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EdG - das intelligente Lehrbuch: zur Umweltgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts mit Forschungsdiskussion und systematisch geordneter Bibliographie Die Umweltgeschichte hat sich in den vergangenen Jahren zu einem boomenden Zweig der historischen Forschung gemausert. Frank Uekötter gibt einen breit gefächerten Überblick über den aktuellen Stand der Forschung und die laufenden Debatten. Er thematisiert die etablierten Forschungsfelder der Umweltgeschichte wie die Geschichte der Umweltbewegungen, der Umweltverschmutzung und der Energiewirtschaft, die Geschichte ökologischer Ideen sowie die…mehr

Produktbeschreibung
EdG - das intelligente Lehrbuch: zur Umweltgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts mit Forschungsdiskussion und systematisch geordneter Bibliographie
Die Umweltgeschichte hat sich in den vergangenen Jahren zu einem boomenden Zweig der historischen Forschung gemausert. Frank Uekötter gibt einen breit gefächerten Überblick über den aktuellen Stand der Forschung und die laufenden Debatten. Er thematisiert die etablierten Forschungsfelder der Umweltgeschichte wie die Geschichte der Umweltbewegungen, der Umweltverschmutzung und der Energiewirtschaft, die Geschichte ökologischer Ideen sowie die Wald- und Forstgeschichte, aber auch jüngere Trends wie die Umweltgeschichte der Landwirtschaft und die historische Katastrophenforschung. In bewährter Weise diskutiert er den aktuellen Stand der Forschung und die laufenden Debatten. Umfassend bezieht er dabei die außerdeutsche Literatur mit ein. Eine umfangreiche, thematisch gegliederte Bibliographie rundet den Band ab.
  • Produktdetails
  • Enzyklopädie Deutscher Geschichte (EDG) Bd.81
  • Verlag: Oldenbourg
  • Erscheinungstermin: Oktober 2007
  • Deutsch
  • Abmessung: 225mm x 144mm x 14mm
  • Gewicht: 200g
  • ISBN-13: 9783486576313
  • ISBN-10: 3486576313
  • Artikelnr.: 22911305
Autorenporträt
Frank Uekötter, geboren 1970, ist Dilthey-Fellow am Forschungsinstitut des Deutschen Museums in München.
Rezensionen
Besprechung von 25.02.2008
Gemischt aus Natur, Gefühl, Fabriken und Protest
Ein Forschungsbericht über die Geschichte der Sache und des Begriffs „Umwelt”
In der gegenwärtig verdüsterten Stimmung interessiert die Zukunft unserer Umwelt weit mehr als ihre Vergangenheit. Aber vielleicht lassen sich aus manchen Ereignissen der Umweltgeschichte Lehren für die Gegenwart und Zukunft ziehen. Es herrscht in der jungen Zunft der Umwelthistoriker zum Beispiel Uneinigkeit darüber, ob es um 1800 in Europa wirklich eine „Holznot” gab oder ob diese nur von Interessenten hochgeredet wurde, um die Preise anzuheizen oder neue Forstkonzepte durchzusetzen. Kaum bestritten wird, dass jedenfalls im Umkreis der großen Städte ein dramatischer Mangel an dem einzigen Brennstoff Holz herrschte und die nahegelegenen Wälder geplündert waren; sie hatten im Übrigen schon seit Jahrhunderten immer mehr Biomasse verloren, weil die Bauern Streu für die Ställe entnahmen und das Vieh zum Fressen in den Wald trieben. Auch hatten holzverschlingende Glashütten, Salzsiedereien, Holzkohlenmeiler und Metallhütten riesige Löcher in den Wald gerissen. Dies zur Erinnerung anlässlich der gegenwärtigen Lust an Holzpellets und holzgefeuerten Blockheizkraftwerken. Holz ist zwar ein nachwachsender Rohstoff, aber er wächst langsam und brennt schnell.
Die Umweltgeschichte enthält Lehren, welche die Umwelthistoriker allerdings nicht selbst ziehen; sie verhalten sich anwendungsneutral, wie es sich für Wissenschaftler gehört, die nur Tatsachen rekonstruieren. Den gegenwärtigen Stand der Erkenntnisse über die Entstehung dessen, was man seit einigen Jahrzehnten „Umwelt” nennt, hat Frank Uekötter vom Forschungsinstitut des Deutschen Museums in München für den Band 81 einer „Enzyklopädie deutscher Geschichte” zusammengetragen. Die Arbeit zeugt von bewunderungswürdigem Fleiß und großer Übersicht. Dabei sind die methodischen Probleme enorm, weil die Umwelt bekanntlich keine Grenzen hat; entsprechend schwer tut sich die Umweltgeschichtsforschung mit dem Abstecken von Bereichen oder dem Erkennen von Perioden, Schlüsselereignissen, Weichenstellungen und so weiter. Damit plagen sich schon die klassischen Historiker. Um wieviel schwerer müssen jene ringen, die das brodelnde Geschehen, das sich seit den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts um den Begriff Umwelt abspielt, zeitlich und sachlich zu ordnen versuchen.
Ein Verlegenheitsname
Uekötter grenzt den Überblick auf das 19. und 20. Jahrhundert ein, weil in diesem Zeitraum die großen Umwälzungen von der Bauernwelt zur Industriezivilisation stattfanden und sich zugleich der Widerstand dagegen formierte. Was in vorindustriellen Zeiten eine zwar von Menschen genutzte, auch geschädigte, aber erholungskräftige Natur aus dem Dreiklang Feld, Wald und Flur war, wurde mit Fabriken und Menschenmassen überzogen. Verstädterung, Versorgungsprobleme, Hygienefragen, Mobilität und ungezählte andere moderne Erscheinungen vermischten sich um 1900 – Uekötter nennt es eine „Sattelzeit” – zu einem zunächst namenlosen Konglomerat. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen Atomkraftwerke, Kläranlagen, Massentierhaltung und Verkehrsstau, aber auch Bürgerinitiativen, Grüne Parteien, die elektronische Revolution, Biokost und viele andere Elemente hinzu. Die undeutliche Sache, nicht mehr nur Natur, aber auch nicht das Ganze der Welt bekam den Verlegenheitsnamen „Umwelt”.
