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Im dreißigsten Jahr der Maueröffnung ist die Erfahrung der Wiedervereinigung in Ost und West noch immer eine völlig andere. Empowerment Ost beschreibt die Revolution von 1989/90 als eine radikale Demokratieerfahrung - der Ostdeutschen. Ein Vorläufer des politischen Aktivismus von heute, vom Arabischen Frühling über Occupy Wallstreet bis zu Fridays for Future.Sind die Ostdeutschen undankbar? Sehen ihre Städte heute nicht schöner aus als vor dreißig Jahren? Was ist aus den »Jammer-Ossis« geworden? Und woher kommt noch immer die Rede von »ostdeutschen Demokratiedefiziten« oder einer…mehr

Produktbeschreibung
Im dreißigsten Jahr der Maueröffnung ist die Erfahrung der Wiedervereinigung in Ost und West noch immer eine völlig andere. Empowerment Ost beschreibt die Revolution von 1989/90 als eine radikale Demokratieerfahrung - der Ostdeutschen. Ein Vorläufer des politischen Aktivismus von heute, vom Arabischen Frühling über Occupy Wallstreet bis zu Fridays for Future.Sind die Ostdeutschen undankbar? Sehen ihre Städte heute nicht schöner aus als vor dreißig Jahren? Was ist aus den »Jammer-Ossis« geworden? Und woher kommt noch immer die Rede von »ostdeutschen Demokratiedefiziten« oder einer »alternativlosen« Politik der Treuhand? Thomas Oberender legt die verblüffende Andersartigkeit der Wahrnehmung unserer jüngeren Geschichte in Ost und Westdeutschland offen. Er analysiert den sogenannten »Aufbau Ost« und beschreibt die Revolution der ostdeutschen Bürgerbewegung als eine radikale Demokratieerfahrung, frappierend visionär und realistisch zugleich. Ein Vorläufer des politischen Aktivismus von heute. Empowerment Ost ist ein Kompass für eine Wiedervereinigung auf Augenhöhe und ein begeisternder Aufruf für die Möglichkeit einer anderen Zivilgesellschaft.
  • Produktdetails
  • Verlag: Tropen
  • Erscheinungstermin: 25. Juli 2020
  • Deutsch
  • Abmessung: 172mm x 108mm x 17mm
  • Gewicht: 130g
  • ISBN-13: 9783608504705
  • ISBN-10: 3608504702
  • Artikelnr.: 59137662
Autorenporträt
Thomas Oberender, geboren 1966, studierte Theaterwissenschaft und Szenisches Schreiben in Berlin. Freiberufl ich tätig als Dramatiker, Kritiker, Essayist und Publizist. Seit 2012 Intendant der Berliner Festspiele und Künstlerischer Leiter der Programmreihe Immersion. Zuletzt erschienen: Leben auf Probe (2009) und Haupteingang oder Nebeneingang (2015).
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Gerecht und doch beherrscht findet Rezensent Cornelius Pollmer die Wut, mit der Thomas Oberender schreibt. Der Intendant der Berliner Festspiele, 1966 in Jena geboren, hatte eigentlich gedacht, dass innerdeutsche Auseinandersetzungen erschöpft seien, doch in Griechenland habe ihn wieder die "koloniale Matrix der Macht" getroffen: So wie die Troika in Griechenland wütete, so hatte zuvor die Treuhand Ostdeutschland verheert: Und dann über den Undank jammern, wenn man ihnen so viel Geld gegeben hat! Klar, das ist ein bisschen drastisch, räumt der Rezensent ein, aber nicht ganz falsch. Auch was Oberender über ahistorische Ostidentität oder die festgefügten Meinungslager nachdenkt, folgt ihm Pollmer mit Interesse.

