Sprachkritik - Heringer, Hans-Jürgen; Wimmer, Rainer

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Ist der Dativ wirklich dem Genitiv sein Tod? Geht es bergab mit der deutschen Sprache? Hans Jürgen Heringer und Rainer Wimmer führen ein in eine wissenschaftlich begründete Sprachkritik. In zwölf Kapiteln werden Kriterien für Sprachkritik entwickelt. Im Fokus stehen Äußerungen, Texte, Sprecher und ihre Handlungen. Ideal ist das sprachkritische Individuum. Das Buch will den Blick schärfen für auffällige Phänomene des öffentlichen Sprachgebrauchs: - Schlagwörter der Politik - Hotwords in der öffentlichen Meinung - Pauschalisierungen - interessegeleitete Wertungen - mediale Wiedergabetechniken…mehr

Produktbeschreibung
Ist der Dativ wirklich dem Genitiv sein Tod? Geht es bergab mit der deutschen Sprache? Hans Jürgen Heringer und Rainer Wimmer führen ein in eine wissenschaftlich begründete Sprachkritik. In zwölf Kapiteln werden Kriterien für Sprachkritik entwickelt. Im Fokus stehen Äußerungen, Texte, Sprecher und ihre Handlungen. Ideal ist das sprachkritische Individuum. Das Buch will den Blick schärfen für auffällige Phänomene des öffentlichen Sprachgebrauchs: - Schlagwörter der Politik - Hotwords in der öffentlichen Meinung - Pauschalisierungen - interessegeleitete Wertungen - mediale Wiedergabetechniken und Inszenierungen - Täuschungen und Manipulationen - öffentliche Stilisierungen und stereotype Textmuster
  • Produktdetails
  • UTB Uni-Taschenbücher
  • Verlag: UTB / W. Fink
  • Artikelnr. des Verlages: .UTB4309, UTB4309
  • 1. Aufl.
  • Seitenzahl: 226
  • Erscheinungstermin: 22. April 2015
  • Deutsch
  • Abmessung: 216mm x 151mm x 17mm
  • Gewicht: 350g
  • ISBN-13: 9783825243098
  • ISBN-10: 3825243095
  • Artikelnr.: 41805506
Autorenporträt
Dr. Hans Jürgen Heringer war Professor für Deutsche Philologie / Deutsch als Zweitsprache an der Universität Augsburg.
Inhaltsangabe
Vorwort 7 1. Was ist Sprachkritik? 11 1.1 Wustmann und die deutsche Sprache 13 1.2 Mauthner und die lingua humana 17 1.3 Karl Kraus und der Phrasensumpf 21 1.4 Danach nur Epigonen? 25 1.5 Exempel: Stilblüten 31 1.6 Weiterführung, Aufgaben, Vertiefung 33 2. Kritisieren und Bewerten 37 2.1 Bewerten - Wie geht das? 39 2.2 Das sprachkritische Vokabular in seinen Bezügen 42 2.3 Ziele und Typen der Sprachkritik 44 2.4 Maßstäbe der Sprachkritik 47 2.5 Exempel: Literaturkritik 49 2.6 Weiterführung, Aufgaben, Vertiefung 51 3. Sprachbilder und language myths 53 3.1 Basale Mythen 55 3.2 Korollarmythen 58 3.3 Blühende Metaphorik 62 3.4 Linguisten als Wegbereiter? 65 3.5 Exempel: Was ist Sprache? 68 3.6 Weiterführung, Aufgaben, Vertiefung 70 4. Sprachkritik und Empirie 73 4.1 Die Bedeutung der Bedeutung 75 4.2 Regeln und Normen 77 4.3 Etymogeleien? 