Der Autor schildert zunächst am Beispiel spezieller Untersuchungen sowie umfassender Theorien die Entwicklung vom gefühlsbetonten Naturschutz über das amtliche Regulierungshandeln bis zur heutigen ökologisch geprägten Umweltpolitik. Er bietet im zweiten Teil eine Sammlung von Büchern zu vielen Einzelthemen und ordnet sie systematisch nach Sachgebieten. Dabei ist seine Arbeitsweise klassisch akademisch: Was in Büchern steht, das gilt, ist Wissenschaft. Die Rolle der Medien beim Umweltalarm in den sechziger Jahren kommt dagegen nicht vor (Ausnahme: eine kurze Erwähnung der aufklärerischen Tierfilme von Sielmann, Grzimek und Stern).
Als Angehöriger des Jahrgangs 1970 lässt er die Umweltgeschichte der Bundesrepublik mit den siebziger Jahren beginnen, mit dem ersten Umweltprogramm aus dem Ministerium Genschers und der ersten UN-Umweltkonferenz in Stockholm im Jahr 1972; damit wurde die Umweltgeschichte für ihn sozusagen aktenkundig, und Akten sind nun einmal das Grundnahrungsmittel des Historikers. Zeitungsartikel, Fernsehreportagen oder Demonstrationen sind dagegen unzuverlässige Geschichtsquellen, mögen sie noch so viel Proteststimmung ausgelöst oder Revolutionen vorbereitet haben. Zeitzeugen erinnern sich noch der Bürgerinitiativen gegen Schaumberge und Fischsterben mit ihren anfangs hilflosen Fragen nach den Ursachen, bis man schließlich den Zusammenhang erfasste zwischen der privaten, porentiefen Sauberkeit dank einer aufblühenden Waschmittelchemie und dem öffentlichen Schmutz in Form vergifteter Flüsse und graubrauner Atemluft.
Immerhin rechnet Uekötter Rachel Carsons „Stummer Frühling” von 1962 und Herbert Gruhls „Ein Planet wird geplündert” von 1975 unter die gedruckten Quellen; das waren sozusagen Ruckbücher. Lewis Mumfords „Technics and Civilization” von 1934 erscheint dagegen unter der Rubrik Literatur. Aber solche fragwürdigen Zuordnungen sind wohl Ausdruck des vom Autor selbst wiederholt betonten „fragmentarischen Charakters der Forschungslandschaft”. Ähnlich wie sich die Umweltbewegung ständig wandle, trage auch die Umweltgeschichte Züge einer permanenten Revolution, und der Autor zitiert den australischen Geographen J. M. Powell: „Umweltgeschichte ist wie Belgien, sie beruht ausschließlich auf einer kollektiven Vorstellung der Beteiligten.”
Ätzender Spott
Diese angemessene Distanz zum eigenen Gegenstand erlaubt es dem Umwelthistoriker, bei aller wissenschaftlichen Seriosität locker zu schreiben. Das frischt den überwiegend trockenen Inhalt auf. So heißt es zum Beispiel über Probleme der Wasserverschmutzung im Kaiserreich: „Den übelsten Ruf besaßen die chemischen Fabriken, deren Abwässer sogar im Reichstag Gegenstand ätzenden Spotts wurden.” Solche Einheit von Stoff und Stil gelingt nicht immer. Insgesamt aber ist diese wissenschaftliche Zwischenbilanz der Entstehungsgeschichte unserer realphysischen Umgebung eine belehrende und an Überraschungen reiche Lektüre. Der Leser erfährt, was seine Vorfahren schon alles getrunken, verzehrt, eingeatmet und dennoch überstanden haben, was sie verursachten, erlitten, genossen, aber auch was sie dachten und fühlten. Und er versteht, wie das entstand, was auch ihn heute umgibt als - die Umwelt. CHRISTIAN SCHÜTZE
FRANK UEKÖTTER: Umweltgeschichte im 19. und 20. Jahrhundert. R. Oldenbourg Verlag, München 2007. 134 Seiten, 19,80 Euro.
Hier will man eingreifen! Auch die Erdkröte im nächtlichen Straßenverkehr gehört zur Umwelt. Foto: M.Hamblin/WILDLIFE
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Eine Dienstleistung der DIZ München GmbH
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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Mehr wünschen lässt sich schließlich immer, scheint Christian Schütze zu denken und gibt sich erst einmal zufrieden mit dieser, wie er es nennt, "Zwischenbilanz" der Umweltgeschichtsforschung von Frank Uekötter. Respektvoll sogar, angesichts der Grenzenlosigkeit der Umwelt, des Themas, konstatiert Schütze den Fleiß und die Übersicht des Autors bei der zeitlichen wie sachlichen Einordnung der relevanten Theorien und Ereignisse. Dass sich Uekötter dabei "klassisch akademisch" gibt und sowohl die Rolle der Medien als auch der Öffentlichkeit eher außer acht lässt, während er jede Menge Akten wälzt, findet Schütze bedauerlich. Schließlich, meint er, fand Umweltgeschichte seit den 70er Jahren auch auf der Straße statt. Frisch immerhin der Wind einer durch Distanz zu einem trockenen Thema gewonnenen "lockeren" Schreibe, lobt Schütze.

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