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Zwei Völker am Abgrund: Die Geschichte des Sommers vor der Katastrophe
Sommer 1939: Zwanzig Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs steht Europa erneut am Abgrund. Die Diplomatie hat versagt, die Militärs haben aufgerüstet, was aber denken und fühlen die Menschen in Deutschland und in England? Frederick Taylor hat unzählige Quellen ausgewertet, Zeitzeugen interviewt und private Dokumente erschlossen - und zeichnet so ein eindrückliches Bild der Gefühlslage in beiden Völkern. Er verwebt auf kunstvolle Weise große Politik und persönliche Schicksale und verleiht den einfachen Bürgern eine…mehr

Produktbeschreibung
Zwei Völker am Abgrund: Die Geschichte des Sommers vor der Katastrophe

Sommer 1939: Zwanzig Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs steht Europa erneut am Abgrund. Die Diplomatie hat versagt, die Militärs haben aufgerüstet, was aber denken und fühlen die Menschen in Deutschland und in England? Frederick Taylor hat unzählige Quellen ausgewertet, Zeitzeugen interviewt und private Dokumente erschlossen - und zeichnet so ein eindrückliches Bild der Gefühlslage in beiden Völkern. Er verwebt auf kunstvolle Weise große Politik und persönliche Schicksale und verleiht den einfachen Bürgern eine Stimme. Dabei erweist sich, dass vielfach eine Kriegsmüdigkeit herrschte, die die Menschen dazu brachte, die Augen vor der Realität zu schließen. Eine glänzend geschriebene historische Reportage und das Porträt einer kurzen Epoche, die in der Katastrophe endete.
  • Produktdetails
  • Verlag: Siedler
  • Seitenzahl: 429
  • Erscheinungstermin: 19. August 2019
  • Deutsch
  • Abmessung: 231mm x 159mm x 38mm
  • Gewicht: 723g
  • ISBN-13: 9783827501134
  • ISBN-10: 382750113X
  • Artikelnr.: 55700563
Autorenporträt
Taylor, Frederick
Frederick Taylor hat Neue Geschichte und Germanistik studiert und ist Fellow der Royal Historical Society. Seit vielen Jahren forscht und publiziert er zur deutschen Geschichte. Sein Buch »Dresden. Dienstag, 13. Februar 1945« (2004) wurde ein internationaler Bestseller. Zuletzt erschienen bei Siedler »Die Mauer. 13. August 1961 bis 9. November 1989« (2009), »Zwischen Krieg und Frieden. Die Besetzung und Entnazifizierung Deutschlands 1944-1946« (2011), »Inflation. Der Untergang des Geldes in der Weimarer Republik und die Geburt eines deutschen Traumas« (2013) und »Coventry. Wendepunkt im Zweiten Weltkrieg« (2015).
Rezensionen
"Taylor gehört zu der Riege angelsächsischer Historiker, die sich gründlich in die deutsche Geschichte vertiefen und manchmal [...] zu den bemerkenswertesten Resultaten gelangen." Deutschlandradio Kultur - Lesart zu Buch "Inflation"
Besprechung von 27.08.2019
Ein Unterstand für den Luftschutz passt in jeden Vorgarten
Deutscher und britischer Alltag im Sommer 1939: Frederick Taylor und Hauke Friederichs versammeln Zeugnisse der Gesellschaften vor dem Kriegsausbruch

In der Kontroverse über den Ursprung des Ersten Weltkriegs, die 2014 geführt wurde, stand die Befürchtung im Hintergrund, eine Dekonstruktion der besonderen Schuld der Mittelmächte könnte eine Generalprobe für den nächsten runden Jahrestag des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs sein, also auch für ihn mehrere Schuldige zu benennen. Eine Antwort darauf, ob diese Sorge berechtigt war, steht noch aus. Evident ist aber schon jetzt der Versuch, für den achtzigsten Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkriegs an Buchformate anzuknüpfen, die vor fünf Jahren erfolgreich waren, etwa an dichte Beschreibungen des letzten Friedenssommers oder an Titel, die weitreichende Neudeutungen suggerieren wie "Der Krieg, den keiner wollte" mit seinem Verweis auf eine "andere Geschichte".

