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«Ebenso wenig wie Spinoza halte ich es für nützlich, das Laster, das Böse, die Sünden anzuprangern. Warum immer nur anklagen und anprangern? Das ist die Moral der Trübsinnigen, eine traurige Moral. Das Gute jedoch existiert nur in der unübersehbaren Vielfalt der guten Handlungen und in einer unbestimmten, aber sicherlich weniger großen Anzahl von guten Haltungen, die traditionellerweise mit dem Wort Tugend bezeichnet werden.
Jede Tugend ist ein Gipfel zwischen zwei Lastern, ein Grat zwischen zwei Abgründen: der Mut zwischen Feigheit und Tollkühnheit, die Würde zwischen Gefälligkeit und
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  • Größe: 2.37MB
Produktbeschreibung
«Ebenso wenig wie Spinoza halte ich es für nützlich, das Laster, das Böse, die Sünden anzuprangern. Warum immer nur anklagen und anprangern? Das ist die Moral der Trübsinnigen, eine traurige Moral. Das Gute jedoch existiert nur in der unübersehbaren Vielfalt der guten Handlungen und in einer unbestimmten, aber sicherlich weniger großen Anzahl von guten Haltungen, die traditionellerweise mit dem Wort Tugend bezeichnet werden.
Jede Tugend ist ein Gipfel zwischen zwei Lastern, ein Grat zwischen zwei Abgründen: der Mut zwischen Feigheit und Tollkühnheit, die Würde zwischen Gefälligkeit und Egoismus, der Sanftmut zwischen Zorn und Apathie ... Aber wer kann immer auf dem Gipfel leben? Denken über die Tugenden ist Bewusstmachen der Entfernung von ihnen. Denken über ihre Vorzüge ist Denken über unsere Unzulänglichkeit oder unsere Erbärmlichkeit. Es ist ein erster Schritt. Der Rest ist zu leben.»

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  • Produktdetails
  • Verlag: Rowohlt Verlag GmbH
  • Erscheinungstermin: 27.04.2010
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783644005815
  • Artikelnr.: 37449729
Autorenporträt
André Comte-Sponville, 1952 in Paris geboren, war Philosophieprofessor an der Sorbonne. Mit «Ermutigung zum unzeitgemäßen Leben» gelang ihm ein internationaler Bestseller. Seit 1998 widmet er sich ganz dem Schreiben.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 31.10.1996

Trockener Ruf aus dem Wald der relativen Werte
André Comte-Sponvilles Tugendbrevier steht in der Tradition der französischen Moralisten

Jene, die nach den nihilistischen Neigungen der achtziger Jahren ein Jahrzehnt der Besinnung, der Moral und der Tugend voraussagten, lagen nicht ganz falsch. Doch hat diese Wende unterschiedliche Erscheinungsformen angenommen. Unter protestantisch geprägten Voraussetzungen beruht das tugendhafte Verhalten vorwiegend auf dem Prinzip persönlicher Eigenverantwortung im Rahmen freiwillig akzeptierter Gemeinschaftsregeln. In anderen, mehr katholischen Kontexten zielt es eher auf die persönliche Bravour, über die Regeln des gesellschaftlich Korrekten hinaus sich zu exemplarischer Singularität zu erheben. Das machte in Frankreich eine Moralphilosophie im englischen oder auch deutschen Sinn so gut wie unmöglich. Der Selbstzucht durch Verzicht und Entsagung antwortet, mit epikuräischen Anklängen, der Gedanke von gesteigerter Selbstverwirklichung im Sinne Montaignes, der mit Maßhalten, Bescheidenheit, Umsichtigkeit und Umgänglichkeit darauf aus war, die Lebenskunst zu verfeinern.

Eine solche Anleitung zur bewundernswürdigen Lebensgestaltung im ästhetischen ebenso wie im ethischen Sinn zu sein beansprucht auch André Comte-Sponvilles kleines Brevier der Tugenden. Es will so lehrreich und unterhaltsam sein wie hilfreich für ein tugendhaftes Leben. Mit diesem unterschiedlichen Erwartungshorizont dürfte zusammenhängen, daß das französische Original den in der deutschen Fassung hinzugefügten Übertitel und sein Reizwort des "Unzeitgemäßen" gar nicht brauchte, um als einfacher philosophischer Tugendspiegel mit zweihunderttausend verkauften Exemplaren zu einem Bestseller zu werden.