81 4.4 Sprachkritik und Linguistik 82 4.5 Exempel: Worte über Wörter 85 4.6 Weiterführung, Aufgaben, Vertiefung 88 5 Sprachkritische Schlagwörter 91 5.1 Purismus: Sprachreinigung und Sprachverfall 93 5.2 Moden: Modegecks und Phrasendrescher 96 5.3 Verständlichkeit: Die Kauderwelscher 99 5.4 Euphemismen: Verhüller und Enthüller 102 5.5 Exempel: Verständlichkeit 106 5.6 Weiterführung, Aufgaben, Vertiefung 108 6 Kommunikative Ethik 111 6.1 Die Goldene Regel? 113 6.2 Gricesche Maximen 115 6.3 Was man nicht sagen darf 117 6.4 Was man sagen muss 118 6.5 Exempel: Das Lügenballett 119 6.6 Weiterführung, Aufgaben, Vertiefung 121 7 Domänen der Sprachkritik 123 7.1 Gesetz und Gericht 125 7.2 Literatur und Stil 126 7.3 Sprachlehre und Schule 128 7.4 Wissenschaft: Rezensionen 130 7.5 Exempel: Plagiate 132 7.6 Weiterführung, Aufgaben, Vertiefung 134 8 Weltproduktion: Die Welt vom Hörensagen 137 8.1 Anführung und Selektion 139 8.2 Zutaten! 144 8.3 Distanz? 149 8.4 Evidenz? 153 8.5 Exempel: Der Fall von Grass? 157 8.6 Weiterführung, Aufgaben, Vertiefung 159 9 Politische Sprachkritik 161 9.1 Antifa-Sprachkritik 163 9.2 Ost-West-Kontraste in Deutschland 164 9.3 Semantische Kämpfe 165 9.4 Sprachplanung 167 9.5 Exempel: Zensur 168 9.6 Weiterführung, Aufgaben, Vertiefung 170 10 Sprachkritische Diskurse in der Gesellschaft 173 10.1 Hotwords 175 10.2 Rassismus 177 10.3 Political Correctness 179 10.4 Feministische Sprachkritik 182 10.5 Exempel: Rechtschreibreform 185 10.6 Weiterführung, Aufgaben, Vertiefung 18711 Der sprachkritisch gebildete Sprecher 191 11.1 Stilisiert werden 193 11.2 Sich selbst stilisieren 195 11.3 Identität: ich und wir 196 11.4 Sprachkritische Kompetenz 199 11.5 Exempel: Habitus des Sprachkritikers: Ein Selbstportrait 201 11.6 Weiterführung, Aufgaben, Vertiefung 203 12 Sprachkritik und Deutschunterricht 205 12.1 Was sagen die Lehrpläne? 207 12.2 Korrektur und Benotung 209 12.3 Von Gr zu A: Korrektheit und Stilnormen 211 12.4 Mehrsprachigkeit im Unterricht 213 12.5 Exempel: Klassiker light 215 12.6 Weiterführung, Aufgaben, Vertiefung 216 Nachweise und Literatur 220 Thematisches Register 225
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Ganz und gar nicht einverstanden ist Helmut Glück mit der "Sprachkritik" von Hans Jürgen Heringer und Rainer Wimmer. Dass sich die beiden Autoren auf die Linguistik konzentrieren und literarische Ästhetik oder Textverständlichkeit als Kriterien ablehnen, mag dem Rezensenten nicht einleuchten. Auch die Skepsis gegenüber den Normen der Standardsprache kann er nicht nachvollziehen: Woran sonst sollen sich Lehrer orientieren? Der allgemeine Sprachgebrauch, den die Autoren als Instanz ins Feld führen, hilft da kaum weiter. So gibt es von Glück eine "dringende Kaufwarnung" vor diesem Buch.