Wer hier ein Pendant zu den "Schlafwandlern" erhofft, wird gründlich enttäuscht werden: Der Originaltitel von Fredrick Taylors Buch, "1939: A People's History", verweist auf die Tradition einer Geschichte "von unten". Es geht um den Alltag der Bevölkerung in Großbritannien und in Deutschland und ihre Reaktionen auf die zwischen dem Münchener Abkommen im September 1938 und dem Kriegsausbruch im September 1939 medial kommunizierte Politik. Beides ist in einer Diktatur schwerer zu erheben als in einer liberalen Demokratie; Taylor gelingt es dennoch, für Großbritannien und Deutschland analoge Quellen zu finden.

Neben Zeitungen sind das die von "mass observation" erhobenen Stimmungsbilder der britischen Öffentlichkeit, Berichte der Exilorganisation der deutschen Sozialdemokratie sowie der nationalsozialistischen Geheimpolizei, edierte und unveröffentlichte Tagebücher und Erinnerungen sowie die einschlägige politik-, sozial- und konsumhistorische Forschung.

Taylor verweist einleitend auf Analogien zwischen den späten dreißiger Jahren und der Gegenwart: die Unübersichtlichkeit politischer Verhältnisse, die nur teilweise überwundene Wirtschaftskrise und damit verbundene abrupte politische Richtungswechsel wie den Brexit. Ausgangspunkt seiner historischen Erzählung ist die Kriegsfurcht im Herbst 1938 und die Erleichterung der Bevölkerung auf beiden Seiten darüber, dass der Krieg doch noch - auf Kosten der Tschechoslowakei - abgewendet werden konnte. Er verfolgt dann die Resonanz auf Ereignisse wie die Besetzung Prags, die Novemberpogrome, die IRA-Anschläge in Großbritannien, den wachsenden deutschen Druck auf Polen und das Publikwerden des Hitler-Stalin Pakts.

In systematischeren Exkursen geht es um die Auswirkungen der Kriegsvorbereitungen auf den Alltag, etwa das Einbuddeln von "Anderson shelters" gegen Luftangriffe in Vorgärten oder die Einführung einer militärischen Grundausbildung für junge Männer in Großbritannien, um Überschneidungen und Differenzen des Kinoprogramms, das in beiden Ländern nicht zuletzt durch amerikanische Filme bestimmt blieb, um die Nutzung des Fernsehens, um Motorisierung und Urlaubsreisen, besonders um den Abstand zwischen der relativ wohlhabenden Konsumgesellschaft Großbritanniens und den weitgehend leeren Wohlstandsversprechungen in Deutschland mit seinen nur scheinbar egalitären "Kraft durch Freude"-Reisen. Weitere wichtige Themen sind die immer weiter gehende Ausgrenzung von Juden aus der deutschen Gesellschaft und der Beginn des Nachdenkens über Atombomben in Deutschland und den Vereinigten Staaten.

Das gut zu lesende, an Anekdoten reiche Buch verbindet allgemeinhistorische, alltagshistorische und sozialhistorische Perspektiven. Es vertritt keineswegs die These, "keiner" habe den Krieg gewollt: Hitler und sein engster Zirkel hätten ihn allenfalls gerne etwas länger hinausgezögert. Für Deutschland liegt der Fokus allerdings stark auf Personen, die sich aktiv gegen die NS-Diktatur einsetzten oder zumindest punktuell Kritik übten. Dagegen treten diejenigen, die bereitwillig "dem Führer entgegenarbeiteten", einen Krieg für richtig oder unvermeidbar hielten, zurück - wozu beiträgt, dass als Endpunkt der Geschichte der September 1939 gewählt wird, als die großen Siege Hitlers noch ausstanden. Für Großbritannien betont das Buch Widerstände gegen den Krieg, etwa in der rechten Presse, die einer weiteren Entspannung das Wort redete und durchaus mit antisemitischen Kommentaren operierte, oder bei dem Massenpublikum, das Sir Oswald Mosley als britischer Faschistenführer im Sommer 1939 mobilisieren konnte - gewiss mit einigem Recht, vielleicht aber auch etwas zu sehr.

