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Die Frankfurter Buchmesse von 2009 liegt einige Jahre zurück. Damals war China Gastland und hat sich von seiner besten Seite gezeigt. Warum also heute ein Buch über die chinesische Gegenwartsliteratur schreiben? Die Antwort darauf fällt kurz aus: Weil 2009 viel zu wenig gesagt wurde. China ist ein Land der Widersprüche, und noch immer spielen Zensur, Verschweigen und Beschönigungen eine große Rolle. Wer das Land aber verstehen will, der tut gut daran, auch seine Literatur zu verstehen und die Bedingungen, unter denen sie heute existiert: Wie stark ist die offizielle Gängelung - gibt es Zensur,…mehr

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Produktbeschreibung
Die Frankfurter Buchmesse von 2009 liegt einige Jahre zurück. Damals war China Gastland und hat sich von seiner besten Seite gezeigt. Warum also heute ein Buch über die chinesische Gegenwartsliteratur schreiben? Die Antwort darauf fällt kurz aus: Weil 2009 viel zu wenig gesagt wurde. China ist ein Land der Widersprüche, und noch immer spielen Zensur, Verschweigen und Beschönigungen eine große Rolle. Wer das Land aber verstehen will, der tut gut daran, auch seine Literatur zu verstehen und die Bedingungen, unter denen sie heute existiert: Wie stark ist die offizielle Gängelung - gibt es Zensur, und wie funktioniert sie? Wie steht es um die Verlage - sind sie noch fest im Griff der Partei? Und wie funktioniert die Interaktion zwischen Autoren, Verlagen und Lesern? Anhand namhafter älterer und jüngerer Autoren aus der Volksrepublik unternimmt der Sinologe Thomas Zimmer erstmals den Versuch, die Spielräume von Literatur, Kunst und Kultur im Spannungsfeld staatlicher Kontrolle, Zwängen des Marktes und zunehmender internationaler Vernetzung im China der Gegenwart zu erörtern.

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  • Produktdetails
  • Verlag: Tectum Wissenschaftsverlag
  • Seitenzahl: 510
  • Erscheinungstermin: 3. April 2017
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783828866591
  • Artikelnr.: 47758425
Inhaltsangabe
1 Vorbemerkungen. Unterdrücktes Denken und behinderte Kreativität
2 Einleitung
3 Literatur und Gegenwart
3.1 Literarische Öffentlichkeit und Diskursräume
3.2 Zur Rolle des Romans
3.2.1 Ein Wort zur Theorie
3.3 Auswahl aus der Vielfalt der Gegenwart
4 Literatursystem und Literaturbetrieb in China. Die Folgen von Kontrolle und Markt
4.1 Yan'ans Einfluss
4.2 Verbände
4.3 Zwang des Marktes und Öffentlichkeit
4.4 Zensur
4.4.1 Spielräume
4.4.2 Virtuelle Räume
4.5 Parolen und Schlagwörter
4.6 Literaturpreise
4.7 Ausblick
5 Probleme der modernen chinesischen Literatursprache
5.1 Wandel eines Mediums
5.2 Das Ringen um Innovation. Sprachplanung und Spielräume
5.3 Tendenzen des Wandels
6 Erwachen?
7 Jia Pingwa und sein Roman Verrottete Hauptstadt
7.1 Leben und Werk
7.2 Reaktion. Lesernachfrage und Zensur
7.3 Ruinen. Zur Dynamik der Dekadenz
7.3.1 Sex und Freizügigkeit
7.3.2 Stadt und Land
7.3.3 Korruption
7.4 Idealwelt in Gefahr
7.5 Endzeit, literarisches Credo und Zweifel an der Kultur
7.6 In der Tradition der Erzählkunst
7.7 Fazit
8 Die Welt als Wörterbuch. Han Shaogong und sein Roman Das Wörterbuch von Maqiao
8.1 Leben und Werk
8.2 Subversion
8.3 Literarisches Neuland. "Realismus" und Han Shaogongs Wörterbuch in der Weltliteratur
8.4 Sprache und Welt
8.5 Han Shaogongs Ästhetik
8.6 Sprache und Zeit. Erinnerung und die Angst vor Verlusten
8.7 Zur Hinterfragung von Mythen
8.8 Fazit
9 Die Zwiespältigkeit des Alltags. Can Xue und ihr Roman Die Straße der fünf Gewürze
9.1 Ein neues psychologisches Kleid für China. Can Xues Leben und Rolle in der chinesischen Gegenwartsliteratur
9.2 Radikale Innerlichkeit. Versuch zu Can Xues Poetik
9.3 Straße der fünf Gewürze als Dokument der Vielstimmigkeit
9.4 Eindeutig vieldeutig. Zur Lesbarkeit der Literatur Can Xues
9.5 Beziehungsroman - einmal anders
9.6 Jenseits der Exaltiertheit
9.7 Fazit
10 Gao Xingjian und die Bibel im Exil. Ein Nobel-Fall
10.1 Leben und Werk
10.2 Exil und Selbstbefreiung
10.3 Das Buch der Bücher
10.4 Erinnerung und Geschichte
10.4.1 Gao Xingjians "Poetik der Befreiung" in Bibel
10.4.2 Trügerische Ankunft
10.5 Bibel als pathologisches Zeugnis
10.6 Körper, Gewalt, Geschlecht
10.7 Form und Sprache
10.8 Schwierige Rezeption
10.9 Fazit
11 Neue Kommunikationsmedien als elektronische Fußfesseln. Liu Zhenyuns Roman Handy
11.1 Werk und Wandel
11.2 Von der Geschichte zum Sprechen
11.3 Zur Zwangsläufigkeit der Verbindung von Sprachlosigkeit und Redefluss. Ein Versuch
11.4 Fazit
12 Mo Yans Roman Sandelholzstrafe. Zur Ästhetik des "halluzinatorischen Realismus"
12.1 Kleiner Exkurs zum literarischen Realismus
12.1.1 Die Spielräume des literarischen Realismus in China
12.2 Leben und Werk
12.3 Ein "Tanz in Fesseln". Geschichtsbild und Bauernwelt
12.4 Der Nobelkomplex und der Frosch im Brunnen
12.5 Die Rezeption von Mo Yans Werk in China mit besonderem Blick auf Sandelholzstrafe
12.6 Die Sandelholzstrafe
12.6.1 Bühne und Öffentlichkeit
12.6.2 Körperlichkeit
12.7 Gewalt und Gerechtigkeit
12.8 Geschichte und postkolonialer Diskurs
12.9 Die literarisch-künstlerische Umsetzung des Themas und die Schaffung einer neuen Ästhetik der Geschichtsschreibung
12.10 Fazit
13 Vertreter der jungen Literatur und Han Han, der Rebell
13.1 Vorläufer
13.2 Literarische Neuerungen
13.3 Die Generation der "Post-80er"
13.4 Bildung statt Kunst
13.5 Neues Medium der Literatur - das Internet
13.6 Themen und Motive
13.7 Das Lob der Softheit - Guo Jingming
13.8 Zhang Yueran
13.9 Rebell Han Han
13.9.1 Han Han als Blogger
13.9.2 Wurzellos und außerhalb des Establishments
13.9.3 Desillusion
13.9.4 Weg in die Ungewissheit. Der Roman 1988 - Ich möchte mit dieser Welt reden
13.10 Fazit
14 Cai Jun und die moderne chinesische Horrorliteratur
14.1 Spielräume des Horrors. Definitorische Vorüberlegungen
14.2 Horrorliteratur in China
14.3 Leben und Werk
14.4 Vorhölle
14.5 Haupthölle
14.6 Fazit
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 13.12.2017

