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Eine Abenteuerreise durch die Menschheitsgeschichte der Neugierde - mit Alberto Manguel Der Bestsellerautor Alberto Manguel ist der Leser unserer Zeit, ein Gelehrter und Geschichtenerzähler. Was ihn antreibt, ist die Neugierde, die seit jeher Quell des Fortschritts, der Kunst und des Scheiterns ist. Nun geht er dieser selbst auf den Grund und entführt seine Leser auf eine überraschende Reise durch die Geschichte der Neugierde. Seine Wegbegleiter sind die großen Denker, von Dante über David Hume, Rachel Carson und Lewis Carroll bis Sokrates.
Auf den Spuren der größten Literaten und
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Produktbeschreibung
Eine Abenteuerreise durch die Menschheitsgeschichte der Neugierde - mit Alberto Manguel
Der Bestsellerautor Alberto Manguel ist der Leser unserer Zeit, ein Gelehrter und Geschichtenerzähler. Was ihn antreibt, ist die Neugierde, die seit jeher Quell des Fortschritts, der Kunst und des Scheiterns ist. Nun geht er dieser selbst auf den Grund und entführt seine Leser auf eine überraschende Reise durch die Geschichte der Neugierde. Seine Wegbegleiter sind die großen Denker, von Dante über David Hume, Rachel Carson und Lewis Carroll bis Sokrates.

Auf den Spuren der größten Literaten und Philosophen der Menschheitsgeschichte entwirft er ein Panorama der Kunst des Fragens und erzählt mit viel Witz und Verstand, warum Weisheit nicht in den Antworten, sondern in den Fragen liegt. Manguel stellt sie den Büchern seines Herzens, die großen und die kleinen Fragen, und wo er keine Antwort findet, so doch immer eine bessere Frage.

Alberto Manguels bisher persönlichstes Buch ist eine vielseitige Geschichte der menschlichen Neugierde, ein großes Fest der Ideen und der eigenen Vorstellungskraft und die Lebenserinnerung eines international gefeierten Romanciers, Kritikers und Übersetzers.
  • Produktdetails
  • Verlag: S. Fischer
  • Originaltitel: The natural history of curiosity
  • Artikelnr. des Verlages: 1015501
  • Seitenzahl: 527
  • Erscheinungstermin: 23. Juni 2016
  • Deutsch
  • Abmessung: 211mm x 130mm x 43mm
  • Gewicht: 614g
  • ISBN-13: 9783100487582
  • ISBN-10: 3100487583
  • Artikelnr.: 43998157
Autorenporträt
Manguel, Alberto
Alberto Manguel, 1948 in Buenos Aires geboren, wuchs in Israel und Argentinien auf und ist kanadischer Staatsbürger. In mehreren Sprachen zu Hause, wirkte er u. a. in Buenos Aires, Paris, Mailand, London und Toronto als Verlagslektor, Literaturdozent und Übersetzer. Sein in alle Weltsprachen übersetztes Buch 'Eine Geschichte des Lesens' wurde 1998 mit dem Prix Medicis ausgezeichnet. Zuletzt erschienen die zwei Kurzromane 'Zwei Liebhaber des Schattens' (2013). Im Fischer Taschenbuch lieferbar: 'Tagebuch eines Lesers' (Bd. 15943), 'Die Bibliothek bei Nacht' (Bd. 15944), 'Im Siebten Kreis' (Bd. 17514), 'Eine Geschichte des Lesens' (Bd.17515), 'Eine Stadt aus Worten' (Bd. 18429).
Rezensionen

buecher-magazin.de - Rezension
buecher-magazin.de

Hier sinniert der Kosmopolit Alberto Manguel über die Neugierde als urmenschliche Eigenschaft, die Wurzel allen Denkens und Erkennens. Klingt etwas trocken, liest sich aber wie ein lebhaftes Gespräch, ohne arrogante Gelehrtenattitüde. Manguel hat nie ein akademisches Studium abgeschlossen, ist dennoch hochgebildet und mehrsprachig aufgewachsen: In Argentinien geboren, verbrachte er einen Teil seiner Kindheit in Israel und lernte neben Spanisch auch Englisch und Deutsch. Heute lebt er als Schriftsteller in Kanada. Zwei Leitfäden begleiten diese Kulturgeschichte der Neugierde: Zu Beginn eines jeden Kapitels beschreibt der Autor Erlebnisse aus seiner Kindheit in Buenos Aires, Tel Aviv und anderen Ländern, die sein Denken, Fühlen und Handeln geprägt haben. Zudem dient die Lektüre von Dantes "Göttlicher Komödie" als Inspiration. Und so regt Manguel auch den Leser dazu an, neugierig zu sein, Dinge zu erforschen. Er ermutigt auch dazu, Fehler zu machen und widmet natürlich einige Kapitel auch der dunklen Seite der Neugierde: Was ist das verbotene Wissen, das in unserer abendländisch-christlichen Kultur heftig bekämpft worden ist, gibt es heute noch Tabus für unsere Neugierde?

