Wer Sagt Denn Das? - Deichkind
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DEICHKIND bisher: Hits ("Remmidemmi Yippieh Yippieh Yeh", "Leider geil", "Bon Voyage") Nummer 1-Album ("Niveau Weshalb Warum") Konzertpartys in den größten Hallen und auf mächtigsten Festivals massig Fans in der Gesellschaft, im Business und im Netz
DEICHKIND jetzt: Neue Hits ("Richtig Gutes Zeug", "Keine Party", "Wer Sagt Denn Das?") ein neues Nummer 1-Album (also bitte!) Kollabos mit Till Lindemann (Rammstein), Schulz/Böhmermann, Bela B. u.a. die 2020er Tour teils schon jetzt ausverkauft neue Fans mit modernem Durst, Feiervermögen und Kaufpower…mehr

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Produktbeschreibung
DEICHKIND bisher:
Hits ("Remmidemmi Yippieh Yippieh Yeh", "Leider geil", "Bon Voyage")
Nummer 1-Album ("Niveau Weshalb Warum")
Konzertpartys in den größten Hallen und auf mächtigsten Festivals
massig Fans in der Gesellschaft, im Business und im Netz

DEICHKIND jetzt:
Neue Hits ("Richtig Gutes Zeug", "Keine Party", "Wer Sagt Denn Das?")
ein neues Nummer 1-Album (also bitte!)
Kollabos mit Till Lindemann (Rammstein), Schulz/Böhmermann, Bela B. u.a.
die 2020er Tour teils schon jetzt ausverkauft
neue Fans mit modernem Durst, Feiervermögen und Kaufpower
Trackliste
CD
1#wsdd00:00:09
2Wer Sagt Denn Das?00:03:13
31000 Jahre Bier00:04:01
4Dinge00:03:32
5Cliffhänger00:03:52
6Keine Party00:05:34
7Knallbonbon00:03:45
8Bude Voll People00:03:40
9Endlich Autonom00:04:28
10Gewinne Gewinne00:02:07
11Party 200:03:32
12Richtig Gutes Zeug00:02:52
13Quasi00:04:05
14Powerbank00:03:49
15Ich Bin Ein Geist00:01:06
16Sonate in f-Doll00:05:13
17Alles Außer Sunshine00:02:42
18Wo's Das Feuer?00:02:42
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 22.09.2019

Jeder Song ein Zweifel
Und tausend Jahre Bier: Neues von den Elektrorappern Deichkind

Zuletzt war Lars Eidinger, Schauspieler und "Bravo"-Star, auffällig oft beim Tanzen zu sehen. Er tat es in U-Bahnhöfen, auf Kreuzungen, hinter Lagerhäusern, im Supermarkt und auf Grünflächen, immer allein, immer mit Kopfhörern, und man kann diesen Tanz, der eigentlich mehr nach Stammesritual aussah, in Videoschnipseln auf Instagram verfolgen. Eidinger zieht die Ellbogen hoch wie ein trotziges Kind und hüpft auf beiden Beinen. Er hebt den Arm. Er schwitzt. In einer Einstellung flattert sein T-Shirt, das er ausgezogen hat, in der Hand. Wendet er der Kamera den Rücken zu, wird eine kleine kahle Stelle an seinem Kopf sichtbar. Es sieht sehr anstrengend aus.

Dazu wummert ein Beat auf eins, zwei, drei, vier. Hin und wieder ruft jemand "Wir woll'n keine Party!" und "Schluss mit Remmidemmi", und wer Eidinger in den paar Sekunden nicht erkennt, hat doch längst den Sound identifiziert. Und all denen, die zu solchem Studentenclub-Techno schon mal Möbel aus dem Fenster geworfen haben und wie trotzige Kinder gesprungen sind, damals - all denen, die auch schon kahle Stellen auf dem Kopf bemerkt haben, geht es durch den Kopf: dass die letzte Party schon verdammt lang her ist.

Deichkind war die Band, die sich vor 15 Jahren der Sehnsüchte der farblosen Generation Y annahm und mit einer Mischung aus Hiphop und Elektro ihren Stil schuf: Shows wie Operninszenierungen, aber zum Mitmischen, Konzertgelage und Festivalnächte vor einer Gruppe durchgeknallter Musiker mit Pyramiden auf den Köpfen, die niemals müde zu werden schienen. Nach "Remmidemmi" klang das neue Jahrtausend, und es kam mit seiner eigenen Kultur der Sprüche, die spätestens bei "Leider Geil" Teil des Alltags wurden. Jetzt wandert "Keine Party" durchs Internet, als Referenz auf das Nach-mir-die-Sintflut-Gefühl langer Nächte, und spielt mit den Erinnerungen. Deichkinds neuer Song klingt dumpfer als "Remmidemmi". Der Beat ist noch hässlicher, der Text noch schmuckloser, die Botschaft: Schluss mit dem erarbeiteten Spießertum.