In Hauke Friederichs "Funkenflug" ist der gewählte Zeitraum noch deutlich enger, reicht vom 1. August bis zum 1. September 1939. Was machten Hitler, Göring, Goebbels, Himmler und Heydrich, aber auch andere gut bekannte Persönlichkeiten wie Stalin und seine Tochter, die Familie Thomas Manns, Unity Valkyrie Mitford (die Hitler vergötternde Schwägerin Oswald Mosleys), die Geschwister Scholl und ihr Freundeskreis, der schwedische Laiendiplomat Birger Dahlerus, Carl Jacob Burckhardt als Völkerbundskommissar in Danzig, John F. Kennedy als Student auf Europareise, Graf Ciano als Mussolinis Außenminister und so weiter in jenen Tagen? Trotz der beeindruckenden Bibliographie und Danksagungen ans Bundesarchiv sind echte Überraschungen bei diesem Personaltableau nicht zu erwarten. In einer fast artifiziell simplen Sprache und mit zahlreichen Wiederholungen, die es erlauben, an jedem Tag in die Geschichte einzusteigen, werden Handlungen der ausgewählten Personen im letzten Friedensmonat dargestellt. Meist geschieht das zuverlässig, manchmal stutzt man: Von Hitlers Berghof zu Hitlers Kehlsteinhaus, beide bei Berchtesgaden, sollen 6512 Kilometer Straße gebaut worden sein? Und Stalin hätte im orthodoxen Priesterseminar in Tiflis unter "Praktiken der Jesuiten" gelitten?

Jenseits solcher Petitessen gibt ein weiterer Punkt zu denken. Anders als bei Taylor, der explizit nur die deutsche und die britische Gesellschaft in den Blick nimmt, ist bei Friederichs nicht klar, warum etwa die französische Perspektive praktisch nicht präsent ist. Steckt dahinter die These, nur die Verhandlungen zwischen Berlin und London seien relevant, da potentiell ergebnisoffen gewesen, oder ein impliziter Vorgriff auf 1940, als Frankreich, aber nicht Großbritannien, weitgehend aus dem Krieg ausschied?

Der enge Zeitraum eines Monats hat eindeutig Vorteile, bringt aber auch ein Problem mit sich: Er suggeriert eine Unübersichtlichkeit der weltpolitischen Lage, die in den ausgehenden dreißiger Jahren - anders als vor 1914 - dann doch nicht gegeben war. Die Debatten um 1914 haben gezeigt, dass die ideologischen und lebenspraktischen Unterschiede zwischen den europäischen Reichen vor dem Ersten Weltkrieg so groß nicht waren. Das war zwischen den Diktaturen und den Demokratien der späten Zwischenkriegszeit völlig anders. Gewiss: Die Allianz zwischen Deutschland und der Sowjetunion gegen Polen markierte einen überraschenden Wendepunkt, und sie ließ kurzfristig eine analoge Allianz zwischen Mussolinis Italien und Großbritannien möglich erscheinen, wie ein ähnlicher Fokus auf das Jahr 1940 zeigen würde. Es ist aber kein Zufall, dass sich beide Bündnisperspektiven entweder gar nicht realisieren ließen oder nur kurz Bestand hatten. Insofern ist die historische Aussagekraft einer kurzen Vorgeschichte des Zweiten Weltkriegs eben doch begrenzt - es gab keine echten Alternativen zu dem militärischen Konflikt, für den die Auseinandersetzungen um Danzig, den "Korridor" und die Integrität Polens nur der Anlass, nicht die Ursache waren.

ANDREAS FAHRMEIR

Frederick Taylor: "Der Krieg, den keiner wollte". Briten und Deutsche: Eine andere Geschichte des Jahres 1939. Aus dem Englischen von Helmut Dierlamm und Heide Lutosch. Siedler Verlag, München 2019. 432 S., geb., 30,- [Euro].

