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Eine Revolution vor 2000 Jahren
Warum "gerieten die Leute außer sich", wie der Jesus-Biograph Matthäus schreibt, "als sie seine Worte hörten"? Was an ihm hat die Menschen fast verrückt gemacht? Warum forderten die Machthaber seinen Tod? Was würde Jesus heute sagen?
Heiner Geißler erzählt die unerhörte Geschichte des Jesus von Nazareth. Dabei beschäftigt er sich mit den Originaltexten, kommt falschen Übersetzungen auf die Spur und schildert, mit welchen Folgen sich Jesus in die damaligen Machtverhältnisse eingemischt hat. Er überträgt die Aussagen des Evangeliums auf die heutige Zeit und…mehr

Produktbeschreibung
Eine Revolution vor 2000 Jahren

Warum "gerieten die Leute außer sich", wie der Jesus-Biograph Matthäus schreibt, "als sie seine Worte hörten"? Was an ihm hat die Menschen fast verrückt gemacht? Warum forderten die Machthaber seinen Tod? Was würde Jesus heute sagen?

Heiner Geißler erzählt die unerhörte Geschichte des Jesus von Nazareth. Dabei beschäftigt er sich mit den Originaltexten, kommt falschen Übersetzungen auf die Spur und schildert, mit welchen Folgen sich Jesus in die damaligen Machtverhältnisse eingemischt hat. Er überträgt die Aussagen des Evangeliums auf die heutige Zeit und konfrontiert die politische, kulturelle und ökonomische Gegenwart mit der schönsten und zugleich revolutionärsten Botschaft der Weltgeschichte.

  • Produktdetails
  • Verlag: ROWOHLT, BERLIN
  • Neuausg.
  • Seitenzahl: 155
  • Deutsch
  • Abmessung: 220mm
  • Gewicht: 380g
  • ISBN-13: 9783871344770
  • ISBN-10: 387134477X
  • Artikelnr.: 11864703
Autorenporträt
Heiner Geißler, geboren 1930, ist examinierter Philosoph und promovierter Volljurist. Er war dreizehn Jahre Minister, zuerst in Rheinland-Pfalz, dann im Bund. Er arbeitete zwölf Jahre als Generalsekretär der CDU und prägte die Politik seiner Partei wie kaum ein anderer. Er entdeckte die 'Neue Soziale Frage' und die multikulturelle Gesellschaft und verwandelte die CDU in eine moderne Volks- und Programmpartei mit einem schlagkräftigen Apparat. Geißler gehört zu den rhetorisch besten und originellsten Debattenrednern des Bundestages.
Rezensionen
Besprechung von 06.10.2003
Im Glashaus
Wer aus der Bibel predigt, soll nicht mit Steinen werfen
Lang ist es her, dass ein SPD-Vorsitzender namens Willy Brandt einen CDU-Generalsekretär namens Heiner Geißler den „größten Hetzer seit Goebbels” nannte. Zuvor hatte Geißler die SPD als „fünfte Kolonne Moskaus” bezeichnet. Seine Polemiken gipfelten in dem Aufruf, die „anständigen Deutschen” müssten sich bei der Bundestagswahl 1983 von der SPD distanzieren.
20 Jahre später gibt es einen Anlass, sich dieser Debatten zu erinnern. Der Anlass ist 160 Seiten lang, trägt den Titel „Was würde Jesus heute sagen” und ist das neueste Buch des Gleisheimer Gleitschirmfliegers Geißler. Durchaus glaubwürdig schwärmt dieser für die Bergpredigt, die „alles auf den Kopf stellte, was bis dahin in Staat und Gesellschaft Geltung hatte”. Von nun an sei jeder Mensch gleich viel wert, seien Gottes- und Nächstenliebe untrennbar gewesen. Diese „Botschaft der Befreiung” hält Geißler für einzigartig. Er fordert von der Politik und besonders von den Christdemokraten, Ernst zu machen mit der „Einheit von Handeln, Reden und Leben”, die Jesus Christus praktiziert habe.
Überall erblickt Geißler Verstöße gegen das Gebot der Nächstenliebe: Der Weltwährungsfonds IWF etwa betreibe eine „kriminelle Politik”, da er nur den Interessen des Großkapitals diene. CDU und SPD zerstörten den Sozialstaat und sollten sich eher um die Einführung einer „Volksversicherung” kümmern; die katholische Kirche unterdrücke die Frauen, indem sie ihnen das Priesteramt vorenthält; das Zölibat sei eine Vergewaltigung der menschlichen Natur und gehöre abgeschafft. Der Konsum von Hasch müsse entkriminalisiert werden.
Keine Frage: Heiner Geißler argumentiert wie der Schriftsteller Carl Amery ganz im Sinne des Linkskatholizismus. Nun könnte es ja sein, dass den ehemaligen Generalsekretär seine Verunglimpfungen von damals reuen. Kein Wort zum eigenen Umgang mit der Feindes- und Nächstenliebe findet sich aber in dem Büchlein. Stattdessen beklagt Geißler die „Verrohung der Sprache in der deutschen Politik” und die „Intoleranz und Feigheit” der Politiker. Sich selbst stilisiert er zum Vorzeigepolitiker.
Er habe, so lesen wir, einst mutig ein Buch von Joschka Fischer vorgestellt und sich dadurch böse Kritik eingehandelt. Ein CDU-Landrat habe ihm geschrieben, eine solche schwarz-grüne Veranstaltung gehöre sich nicht für „anständige Deutsche”. Geißler schüttet seine moralische Entrüstung über dem CDU-Landrat aus. Er verschweigt, dass er selbst es gewesen ist, der im Wahlkampf 1983 mit dem Schlagwort von den „anständigen Deutschen” den Gegner diffamieren wollte. Der Landrat hat den Musterdemokraten lediglich an dessen Vergangenheit erinnert.
„Was würde Jesus heute sagen” ist ein selbstgerechtes Buch für vergessliche Gemüter. Heiner Geißler ist sich treu geblieben: Noch immer ist er ein großer Vereinfacher.
ALEXANDER KISSLER
HEINER GEISSLER: Was würde Jesus heute sagen? Die politische Botschaft des Evangeliums. Rowohlt Verlag, Berlin 2003. 160 Seiten, 16,90 Euro.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung exklusiv über www.diz-muenchen.de
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Besprechung von 07.10.2003
War Maria Magdalena fußgeil?
Laut Heiner Geißler ist Jesus für Sonntagsarbeit und Embryonenvernichtung / Von Klaus Berger

