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WARUM DIE WELT IN ANDEREN SPRACHEN ANDERS AUSSIEHT
Ich spreche Spanisch zu Gott, Italienisch zu den Frauen, Französisch zu den Männern und Deutsch zu meinem Pferd.» Was ist aus wissenschaftlicher Sicht dran an der Vermutung Karls V., dass verschiedene Sprachen nicht in allen Situationen gleich gut zu gebrauchen sind? Prägt die Sprache die Weltwahrnehmung oder umgekehrt? Und inwieweit sieht die Welt, wenn sie «durch die Brille» einer anderen Sprache gesehen wird, anders aus?
Wie Sprache und Wahrnehmung sich gegenseitig beeinflussen
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Produktbeschreibung
WARUM DIE WELT IN ANDEREN SPRACHEN ANDERS AUSSIEHT

Ich spreche Spanisch zu Gott, Italienisch zu den Frauen, Französisch zu den Männern und Deutsch zu meinem Pferd.» Was ist aus wissenschaftlicher Sicht dran an der Vermutung Karls V., dass verschiedene Sprachen nicht in allen Situationen gleich gut zu gebrauchen sind? Prägt die Sprache die Weltwahrnehmung oder umgekehrt? Und inwieweit sieht die Welt, wenn sie «durch die Brille» einer anderen Sprache gesehen wird, anders aus?

Wie Sprache und Wahrnehmung sich gegenseitig beeinflussen
Autorenporträt
Guy Deutscher ist in Tel Aviv aufgewachsen. Er hat in Cambridge Mathematik und Linguistik studiert und dann dort am St. John's College sowie an den Universitäten in Leiden und Manchester über Sprachstrukturen geforscht.
Rezensionen
"Guy Deutscher schreibt nicht nur verständlich, sondern auch äußerst amüsant."
Ulrich Greiner, DIE ZEIT

"Ein reines Lesevergnügen."
Sibylle Salewski, Deutschlandradio Kultur

"Guy Deutschers Buch gibt eine scharfsinnige, flott geschriebene, gut gelaunte und ausgesprochen spannend erzählte Antwort auf die Frage nach den Weltansichten: Sprache ist Denken, Sprachen 'denken' die Welt verschieden."
Jürgen Trabant, Süddeutsche Zeitung

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 02.10.2010

Erst Rot, dann Gelb, dann Grün und Blau

Wie wir im Haus der Sprachen wohnen: Guy Deutscher verfolgt den Weg einer berühmten These und gewinnt ihr am Ende noch etwas Überraschendes ab.

Von Helmut Mayer

Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt": Ein Satz, der selbst schwer von Bedeutung scheint. Obwohl er, möchte man ihn sich erklären, gleich wie eine Überschreitung der Grenzen wirkt, von denen er zu sprechen vorgibt. Wie immer man aber das Diktum letztlich einschätzt: An die Grenzen bestimmter Sprachen oder Sprachfamilien dürfte der junge Wittgenstein nicht gedacht haben, als er ihn gegen Ende des Ersten Weltkriegs in seinen berüchtigten "Logisch-philosophischen Abhandlung" einfügte. Eher an "die" Sprache, welche immer ich spreche. Wenn schon Metaphysik, dann eben richtig.

Doch nur kurze Zeit später schickten sich Linguisten in den Vereinigten Staaten an, mit den Grenzen der Sprache als Grenzziehungen für das Denken wissenschaftlich Ernst zu machen. Der linguistische Vergleich sollte zeigen, dass unterschiedlich aufgebaute Sprachen verschieden gedachte Welten für deren Sprecher hervorbringen müssen. Zumindest dann, wenn wirklich sehr unterschiedliche Sprachen ins Spiel kommen. Etwa im Vergleich von Sprachen der indoeuropäischen Familie zu den Sprachen amerikanischer Indianer, von deren Aufbau und Eigenarten man sich gerade erst staunend Rechenschaft gab. Was immer man bis dahin noch an Universalien, die schlichtweg für alle Sprachen gültig sein sollten, gerettet zu haben glaubte - die Sprachen der Navajo und Nootka und Hopi und vieler anderer ließen davon nichts übrig. Von den vertrauten Formen und Verkettungen der Nomina, Verben, Prädikate und anderer grammatischer Entitäten keine Spur, statt dessen denkbar exotisch anmutende Elemente und Konstruktionen, die nur einen Schluss nahezulegen schienen: dass die Gegenstände, Begebnisse und Handlungen in der Welt dieser Sprecher grundsätzlich verschieden sind von den uns geläufigen, dass ihre Welt und ihr Denken also anders strukturiert sein müssen.

