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Im zweiten Band von »Otherland«, Fluß aus blauem Feuer, ist es einer kleinen Gruppe Verzweifelter gelungen, tatsächlich in Otherland einzudringen. Und da schnappt die Falle zu. Sie sind gefangen, unfähig, wieder in ihre Körper aus Fleisch und Blut in der realen Welt zurückzukehren. Zufälle und gefährliche Abenteuer zersprengen die Gruppe. Ihre einzige Hoffnung ist der Fluß. Der Fluß aus blauem Feuer, der durch alle virtuellen Welten Otherlands fließt. Im November 2004 hat Tad Williams für »Otherland« den Corine-Future Preis erhalten.…mehr

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Produktbeschreibung
Im zweiten Band von »Otherland«, Fluß aus blauem Feuer, ist es einer kleinen Gruppe Verzweifelter gelungen, tatsächlich in Otherland einzudringen. Und da schnappt die Falle zu. Sie sind gefangen, unfähig, wieder in ihre Körper aus Fleisch und Blut in der realen Welt zurückzukehren. Zufälle und gefährliche Abenteuer zersprengen die Gruppe. Ihre einzige Hoffnung ist der Fluß. Der Fluß aus blauem Feuer, der durch alle virtuellen Welten Otherlands fließt. Im November 2004 hat Tad Williams für »Otherland« den Corine-Future Preis erhalten.
  • Produktdetails
  • Verlag: Klett-Cotta Verlag
  • Seitenzahl: 781
  • Erscheinungstermin: 17. November 2015
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783608101270
  • Artikelnr.: 43947308
Autorenporträt
Tad Williams ist ein kalifornischer Superstar. Seine genre-erschaffenden und Genregrenzen sprengenden Bücher wurden weltweit mehrere zehn Millionen Male verkauft. Seine epischen Fantasy- und Science-Fiction-Reihen, fantastischen Geschichten jeglicher Art, Urban-Fantasyromane, Comics, Drehbücher etc., hatten einen starken Einfluss auf eine ganze Generation von Autorinnen und Autoren. Tad arbeitet immer an mehreren geheimen Projekten. Er und seine Familie leben in den Bergen von Santa Cruz, in einem seltsamen und schönen Haus.

Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 21.03.2001

Virtuelle Ritterwelt
Dritter Band des Otherland-Epos
Er wünschte sich auf einmal”, bekennt Rechtsanwalt Catur Ramsey, einer der Akteure in Tad Williams’ Otherland, „er hätte zu einer Zeit, wo er sich noch voll auf Scheinwelten einlassen konnte, einen Ort wie Mittland gefunden. ” Gerade stiefelt er als Söldner „Kätor von Rhamsi” durch die virtuelle Ritterwelt, fühlt sich wie ein Tourist, ja noch schlimmer, „wie Wendy und ihre Brüder, die mit dem Erwachsenwerden das Niemalsland des Peter Pan verloren hatten”.
Den Lesern von Band III der Otherland-Tetralogie, Berg aus schwarzem Glas, geht es nicht anders. Immerhin können sie sich 826 Seiten lang in Tad Williams’ Niemalsland der nahen Zukunft verlieren. Abenteuertourismus in heimischer Leselandschaft also, mit allen Überraschungen realer und virtueller Szenarien des Jahres 2050. Wer schließlich an der Seite eines Häufchens Aufrechter ins Hier und Jetzt zurückkehrt, der fühlt sich ähnlich gereift und gerädert wie damals, als er mit Tolkien und einem martialischen Männerbund zwischen Auenland und Mordor unterwegs war. Im Unterschied dazu haben die Besucher Otherlands allerdings den Vorteil, Männchen und Weibchen kennenzulernen, deren Gebaren zudem weit vertrauter sein dürfte als das der illustren Hobbitgesellschaft.
„Catch them by surprise”, hat Tad Williams einmal die Methode genannt, mit der er jüngere und ältere Leser gleichermaßen für seine unendliche Cyberspace-Geschichte gewinnen wollte. Es ist ihm tatsächlich gelungen: Mit einem furiosen Genremix aus Fantasy, Reality und Science Fiction und vielen eigenwillig interpretierten Motiven aus Märchen und Mythen, aus der klassischen Literatur, aus Kinderbüchern, aus Comic- und Popart, ja sogar aus Filmstoffen. Selbst den Kampf um Troja müssen die Helden durchleiden, und damit nicht genug: die Irrfahrten des Odysseus noch dazu, ausnahmsweise rückwärts. „Williams klaut ja wie ein Rabe”, mögen manche zwischenrufen. In der Tat. Aber er macht es gut, mit exzellenten literarischen und technologischen Kenntnissen und bewundernswerten dramaturgischen Talenten.
Zur Erinnerung: Otherland ist ein unvorstellbar komplexes Netzwerk, das sich die mächtigsten Menschen der Welt Mitte des 21. Jahrhunderts erschaffen ließen, um auf mysteriöse Weise ewig leben zu können. Zeitgleich fielen weltweit abertausende junge Cyberspacefreaks ins Koma. Warum das geschah, erfährt man hoffentlich im vierten Band, Meer des silbernen Lichts (er soll im Herbst erscheinen) ohne esoterische Verbiegungen. In den letzten Kapiteln von Berg aus schwarzem Glas geht es nämlich – zumindest für Anhänger der Realitätsfraktion – so mystisch zu, dass einem blümerant werden kann. „Alles bloß eine Metapher”, lässt Tad Williams erfreulicherweise eine der Hauptpersonen sagen. Die Realos können sich also wieder zurücklehnen und sich wie das couragierte Antihelden-Duo Renie und !Xabbu in ihren altmodischen Wannentanks fühlen. Dort lagern sie mit Kathetern, Schläuchen, Infusionsröhrchen, Gesichtsmasken, Ohrenstöpseln und Sensoren behaftet in plasmodalem Gel und irren zeitgleich – mit einigen anderen Couragierten – illegal durch die schreckerregenden Welten von Otherland, um dem Geheimnis der komatösen Kinder auf die Spur zu kommen. Zu allem Unglück hängen sie nach wie vor im Netz fest: Die Off- line ist gekappt. – Man sieht: Das heutige Internet ist Babykram gegenüber dem vernetzten Horror der nahen Zukunft. Trotz durchweg pessimistischer Gesellschaftsvisionen schwebt in und über der Geschichte stets ein Wölkchen aus Ironie und Selbstironie. Das geschieht nicht gerade oft im Fantasygewerbe. Den Stoff, den ein anderer großer Genreakrobat, der Engländer Philip Pullman, in His Dark Materials philosophisch abtastet und zunehmend verklausuliert, den ergreifen Tad Williams und seine Gestalten mit allen zur Verfügung stehenden Sensoren und jonglieren ihn munter durch die Welten. Hoffentlich kann Williams diesen lang gezogenen Balanceakt souverän beenden, ohne einfache Lösungen, ohne mystischen Firlefanz und ohne Absturz. (ab 15 Jahre)
SIGGI SEUSS
TAD WILLIAMS: Otherland. Berg aus schwarzem Glas. Aus dem Englischen übersetzt von Hans-Ulrich Möhring. Verlag Klett-Cotta 2001. 826 Seiten, 49,90 Mark.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung exklusiv über www.diz-muenchen.de
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Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 12.10.1999

Erlösung aus der Steckdose
Tad Williams stellt in "Otherland" das Leben unter Strom

In "Otherland" wird die Welt ein zweites Mal geschaffen. An die Stelle der Schöpfermächte (oder der Evolution) treten Programmierer und Designer. Sie bringen ein hochkomplexes virtuelles Gewebe hervor, in das - zumindest vorerst - nur eintreten darf, wer genügend Geld besitzt, um an seiner Erschaffung mitzuwirken. Während der erste Band im Grunde eine weit ausholende Exposition darstellte, geht Williams in diesem zweiten Band zur Durchführung über.