Nun gibt es auch ein Jesus-Buch von Heiner Geißler. Das Theologische will er gar nicht untersuchen, sondern nur die politische Bedeutung der Botschaft Jesu. Das ist an sich ein lohnendes Thema. Geißler schiebt die gesamte Forschung zum Thema als "Irrgarten theologischer Konstrukte" beiseite und zitiert als seine Gewährsleute fast ausschließlich Uta Ranke-Heinemann und den sympathischen jüdischen Journalisten Pinchas Lapide, der freilich nie behauptet hat, ein Fachmann für das frühe Christentum zu sein. Dergestalt legitimiert, kommt Geißler dann zu einer Fülle von Auffassungen über Jesus, die vor allem mit seinen eigenen politischen Überzeugungen übereinstimmen.

Es gibt eine alte Weisheit, wonach die für Geißler überflüssigen Größen wie Fachwissenschaft oder Lehramt hauptsächlich dazu da sind, den einzelnen vor Ideologien und Selbstrechtfertigungen zu bewahren. Geißlers Buch ist ein Lehrstück dafür, besonders deshalb, weil er ständig seinen Jesus mit der CDU und der katholischen Kirche konfrontiert, zugunsten der Position Geißlers natürlich. Er sagt auch ausdrücklich, Jesus sei der ideale Abgeordnete (im Bundestag) nach Artikel 38 Grundgesetz. So gewinnt man den Eindruck: Wenn Jesus es in den Bundestag schaffen sollte, würde er zusammen mit Geißler den Status einer "Abgeordnetengruppe" ohne Fraktionsstatus, vor allem ohne Fraktionszwang haben können.

Was die Auslegung der Bibel betrifft, so führt Geißlers Methode zu erstaunlichen Feststellungen: Jesus hat keine Zweitehe nach Scheidung verboten (obwohl das entsprechende Jesuswort das am häufigsten bezeugte ist). Jesus habe jüdisches Fasten für lächerlich gehalten - weshalb hat er dann in Matthäus 6 Fasten neben Beten und Almosen gestellt? Geißler weiß auch ganz genau: Jesus hat Judas selbst aufgefordert, ihn den Behörden zu übergeben, weil er die Welt durch seinen Tod erlösen wollte. Das ist originell. Warum hat Jesus sich dann nicht selbst gestellt und Judas sich erhängt? Prostitution sei in den Augen Jesu keine Sünde - deshalb sagt er der Frau in Lukas 7,48 wohl: "Deine Süden sind dir vergeben." Mit Maria Magdalena habe Jesus eine märchenhafte Liebesgeschichte gehabt. Daher sei das "Rühr mich nicht an!" im Sinne eines sexuellen Wunsches der Frau zu verstehen, etwas, das man "unter zölibatären Gesichtspunkten nicht so gern gesehen" habe. Die - aus meiner Sicht berechtigte - Meinung der Forschung, Maria habe Jesus kniefällig verehren und dabei, wie es Sitte war, seine Füße umschlingen wollen, wird ohne Begründung abgewiesen. War Maria Magdalena also "fußgeil"? Erstaunlich: Während Geißler sonst seinen Jesus von Moralin nur so triefen läßt, hätte Jesus heute Sonntagsarbeit bei Computerfirmen und Chipherstellern als unabdingbar erlaubt. Plötzlich triumphiert dann doch der Schröderianismus über Jesu Humanität; daher hätte nach Geißler Jesus auch der Vernichtung von Embryonen zu Zwecken medizinischer Forschung zugestimmt.

