Die Anfänge der Wiener SS - Rothländer, Christiane
65,00 €
versandkostenfrei*

inkl. MwSt.
Sofort lieferbar
0 °P sammeln

    Gebundenes Buch

Das Buch behandelt die Gründung der ersten österreichischen SS-Einheit, des SS-Sturms 77 in Wien, und ihres Ausbaus zur 11. SS-Standarte. Erstmals wird damit die Frühzeit der Schutzstaffel aus dem Blickwinkel der Geschichte einer Standarte analysiert. Führerkorps, soziale Zusammensetzung, Aufbau, interne Organisation und Finanzierung der Wiener SS werden ebenso untersucht wie ihre Stellung zur Politischen Führung und SA sowie ihre Entwicklung zur Terrortruppe. Einen ersten Höhepunkt erreichte der Terrorismus der SS mit dem Juliputsch 1934, an dem beide Wiener SS-Standarten in unterschiedlicher…mehr

Produktbeschreibung
Das Buch behandelt die Gründung der ersten österreichischen SS-Einheit, des SS-Sturms 77 in Wien, und ihres Ausbaus zur 11. SS-Standarte. Erstmals wird damit die Frühzeit der Schutzstaffel aus dem Blickwinkel der Geschichte einer Standarte analysiert. Führerkorps, soziale Zusammensetzung, Aufbau, interne Organisation und Finanzierung der Wiener SS werden ebenso untersucht wie ihre Stellung zur Politischen Führung und SA sowie ihre Entwicklung zur Terrortruppe. Einen ersten Höhepunkt erreichte der Terrorismus der SS mit dem Juliputsch 1934, an dem beide Wiener SS-Standarten in unterschiedlicher Form beteiligt waren und dessen Scheitern auch dem Versagen Heinrich Himmlers zuzuschreiben ist. Beleuchtet werden weiters die Flucht der Wiener SS-Angehörigen aus Österreich nach dem Parteiverbot und der Aufbau der "SS-Legion" in Deutschland. Die Autorin stützt sich dabei insbesondere auch auf bisher unveröffentlichtes Bild- und Quellenmaterial, wie z.B. die Akten des Verwaltungsamtes des österreichischen SS-Abschnittes, das Trupp-Tagebuch eines Wiener SS-Mannes und zahlreiche Personalakten aus österreichischen und deutschen Archiven.
  • Produktdetails
  • Verlag: Böhlau Wien
  • Seitenzahl: 653
  • Erscheinungstermin: Juni 2012
  • Deutsch
  • Abmessung: 246mm x 185mm x 53mm
  • Gewicht: 1360g
  • ISBN-13: 9783205784685
  • ISBN-10: 3205784685
  • Artikelnr.: 28034292
Autorenporträt
Christiane Rothländer ist Historikerin und Lektorin am Institut für Rechts- und Verfassungsgeschichte der Universität Wien.
Inhaltsangabe
Danksagung Einleitung 1Die Gründung der Wiener SS 1.1 Das Führerkorps der Wiener SS 1930 bis 1933 1.2 Die Organisation und Entwicklung der Wiener SS bis zum Frühjahr 1932 1.2.1 Die Aufgabenbereiche der SS 1.2.2 Die Aufnahme in die SS 1.2.3 Der Dienstbetrieb der SS 1.2.4 Die SS-Geldverwaltung 1.2.4.1 Die Aufgaben der SS-Geldverwalter. 1.2.4.2 Die SS-Beiträge 1.2.4.3 Die Geldverwaltung der Fördernden Mitglieder 1.3 Stärkestand und Sozialstruktur der Wiener SS 1930 bis 1932 2.Der antimarxistische Kampf - Die Ablösung der Heimwehr durch die NSDAP 2.1 Die Hochblüte der Heimwehr 2.2 Bündnisversuche zwischen Heimwehr und NSDAP 3Die Entwicklung der Wiener NSDAP unter Alfred Eduard Frauenfeld 3.1 Die Wiener Wahlen im Frühjahr 1932 3.2 Das erste Opfer der Wiener SS: Der Tod Karl Schafhausers 3.3 Der Ausgang der