© BÜCHERmagazin, Nicole Trötzer

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Augustinus' Aufforderung die sündige Neugier zu züchtigen, kann Manfred Koch nicht Folge leisten, zu gespannt macht ihn Alberto Manguels neues Buch, das eine "Geschichte der Neugierde" erzählen will. Die ersten beiden Kapitel geben dann auch einen frischen, leichthändig erzählten Überblick über die Theorie der Neugier, handeln bündig wichtige Vertreter wie Aristoteles, Augustinus, Thomas von Aquin, Francis Bacon, Galilei oder Hume ab, resümiert der Kritiker. Dann aber gleitet das Buch leider in eine "Lebenslesegeschichte" seines Autors ab, der sich primär an Dantes "Göttlicher Komödie", aber auch mit Ausflügen zu Rilke, Kafka oder Lewis Carrols "Alice im Wunderland" der autobiografischen Suche nach dem eigenen Ich widmet, klagt der Rezensent. Dass Manguel jedes Lektüre-Erlebnis mit persönlichen Schicksalsschlägen würzt, ist sicher ganz unterhaltsam; eine begriffsgeschichtliche Fortsetzung, etwa von Hans Blumenbergs "Prozess der theoretischen Neugier" entdeckt der Kritiker hier aber keineswegs. Und so verdankt er diesem Buch leider nur mehr Lust auf Dante.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 13.08.2016

Weh dem, der Dante zu spät entdeckt
Aber was hat das mit Neugierde zu tun? Alberto Manguel fährt Achterbahn durch die Geistesgeschichte

"Curiositas" ist ein Drohbegriff der frühchristlichen Theologie. Wer sich der Neugierde verschreibt, gerät dem Kirchenvater Augustinus zufolge auf die schiefe Bahn. Er genießt selbstverliebt die Erweiterung seines Intellekts, anstatt sich mit dem zufriedenzugeben, was Gott ihm an Natur und Offenbarung zugeteilt hat. Dieses Modell einer geistigen Subsistenzwirtschaft - wir brauchen nicht mehr Wissen, als zum Heil nötig ist - wurde mit dem Übergang zur Neuzeit auf Wachstum umgestellt. Im Aufklärungszeitalter ließ Lessing den Menschen im Gespräch mit Gott um eine aufregende höchste Gabe bitten: nicht den Besitz der Wahrheit wünscht er sich, sondern die Lust der ewigen Suche nach ihr. Lessings Faust ist denn auch der erste grenzenlos Wissbegierige, der in der Tradition des Faust-Stoffes Erlösung finden sollte.

"Curiosity" ist der englische Originaltitel des neuen Buches von Alberto Manguel. Da der argentinisch-kanadische Autor in Deutschland vor allem für seinen Bestseller "Eine Geschichte des Lesens" (1998) bekannt ist, heißt jetzt auch die deutsche Übersetzung von "Curiosity" "Eine Geschichte der Neugierde". Das ist einigermaßen irreführend. Wer sich unter diesem Titel eine begriffsgeschichtliche Abhandlung erwartet, etwa im Anschluss an Hans Blumenbergs "Der Prozess der theoretischen Neugierde", wird enttäuscht sein.

Nicht dass Manguel die Philosophiegeschichte völlig außer Acht ließe. Im ersten Kapitel, "Was ist Neugierde?", kommen sie alle vor: Aristoteles mit seinem Postulat, dass die "Menschen aus ihrer Natur heraus nach Wissen streben". Augustinus mit der christlichen Züchtigung dieses Wissensdrangs. Thomas von Aquin, der - auf Aristoteles zurückgreifend - die Vermehrung von Erkenntnis wieder gutheißt, solange sie zu tieferen Einsichten in Gottes Allmacht führt. Schließlich der neuzeitliche Freispruch für die Curiositas und ihr Aufstieg zur modernen Kardinaltugend bei Francis Bacon, Galilei, Hume, den Enzyklopädisten.

