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Inwieweit wurde von den Deutschen die "Stunde Null" als Möglichkeit für einen tiefgreifenden moralischen Wandel genutzt - oder überlagerte bald das Wirtschaftswunder nach entbehrungsreicher Trümmerzeit und der von den Siegern auferlegten Umerziehung die Bereitschaft, Trauerarbeit über die Verbrechen der Nationalsozialisten zu leisten? Ist die sogenannte Berliner Republik die Krönung einer steten demokratischen Entwicklung oder nur eine postmoderne Abweichung in skandalöse Beliebigkeit, unter Verlust utopischen Denkens? Zwischen dem 8. Mai 1945, an dem das Dritte Reich mit der bedingungslosen…mehr

Produktbeschreibung
Inwieweit wurde von den Deutschen die "Stunde Null" als Möglichkeit für einen tiefgreifenden moralischen Wandel genutzt - oder überlagerte bald das Wirtschaftswunder nach entbehrungsreicher Trümmerzeit und der von den Siegern auferlegten Umerziehung die Bereitschaft, Trauerarbeit über die Verbrechen der Nationalsozialisten zu leisten? Ist die sogenannte Berliner Republik die Krönung einer steten demokratischen Entwicklung oder nur eine postmoderne Abweichung in skandalöse Beliebigkeit, unter Verlust utopischen Denkens? Zwischen dem 8. Mai 1945, an dem das Dritte Reich mit der bedingungslosen Kapitulation seiner Wehrmacht zusammenbrach, und dem durch "neue Unübersichtlichkeit" geprägten Beginn des 21. Jahrhunderts spannt sich der Bogen der vorliegenden Kulturgeschichte. In zehn Kapiteln erzählt der Autor, wie die Bundesrepublik Deutschland, die Deutsche Demokratische Republik und schließlich das vereinigte Deutschland Gestalt annahmen - zehn Geschichten über Höhen und Tiefen, über
Abgründe und die "Mühen der Ebenen", über Kahlschläge und grünende Hoffnungsfelder. Diese spannende wie unterhaltsame west-östliche Erzählung beschreibt und interpretiert die deutschen Kulturlandschaft(en) eines halben Jahrhunderts mit all ihren konkreten Erscheinungen: von der Philosophie bis zur Mode, von der Politik bis zur Warenwelt, von der Architektur bis zu Literatur, Musik, Theater und Kunst.
  • Produktdetails
  • Fischer Taschenbücher Bd.15730
  • Verlag: Fischer Taschenbuch
  • Durchges. Ausg.
  • Seitenzahl: 335
  • Erscheinungstermin: 1. Dezember 2007
  • Deutsch
  • Abmessung: 192mm x 124mm x 22mm
  • Gewicht: 246g
  • ISBN-13: 9783596157303
  • ISBN-10: 3596157307
  • Artikelnr.: 22812138
Autorenporträt
Glaser, Hermann
Hermann Glaser, geboren 1928, Dr. phil., war mehr als ein Vierteljahrhundert - bis 1990 - Kulturdezernent der Stadt Nürnberg. Er war einer der maßstabsetzenden Kulturwissenschaftler in Deutschland und u.a. Honorarprofessor für Kulturvermittlung an der TU Berlin. Bei S. Fischer und im Fischer Taschenbuch Verlag erschienen von ihm zahlreiche Werke, u.a. "1945 - Beginn einer Zukunft". 2018 verstarb Hermann Glaser im Alter von 89 Jahren.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 12.03.2004

Gegenwart nicht ohne Zukunft
Hermann Glaser stellt seine "Kleine deutsche Kulturgeschichte" vor

Als Autor umfassender Werke zur Kulturgeschichte Deutschlands, etwa der dreibändigen "Kulturgeschichte der Bundesrepublik Deutschland 1945 bis 1989", hat sich Hermann Glaser einen Namen gemacht. 1928 geboren, ist er selbst ein Teil dieser Geschichte und hat sie als Kulturdezernent seiner Heimatstadt Nürnberg mehr als 25 Jahre lang mitgestaltet. Das mag die eigene Position und die theoretischen Prämissen beeinflußt haben bei dem schwierigen Unternehmen, ästhetische, politische und soziale Phänomene zu einem Kontinuum zusammenzufassen, das notwendigerweise immer unvollständig, subjektiv und angreifbar bleiben muß. Auf die Wechselwirkung zwischen Unterbau und Überbau, zwischen Anschauung und Idee komme es ihm an, erklärte er bei der Vorstellung seiner jüngst erschienenen "Kleinen deutschen Kulturgeschichte" im S. Fischer Verlag. Unter der Fragestellung, ob die "Stunde Null" als Möglichkeit für einen tiefgreifenden moralischen Wandel genutzt worden sei, behandelt er die "drei Republiken", die sich nach 1945 gebildet haben: die Bundesrepublik von 1949 bis 1989, die DDR und die "Berliner Republik" seit 1990.