Auf etwas vorsichtigere Weise hatte das Wilhelm von Humboldt bereits über hundert Jahre zuvor anklingen lassen, als er in Rom seine Schlüsse aus den Aufzeichnungen jesuitischer Missionare über süd- und mittelamerikanische Sprachen zog. Dass das Denken "nicht bloß abhängig von der Sprache überhaupt sei", so lautete seine Diagnose, "sondern bis auf einen gewissen Grad auch von jeder einzelnen bestimmten". Und er hatte dabei auch keine einschränkenden Grenzen im Sinn als vielmehr eine recht unbestimmt bleibende "innere Kraft", mit welcher die Sprache ihre Sprecher zur Formulierung von Ideen "anfuert und begeistert". Edward Sapir und sein Schüler Benjamin Whorf gingen aber ungleich entschiedener und selbstbewusster vor - und die nach ihnen benannte These von der Sprachabhängigkeit des Denkens und seines Weltzugangs griff in der intellektuellen Welt rasch um sich.

Wenn man im neuen Buch des Linguisten Guy Deutscher auf die Sapir-Whorf-These stößt, hat man bereits die Hälfte eines überaus anregenden Parcours absolviert, der durch die Geschichte des Nachdenkens über das Verhältnis von sprachlicher Organisation und Weltzugang führt. Wobei im ersten Teil die sinnliche Wahrnehmung der Welt im Vordergrund steht. Deutscher nimmt den Faden bei William Gladstone auf, der 1858 im dritten Band seiner ausladenden "Studies on Homer and the Homeric Age" ein Kapitel über die "Wahrnehmung und den Gebrauch der Farbe bei Homer" untergebracht hatte. Gladstone war aufgefallen, dass Homer sich auf verschiedene Farben mit ein und demselben Wort bezieht, für einen Gegenstand verschiedene Farbworte verwendet und überdies einen sehr reduzierten Farbwortschatz aufweist, in dem Schwarz und Weiß deutlich überwiegen, Rot immerhin vorkommt und auch korrekt verwendet wird, in dem hingegen das Blau des Himmels nicht zu finden ist.

Für Gladstone war das ein Beleg dafür, dass Homer und seine Zeitgenossen tatsächlich noch nicht die Farben gesehen hatten, die wir kennen, weil diese Fähigkeit sich bei unseren Vorfahren erst danach durch eine stetige "Erziehung des Auges" herausgebildet hätte - wozu auch das Herstellen von Farbstoffen gehörte, das zu Homers Zeiten noch kaum in Fahrt gekommen war. Nur wenige Jahre später stützte sich der Frankfurter jüdische Gelehrte Lazarus Geiger auf eine ungleich breitere Basis von Sprachstudien, um aus ihnen eine erstaunliche historische Entwicklung des Farbvokabulars abzuleiten: zuerst nur Schwarz und Weiß, dann Rot - so weit hatte Gladstone also an Homer richtig gesehen -, dann weiter entlang des Spektrums zu sukzessiven Erweiterungen mit Gelb, Grün und Blau.

Blieb die Frage, was das nun bedeutete: War es ausschließlich ein sprachgeschichtlicher Befund? Oder war es ein Hinweis auf eine tatsächliche Entwicklung des Auges und damit der Wahrnehmungsmöglichkeiten? Solange sich die Idee einer Vererbung erworbener Eigenschaften halten konnte - trotz und mit Darwin -, lag die Antwort vorn, die eine anatomische Entwicklung annahm. Aber dann kam die Ethnologie zum Zug, man sah sich selbst bei den "Wilden" um, die als Zeugen früherer Entwicklungsstufen galten. Und heraus kam dabei letztlich, dass sich das Farbvokabular zwar wirklich ungefähr in der von Geiger schon abgeleiteten Form entwickelt, die mit Sehtests geprüfte Farbwahrnehmung aber keinerlei Abweichungen zeigte. Es braucht kein Wort für Grün oder Blau, um entsprechend gefärbte Plättchen ganz richtig einzuordnen.

