken Fresken in der Kirche St. Peter in Mainz (rechts der heutige Zustand) wurden die Farbdias herangezogen, die 1943 vor der Zerstörung der Decke gemacht worden waren. Abb. aus dem besprochenen Band
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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Im Kriegsjahr 1943 ist es Adolf Hitler doch ein wenig bange geworden um die wertvolle deutsche Kunst, und so gab er den Führerbefehl aus, die durch den Bombenkrieg gefährdeten Bauwerke und Deckengemälde wenigsten fotografisch festzuhalten. Rezensent Frank-Rutger Hausmann sieht sich durch diesen Band sehr gut informiert über Ausmaß und Hintergründe dieser Kampagne, von der 40.000 Diapositive erhalten sind. Auch wenn der Band dem Rezensenten "anschaulich" zeigte, wie mithilfe dieser Fotos etwa die Würzburger Residenz oder die Dresdner Frauenkirche restauriert werden konnte, machte er ihm auch schrecklich deutlich, wie die "Allmacht des Führerwillens" selbst zum Kriegsende hin "die Propagandamaschinerie zu Höchstleistungen" antreiben konnte.

© Perlentaucher Medien GmbH