Wenn sich allerdings nach dem ersten vorgelesenen "Häppchen" bereits das Gefühl des Überbordenden einstellt - es geht um den tonal vermittelten "American Way of Life" und das durch den Jazz vermittelte "rhapsodische Gefühl des Befreitseins" in der unmittelbaren Nachkriegszeit -, so vermag der jetzige Professor für Kulturvermittlung an der TU Berlin im Gespräch mit seinem Lektor Walter Pehle noch zitatsicher eins draufzusetzen. Das Anekdotische, das seine narrative Geschichtsauffassung bestimmt - nicht ohne Grund wird sein neuestes Werk im Untertitel als "eine west-östliche Erzählung" angekündigt -, ist breit gefächert. Die gegen die gutbürgerliche Eiche aufbegehrende Ikea-Einrichtung spiegelt da genauso den Überbau wie der Skandal, den jene Abgeordnete verursachte, die 1968 erstmals im Hosenanzug den Bundestag betrat. Die Frage der moralischen Erneuerung freilich setzt für Glaser viel früher an, bei der "Stunde Null", die nach der notwendigen Katharsis auf geistiger Ebene ein "subjektives Gefühl des Neubeginns" ausgelöst habe, auch eine Rückbesinnung auf jene Quellen, die durch die NS-Kultur nicht pervertiert worden seien.

Dann allerdings, es geht auf die sechziger Jahre zu, spricht vor allem der einstige Kulturpolitiker. Der die erstarrten Verhältnisse "zum Tanzen" bringen, ideologische Krusten, die Trennung zwischen Kultur und Gesellschaft, Kultur und Politik aufbrechen will. Und der die heutige Kulturpolitik auf einem Tiefstand angekommen sieht. Parteipolitische Strategien des Machterhalts ersetzten inzwischen die postmoderne Offenheit, die noch die Anfänge des Umzugs nach Berlin bestimmt hätten, klagt er, der zuvor noch mit Ernst Bloch daran erinnerte, man dürfe das Gegenwärtige nicht ohne das Zukünftige denken. Und man ist nicht erstaunt, daß Glaser Camus' "Mythos von Sisyphos" als das Werk angibt, das ihn am meisten beeinflußt habe. "Tu was", sei die Botschaft des Mythos, "auch auf die Gefahr hin, daß dein Tun vergeblich ist." Eine Botschaft, die wohl gleichermaßen für den Kulturwissenschaftler wie für den Kulturpolitiker gilt.

KRISTINA MICHAELIS

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur ZEIT-Rezension

Axel Schmidt stellt Hermann Glaser als Verfasser einer dreibändigen "Kulturgeschichte der Bundesrepublik" vor, betont aber, dass die vorliegende "Kleine deutsche Kulturgeschichte" keineswegs ein "Kondensat" dieses Werkes ist, wie man annehmen könnte. Glaser hat diesen Band über die deutsche "Kulturlandschaft", vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis zur Gegenwart nämlich nicht nur um die Perspektive auf die Sowjetisch Besetzte Zone und die DDR erweitert, sondern auch seine Ausführungen in geschlossene Geschichten gegliedert, erklärt der Rezensent. Als "Glanzstück" des Bandes lobt er das erste Kapitel, in dem es um den kulturellen Neuanfang nach 1945 geht. Allerdings findet er, die "Metaphorik der "Stunde Null" werde von Glaser etwas zu stark betont, während die kulturellen "Kontinuitäten" aus der Zeit vor Kriegsende weitgehend ignoriert würden. Vom dritten Kapitel, in dem der Autor vergleichende Blicke auf die ost- und die westdeutsche Gesellschaft wirft, ist der Rezensenten weniger überzeugt. Hier, meint Schmidt, zeigt sich doch sehr deutlich, "wie fremd" dem Autor ostdeutsche Kultur bleibt. Außerdem stört ihn, wie "trocken" Glaser die Politik der Zeit referiert. Auch die "ausführlichen" Zusammenfassungen und Zitate der Literatur sind ihm zu viel. Doch alles in allem ein Buch, dass Appetit auf eine eingehendere "Beschäftigung mit der deutschen Kulturlandschaft" macht, lobt der Rezensent ganz zufrieden und verweist auf die ausführliche Literaturliste zum Weiterlesen.

© Perlentaucher Medien GmbH
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