© Perlentaucher Medien GmbH
Besprechung von 09.10.2015
Dringende Kaufwarnung
Eine missglückte Einführung in die Sprachkritik

"Linguistik für Bachelor" heißt die Buchreihe, in der diese Einführung erschienen ist. Bereits hier beginnt das Problem. Müsste es nicht heißen "Linguistik für den Bachelor" oder "Linguistik für Bachelors"? Und richtet sich das Werk tatsächlich an fertige Bachelors? Nicht eher an Studierende, die einen solchen Abschluss anstreben? Doch, die sind gemeint, denn das Buch ist schnittig durchdidaktisiert. Jedes Kapitel beginnt mit einem Fallbeispiel, das "WarmUp und Reflexion" heißt. Dann wird das jeweilige Thema vorgetragen, danach kommen Aufgaben zum Üben, jedoch ohne Lösungsschlüssel. Was Sprachkritik sein soll und kann, erläutern die Autoren im ersten Kapitel am Beispiel von Gustav Wustmanns "Sprachdummheiten" (1891), Fritz Mauthners "Beiträgen zu einer Kritik der Sprache" (1901/1902) und der Werke unseres Zeitgenossen Bastian Sick. Karl Kraus wird immer wieder nachweislos zitiert.

Ein Kapitel ist sprachkritischen Schlagwörtern gewidmet. Dort geht es gegen die Puristen, gegen die Warner und Mahner vor dem Sprachverfall und gegen die Kritiker der Modewörter, der Klischees und der Phrasendrescherei, also um die herkömmlichen Themen der Sprachkritik. Hier bekommt Uwe Pörksen, der Autor von "Plastikwörter" (1988), sein Fett ab: er sei bloß ein "Halblinguist". Dann geht es gegen Autoren, die Textverständlichkeit für ein hohes Gut halten und deshalb das Deutsch der Verwaltung oder der Juristen kritisieren. Die Rechtschreibreform wird als Bagatelle abgetan, da sie nur Äußerlichkeiten betreffe; das ist mitnichten der Fall. Die feministische Sprachlenkung und das politisch korrekte Sprachpolizeiwesen werden vorgestellt und mit Stirnrunzeln bedacht. Schließlich modellieren die Autoren, beides notorische Volllinguisten, den "sprachkritisch gebildeten Sprecher", den sie durch ihr Buch erschaffen wollen. Am Ende geben sie Empfehlungen für einen sprachkritischen Deutschunterricht. Lehrern empfehlen sie, "nicht streng ihre Vorstellungen von Standard durchzusetzen" - was sollen sie denn sonst tun? Fehler in der Grammatik, der Wortwahl, der Zeichensetzung als Manifestation juveniler Kreativität stehenlassen?

Die Autoren stehen den Normen der Standardsprache skeptisch gegenüber. Für sie ist der allgemeine Sprachgebrauch die Instanz, an der Sprecher und Schreiber sich orientieren sollen. Sprachliche Korrektheit halten sie für einen Mythos, Geschmacksurteile für unzulässig, Freude an sprachlicher Schönheit für elitär. Das verkaufen sie als ein "modernes und haltbares Konzept von Sprache". Die Vorstellung, dass es gutes, weniger gutes und womöglich sogar miserables Deutsch gibt, ist ihnen suspekt. Der Duden-Band über die sprachlichen Zweifelsfälle, in dem die Normunsicherheiten und Probleme nachzulesen sind, an denen sich Sprachkritiker mit Recht abarbeiten, erscheint nicht einmal im Literaturverzeichnis. Literaturkritik lehnen die Autoren grundsätzlich ab, weil sie subjektiv sei. Handke, Fontane und Goethe lassen sie als Vorbilder gelten, ohne dass sie begründen, weshalb sie gerade diese drei gelten lassen. Der Textgattung der Rezension stehen sie kritisch gegenüber.

Wie wünschen sie sich Sprachkritik? Linguistisch fundiert muss sie sein, nicht ästhetisch oder stilistisch begründet, und keinesfalls von literarischem Geschmack kontaminiert. Die Maßstäbe sollen Linguisten ihres Zuschnitts setzen, nicht unkundige Laien. Die Sprachkritik hätte eine kompetentere Behandlung verdient, auch wenn das Buch nur "für Bachelor" ist.

HELMUT GLÜCK.

Hans Jürgen Heringer und Rainer Wimmer: "Sprachkritik". Eine Einführung.

Wilhelm Fink Verlag, Paderborn 2015. 226 S., br., 22,99 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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