Naheliegend, dass nun im alten Spiel "Natur gegen Kultur" die Versuchung aufkam, ganz den kulturellen Prägekräften zuzuschreiben, wie das von allen gleich wahrgenommene Spektrum der Farben durch die verschiedenen Farbvokabulare unterschiedlich unterteilt wird - und zwar durchaus auch, wie sich zeigte, von bereits komplett ausgebildeten Vokabularen. Aber die Wahrheit liegt, wie der Autor dann schön vor Augen führt, dazwischen: Nur einige wenige Verfahren der Einteilung des sichtbaren Spektrums gemäß den Farbworten sind verwirklicht - womit eine natürliche Basis zu ihrem Recht kommt, in der sich bestimmte tiefliegende und in diesem Sinn natürliche Übereinstimmungen der Lebensform niederschlagen. Und sichtbar wird dabei im Rückblick erst, wie genial der Wink Gladstones mit der Farbenherstellung war: Denn die mittlerweile zweifelsfrei belegte schrittweise historische Erweiterung des Farbwortschatzes muss mit dessen Nutzen für die Lebensführung zusammenhängen.

Als die Lösung des linguistischen Farbenproblems etabliert wurde, war die Sapir-Whorf-These schon in sich zusammengefallen. Der Schluss von der Sprachorganisation auf verfügbare Spielräume des Denkens hatte sich als denkbar vorschnell erwiesen. Selbst wo die entprechenden Worte fehlen, ist es Sprechern nachweisbar immer möglich, sich die ihnen entprechenden Begriffe in anderen Sprachen anzueignen. Die tiefsitzende Steuerkraft der Sprache hatte sich als Illusion erwiesen - und Guy Deutscher weiß diesen Fall von spekulativen Höhen auf den Boden linguistischer Tatsachen ebenso lehrreich wie unterhaltsam darzustellen.

Und auch nicht ohne Sinn für Inszenierung. Denn die Demontage der Vorstellung, dass unterschiedliche Sprachen auf unterschiedliche Gedanken bringen, ist nur der Auftakt für den zweiten Teil des Buchs, in dem Deutscher zeigen möchte, dass an ihr doch etwas dran ist. Allerdings muss man dazu sehr viel kleinere Brötchen backen, als es Whorf tat - der übrigens, wie man erfährt, genau einen Informanten für die durch ihn berühmt gewordene Sprache der Hopi konsultiert hatte, und der saß in New York.

Der erste Schritt besteht im Übergang von der hochfliegenden These zu einer Beobachtung bescheideneren Zuschnitts: dass nämlich unterschiedliche Sprachen ihre Sprecher auf unterschiedliche Grade von Explizitheit bei der Angabe von Situationen, Handlungen oder Begebnissen verpflichten können. Ein naheliegendes Beispiel wäre etwa, dass ich im Englischen das Geschlecht eines Besuchers offenlassen kann - a friend of mine -, während mir das im Deutschen offensichtlich nicht ohne weiteres möglich ist. Aber im linguistischen Schatzhaus, das Deutscher zur Hand ist, lassen sich noch viel eindrucksvollere Beispiele finden, um solche Differenzen vor Augen zu rücken.

Die Verbformen der Matses etwa, eines Stammes im Regenwald von Peru, die man fast für eine Erfindung aus der gern mit fiktiven Exempeln operierenden Analytischen Philosophie halten möchte. Denn in dieser Sprache haben Verben nicht nur drei Vergangenheitsformen, sondern ihre Abwandlungen lassen überdies sofort erkennen, wie ein Sprecher zu den Informationen gekommen ist, die er mitteilt: ob aus eigener Anschauung, aufgrund einer Folgerung, eines Hinweises von anderen - und das Ganze noch versehen mit Markierungen, die das Zeitverhältnis von Erwerb der Information und mitgeteiltem Ereignis präzisieren. Andere Beispiele sind die durchgehenden Verwendungen von geographischen Koordinaten - nach Himmelsrichtungen oder hervorstechenden geographischen Eigenschaften des Lebensraums - für Ortsangaben statt unseres egozentrischen "Links-rechts-vorne-hinten"-Systems. Faszinierend vor allem auch deshalb, weil bei den Sprechern dieser Sprachen damit die Herausbildung eines Orientierungssystems einhergeht, dessen absolut sichere Anwendung für unsereinen schlicht rätselhaft ist.

