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Hitlers Weg an die Macht ist oft beschrieben worden. Kaum beachtet wurde jedoch bisher, dass er sich dabei in starkem Maße an Mussolini orientierte. Der faschistische Diktator war sein großes Vorbild. Auf ihn ließ er auch nichts kommen, als er selbst die Macht erlangt hatte und der "Duce" von ihm abhängig geworden war. Die beiden Diktatoren verband eine politische Freundschaft, die bis zu ihrem Tode anhielt. Ursachen, Verlauf und Ausdrucksformen dieser ,Männerfreundschaft' sind Gegenstand dieses Buches, das die deutsche Zeitgeschichte ebenso befruchten wird wie die italienische.…mehr

Produktbeschreibung
Hitlers Weg an die Macht ist oft beschrieben worden. Kaum beachtet wurde jedoch bisher, dass er sich dabei in starkem Maße an Mussolini orientierte. Der faschistische Diktator war sein großes Vorbild. Auf ihn ließ er auch nichts kommen, als er selbst die Macht erlangt hatte und der "Duce" von ihm abhängig geworden war. Die beiden Diktatoren verband eine politische Freundschaft, die bis zu ihrem Tode anhielt. Ursachen, Verlauf und Ausdrucksformen dieser ,Männerfreundschaft' sind Gegenstand dieses Buches, das die deutsche Zeitgeschichte ebenso befruchten wird wie die italienische.


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Autorenporträt
Wolfgang Schieder, Universität zu Köln und Universität Bologna.
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 12.02.2018