Die Neuschöpfung der Welt als eidolon der hypertrophen, technomanen Wünsche ihrer Erbauer verheißt ihren Teilhabern nicht nur grenzenlose Freiheit, sondern auch Unsterblichkeit. An der zentralen Figur des Felix Jongleur, der auf Jahrhunderte zunehmend vom Verfall bedrohter leiblicher Existenz zurückblickt, wird dieses Kernziel deutlich: Bei ihm geht es um die Frage, ob der menschliche Geist sich auch noch vom Gehirn trennen und mit dem Netz verschmelzen kann, um darin virtuell - oder eben geistig - fortzuexistieren. Das Gralsprojekt ist das ins Technomorphe übersetzte gnostische Projekt der menschlichen Gottwerdung. Otherland soll nach der Vorstellung der "Gralsbrüder" nicht nur eine andere Welt, es soll eine bessere Welt sein, ja die beste aller Welten. In der Tat: Otherland hat einen unübertrefflichen Vorteil vor der sinnlich-leibhaftigen Welt - es ist von unendlicher Plastizität, eben weil es virtuell ist.

Otherland soll eine Unendlichkeit ineinander verschachtelter Universen erschließen, in denen sich die Wanderer mit dem richtigen Schlüssel grenzenlos ergehen können, an denen sie unablässig weiterbauen können, solange ihnen nicht langweilig wird oder - weitaus trivialer - das Geld ausgeht. Kurz, Otherland ist der ins Virtuelle verlagerte amerikanische Traum von den unbegrenzten Möglichkeiten der wirtschaftlichen Expansion. Da die Ressourcen der realen Welt erschöpft sind, expandiert der unersättliche Kapitalismus in die Virtualität. Doch schlummert im Herzen von Otherland ein abgrundtiefes Grauen. Es ist jenes Grauen, das auch in der Modeströmung des Vampirismus zu Tage tritt, der in amerikanischen Fernsehserien wie "Buffy" gefeiert wird. Jenes Grauen, das die Amokläufer dem kollektiven Unbewussten der amerikanischen Seele vor Augen halten. Dieses Grauen besteht darin, dass die Simulation ihre Schöpfer frisst, ja, dass sie sogar von Menschen Besitz ergreift, die außerhalb der Simulation leben oder sich in anderen Bereichen des Netzes tummeln.

Der Vorsitzende der "Gralsbruderschaft", Felix Jongleur, hütet mit erbarmungsloser Grausamkeit das Geheimnis des schwarzen Herzens, das sich unter der Oberfläche der simulierten Welten verbirgt und selbst ihn offenbar mit Furcht erfüllt, weil er es nicht mehr beherrschen kann oder noch nie beherrschen konnte. Keiner seiner Teilhaber weiß Näheres über den finsteren "Anderen", der in der ägyptischen Simulation, in der Jongleur als Osiris figuriert, in einem schwarzen Sarkophag haust. Ist dieser "Andere" ein Mensch, ein Teilhaber des Projektes, dessen Identität uns Williams noch nicht verraten will? Ist er der finstere Doppelgänger von Felix Jongleur, dem "glücklichen Gleichgewichtskünstler", dessen Identität vor ihm selbst verborgen ist? Oder ist dieser "Andere" das Sicherheitssystem von Otherland, das sich von seinen menschlichen Schöpfern emanzipiert und die Herrschaft über das Gralsprojekt an sich reißt? Wächst in den Tiefen der Datenströme ein Wesen heran, das eine selbstbewusste Form von Intelligenz entwickelt? Jongleur scheint diesen "Anderen", dem Williams anspielungsreich den Namen jenes Seth gibt, der in der ägyptischen Mythologie Osiris zerstückelt, nicht mehr bändigen zu können.