Wahlen 4.Der Aufstieg der Wiener SS im Sommer 1932 4.1 Die Expansion der Wiener SS 4.1.1 Die Motorstürme 4.1.2 Der Musikzug 4.1.3 Das Sanitätswesen 4.1.4 Das Reiterkorps 4.1.5 Der Fliegersturm 4.2 Aktions- und Verlaufsformen der Gewaltausübung der Wiener SS im Sommer 1932 4.2.1 Der Überfall auf den Country Club 4.2.2 Die Schießerei anlässlich des "Klebinder-Prozesses" 4.2.3 Der Überfall auf das sozialdemokratische Parteiheim in Eisenstadt 4.2.4 Der SS-Einsatz beim Film- und Funkfest der NSDAP 5.Das Verhältnis der Wiener SS zu SA und Politischer Leitung 5.1 Die Disziplinarstraf- und Beschwerdeordnung der SS 6.Die sozialen Betreuungsmaßnahmen der Wiener NSDAP 7.Der heiße Herbst 1932 7.1 Die Reorganisation der Wiener SS im Herbst 1932 7.2 Der Gauparteitag der Wiener NSDAP 7.3 Die innenpolitische Entwicklung im Oktober 1932 7.4 Der "Simmeringer Blutsonntag" und seine Folgen 8.Die Reaktion der Justiz auf die nationalsozialistische Gewalt 8.1 Nationalsozialisten und "Marxisten" vor den Wiener Gerichten 8.2 Juden und Nationalsozialisten vor Wiener Gerichten 9Die Krise der Wiener SS im Winter 1932 9.1 Die Errichtung des SS-Verwaltungsamtes VIII. 9.2 Die Unterwanderung der Wiener SS durch die Arbeiter-Zeitung 9.3 Vom Straßenkampf zur terroristischen Aktion - Der Tränengasanschlag auf das Kaufhaus Gerngroß 9.4 Das Ende der Spitzelaffäre und die Aufklärung des Gerngroß-Anschlages 9.5 Die Lage der Wiener SS nach dem Ende der Spitzelaffäre 10.Die Wiener SS auf dem Weg in die Illegalität 10.1 Die Forcierung der militärischen Ausbildung der Wiener SS im Frühjahr 1933 10.2 Die Zuspitzung der deutsch-österreichischen Verhältnisse im Mai 1933 10.3 Die Wiener SS auf dem Weg in den Untergrund Exkurs: Die innen- und außenpolitische Entwicklung Österreichs nach der Ausschaltung des Parlaments 11.Der Terrorismus der Wiener SS im Sommer 1933 11.1 Die Terroranschläge der Wiener SS im Juni 1933 11.2 Die Wiener SS in der Illegalität 11.3 Die Aufstellung des SS-Oberabschnitts Donau und der Abschnitt VIII unter Karl Franz Grimme 12.Die Entwicklung der Wiener SS vor dem Juliputsch 12.1 Die Aufstellung der 89SS-Standarte 12.2 Der Stärkestand der österreichischen SS im Juli 1934 12.3 Der Beginn der Verschwörung 12.4 Der Nachrichtendienst der österreichischen Landesleitung und der Wiener SS vor dem Juliputsch 12.4.1 Der Nachrichtendienst in Wien und München 12.4.2 Der Nachrichtendienst in Budapest 12.5 Die Übernahme der 11SS-Standarte durch Hubert Kölblinger 13"... im Gefecht" - Die Rolle der SS während des Juliputsches 13.1 Die Vorbereitungen der 11SS-Standarte auf den Juliputsch. 13.2 Der Mordplan der SA gegen Engelbert Dollfuß. 13.3 Hitlers Zustimmung zur Durchführung des Juliputsches 13.4 Himmlers Personalrochaden und der Abbruch der SS-Befehlslinien im Juli 1934. 13.5 Die Aktionen der 11SS-Standarte während des Juliputsches 13.6 Der versäumte Putsch - Die Lage der SS in den Bundesländern 1.4Die österreichische SS in Deutschland 1933-1938 14.1 Die österreichische SS im Lager Lechfeld 14.2 Die Errichtung des SS-Hilfswerkslag
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 19.11.2012