Ein geisterhaftes Unwesen treiben bei Geißler die Endredaktoren der Evangelien. Sie sind nämlich für alles verantwortlich, was unser Autor nicht für passend hält, sie sind die großen Verfälscher. So haben die Endredaktoren unter dem Einfluß des Paulus (!) alles in die Evangelien eingetragen, was sich auf Keuschheit bezieht. Sie waren auch verantwortlich für jedes harte Wort gegen Pharisäer oder jüdische Gegner Jesu. Wie schade, daß bei der Gelegenheit auch die Wölfe im Schafspelz als unjesuanisch geopfert werden. Dabei sollte man wissen, daß auch nur die Existenz von Endredaktoren in keinem Falle bewiesen ist, geschweige denn ihre Eingriffe.

Geißlers Umgang gerade mit dieser dubiosen Größe ist ein Musterfall von Zirkelschluß und dankbarer Gegenstand für jedes exegetische Proseminar. Ein anderer zweifelhafter Bereich sind alle angeblichen Fehlübersetzungen, die die Evangelien bieten. Geißler spricht übrigens immer vom Hebräisch-Aramäischen und hält letzteres für einen Dialekt des ersteren. Applaus!

Besonders schätzt Geißler Jesu Verurteilung der Selbstgerechtigkeit. Dabei bietet er hübsche Kataloge. Jeder, der sich gegen "Love Parade, Homosexuelle, Asylbewerber, Araber, Inder, emanzipierte Frauen und die PDS" richtet, ist demnach selbstgerecht. So ist unter dem Thema "Heuchler" auch der Ort, von CDU und SPD zu sprechen. Geißler weiß auch, wer in die Hölle kommt: Finanzminister (pauschal) und deutsche Innenminister. Und immer wieder das Thema Sex: Der Ex-Generalsekretär der CDU findet, der Zölibat könne nicht eingehalten werden, "weil er der Natur widerspricht". Jesu Wort von den Eunuchen des Himmelreiches und des heiligen Paulus Rede von der Ehelosigkeit um Gottes willen sind daher nach Geißler pervers. Interessant ist auch, daß die europäischen Industriestaaten, wie Geißler mitteilt, zum Teil von Opus-Dei-Leuten regiert werden; in Geißlers Jugend machten das noch die Freimaurer, in der norddeutschen Version "die Jesuiten". Noch zwei Dinge: Geißler hat es nicht verwunden, daß die Pizza Connection in Bonner Zeiten (ein überparteiliches Essen à la Toscana) etlicher Umtriebe verdächtigt wurde. Das gehört natürlich in ein Jesus-Buch. Und gegen Heroin hätte Jesus auch nichts gehabt.

Wäre alles nicht so traurig, würde der Name Jesu hier nicht für wissenschaftliche Absurditäten und politische Fragwürdigkeiten mißbraucht, man könnte Geißler für den Savonarola der CDU und sein Buch für eine sozialpolitische Aschermittwochsrede aus Bayern halten. So aber kann man nur sagen: Vergiß es!

Heiner Geißler: "Was würde Jesus heute sagen?" Die politische Botschaft des Evangeliums. Rowohlt Berlin Verlag, Berlin 2003. 155 S., geb., 16,90 [Euro].

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Perlentaucher-Notiz zur TAZ-Rezension

Bettina Gaus fragt sich in ihrer Kritik des Buches "Was würde Jesus dazu sagen", ob denn das Anliegen Heiner Geißlers "legitim" oder eher "vermessen" sei, und gibt die Antwort: "Es ist beides zugleich"! Doch sollte das nicht die einzige Ambivalenz bleiben, denn wie die Rezensentin urteilt, sei die Lektüre "weiter Strecken" des Buches eine "Wohltat", anderer jedoch "auf verstörende Weise ärgerlich". Geißler muss sich den Vorwurf der Instrumentalisierung des Evangeliums "für eigene Zwecke" gefallen lassen, und findet sich damit schnell in einer Reihe mit George Bush und Angela Merkel. Stark sind vor allem die Passagen des Werkes, in denen sich der Autor "über die ethischen Grundsätze einer christlichen Gesinnung" äußere, findet Bettina Gaus, fehl am Platze dagegen die "Ausflüge in allzu kleinteilige Tagespolitik". Nicht im "Detail", sondern im Grundsätzlichen der "Wertediskussion" sei das Buch "überzeugend und lesenswert". Daher lobt die Rezensentin das "leidenschaftliche Plädoyer für die Würde des Menschen", das "unmissverständlich" an die Troika Merkel, Koch und Merz gerichtet sei.

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