Aber selbst anhand solcher schlagender Beispiele von Differenzen der Sprachorganisation, die offensichtlich mit unterschiedlichen Verhaltensformen einhergehen, lässt sich nicht einfach auf die verursachende Wirkung der Sprache für das Denken schließen. Es braucht vielmehr sehr gewitzt angelegte Experimente, um einer solchen Wirkung wirklich auf die Spur zu kommen. Fündig wird Deutscher zum einen bei Untersuchungen, die in den Blick nehmen, wie die Assoziationsspielräume von Sprechern affiziert werden, je nachdem ob ein Wort in ihrer Muttersprache männlichen oder weiblichen oder neutralen Geschlechts ist. Und der raffinierteste experimentelle Beleg - Kernspintomographie des Gehirns eingeschlossen - führt auf das Gebiet der Farben zurück: Er zeigt, dass die bei der Farbwahrnehmung definitiv ins Spiel kommende Sprachverarbeitung - entlang des verwendeten Farbvokabulars und der ihm zugrundeliegenden Aufteilung des Spektrums - tatsächlich einen Effekt bei der Unterscheidung von Farbnuancen zeitigt. Kein großer Effekt, sicherlich, aber der Leser - und die Leserin, wie man im Deutschen eben hinzufügen muss - hat da schon schätzen gelernt, statt der Taube auf dem Dach endlich den Spatz in der Hand zu halten. Und sie hat vor allem auf dem Weg dorthin eine Vielzahl von untechnisch dargestellten Einblicken in Aufbau und Entwicklung von Sprachen erhalten, samt aufschlussreichen Erkundungen des abwechslungsreiche Terrains links und rechts des linguistischen Hauptpfads - und unter der Führung eines exzellenten Erzählers obendrein.

Guy Deutscher: "Im Spiegel der Sprache". Warum die Welt in anderen Sprachen anders aussieht. Aus dem Englischen von Martin Pfeiffer. Verlag C. H. Beck, München 2010. 320 S., Abb., geb., 22,95 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 10.12.2012

Neues zu Sex
und Syntax
Sage mir, welche Sprache du sprichst, und ich sage dir, wie du die Welt siehst. Gewiss, der Zusammenhang ist ein wenig komplizierter, aber das Ausmaß, in dem die Muttersprache unsere Wahrnehmungen und Denkgewohnheiten, ja unsere gesamte kulturelle Sozialisation beeinflusst, wurde von Linguisten inzwischen hinreichend erforscht, um zu verblüffen und zu faszinieren.
  Der israelisch-englische Sprachwissenschaftler Guy Deutscher ist zuerst bekannt geworden durch das Buch „Du Jane, ich Goethe“, und nun erzählt er in seinem anschließenden Werk „Im Spiegel der Sprache“ die Geschichte dieser Forschungen, die sich wie der Bericht von einer spannenden, amüsanten Reise durch Epochen und Kulturen liest.
  Sie führt von William Gladstones aufsehenerregenden Thesen über das Farbvokabular Homers (konnten die alten Griechen kein Blau sehen?) bis zu allerneuesten Enthüllungen, „Sex und Syntax“ betreffend. Illustrationen und Bildtafeln erhöhen das Vergnügen an diesem Buch, ohne dass die wissenschaftliche Seriosität geschmälert würde.
KRISTINA MAIDT-ZINKE
    
Guy Deutscher:
Im Spiegel der Sprache. Aus dem Englischen von Martin Pfeiffer.
dtv, München 2012.
320 Seiten, 12,90 Euro.
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de

Perlentaucher-Notiz zur ZEIT-Rezension

Mit großem Vergnügen hat Ulrich Greiner diese Abhandlung Guy Deutschers gelesen, dem er bescheinigen kann, nicht nur für einen Linguisten ungeheuer unterhaltsam und kurzweilig zu schreiben. Deutscher untersucht, wie Sprache und Wahrnehmung sich gegenseitig beeinflussen, und Greiner hat in diesem Buch einige bemerkenswerte Beobachtungen gefunden. Greiner führt eine Reihe von sprachlichen Eigenheiten auf, etwa die deutsche Präzision oder grammatische Geschlechter. Interessant fand er auch das Beispiel der australischen Aborigines der Guugu Yimithirr, die nicht sagen können, dass jemand links oder rechts von ihnen steht, er steht östlich oder westlich, aber dafür verfügen sie über einen unschlagbaren Orientierungssinn. Gern gewusst hätten wir jetzt aber, welchen Unterschied es denn nun macht, ob eine männliche oder weibliche Sonne auf uns niederscheint.

© Perlentaucher Medien GmbH