Warum die Österreicher?
Das Bild der SS ist vom Höhepunkt ihrer Macht geprägt: Blick auf Anfänge in Wien

Schwarze Uniformen, Totenkopf, Einsatzgruppen, Konzentrationslager. In der Tat avancierte die "Schutzstaffel" der NSDAP - vor allem nachdem 1929 Heinrich Himmler ihre Führung übernommen hatte - zu der vielleicht mächtigsten Organisation des nationalsozialistischen Regimes. Ihre Anfänge geraten in dieser Perspektive oftmals aus dem Blick, obwohl bei der Gründung der SS niemand deren Aufstieg hat voraussagen können und daher die Umstände einiges über die Struktur des Nationalsozialismus aussagen könnten. Christiane Rothländer hat sich der Mühe unterzogen, in einer umfangreichen, akribisch recherchierten Studie die Anfänge der Wiener SS zu untersuchen. Dabei wird deutlich, wie eng die deutsche Entwicklung mit der österreichischen zusammenhing.

Ende 1929 fand sich eine kleine Gruppe von SA-Mitgliedern in Wien, die nach deutschem Vorbild eine SS gründen wollten. Der gerade neu ernannte Reichsführer SS Himmler beauftragte dementsprechend den damals 39 Jahre alten Elektrotechniker und SA-Sturmführer Walter Turza mit der "Organisierung der SS in Wien". Mit der Aufstellung des Wiener "SS-Sturms 77" entstand im März 1930 die erste Formation in Österreich. Turza war durchaus nicht untypisch für die erste Generation von SS-Führern. Sie kamen wie Anton Ziegler oder Karl Pichl aus dem Kleinbürgertum oder auch der Unterschicht. Viele arbeiteten als Handwerker, Angestellte, hatten den Ersten Weltkrieg als Soldaten und häufig die Nachkriegszeit noch als Freikorps-Angehörige erlebt und sich früh dem rechtsradikalen Lager angeschlossen. Gewalt war ihnen vertraut, die Verachtung des liberalen Rechtsstaates allen gemein. Viele hatten noch im Habsburgerreich als Angehörige der volksdeutschen Minderheiten gelebt und waren extrem völkisch gesinnt. Die Rekrutierung der SS aus der SA geriet rasch zu einem veritablen innerparteilichen Problem, sah doch die SA-Führung überhaupt nicht ein, warum fähige Männer die Organisation wechseln sollten. Wie in Berlin und München gab es auch in Wien entsprechende Anweisungen, das Werben für die SS in den SA-Gruppen nicht zuzulassen. Doch war die Attraktion der SS, die zu dieser Zeit offiziell noch eine Unterorganisation der SA war, groß genug, dass sich ihre Reihen bald füllten. Das lag an ihrem exklusiven Charakter, der die SS von der "braunen Masse" abhob. Jeder SS-Anwärter musste eine bestimmte Körpergröße besitzen, erbbiologisch einwandfrei sein, mindestens ein Jahr lang Parteimitglied gewesen sein und zwei Bürgen vorweisen. Himmler hatte 1931 zudem mit einem besonderen Heirats-Erlass strenge rassistische Regeln für die Auswahl der Ehefrau festgeschrieben und behielt sich vor, die Ehen seiner SS-Männer persönlich zu genehmigen. Auch wenn diese Regeln immer wieder Ausnahmen zuließen, garantierten sie doch den SS-Mitgliedern, einer distinkten Organisation anzugehören.

Nicht von ungefähr bemühte Himmler immer wieder den Vergleich mit einem Orden, wenn er von der SS sprach. Darüber hinaus wurde die Schutzstaffel zu Beginn tatsächlich als Saalschutz bei Veranstaltungen sowie als Personenschutz für die Parteiführung eingesetzt. Das verlieh der SS eine Nähe zur Macht, die wiederum die SA nicht besaß. Zugleich bedeutete dies eine besondere Verpflichtung der NS-Führung, insbesondere Hitlers, die im Verhältnis zur SA, die oftmals gegen die Parteiführung rebellierte, viel brüchiger war. Eben daraus entstand im Juni 1934 die Konstellation, dass es SS-Männer waren, die Ernst Röhm und etliche andere SA-Führer erschossen, und die SS anschließend die volle Unabhängigkeit als eigenständiger Verband der NSDAP erlangte.