Hauke Friederichs:

"Funkenflug". August 1939: Der Sommer, bevor der Krieg begann.

Aufbau Verlag, Berlin 2019. 376 S., Abb., geb., 24,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Besprechung von 26.08.2019
„Sie werden eine wundervolle Zeit haben“
Vor 80 Jahren: Frederick Taylor beschreibt spannend den Alltag der Deutschen und Briten vor dem Beginn des Weltkriegs
„Haben Sie ein Tier im Haus?“ Eine scheinbar harmlose Frage, die das in London erscheinende linke Massenblatt Daily Mirror am 28. August 1939 seinen Lesern stellte. In dem folgenden Artikel beschäftigte sich eine Redakteurin jedoch damit, was auf britische Haustierbesitzer im Falle von Bombardierungen, Gasangriffen und Evakuierungen zukäme – gebe es genügend Futter, was tun bei Luft- und Gasangriffen, müsse man das Tier gar einschläfern?
Zu dieser allerletzten Möglichkeit hatten im Jahr zuvor während der Sudetenkrise, kurz vor dem Münchner Abkommen im September 1938, als ein Krieg in Europa nahe schien, schon mehrere Tausend britische Tierfreunde gegriffen. Nun, im Zuge der sich täglich verschärfenden Krise um Danzig und angesichts eines drohenden deutschen Angriffs auf Polen verloren viele britische Hundebesitzer erneut die Nerven und baten die nationale Hundeschutzliga NCDL um Hilfe beim Einschläfern ihrer Tiere. Dieses Detail aus dem August 1939 hat der englische Historiker Frederick Taylor, Verfasser viel gelesener Bücher etwa über die Zerstörung Dresdens 1945 und über die Berliner Mauer, für sein Buch über die unmittelbare Vorkriegszeit ausgegraben.
Aus dem Land, mit dem das Vereinigte Königreich wenig später im Krieg liegen sollte, sind ähnliche Sorgen nicht bekannt, die deutschen Hundefreunde vertrauten vielleicht auf die Überlegenheit der deutschen Luftabwehr. So wie es die von Taylor mehrfach zitierte, wie alle Blätter gleichgeschaltete Freiburger Zeitung im August 1939 tat: „Deutscher Geist (…), artilleristisches und fliegerisches Können (…) werden jeden Angriff kläglich zugrunde richten, bis zur restlosen Vernichtung.“
Im Deutschen Reich gab es längst schon den „Reichsluftschutzbund“ mit 15 Millionen Mitgliedern im Jahr 1939; rigorose Luftschutzübungen waren obligatorisch. Die Briten ihrerseits stellten eher widerstrebend ihre Luftschutzorganisation ARP innerhalb eines knappen Jahres auf die Beine, nämlich zwischen dem Münchner Abkommen und der sich zuspitzenden Krise um Danzig. Im Sommer 1939 wurde schließlich die Wehrpflicht für die Jahrgänge 1918 und 1919 eingeführt, auf sehr britisch-zivile Weise, die jeden Anschein von Militarismus vermeiden sollte. Rekruten wurden, so berichtete der Sunday Express, von einem Stabsunteroffizier mit den Worten begrüßt: „Sie werden eine wundervolle Zeit haben.“ Der bisherigen Appeasementpolitik der Regierung von Neville Chamberlain und einer verbreiteten Angst in Großbritannien vor einem neuen Krieg in Europa zum Trotz – die Augen völlig verschließen vor dem, was drohte, konnte und wollte kaum jemand auf der Insel.
Dieser ambivalenten Haltung zu dem Aggressor Hitler stellt Taylor die ebenfalls alles andere als kriegslüsterne Haltung großer Teile der deutschen Bevölkerung gegenüber. Allerdings lebten die Deutschen in einem gründlich militarisierten und hochgerüsteten Staat, regiert von einem nach innen wie außen gewalttätigen Regime, das viele guthießen, weil es die „Schmach von Versailles“ getilgt hatte und außerdem für Arbeitsplätze sorgte, unter anderem in der Rüstungsindustrie. Trotzdem behaupteten die Nationalsozialisten, Hitler sei ein „Mann des Friedens“. Die Deutschen glaubten dies, wenigstens aber schwiegen sie dazu, so wie sie überwiegend auch zu den Pogromen am 9. November 1938 gegen die jüdische Bevölkerung und zur Zerstörung von Synagogen und Geschäften geschwiegen hatten.
