Die Frau mit dem Hund - Vanderbeke, Birgit
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Als Pola, die Frau mit dem Hund, eines Tages vor Jule Tenbrocks Wohnungstür im siebten Distrikt auftaucht, bringt sie neben Jules geordnetem Alltag vor allem ihre Seelenruhe aus dem Gleichgewicht. Denn Pola ist schwanger, und das ist in Jules Welt nicht vorgesehen. Aber vielleicht weiß ihr eigenwilliger Nachbar Timon Abramowski ja einen Ausweg.…mehr

Produktbeschreibung
Als Pola, die Frau mit dem Hund, eines Tages vor Jule Tenbrocks Wohnungstür im siebten Distrikt auftaucht, bringt sie neben Jules geordnetem Alltag vor allem ihre Seelenruhe aus dem Gleichgewicht. Denn Pola ist schwanger, und das ist in Jules Welt nicht vorgesehen. Aber vielleicht weiß ihr eigenwilliger Nachbar Timon Abramowski ja einen Ausweg.
  • Produktdetails
  • Piper Taschenbuch Bd.30404
  • Verlag: Piper
  • Seitenzahl: 148
  • Erscheinungstermin: 17. Februar 2014
  • Deutsch
  • Abmessung: 188mm x 120mm x 17mm
  • Gewicht: 154g
  • ISBN-13: 9783492304047
  • ISBN-10: 3492304044
  • Artikelnr.: 38109266
Autorenporträt
Vanderbeke, BirgitBirgit Vanderbeke, geboren 1956 im brandenburgischen Dahme, lebt im Süden Frankreichs. Ihr umfangreiches Werk wurde mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis und dem Kranichsteiner Literaturpreis. 2007 erhielt sie die Brüder-Grimm-Professur an der Kasseler Universität.
Rezensionen
"Sprachlich, ohne Schnörkel zeigt die Autorin auf, welche Macht dem Zauber der Sinne innewohnt (...).", Ostthüringer Zeitung, 22.06.2013

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 21.11.2012

KURZKRITIK
Bratkartoffelrevolte
Birgit Vanderbekes Roman „Die Frau mit dem Hund“
In unbestimmter Zukunft, nach Bürgerkrieg und Naturkatastrophen, regiert eine obskure „Stiftung“ das Land. Es herrscht eine Mischung aus Planwirtschaft und Spaßgesellschaft, Hygienewahn und sanftem Energiesparterror mit amerikanischen Lifestyle-Merkmalen. Dörfer und Fabriken sind abgeschafft zugunsten gigantischer Versorgungsanlagen und Forschungslaboratorien. In der Stadt, die in funktionsbezogene „Distrikte“ unterteilt ist, sind Haustiere verboten. Kinder werden kollektiv erzogen, die Menschen ernähren sich von zentral zubereiteten Fertiggerichten und fristen ihr Dasein zwischen ehrenamtlichen Tätigkeiten, organisierten Events und Spielshows, die ihnen Bonuspunkte eintragen.
  Indes scheint das System nicht totalitär zu sein, denn in einem Vorstadtgürtel, vom Volksmund „Detroit“ genannt, leben Außenseiter in Altbauten, kochen selber, halten Tiere, nehmen Drogen, pflanzen sich ungeregelt fort und gehen individuellen Hobbys nach. Eines Tages kommt eine hochschwangere Hundebesitzerin aus jener Problemzone in die Stadt und wirbelt das Leben mehrerer Menschen durcheinander – unter anderem mit der Zubereitung von Bratkartoffeln, die Birgit Vanderbeke in ihrem Kleinroman „Die Frau mit dem Hund“ zur Chiffre für unkontrollierbare Sinnlichkeit und Lebenslust stilisiert.
  Vor über 20 Jahren war es ein „Muschelessen“, das die Autorin bekannt machte: Die düstere Nachkriegsfamilien-Parabel dient längst als Schullektüre. Das aktuelle Werk wirkt, als habe Vanderbeke die entsprechende Verwendung gleich einkalkuliert und deshalb jedes sprachliche oder gedankliche Risiko vermieden. Abgesehen von der prinzipiellen Antiquiertheit aller Dystopien: Warum nicht einmal zurückrudern und die Gegenwart so schildern, als ob sie die Zukunft wäre? Eine derart harmlose Lektüre käme dabei garantiert nicht heraus.
KRISTINA MAIDT-ZINKE
  
Birgit Vanderbeke: Die Frau mit dem Hund. Roman. Piper Verlag, München 2012. 149 Seiten, 16,99 Euro.
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
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Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 01.12.2012

Der Große Bruder schlummert tief

Birgit Vanderbeke versucht sich in "Die Frau mit dem Hund" an einer Dystopie. Aber heraus kommt die Geschichte einer ganz gewöhnlichen Liebe.