Im zweiten Kapitel, "Was wollen wir wissen?", stellt Manguel ausführlich den mythischen Pionier der theoretischen Grenzüberschreitung vor: jenen ganz und gar unhomerischen Odysseus, der in Dantes "Göttlicher Komödie" von seiner Wahnsinnsfahrt über die Säulen des Herakles hinaus berichtet. Den vermessenen Wunsch, die bisher unerforschte Seite der Welt zu erkunden, büßt er mit Schiffbruch und Tod. Dante aber, der literarische Grenzgänger, hört ihm fasziniert zu, den Sünder insgeheim wohl schon zum Helden verklärend.

So weit die Curiositas-Geschichte, die Manguel eingangs rekapituliert, erfrischend unakademisch übrigens, und in lockerem Erzählton mitunter auch zwischen den Epochen hin und her springend. Mit den ersten zwei Kapiteln ist die theoretische Neugierde aber bereits abgehandelt, es folgen fünfzehn weitere, die mit dem Oberthema allenfalls noch darin etwas zu tun haben, als es darum geht, was Menschen alles wissen wollen. Wovon also handelt dieses Buch? Kurz gesagt: von Alberto Manguels Dante-Begeisterung und sehr vielen Stellen der Weltliteratur, die ihm bei seiner Lektüre der "Göttlichen Komödie" in den Sinn gekommen sind. Die Neugierde, um die "Curiosity" kreist, ist die des unersättlichen Lesers Manguel, der berichtet, welche Antworten auf Grundfragen der menschlichen Existenz ihm aus seinen liebsten Büchern zuteilwurden: "Wer bin ich?", "Was machen wir hier?", "Was kommt nach dem Tod?" Jedes Kapitel beginnt mit einer autobiographischen Erzählung, wann die jeweilige Frage sich ihm mit besonderer Dringlichkeit gestellt hat, präsentiert dann die Passagen, die sich bei Dante dazu finden lassen und spielt schließlich weitere Stimmen aus dem Echoraum von Manguels gewaltigem Textgedächtnis ein.

Das geht leider oft so flott voran, dass man das Gefühl einer Achterbahnfahrt durch die Geistesgeschichte bekommt. Das Kapitel "Was ist Sprache?" geht aus von der Erinnerung an einen - glücklicherweise harmlosen - Schlaganfall, der ihn kurze Zeit stottern ließ, erörtert dann die Sprache Nimrods in der "Göttlichen Komödie", die Suche nach der Ursprache in Antike und Mittelalter, den Babel-Mythos, moderne Sprachentstehungstheorien, Rilkes Panther, Kafkas Rotpeter, um zuletzt bei dem Sanskrit-Dichter Bhartrihari aus dem fünften Jahrhundert vor Christus zu landen. In "Wer bin ich?" braucht Manguel nur wenige Zeilen, um von Dantes Besteigung des Läuterungsbergs auf Alices Sturz ins Wunderland - bekanntlich durch ein Kaninchenloch - zu kommen. Irgendwie handelt es sich in beiden Fällen ja um die Entrückung zu "mystischen Orten". Wenn gleich anschließend der Rat des Herzkönigs aus Lewis Carrolls Komödie zitiert wird, möchte man ihn unwillkürlich als Empfehlung zu etwas mehr Stringenz an den Autor weiterleiten: "Fang mit dem Anfang an und fahre fort bis zum Schluss: dann hör auf."

Vielleicht wird diesem Buch am ehesten gerecht, wer es als Autobiographie eines Mannes liest, der auf die Frage "Wer bin ich?" in den Spiegel seiner Bibliothek schaut. Und dabei zu verschiedenen Zeiten verschiedene Bücher favorisiert, die so etwas wie den roten Faden seiner Lebenslesegeschichte abgeben. Im Vorwort erzählt Manguel, dass sein in diesem Sinn persönlichstes Buch lange Montaignes "Essais" waren. Jetzt sei es Dantes "Commedia", die er erst spät, kurz vor seinem sechzigsten Geburtstag, entdeckt habe.

