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In Papst Franziskus - Ein Mann seines Wortes begleitet Wenders das Publikum auf einer persönlichen Reise mit Papst Franziskus. Im Zentrum dieses Porträts stehen die Gedanken des Papstes, alle ihm wichtigen Themen, aktuelle Fragen zu globalen Herausforderungen und sein Reformbestreben innerhalb der Kirche. Das visuelle Konzept des Filmes lässt den Zuschauer mit dem Papst von Angesicht zu Angesicht sein. Ein Gespräch zwischen ihm und - im wahrsten Sinne - der Welt entsteht. Papst Franziskus teilt seine Vision einer Kirche, die von tiefer Sorge um die Armen geprägt ist, spricht über Umweltfragen,…mehr

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Produktbeschreibung
In Papst Franziskus - Ein Mann seines Wortes begleitet Wenders das Publikum auf einer persönlichen Reise mit Papst Franziskus. Im Zentrum dieses Porträts stehen die Gedanken des Papstes, alle ihm wichtigen Themen, aktuelle Fragen zu globalen Herausforderungen und sein Reformbestreben innerhalb der Kirche.
Das visuelle Konzept des Filmes lässt den Zuschauer mit dem Papst von Angesicht zu Angesicht sein. Ein Gespräch zwischen ihm und - im wahrsten Sinne - der Welt entsteht. Papst Franziskus teilt seine Vision einer Kirche, die von tiefer Sorge um die Armen geprägt ist, spricht über Umweltfragen, soziale Gerechtigkeit und sein Engagement für Frieden an den Kriegsschauplätzen dieser Welt und zwischen den Weltreligionen.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 13.06.2018

Sein Plaudercharisma
Auftragsfilm: Wim Wenders nimmt den Papst ins Visier

Wenn ein Papst spricht, dann spricht immer ein Mensch - aber eben nicht nur. Das Amt des "Vicarius Christi", des Stellvertreters des auferstandenen Christus auf Erden, bringt es mit sich, dass jeder päpstliche Sprechakt eine komplexe Angelegenheit ist, auch dann, wenn Unfehlbarkeit "ex cathedra" gar nicht beansprucht wird. Der gegenwärtige Papst Franziskus setzt seit seinem Amtsantritt vor fünf Jahren auf eine andere kommunikative Strategie als die einer dogmatischen Verknappung. Ihm ist nicht an dem kostbaren, alles entscheidenden Satz gelegen, er redet lieber viel und häufig, und er redet in erster Linie als Mensch, als gläubiger Jünger Jesu. Daraus ergeben sich so manche Probleme mit der "message control" (zuletzt F.A.Z. vom 6. und vom 9. Juni).

Die Eigenheiten päpstlichen Sprechens stehen nun auch im Mittelpunkt eines Dokumentarfilms, den der deutsche Regisseur Wim Wenders über das Oberhaupt und den ersten Diener der römisch-katholischen Christen gemacht hat: "Franziskus - Ein Mann seines Wortes" kam auf Initiative des Vatikans zustande, es handelt sich also um eine Auftragsarbeit, um eine Art offiziöses Dokument. Allerdings wird jemand wie Wenders, der sich vielleicht mit seinem Engelfilm "Der Himmel über Berlin" für die Aufgabe qualifiziert hat (oder doch mit "Buena Vista Social Club?"), sich nicht einfach zum Sprachrohr degradieren lassen.

Aus dieser Konstellation ergibt sich eine interessante Struktur für den Film: Papst Franziskus spricht, aber Wenders erteilt ihm das Wort. Zentral sind Interview-Passagen, in denen Jorge Mario Bergoglio (so der bürgerliche Name des gebürtigen Argentiniers) in seiner Muttersprache Spanisch von seiner Beziehung zu Jesus und von vielerlei mehr erzählt. Die Interviews sind so gefilmt, dass der Papst direkt in die Kamera schaut, wie bei einer politischen Neujahrsansprache. Franziskus zeigt sich in diesen Passagen von seiner besten Seite, und das bedeutet, ganz und gar nicht "ex cathedra", auch wenn die Bildkomposition fast danach aussieht. Die christliche Tradition kennt auch ein Wort für die Art und Weise, in der Franziskus spricht: Er zeichnet sich durch "Freimut" aus. Das griechische Parrhesia stammt aus einer Zeit, in der die frühe Kirche große Hoffnungen auf den Heiligen Geist setzte.

Wim Wenders wiederum setzt große Hoffnungen auf Papst Franziskus. Mit seinem Erzählkommentar gibt sich der Veteran des Neuen Deutschen Films als besorgter, fast schon ein wenig verzagt klingender Zeitgenosse zu erkennen. Franziskus könnte einer sein, der die Menschen zur Umkehr bewegt. Denn mit dem, was heute zählt, wird die Menschheit nicht weit kommen. Die Reisen des Heiligen Vaters führen denn auch von einer Krisenregion in die nächste. Wim Wenders ist nicht überallhin mitgefahren, in vielen Fällen greift er auf Archivmaterial zurück, und so bekommt man auch ausführlich Gelegenheit, den Papst beim Händeschütteln, Füßewaschen und Winken zu sehen. Vor allem aber reist Franziskus, um auch unterwegs zu sprechen. Seine Rede vor dem amerikanischen Kongress ist ein Sinnbild für das heutige Verhältnis von Kirche und Welt: Ein Mann in Weiß redet einer Masse von abgehärteten Ledergesichtern ins Gewissen.

Dass Franziskus sich selbst als eine charismatische Ausnahme versteht, hat er mit der Wahl seines Amtsnamens zu erkennen gegeben. Zum ersten Mal berief sich ein Papst auf Franz von Assisi, den Inbegriff christlicher Demut, heiliger Einfalt und früher Naturmystik. Wim Wenders würdigt diese Namenswahl mit einem Film im Film, den er mit Handkurbelkamera gedreht hat. Und so hat er, nach Roberto Rossellini und Franco Zeffirelli, auch noch einen Assisi-Film gemacht, als erbaulicher Einschub in einen Franziskus-Film, der an einem wirklichen Porträt nicht interessiert ist, sondern letztlich doch vor allem dem Plaudercharisma eines sympathischen Idealisten eine große Bühne errichtet.

BERT REBHANDL

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