Dieses Buch liegt weit entfernt vom Pathos einer Umwertung aller Werte, einer kritischen Genealogie der Moral oder selbst vom kritischen Rückgang auf die Randzonen der Minima Moralia. Der Sorbonne-Philosoph und ehemalige Jankélévitch-Schüler Comte-Sponville hat schon vor Jahren dargelegt, warum er alles andere als ein Nietzscheaner sei. Ebensowenig ist er der Dramatik dialektischer Prozesse verpflichtet. Seit seiner zweibändigen Abhandlung über die Verzweiflung und das Glücklichsein ("Traité du désespoir et de la béatitude", 1984/88) präsentiert er sich vielmehr als Erbe einer unakademischen, mehr essayistischen als systematischen französischen Philosophietradition.

Statt in die Extreme der dialektischen Höchstspannungen und Brüche strebt sein Denken in die Mitte des Maßvollen, Ausgewogenen und Wohlabgestimmten, worin er die allzuoft unterschätzte Größe der französischen Philosophie sieht. Wenn Comte-Sponville also die Tugend als Gipfel zwischen zwei Lastern, als Grat zwischen zwei Abgründen bestimmt, den Mut etwa zwischen Feigheit und Tollkühnheit, die Würde zwischen Gefälligkeit und Selbsteingenommenheit, die Sanftmut zwischen Jähzorn und apathischer Gleichgültigkeit, dann ist das nicht als Signal zum philosophischen Gipfelstürmen zu verstehen. Mit dem enggeknüpften Zitatmuster philosophischer Gelehrsamkeit vorab aus Aristoteles, Platon, Lukrez, Montaigne, Spinoza, geht der Autor elegant in die sanfte Neigung seiner selbstgesetzten Hierarchie und steigt über achtzehn Kapitel hinweg mit stilistischer Prägnanz von den niedrigen zu den höheren Tugenden empor.

Die Höflichkeit, schreibt er, sei im Grunde noch gar keine Tugend. Als etwas Auswendiges, Angeeignetes, kann sie indessen zur Tugend hinführen, andererseits aber auch in ihr Gegenteil umschlagen, wie die bestialische Korrektheit der nationalsozialistischen Mörder gezeigt hat. Ob aus dieser mörderischen Wohlerzogenheit allerdings so ohne weiteres auf das deutsche Gesellschaftsideal geschlossen werden könne, bleibe dahingestellt - manche Abschweifungen Comte-Sponvilles hätten auch unterbleiben können. Überzeugend ist hingegen, wie der Autor über die noch vor-tugendhafte Höflichkeit mit Kant gegen Aristoteles den Tugendbegriff einführt: Tugend ist nicht einfach die Bereitschaft, ein als "das Gute" erkanntes absolutes Prinzip anzuwenden. Sie hat nicht im abstrakten Erkanntwerden, sondern im konkreten Tun ihre Realität und ist, wie der Übersetzer etwas frei, aber nicht unkorrekt widergibt, "zunächst schöner Schein, dann gutes Sein". Gerade in der Höflichkeit offenbart sich die Auffassung Kants, daß wir durch Imitation der Tugend tugendhaft werden.

Kunst der Mitte

Dieses Bestreben, den Tugendbegriff statt aus der Moralphilosophie aus der Lebenspraxis zu entwickeln, wird am Beispiel der Treue fortgesetzt. Als Mitte zwischen Unbeständigkeit und Unbeweglichkeit wird sie nicht als ein Wert unter anderen bestimmt, sondern als eine Grundbedingung für Tugend überhaupt. Ohne ihre Konstanz, die auf dem Gebiet des Denkens den grundlosen Gesinnungswandel untersagt, auf dem des Handelns die Zukunft auf Herkunft verpflichtet und in der partnerschaftlichen Beziehung selbst in der Trennung noch die Erinnerung wachhält, wären für Comte-Sponville alle weiteren, höheren Tugenden gar nicht möglich. So wird von Kapitel zu Kapitel der Tugendbegriff ein Stück weiter entfaltet. Höflichkeit sei deren Ursprung, Treue deren Prinzip, Klugheit deren Bedingung.