© Perlentaucher Medien GmbH

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 21.09.2020

Für eine
Handvoll D-Mark
Thomas Oberender blickt auf die Deutsche Einheit
Es ist kein Zufall, dass dieses Buch über Ostdeutschland auf einen Abend in Griechenland zurückgeht. Kein Zufall, dass Thomas Oberender bei seinem Vortrag in Platons Garten Akademeia feststellt, die Gestaltung der deutschen Wiedervereinigung sei in gewisser Hinsicht „eine Blaupause dafür, wie die Europäische Union Griechenland geholfen hat. Die Troika und die Treuhand prägt der gleiche Geist“. Kein Zufall, dass der 1966 in Jena geborene Oberender – Autor, Kurator und Intendant der Berliner Festspiele – in diesem Vergleich überdies einen „erlebten Undank“ thematisiert: „Wie kommt das nur, dass uns die Griechen nicht mögen, obwohl wir ihnen so viel Geld geben, so viel Geld!“
„Empowerment Ost“ heißt dieser Beitrag Oberenders, er ist vor allem ein Aufruf an die, wenn man so will, eigenen Leute, sich skeptisch und selbstbewusst mit Prozessen des deutsch-deutschen Zusammenwachsens auseinanderzusetzen und mehr noch mit dem, was daraus folgt für die Gegenwart und für die Zukunft. Bis vor fünf Jahren, schreibt Oberender, habe er keinen Grund gesehen, sich noch einmal mit der DDR und ihrer Abwicklung zu befassen. Dass er dies jetzt getan hat, ist ein Gewinn für all jene, die die führenden Meinungslager zum Thema Innerdeutschland aus gewiss sehr unterschiedlichen Gründen alle ein bisschen doof finden.
Als fast verblendet darf einem inzwischen die Jetzt-ist-aber-mal-gut-Gruppe erscheinen, die alle historischen Gemeinheiten und alle gegenwärtigen Unterschiede gerne ignorieren möchte und überdies findet, der Osten habe längst genug Airtime bekommen fürs Hetzen und Pöbeln und für das Lecken eigener Wunden. Von dieser Airtime gehen eklatante Unterschiede nicht weg, diese zu thematisieren kann immer nur der Anfang an. Mindestens ahistorisch wiederum darf einem manche ostdeutsche Identitätsmodeerscheinung vorkommen. Deren sprechende und schreibende Protagonisten überbetonen ihre innerdeutsche Andersartigkeit nicht zuletzt deswegen mutwillig, weil derlei in der Aufmerksamkeitsökonomie mit Endlich-twittert’s-mal-einer-Likes und hellem Studiolicht belohnt wird.
Oberenders Sicht liegt dazwischen. Er beschreibt drastisch, aber nicht unzutreffend „die koloniale Matrix der Macht“ des alten Westens und er bedauert eine Verdrängung selbst „des kulturellen Ostens aus dem Osten“, die heute so gravierende Folgen hat, dass dieser Osten eben nicht auf den Schlussstrich gehen sollte für ein paar D-Mark fuffzich, davon kann sich nämlich niemand etwas kaufen. Gleichzeitig aber ist Oberender offen für und interessiert an neuen Bewegungen wie der Gruppe „Aufbruch Ost“, weist jedoch darauf hin, dass Identität mehr umfassen sollte als einen Bezug zu regionaler Herkunft.
Wenn das Buch nun doch ein wenig hinter dem zurückbleibt, was sein Titel verspricht, dann weil das Raunen der Unterzeile „wie wir zusammen wachsen“ kaum eingelöst wird. Thomas Oberender schreibt mit gerechter und beherrschter Wut sehr viel über damals – konkretere Ideen zur gesellschaftlichen Zukunft als die erloschene Vokabel der „Augenhöhe“ hat er leider nicht.
CORNELIUS POLLMER
Das Raunen der Unterzeile
„Wie wir zusammen wachsen“
wird leider nicht eingelöst
Thomas Oberender:
Empowerment Ost.
Wie wir zusammen
wachsen. Tropen-Verlag,
Stuttgart 2020.
112 Seiten, 12 Euro.
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
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»Oberender legt die verblüffende Andersartigkeit der Wahrnehmung unserer jüngeren Geschichte in Ost- und Westdeutschland offen. Er analysiert den sogenannten Aufbau Ost und beschreibt die Revolution der ostdeutschen Bürgerbewegung als eine radikale Demokratieerfahrung, visionär und realistisch zugleich. «Heribert Vogt, Rhein Neckar Zeitung, 07.09.2020