In diesem zweiten Band von "Otherland", der nahezu ausschließlich in der virtuellen Welt spielt, zerfasern die weit verzweigten Erzählstränge in alle möglichen Richtungen. Die Gefährten, die von Herrn Sellars, einer Art Amfortas, berufen worden sind und sich wie die Ritter der Tafelrunde auf die Suche nach der Sotergestalt Paul Jonas begeben haben, entdecken zu ihrem Entsetzen, dass sie aus der virtuellen Welt nicht mehr entweichen, nicht mehr "offline" gehen können. Die Gefährten, die als Hacker ins Otherlandnetzwerk eingebrochen sind, um ihre Freunde und Angehörigen aus dessen Gefangenschaft zu befreien, müssen erkennen, dass sie selbst zu Geiseln geworden sind, die ohne Ende in den Spiegelwelten und Taschenuniversen herumirren, als Spielzeug in den Händen unsichtbarer Zuschauer, als vergessene Datenpakete im unendlichen, selbstreferentiellen Fluss des schönen Scheins.

Doch im Vorüberrauschen der Bilder mehren sich die Anzeichen, dass etwas nicht mehr stimmt in Otherland. Die Instabilitäten nehmen in einem Besorgnis erregenden Maß zu. Die Gefährten, die erst gemeinsam in den virtuellen Welten dahintrieben, werden auseinander gerissen, sie entdecken, dass sich unter ihnen ein Verräter, ein Spion befindet. Niemand anders als "Dread", der Serienmörder mit seinen paranormalen Fähigkeiten zur Manipulation von Datenströmen, hat sich im Auftrag von Jongleur unter sie gemischt, um sie zu vernichten. Aber den Gefährten gelingt es, ihn zu enttarnen und in die Flucht zu schlagen.

Die Antihelden - die blinde Rechercheurin, der Junge, der an der Krankheit der Vergreisung leidet, das Mädchen, das lieber ein Junge sein möchte, der Buschmann, der das Verständnis seiner Tradition verloren hat, die weinerliche Dozentin für Simulationstechniken, der ältere Herr, der lieber ein kleiner Junge sein möchte -, sie alle schöpfen Hoffnung, trotz der Aussichtslosigkeit ihres Unterfangens. Sie entdecken, dass es zwischen den schier endlosen Simulationen von Otherland eine Verbindung gibt. Diese besteht im Fluss, der in steter Abwandlung alle Welten durchfließt, in die sie gespült werden. Er trägt ihre "Sims", ihre simulativen Entitäten, von einer Existenzform in die andere, er stellt so etwas wie den Totenfluss und zugleich den Strom des Lebens dar, aus dessen Präsenz sie neue Kraft und Hoffnung für ihre Suche nach Paul Jonas schöpfen, bei dem allein sie Aufklärung und Rettung erwarten. Wie samsara, der Kreislauf der Wiedergeburten, strömt der Fluss aus blauem Feuer durch die Welten, verbindet und trennt sie zugleich und nimmt das Leben, ebenso wie er es gibt. Doch Paul Jonas, der an Amnesie leidende, seiner selbst unbewusste gnostische Soter, wird durch das Netz geschwemmt, verfolgt von zwei bedrohlichen Gestalten, die seine Witterung nie verlieren, auch wenn er ihnen oft im letzten Augenblick entkommt. Währenddessen spielt der Zufall - oder der vom Geheimnis seines Stigmas umrankte Herr Sellars - den Gefährten Informationen zu oder Gegenstände, die sich als magische Vehikel entpuppen. Ihnen fällt ein Objekt in die Hände, durch das sie Portale zwischen den verschiedenen Welten eröffnen können, und zugleich wird die Blinde zur Seherin, die auf Grund ihres nichtvisuellen Zugangs zu Otherland einen Weg durch das Geist und Sinne zerstreuende Chaos zu erkennen beginnt.

LORENZO RAVAGLI

Tad Williams: "Fluss aus blauem Feuer". Otherland, Band 2. Aus dem Amerikanischen übersetzt von Hans-Ulrich Möhring. Verlag Klett-Cotta, Stuttgart 1999. 781 S., geb., 49,90 DM.

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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"Tad Williams – ein Autor von hoher Sprachbegabung, von großem dramatischen Können und einer staunenswerten Phantasie… Mit großer Spannung erwarten wir die Fortsetzung der geheimnisvollen Geschichte." (FAZ)
"Tad Williams – Sein Name wird zum Symbol einer neuen Generation von Schriftstellern, die das Netz der Netze hervorbringt: Schreiber in einer virtuellen Welt." (Focus)