Bei Deichkind war die schrittweise eskalierende Show immer Teil der Kunst. In ihr wird die Groteske sichtbar, der Sarkasmus bekommt ein Kostüm. Als 2015 das sechste Album "Niveau Weshalb Herum" erschien, hatte man sich schon gefragt, wie lange es mit dem Hedonisten-Image noch so weiterginge. Die Zeit der nackten Hintern auf der Bühne schien irgendwie vorbei. Dafür rief Deichkind jetzt "Like mich am Arsch" und sprach von Gesellschaftskritik. Das neue Album heißt "Wer Sagt Denn Das?" und ist wieder voller zitierwürdigem Sprechgesang. Es gibt darauf Songs namens "Bude Voll People" und "1000 Jahre Bier". Die Band hat angekündigt, nächstes Jahr auf zehn Festivals zu spielen. Alles beim Alten, eigentlich. Nur dass sie heute zwischen zwei Konzerten nicht mehr quer durchs ganze Land fahren. "Mit Kräften haushalten" nennen sie das.

Also Treffen mit Deichkind in Berlin. Gründer Philipp Grütering, genannt Kryptik Joe, wohnt da noch, Sebastian "Porky" Dürre, der im Hawaiihemd auf dem Sofa liegt, ist irgendwann aufs Land gezogen. Henning "La Perla" Besser, der die Shows arrangiert und kerzengerade hinter Bücherstapeln sitzt, lebt in Hamburg. Seit 15 Jahren arbeiten sie zusammen. Für jeden eine Rolle: Porky, der Spaßmacher. Kryptik Joe, der Reflektierte. La Perla, der Dozent. Eigenen Angaben zufolge wechseln sie gelegentlich durch. Bis vor kurzem gehörte noch Sascha Reimann dazu, der als Frontmann Ferris MC war und dann ging und ein Indie-Rock-Album aufnahm. In der Sitzgruppe herrscht allgemeines Verständnis für die Entscheidung. La Perla, der schon auf seinen Einsatz gewartet hat, ergreift das Wort.

LA PERLA: In dieser schwierigen gesellschaftlichen Zeit war es uns wichtig, ein klares Statement zu setzen. Inmitten von Fake News und wachsendem Rassismus ist es doch eine Frage der Ehre, Stellung zu beziehen: ein Angebot an die verlorenen Seelen.

"1000 Jahre Bier" ist Teil davon?

LA PERLA: Das ist unser trojanisches Pferd, eine Zugbrücke, die wir ausrollen. Diejenigen, die über sie hereinkommen, dürfen uns für zwei Stunden ihr Gehirn leihen. Wir können die Gesellschaft nicht von heute auf morgen ändern, aber stetig höhlt der Tropfen.

Deshalb die vielen Wiederholungen: damit sich die Botschaft einbrennt.

KRYPTIK JOE: Das nennt sich Refrain.

Das ist die Deichkind-Markenklausel: Immer schön ambivalent bleiben. Wer jahrelang erfolgreich Zeitgeist mit nihilistischer Ausschweifung vereint, will sich nicht erklären. Kann nur schiefgehen. Deichkind stellen lieber Fragen. Diesmal also im Titelsong: "Wer sagt denn, dass nicht Arbeit, sondern Freizeit unsere Zukunft ist? / Wir mit Optimieren nicht nur unsere Zeit vergeuden?" Im Video dazu zieht sich Kryptik Joe eine Maske des Youtubers Rezo vom Kopf, Porky windet sich im weißen Rüschenkostüm auf dem Boden, mit Handys beklebte Doppelgänger stehen herum. Es geht um Verschwörungstheorien, Radikalisierung, Bots und Deep Fake im Netz, Filterblasen. Und das Zweifeln, Deichkinds Lieblingsthema. "Wer sagt denn das" endet mit dem denkwürdigen Satz: "Malle einmal jährlich, Immigranten sind gefährlich, Götter sind nicht sterblich, Dummheit ist nicht erblich." Darauf folgt der Biersong.