Dante ist, so gesehen, der Führer, der ihn auf der Reise durch die Welt seiner vergangenen Lektüren anleitet. Tatsächlich ist Manguel da am überzeugendsten, wo er Dante ausführlich zitiert und ihn in ausschließlich ihm gewidmeten Kommentaren, die die ursprüngliche Leselust noch spüren lassen, erläutert. Auf Dante neugierig zu machen - das ist das nicht geringe Verdienst, das man dieser allzu turbulenten Neugiergeschichte zuerkennen muss.

MANFRED KOCH

Alberto Manguel:

"Eine Geschichte der

Neugierde".

Aus dem Englischen von Achim Stanislawski.

S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2016.

527 S., geb., 24,99 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 13.07.2016

Keiner fragt nach den Gurken des Rabbis
Alberto Manguel schreibt eine „Geschichte der Neugierde“, die ihm unter der Hand zur Geschichte seiner Lektüren gerät
Wer „Eine Geschichte der Neugierde“ vorlegt, weckt eben das, dessen Geschichte er verheißt. Neugierig macht vor allem der unbestimmte Artikel: Man ist gespannt, was speziell d i e s e Geschichte ausmacht. Es könnte zum Beispiel erzählt werden, wie die Bewertung der Neugier, die es bestimmt immer schon gegeben hat, in den einzelnen Epochen schwankte, vom Misstrauen gegen den unbefugten Vorwitz zu ihrer Heiligsprechung in der modernen Wissenschaft. Es könnte aber auch die Rede davon sein, wie es Einzelnen erging, die ihre Wissbegierde nicht zügeln konnten und je nachdem Glück oder Pech damit hatten. Galileo Galilei hätte hier seinen Platz so gut finden können wie Sherlock Holmes oder ein kleines Kind, das soeben die Magie des Wörtleins „warum?“ entdeckt.
  Sie alle, Kind, Holmes und Galilei, kommen zwar im Buch von Alberto Manguel vor; aber im Wesentlichen geht es um einen einzigen Menschen, ihn selbst. Manguel, geboren in Argentinien, ist ein kosmopolitischer homosexueller Jude, den Bodenständigen aller Länder dreifach verdächtig. In der deutschen und der spanischen Sprache wuchs er auf und tritt uns nun wiederum als englischer Autor entgegen, der ins Deutsche übersetzt worden ist.
  Die Neugierde ist ihrem Charakter nach ein eher jugendlicher Impuls, sie tritt auf bei Menschen und Zeiten, die sich jung
fühlen, weil sie glauben, das Meiste und Beste komme noch. Alberto Manguel zählt 66 Jahre, da fängt das Leben nicht mehr an. Auch gehört er nicht zu den rüstigen Rentnern in Freizeitkluft, die der Welt noch mal zeigen, was eine Harke ist; sondern wenn er an einem Schaufenster vorbeikommt, erschrickt er über das halbkugelige Profil, das er darin gespiegelt sieht. Und denkt dabei doch trotzig: Dieser unförmige Körper, in dem ich heute stecke, ist nicht alles, was ich bin; ich trage in mir, und mag meine Lebensstrecke auch nicht mehr allzu lang sein, unsichtbar für die Andern die Summe meiner sämtlichen Zeiten. So zu denken verleiht ihm eine heitere Freiheit; aber neugierig ist diese Einstellung eigentlich nicht, eher müsste man, gäbe es den Begriff, von Altgier sprechen: einer Haltung, die das Vergangene durchmustert auf seine Verwendbarkeit für das Jetzt, mit einem Wort: auf Tradition.
  Dazu passt der Gewährsmann, den Manguel sich ausgesucht hat, ein Klassiker der klassischen letzten Fragen: Dante Alighieri, Verfasser der „Göttlichen Komödie“. Jedem von Manguels Kapiteln ist ein Holzschnitt aus einer frühen Druckausgabe von Dantes Werk vorangestellt wie ein Motto. Dante aber steht der Neugier im engeren Sinn aus zwei Gründen fern. Erstens ruht er, wenigstens hier ganz Mensch des Mittelalters, völlig in den Glaubensgewissheiten der heiligen katholischen Kirche. Zweitens antwortet er viel lieber, als dass er fragt; immer wieder verblüfft es, mit welcher Sicherheit Dante Einzelheiten aus jenem Reich berichtet, aus dessen Bezirk kein Wandrer wiederkehrt – ausgenommen natürlich er selbst. Er will die Geschichten der Gemarterten hören, aber ihr Schicksal im Jenseits steht schon vorher fest, weil der Dichter es so beschlossen hat, zumal für seine irdischen Feinde.