So anregend das sein mag, bekommt der gebührlich distanzhaltende Diskurs des Philosophen mitunter jedoch etwas seltsam Schnurrendes. Die Zeit der französischen Moralisten ist vorbei, wo in der vornehmen Zurückhaltung der guten Gesellschaft die kunstvoll formulierten Lebensmaximen halblaut in die Salonnischen getuschelt oder gekichert und doch allgemein verstanden werden konnten. Unsere Epoche lebt mit schroffen Kontrasten und Konflikten, die uns oft genug lärmend aus unserer Besonnenheit reißen und nicht immer gleich mit philosophischen Feinheiten zu stopfen sind. So ist Comte-Sponvilles Buch in den Kapiteln am besten, wo es dem deutschen Titel gerecht wird und tatsächlich anachronistisch gegen unsere Gewohnheitseinstellungen stößt. Im Schrittwechsel zur kontemplativen französischen Moralistentradition stolpern wir jäh über die Selbstverständlichkeit unseres leistungslastigen Moralempfindens und nehmen Phänomene wie Maßhalten, Barmherzigkeit, Dankbarkeit, Einfachheit, Sanftmut oder die irgendwo zwischen Bescheidenheit und Demut unübersetzbare "humilitas" nicht mehr bloß im süßlichen Kerzenschein des Lieben und Netten wahr.

In solchen anachronistischen Zusammenhängen kommt Comte-Sponvilles Sinn für das Prägnante, das in der scharfen Formulierung unversehens zum Paradox umspringen kann, am besten zur Geltung. Gegen die solide Front etwa, auf der von Kant bis Nietzsche im Bild der gekrümmten Wurm-Existenz alles Demütige verspottet wurde, gefällt sich der Autor in heiterer Apologie. Ganz so ernst, schreibt er, brauche die von Kant postulierte Selbstachtung des Menschengeschlechts nun auch wieder nicht genommen zu werden, solange es nur um die eigene Person gehe, und die traurige Selbstverachtung eines Franz von Assisi oder Johannes vom Kreuz könne es mit der fröhlichen Selbststilisierung des Menschen bei Nietzsche an Größe durchaus aufnehmen.

Stets dann aber, wenn seine Ausführungen in die Nähe des Heiligenscheins geraten, macht sich der Philosoph mit einer scharfen Wendung aus dem Staub. Demut sei Atheismus in der ersten Person, nämlich Ungläubigkeit gegen sich selbst, und so könne diese vielleicht religiöseste aller Tugenden unversehens in Atheismus münden: An Gott zu glauben wäre eine Sünde des Hochmuts, da ein Gott meine Nichtigkeit nicht gewollt haben kann. Listenreich führt Comte-Sponville dann an der zweithöchsten Stelle seines Tugendspiegels, unmittelbar vor der Liebe, die im Grunde schon gar keine Tugend mehr sei, den Humor an. Er sei die Fähigkeit, das Tragische und das Belanglose auf einmal zu erfassen, und etwas grundsätzlich anderes als die Ironie: Diese verletzt, Humor heilt.

Der mehr aphoristische als systematische Argumentationsgang verleiht diesem Buch trotz seinen schulmeisterlichen Anflügen die für das Thema notwendige Leichtigkeit. Daß es fern allen Moralisierens einer moralisch verunsicherten Gesellschaft die Frage der Tugenden und Werte vor Augen zurückführt, hat ihm den großen Erfolg in Frankreich gebracht. Der Autor richtet sich hier nicht an Fachleute, sondern an ein allgemeines Publikum, dem ein lehrreicher Gang durch die überraschungsreiche Zitatgalerie der philosophischen Ahnen lieber ist als das Gedränge um die moralischen Heilsverkünder. Auf den Trümmern der philosophischen Systeme ist selbst für Nachzügler der französischen Moralistentradition etwas Raum frei geworden. André Comte-Sponville ist einer der besten Vertreter davon. Sein trockener Ruf aus dem Dickicht der relativ gewordenen Werte steht in erfreulichem Kontrast zum anschwellenden Raunen vom allgemeinen Sittenzerfall. JOSEPH HANIMANN

André Comte-Sponville: "Ermutigung zum unzeitgemäßen Leben". Ein kleines Brevier der Tugenden und Werte. Deutsch von Josef Winiger, Nicola Volland und Una Pfau. Rowohlt Verlag, Reinbek 1996. 392 S, geb., 42,- DM.

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