Kalkül und Sentimentalität
Wolfgang Schieder analysiert Gründe und Folgen der absonderlichen Männerfreundschaft zwischen Hitler und Mussolini.
Das Buhlen um die Gunst des italienischen Diktators, so die These, beeinflusste sogar die Ideologie des Führers
VON CLEMENS KLÜNEMANN
Im Jahr 1934 war es so weit: Der von ihm jahrelang umworbene italienische Faschistenführer hatte sich bereit erklärt, den deutschen Reichskanzler zu empfangen, und dieser – in geradezu kindischer Freude über diese späte Anerkennung seines jahrelangen Werbens – merkte gar nicht, dass und wie der von ihm bewunderte Duce bei dieser ersten Begegnung in Venedig die Symbolsprache des Protokolls seiner öffentlichen Auftritte benutzte, um den deutschen Gast auf Distanz zu halten. Hitler muss indes, als er sich zurück in Berlin „begeistert von der Begegnung mit Mussolini“ zeigte, gespürt haben, dass dieser ihm (noch!) überlegen war: „Menschen wie Mussolini werden einmal alle 1000 Jahre geboren“, sinnierte er im geliebten Superlativ über den „genialen Führer des faschistischen Italien“, dem er drei Jahre zuvor ein Porträtfoto von sich „mit der Bitte um wohlwollende Aufnahme“ geschickt hatte.
Die in Wolfgang Schieders Buch „Adolf Hitler. Politischer Zauberlehrling Mussolinis“ immer wieder fallenden Begriffe wie Respekt, Begeisterung und Bewunderung sowie der Austausch von signierten Fotos scheinen das Bild der „brutalen Freundschaft“ zweier Gewaltmenschen zu relativieren, das Frederick Deakin in seiner gleichnamigen Studie über die merkwürdige Beziehung der beiden Diktatoren gezeichnet hat. Dabei liegt Schieder nichts ferner als eine unangebrachte Psychologisierung des Verhältnisses der „faschistischen Dioskuren“ zueinander. Vielmehr zeigt er, dass diese Verbindung keinerlei privaten Charakter hatte, sondern eine, wenn auch aus unterschiedlichen Interessen, von beiden inszenierte politische Freundschaft war.
Was Hitler angeht, so war der Grund seines engen Verhältnisses zu Mussolini eine bisweilen bis zur Ergebenheit ausufernde Dankbarkeit: Der Duce hatte ihm die Technik der Machteroberung und des Machterhalts vermittelt, obwohl Hitler das italienische Vorbild zunächst missverstanden hatte: Denn der martialisch von Mussolini in Szene gesetzte Marsch auf Rom im Herbst 1922 war ja, wie der Münchner Historiker Hans Woller in seiner Mussolini-Biografie (2016) schreibt, „dutzende Kilometer vor der Hauptstadt im Schlamm steckengeblieben“ und wurde ganz abgeblasen, während Mussolini im Schlafwagenabteil am nächsten Morgen Rom erreichte. Hitler versuchte die sofort von der faschistischen Propaganda ins Mythische erhobene „Marcia su Roma“ ein Jahr später in München zu imitieren und landete nach kläglichem Scheitern bekanntermaßen in Landsberger Festungshaft. Hier beginnt der Lernprozess, den Wolfgang Schieder in allen Facetten nachzeichnet: Es sei Mussolinis Doppelstrategie von Gewaltbereitschaft und Scheinlegalität gewesen, die den Faschismus an die Macht gebracht habe – und dann eben auch seinen deutschen Zauberlehrling.
Aber noch etwas lernte dieser von seinem italienischen Meister: nämlich die Ästhetisierung von Politik als eine der demokratischen Öffentlichkeit parlamentarischer Demokratien weit überlegene Herrschaftstechnik, mittels derer die Massen fasziniert und die Zweifelnden eingeschüchtert werden können. Am Beispiel der insgesamt 17 Begegnungen zwischen Hitler und Mussolini – vor allem hinsichtlich der Treffen, die bis zum Kriegsbeginn mit Massenaufmärschen in Venedig, Florenz, Rom, München und Berlin stattfanden – zeigt Wolfgang Schieder, dass Mussolinis und zunehmend auch Hitlers politische Aktionen ein „herrschaftspolitisch instrumentelles Handeln in ritualisierter Form“ darstellten. In „Mythos Mussolini“ (2013) hat Schieder diese Ritualisierung als Schlüsselbegriff der vom italienischen Diktator inszenierten Audienzen gezeigt und überträgt ihn nun auf dessen Begegnungen mit Hitler, die anfangs in der Tat auch den Charakter von Audienzen hatten. Aber eben nur anfangs, denn der Zauberlehrling perfektionierte nicht nur die Technik des Meisters, sondern überflügelte ihn: Spätestens bei Kriegsbeginn, als Hitlers „Blitzkrieg-Strategie“ von Mussolini mit einer Nichtbeteiligung beantwortet werden musste, war klar: „Hitler war nunmehr der Meister, Mussolini sein Adlatus.“
Mit viel Gespür für die Unterströmungen dieser absonderlichen Männerfreundschaft zweier brutaler Machtmenschen zeigt Wolfgang Schieder das permanente Changieren zwischen kühlem Kalkül der Inszenierung und kitschiger Sentimentalität, an der sich beide Diktatoren gleichermaßen bei ihren Treffen berauschten – und dies, bis sie sich zum letzten Mal am 20. Juli 1944 in Hitlers Wolfsschanze begegnen und sich gemeinsam darüber empören, dass es offenbar Gegner ihrer Politik gab.
Wolfgang Schieders überaus lesenswerte Studie macht darüber hinaus deutlich, wie sehr Hitlers Buhlen um die Freundschaft Mussolinis seine politischen Entscheidungen, ja seine Ideologie beeinflusste: So spielte die ansonsten obsessiv-allgegenwärtige „Blut und Boden“-Doktrin keine Rolle für Hitler, sobald es um Südtirol ging – was zu allerlei Irritationen in seiner Gefolgschaft führte. Dem deutschen Diktator war aber vor allem wichtig, seinen italienischen Freund und Lehrmeister nicht zu verprellen, auch als er diesen längst überflügelt hatte. Der Aufstieg des deutschen Zauberlehrlings ist in der Tat nur zu erklären, wenn außer den Folgen des Versailler Vertrags und des Sonderwegs Deutschlands nach 1871 auch der deutsch-italienische Entstehungszusammenhang dieser Diktatur berücksichtigt wird. In seiner Mussolini-Biografie (2014) schrieb Wolfgang Schieder, dass Mussolinis Diktatur ohne die transnationalen Verflechtungen mit dem nationalsozialistischen Deutschland nicht hinreichend verstanden werden könne; seine nun vorliegende Studie macht deutlich, dass dies gleichermaßen für Hitlers Diktatur gilt.
Clemens Klünemann ist Honorarprofessor am Institut für Kulturmanagement der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg und lehrt über die Geschichte Westeuropas im 19. und 20. Jahrhundert.
Es ging um „herrschaftspolitisch
instrumentelles Handeln
in ritualisierter Form“
Beim Treffen am 20. Juli 1944
wunderten sich die beiden, dass
es Widerstand gegen sie gab
Halbwegs im Gleichschritt: Adolf Hitler empfängt Benito Mussolini im Jahr 1937 in München. Ein Jahr später unterschrieben sie hier das Münchner Abkommen.
Foto: Scherl/SZ Photo
Wolfgang Schieder:
Adolf Hitler. Politischer Zauberlehrling Mussolinis. Verlag de Gruyter, Berlin/Boston 2017, 231 Seiten, 24,95 Euro.
E-Book: 24,95 Euro.
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
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"Mit viel Gespür für die Unterströmungen dieser absonderlichen Männerfreundschaft zweier brutaler Machtmenschen zeigt Wolfgang Schieder das permanente Changieren zwischen kühlem Kalkül der Inszenierung und kitschiger Sentimentalität, an der sich beide Diktatoren gleichermaßen bei ihren Treffen berauschten (...) Schieders überaus lesenswerte Studie macht darüber hinaus deutlich, wie sehr Hitlers Buhlen um die Freundschaft Mussolinis seine politischen Entscheidungen, ja seine Ideologie beeinflusste."
Clemens Klünemann, in: Süddeutsche Zeitung (12.2.2018)

"Die Geschichte der Beziehung beider Diktatoren [sc. Hitler und Mussolini) ist eine der fortschreitenden Realitätsverweigerung. Das ist keine neue Erkenntnis, aber so pointiert wie von Schieder wohl noch nicht dargestellt worden."
Bernhard Schulz in: Der Tagesspiegel (09.01.2019), 21

"[...] einläßlich und prägnant geschriebene[n] Studie [...]"
Frank-Rutger Hausmann in: Informationsmittel (IFB) #5617 http://www.informationsmittel-fuer-bibliotheken.de/showfile.php?id=8792

"Der Kölner Historiker Wolfgang Schieder hat mit der vorliegenden, in fünf Kapitel gegliederten Studie gezeigt, wie man - stilistische elegant und auf relativ gedrängtem Raum - ein faszinierendes Thema auf einige Schlüsselpunkte reduzieren kann [...]"
Jörg Thunecke in: Newsletter of the International Feuchtwanger Society, Volume 24, 2017, 38-39