In Österreich hatte sich zu dieser Zeit die politische Lage gefährlich zugespitzt. Seitdem die deutschen Nationalsozialisten 1933 die Macht errungen hatten, drängten auch die österreichischen NSDAP-Anhänger, die katholisch-autoritäre Regierung unter Engelbert Dollfuß zu stürzen. Schon seit den großen nationalsozialistischen Wahlerfolgen in Deutschland 1932 hatten in Österreich die rechtsextremen Gewalttaten massiv zugenommen. Christiane Rothländer schildert anschaulich an zahlreichen Fällen, wie ungehemmt terroristisch SS-Männer jüdische Geschäfte und Menschen angriffen, Bombenanschläge verübten und Attentate planten. Insbesondere nachdem Dollfuß die Partei und ihre Untergliederungen, einschließlich SA und SS, im Juni 1933 verboten hatte, radikalisierte sich die Gewaltbereitschaft in der Illegalität erheblich. Insgesamt, so errechnet Frau Rothländer, gab es Ende 1932 in Wien um die 500 SS-Männer bei einer SA-Stärke von gut 2000 Mann. Doch war der Zulauf zur SS gerade im Jahr 1932 deutlich stärker als zuvor gewesen. Gegenüber den zahlenmäßig starken sogenannten antikommunistischen "Heimwehren", die Ende der zwanziger Jahre mehrere hunderttausend Mitglieder besaßen, nahmen sich SA und SS geringfügig aus. Deren Stärke lag in der skrupellosen Anwendung von Gewalt gegen Linke und Juden, die im rechten Lager als Entschlossenheit und Entschiedenheit galt.

Jedoch überschätzte die österreichische NSDAP ihre Stärke. Der Putschversuch gegen die Regierung Dollfuß, bei dem dieser ums Leben kam, scheiterte im Juli 1934, die österreichischen Nationalsozialisten mussten nach Deutschland fliehen. Im Lager Lechfeld bei Augsburg wurden etliche von ihnen untergebracht, darunter nicht zuletzt Adolf Eichmann, der im April 1932 der österreichischen NSDAP und SS beigetreten war und nach einer kurzen Ausbildung in Dachau sich zum Sicherheitsdienst der SS (SD) nach Berlin meldete. Es lässt sich mit guten Gründen vermuten, dass es diese besondere Radikalisierungs- und Exilgeschichte war, die zu dem beachtlichen Anteil von Österreichern an den Massenverbrechen des NS-Regimes führte. Christiane Rothländer versagt sich dieser Frage in ihrem überaus materialreichen Buch. Aber vielleicht ist das auch eine eigene Studie, die noch geschrieben werden muss.

MICHAEL WILDT.

Christiane Rothländer: Die Anfänge der Wiener SS. Böhlau Verlag, Wien 2012. 653 S., 59,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
…mehr

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Laut Michael Wildt, der in seiner Besprechung die Radikalisierungs- und Exilgeschichte der frühen SS nachzeichnet, gelingt Christiane Rothländer mit ihrer Studie eine umfangreiche wie genau recherchierte Darstellung der Anfänge der Wiener SS. Dem Rezensenten führt die Lektüre den engen Zusammenhang zwischen deutscher und österreichischer SS und ihrer jeweiligen Entwicklung vor Augen. Insbesondere kann die Autorin ihm anhand zahlreicher Beispiele die Radikalisierung der SS hin zu Terror und Pogromen veranschaulichen, nachdem Dollfuß die NSDAP verboten hatte. Dass Rothländer der Frage nicht nachgeht, inwieweit etwa dieses Verbot den Anteil von Österreichern an den Verbrechen des NS-Regimes erhöht hat, findet Wildt allerdings etwas schade.

© Perlentaucher Medien GmbH