Von Rose-Maria Gropp

Im "siebten Distrikt" ist alles geregelt. Die Menschen, die dort leben, sind durch perfekte Hygiene geschützt vor Epidemien, wie sie vor nicht allzu langer Zeit die Erde heimgesucht haben. Es gibt keine Energieverschwendung, weder Herde noch Kühlschränke, niemand kocht mehr, das Essen bekommt man gegen Bonuspunkte in "Boxen", der Fertigfraß wird in der Mikrowelle aufgewärmt. Es gibt keine Hunde, keine Katzen und keine Kinder. Haustiere sind ausgerottet, ihr Geruch allein erzeugt gelinde Panik, die Kinder, wofern sie überhaupt noch vorkommen, werden mit ihren Müttern im elften Distrikt versorgt. Die "Stiftung" kümmert sich um sämtliche Belange - eine anonyme Instanz, die mit Spielshows, die über die "Konsole" in jeder Wohnung empfangen werden, und mit nostalgischen Veranstaltungen wie zum Beispiel einem Oktoberfest die Leute bei Laune hält.

Das ist ein totalitäres Modell, es ließe sich eine Dystopie nennen, in der Nachfolge berühmter Entwürfe, allen voran Aldous Huxleys "Brave New World", vollkommen auf Konsum eingestellt, allerdings ohne die Komponente gesteuerter Sexualität. So richtet sich das Begehren von Jule Tenbrock, die im siebten Distrikt in einer Wäscherei arbeitet, vor allem auf den Erwerb eines Ess-Services "mit Klatschmohndekor" aus unzerbrechlicher "Luminose". Doch es gibt auch ein "Draußen", außerhalb des großen Zauns, das "Detroit" heißt. Und in verlassenen Villensiedlungen, Wäldern und auf Feldern spielt sich das Leben jener ausgesperrten Leute ab, die ihre Häuser verlassen mussten, weil ihre Ortschaften von der Stiftung "vom Netz genommen" wurden.

So weit, so gut - oder eher so schlecht. Denn Birgit Vanderbeke, die in ihrem neuen Kurzroman "Die Frau mit dem Hund" ebenjene junge Frau in das keim- und geruchsgesäuberte Getto schickt, kann mit dem von ihr selbst erdachten, an sich vielversprechenden Szenario einer unbestimmt nahen Zukunft nichts anfangen. Sie lässt es zur Kulisse für ein misslungenes Märchen, ganz wörtlich, verkommen. Ihre schwangere Heldin Pola Nogueira kauert eines Abends, zusammen mit ihrer Hündin Zsazsa in einen übergroßen grauen Mantel gewickelt, vor Jule Tenbrocks Wohnungstür im obersten Stockwerk: "Oben schaute jetzt ein ungekämmter Kopf mit schwarzen Haaren aus dem Bündel heraus und sagte, 'tschuldigung, aber ich weiß nicht, wo ich hin soll." Jeder Leser ahnt von dieser Seite 8 des Buchs an, dass Pola und Zsazsa ihr Glück machen werden auf den folgenden knapp 140 Seiten. Und dass natürlich auch auf Jule diese unwiderstehliche Kraft der reinen Natur abstrahlen wird, irgendwie, gegen die sie zunächst ihr mit Pheromonen angereichertes Raumspray "Vaporix" einsetzt.

Was Wunder also, dass nebenan unterm Dach ein zartbesaiteter junger Mann mit dem schönen Namen Timon Abramowski wohnt, dessen frühe Jugend vom Kino seines Großvaters "draußen" geprägt war, den Filmen aus heroischer Zeit, als zum Beispiel eine Audrey Hepburn in "Frühstück bei Tiffany" noch mit der langen Zigarettenspitze rauchen und ihren verlorenen Kater am Ende aus New Yorks Sperrmüll holen durfte. Natürlich erhalten Pola und Zsazsa Asyl bei Timon, gegen alle Vorschriften. Allerdings verstößt die Autorin damit gegen jede Logik, die das Konstrukt einer perfekten Reglementierung erfordern würde, denn im siebten Bezirk ist Kontrolle offenbar völlig abwesend. Die Überwachungsorgane der Stiftung scheinen von der Qualität eines eingeschlafenen big brother zu sein.