Zwei sehr unterschiedliche Gesellschaften sind es also, die Taylor im letzten Vorkriegsjahr unter die Lupe nimmt: hier die pragmatischen, demokratisch regierten Briten, dort die Hitler-Diktatur, eine „durchaus typische westliche Konsumgesellschaft“, wie der Autor schreibt, aber unberechenbar und unersättlich in ihrem ideologisch motivierten Hunger nach räumlicher Ausdehnung und militärischer Stärke; politisch-ideologisch wie lebensweltlich einander entgegengesetzt (obwohl es, wie Taylor zeigt, hüben wie drüben Sympathisanten für die jeweils andere Seite gab, deutsche Demokraten und NS-Gegner wie auch britische Antisemiten und Faschisten), aber auch vielfältig miteinander verbunden – Dramatik und Fallhöhe der historischen Anordnung lassen wenig zu wünschen übrig.
Taylor hat mithilfe zahlreicher Quellen wie Zeitungen, Erinnerungen, Dokumenten, unbekannten und bekannten Tagebüchern wie denen der Journalistin Ruth Andreas-Friedrich, Briefen und noch lebender Zeitzeugen (die damals Kinder waren und deren begrenzte Sichtweise er betont) „ein Mosaik öffentlicher und privater Ansichten“ der beiden auf den Krieg zutreibenden Gesellschaften geschaffen: eine wahre Fülle an Stimmen, die geschickt und spannungsreich miteinander verwoben sind. Man liest über den Alltag in den beiden Vorkriegsgesellschaften und über die Gemütslage von Durchschnittsbürgern, erfährt, was die Menschen bewegte und bestimmte: durchaus nicht nur der drohende Krieg, sondern der Beruf, ihre Kinder, die nächsten Ferien, das neue Haus. Die Normalität, mit anderen Worten.
Zur Normalität in Großbritannien gehörte auch, dass die Bereitschaft, verzweifelte jüdische Flüchtlinge aus Deutschland aufzunehmen, nicht besonders ausgeprägt war. Der Daily Express sprach in einem Kommentar im Juni 1939 für viele Briten: „Wenn wir Flüchtlingen in diesem Land eine Heimat geben, werden sie zur Bürde und zum Ärgernis.“ Stattdessen schlug der Kommentator vor, diese Menschen in unterbevölkerten Gebieten des Empire anzusiedeln.
Bei solchen Tönen ist es kaum zu vermeiden, an Europas Gegenwart zu denken. Diese hat auch Taylor im Sinn, wenn er einleitend schreibt, dass man lange geglaubt habe, „die brutale und unberechenbare Welt der 1930er-Jahre“ hinter sich gelassen zu haben. Stattdessen: der „Tiefpunkt“ des Brexit-Votums und „primitive nationale Selbsterhöhung“ in Europa. Auf weitere aktuelle Bezüge verzichtet Frederick Taylor. Sie kommen einem bei der Lektüre dieses fesselnden Buches ohnehin in den Sinn.
CORD ASCHENBRENNER
Zwei sehr unterschiedliche
Gesellschaften werden hier
zueinander in Bezug gesetzt
Der Autor denkt bei seiner
Analyse auch an den „Tiefpunkt“
des Brexit-Votums
Frederick Taylor:
Der Krieg, den keiner wollte. Briten und Deutsche: Eine andere Geschichte des Jahres 1939. Übersetzt von Helmut Dierlamm und Heide
Lutosch. Siedler, München 2019. 432 Seiten. 30 Euro, auch E-Book.
Statue des Kriegspremiers Winston Churchill in London.
Foto: Reuters
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