  Dantes Hauptaffekt ist der Hochmut (ein herrlicher Hochmut, wie man einräumen muss); und es lässt tief blicken, dass er für alle anderen Todsünden einen eigenen Höllenkreis eingerichtet hat, nur für den Hochmut nicht, als käme er so möglicherweise ungeschoren davon, wenn er zum zweiten und endgültigen Mal hier eintreten wird. Der Hochmut will nichts Neues erfahren, denn er weiß es schon.
  Darum kann, was Vergil für Dante geleistet hat, Dante nicht für Manguel tun: ihm einen Leitfaden durchs Labyrinth an die Hand geben. Was so zustande kommt, ist Stückwerk, amüsant und aufschlussreich, aber das versprochene Ganze der Geschichte jedenfalls nicht. Zwar heißen die Kapitel „Was ist Sprache?“, „Wer bin ich?“, „Was kommt nach dem Tod?“ und so weiter. Sobald er jedoch die Überschrift hinter sich gelassen hat, gerät Manguel rasch vom Hundertsten ins Tausendste.
  Und so erfährt man alles Mögliche und auch sehr Nützliche über Aristoteles und Thomas von Aquin; die Enzyklopädisten und die Empiristen; Alice im Wunderland und den eitlen Narziss; die geheimnisvolle Knotenschrift der Inka und den umtriebigen Prinzen Sansevoro, der einen Tisch erfindet, welcher sich von selbst deckt; den kabbalistischen Rabbi Abraham Abulafia und den mehr praktisch gesinnten Rabbi Elieser, der klagt: „Ich kenne dreihundert Gesetze über das Pflanzen von Gurken, und keiner hat mich jemals danach gefragt!“ (Auf die Neugierde der Menschen ist also nicht in jedem Fall Verlass.)
  Der kluge Bonobo, der 256 verschiedene Lexigramme versteht, bringt Manguel auf Kafkas „Bericht an eine Akademie“, und er vereint auf ein und derselben Seite die neurologischen Novellen von Oliver Sacks mit Rilkes Gedicht über den Panther. Manguel hat viel und vielerlei gelesen, doch die Gemeinsamkeit dieser Dinge besteht vor allem darin, dass sie sich unter ein und derselben Hirnschale angesammelt haben. Auch als Schreibender ist Manguel vor allem ein Leser.
  Darauf könnte man mit Ärger oder Enttäuschung reagieren. Aber dann ist einem das Buch verdorben, das, wenn auch wenig an systematischem Aufbau, so doch mancherlei Unterhaltsames und Interessantes bietet. Am besten nimmt man es, mag es auch etwas anderes auf dem Titelblatt verkünden, als das, was es ist: die Biografie einer lebenslänglichen Lektüre, mit all ihren Schwachstellen und Zufällen.
  Dann wird man auch bereit sein, ihm die gelegentlich unterlaufenden Fehler zu verzeihen, etwa den, dass Manguel den Scholastiker Roger Bacon mit dem dreihundert Jahre jüngeren Philosophen Francis Bacon verwechselt, oder dass er das Sternbild der Jagdhunde – Canes Venatici – irrtümlich für die Hunde der Venus erklärt, um daraus unhaltbare Schlüsse zu ziehen. Fehler wie diese beweisen, dass Manguel seine „Geschichte der Neugierde“ nicht aus dem mühseligen Nacheinander der Recherche geschrieben hat, sondern aus dem vollen Zugleich der Erinnerung; sie machen das Buch, das vom Zerfall bedroht wird, sozusagen erst rund.
BURKHARD MÜLLER
Eigentlich ist Manguel ein Mann
nicht der Neugier, sondern der
„Altgier“, der Lust an Traditionen
      
    
  
Alberto Manguel: Eine Geschichte der Neugierde. Aus dem Englischen von Achim Stanislawski. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2016. 528 Seiten, 24,99 Euro. E-Book 22,99 Euro.
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Wie der belesene Kanadier [...] das Denken seziert, nicht auf neurologischer Basis, sondern als Grundimpuls aller kulturellen und zivilisatorischen Entwicklung, ist inspirierend. Peter Zimmermann Österreichischer Rundfunk 20160904