So kann Pola mit Zsazsa immer wieder auf nächtlichen Streifzügen Nahrung und Kleidung aus den Abfällen des Tages beschaffen, und Mann, Frau und Hund können durch den Zaun nach draußen schlüpfen, um sich mit dahinter gefundenen Sachen ein "Nest" auf dem Dachboden im siebten Bezirk einzurichten, in dem sie kochen, braten, in Blumentöpfen Keime züchten oder teures Geschirr anhäufen. Alles selbstredend sehr keusch.

Kein gutes Stück Literatur muss sich ganz erklären, im Gegenteil, soll es gar nicht. Aber es ist schon eine schlimme Schmonzette, wenn ein Roman alle Plausibilität - die geographische wie die gefühlte - außen vor lässt und wenn jenes verkommene "Detroit" bei Vanderbeke gewissermaßen direkt nebenan bei verlassenen urdeutschen Orten liegen muss, aus denen ihr Personal, eingeboren oder zugewandert, stammt. Wo kommen diese Leute denn überhaupt her? Auf welchen Wegen gelangen sie in die "Stadt" mit ihren Bezirken?

Das spielt so wenig eine Rolle wie die Frage, was diese ganze, arg in die Länge gezogene Geschichte denn überhaupt sagen will. Womöglich ist es das, was als letzter Satz des Buchs durchs beinah geläuterte Hirn von Jule Tenbrock rauscht: "Das wüsste ich aber doch jetzt gern, ob das möglich wäre: Liebe ganz ohne Gefahr." Die Antwort ist ein klares: Jein. Das allerdings ist bekannt.

Wie in einem Mixer - einem der stromfressenden Geräte, die von der "Stiftung" abgeschafft sind - verarbeitet Birgit Vanderbeke ihre weiträumig kulturkritischen Versatzschnitze zu einer Brühe, die vor lauter Moral ganz dickflüssig ist: wider die verfehlte Existenz in der Entfremdung von den Früchten der Erde, für die Nähe im Zusammensein mit Tieren und Geliebten, wider Duftsprays und für die zwischenmenschliche Wärme in der Überzivilisation. Und dann wäre da noch die Erkenntnis, dass eine gefährdete, vermutlich auch das noch: geschändete, junge Frau, steckt sie sich nur zum Tanzen einen glitzernden Kamm ins volle Haar, wie Audrey Hepburn aussehen kann, oder so ähnlich.

Birgit Vanderbeke, "Die Frau mit dem Hund". Roman.

Piper Verlag, München 2012. 160 S., geb., 16,99 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Mit Birgit Vanderbekes neuem Roman "Die Frau mit dem Hund" geht Rezensentin Rose-Marie Gropp hart ins Gericht. Dabei, so die Kritikerin, hatte sich Vanderbeke mit ihrer an Huxleys "Brave New World" erinnernden Dystopie so viel vorgenommen: Gropp liest hier den Entwurf einer nahen Zukunft, in der eine anonyme "Stiftung" für ein keimfreies Leben sorgt, in dem das Essen nur noch in Boxen geliefert wird, Haustiere und auch Kinder weitgehend verbannt sind und zur Unterhaltung Spielshows in jeder Wohnung empfangen werden können. Nach nur acht Seiten gerate der kurze, aber doch zu sehr in die Länge gezogene Roman bereits zur "Schmonzette", stellt die Rezensentin ernüchtert fest: Aus dem verkommenen und noch nicht entkeimten "Detroit" dringt die schwangere Pola mit ihrem Hund Zsazsa in die überwachte Siedlung, findet Asyl und Zuneigung bei dem sensiblen Timon und erlebt mit ihm bei nächtlichen Streifzügen durch die Wildnis von "Detroit" fortan die Freiheit. Die Kritikerin ärgert sich über den moralinsauren Ton und fragt sich außerdem, was Vanderbeke ihr eigentlich sagen will.

© Perlentaucher Medien GmbH