Daran hat sich nichts geändert: Die Party als Mittel, die Texte als Spiegel. Politische und Baden-in-Champagner-Nummern stehen nebeneinander. "Denken Sie Groß" und "Die Welt ist fertig" hießen die zynischen Beobachtungen von Bürgerlichkeit früher. Vom Hiphop der Anfangszeit ist wenig geblieben, zu Synthiemelodien und Schamanen-Beat kommt, punktuell, Autotune dazu - gerade so viel, dass es als Zitat eines Trends durchgeht. Jeder der 18 Songs zitiert auf die eine oder andere Weise aus den Charts, die Band wollte eine Playlist verfassen, kein Album.

Aber dann verwandelt sich der Zweifel in Endzeitstimmung. In der schönen neuen Deichkind-Welt werden Serien geschaut, bis der letzte eigene Gedanke aus dem Kopf getilgt ist. Da wissen die Leute nicht, wie sie zu ihren Überzeugungen stehen sollen, lassen sich von selbstfahrenden Autos kutschieren und von Maschinen bedienen und fürchten nichts mehr als den Stromsparmodus ihres Smartphones. Getanzt wird auch, weil man zu Deichkind noch im Angesicht der apokalyptischen Reiter tanzen könnte, aber die Leichtigkeit ist dahin: "Die Welt geht vor die Hunde, der Weg war nie das Ziel, wir drehen noch eine Runde im Automobil." Also gibt es jetzt doch eine Mission?

KRYPTIK JOE: Kunst hat keine Lösung. Wir wollen aber auch nicht heile Welt spielen.

PORKY: Es gibt dieses Ohnmachtsgefühl, das ist neu. Im Netz. Oder in Dresden bei Pegida.

LA PERLA: Und dann Themen wie Algorithmenethik, die uns alle angehen, nur begreifen es die meisten nicht. Ich bin kein Programmierer, aber ich habe da ein Gespür. Wir müssen aufpassen.

Das klingt auf einmal alles sehr vernünftig. Ein Album voller Warnungen: So soll es nicht enden. Aber zu belehrend darf es sich auch nicht anhören. Deichkind wissen, für eine Band, die den Trend persifliert, ist die größte Gefahr, uncool zu werden. Etwas zu verpassen. "Richtig gutes Zeug" nicht mehr vom Mittelmaß unterscheiden zu können. Weil man älter wird und aufs Land zieht und Kinder bekommt und festangestellte Mitarbeiter hat und über Burnout und Bandpsychologie nachdenkt. Und dann diese schwierige Generation der Millennials, die jetzt im Club stehen könnte statt auf der Straße, die aus Thermoskannen trinkt und demonstriert, nicht fliegt und vom Rauchen Husten bekommt. Wie soll man die dazu bringen, Kontrolle abzugeben?

Porky gräbt sich aus seinem Sofa empor. La Perla hat alle Bildbände, aus denen er Inspiration für seine Shows schöpft, hergezeigt. Die Zeit ist fast um.

Lassen Sie uns über das Älterwerden sprechen.

PORKY: Das hatten wir beim letzten Album schon. Ich bin drüber weg.

Wenn Fans immer jünger werden ...

LA PERLA: Das bestätigt unsere Markenanalyse nicht.

KRYPTIK JOE: Die ganz Jungen holen wir nicht mehr ab. Das ist okay. Wenn ich jetzt Leute wie Yung Hurn höre, denke ich: Die machen das cool und mühelos.

LA PERLA: Ich bin vierzig. Ich will niemandem mehr was andrehen. Ich habe vielleicht noch zehn, zwanzig Jahre.

PORKY: Statistisch hast du noch 45.

LA PERLA: Vielleicht! Aber ich weiß es nicht und will keine Zeit verplempern. Wenn es so weit ist, bin ich der Erste, der genüsslich Abschied nimmt.

Woran würde man erkennen, dass Zeit für den Abschied ist?

PORKY: Wenn die Melancholie überhandnimmt. Wenn du auf der Bühne stehst und traurig bist.

Es gibt diesen Song namens "Quasi", es ist der wahrscheinlich klügste und selbstreferentiellste auf der neuen Platte. Da wägt jemand seine Überzeugungen gegen seine Neigung auf: Ich würde dem da drüben wirklich gern was geben, aber löst das wirklich sein Problem? Kann ich Anzug tragen und Hedonist bleiben? Mich vegan ernähren und beim Deichkind-Konzert aus der Plastik-Bierbong trinken? Je größer die Moral, desto tiefer der Absturz. Je größer der Zwiespalt, desto kleiner die Freiheit. Tanz am Abgrund. Damit passen sie, ganz ohne Antworten, wieder sehr gut in die Zeit.

ELENA WITZECK.

"Wer Sagt Denn Das", Sultan Günther Music, ab Freitag

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