Vom Tanz im eisernen Käfig
Zwischen Tabuzonen und zwischen den Zeilen: Thomas Zimmer entwirft eine Geschichte der neuen chinesischen Literatur

Ist die chinesische Literatur aus dem Koma erwacht? Mit der Titelfrage seines Buchs meint der Sinologe Thomas Zimmer weniger die Metapher vom schlafenden Drachen als jenes "eigenartige und nachhaltig wirksame Schweigen", das das Kulturschaffen in China seit der blutigen Unterdrückung des Studentenaufstands 1989 umfängt und auch von Ma Jian in dessen auf dem Index stehenden Roman "Peking-Koma" thematisiert worden ist.

Zimmers Ansatz ist der einer Literaturgeschichte als Geschichtsspiegel, aber auch von Belletristik als Katalysator und Avantgarde gesellschaftlicher Phänomene. Anschaulich erörtert er das Lavieren zwischen staatlicher Kontrolle, Markterfordernissen, Publikumsgeschmack und internationaler Sichtbarkeit, abgesichertem Diskurs und Empörung.

Sein Buch untersucht historische Wendepunkte und wechselnde Tabuzonen der Literatur, Dimensionen des Stummbleibens, aber auch Neubeginnens in Chinas Historie. Maos "Gespräche über Kunst und Literatur in Yan'an" von 1942 waren rote Fixsterne des Sozialistischen Realismus, der Tod des kommunistischen Führers löste 1976 eine Literaturerneuerung aus. Doch weiter wurden für Ideenwelten und Geschichtsinterpretationen Denkhorizonte abgesteckt - etwa 1981 mittels einer Resolution über Fragen der Parteigeschichte oder 1983 mit der "Kampagne gegen geistige Verschmutzung". Das Massaker von 1989 leitete kulturelles Selbstvergessen und eine warenwirtschaftliche Kunstorientierung in China ein.

Hochinformativ erörtert der Band neuere Strömungen, Epochen und Stilrichtungen der chinesischen Literatur. Nach dem Ende der Kulturrevolution folgte eine der deutschen Trümmerliteratur vergleichbare "Narbenliteratur" und "Literatur der Vergangenheitsbewältigung". In der nachmaoistischen Avantgarde kam es alternativ zum Sozialistischen Realismus zu einem Wettstreit postmoderner Realismen, etwa des Neorealismus des heute in Frankreich lebenden Nobelpreisträgers Gao Xingjian, dem eine "kalte Literatur" ohne Ismen vorschwebte, und des Halluzinatorischen Realismus des von Gabriel García Márquez geprägten anderen chinesischen Nobelpreisträgers Mo Yan.

Das Buch schildert die Freude am Experimentieren mit nichtlinearen Plots, mehreren Erzählebenen und dem Stream of Consciousness vom Ende der achtziger Jahre an bis zum Neubespielen ästhetischer Tradition. Dem theoretischen Teil folgen Werkanalysen wie zu Gao Xingjians "Buch eines einsamen Menschen" und Mo Yans in Qingdao unter deutscher Kolonialherrschaft spielendem Epos "Die Sandelholzstrafe" als postkolonialistische Literatur mit volkstümlichen Elementen. Weitere von Zimmer analysierte Romane sind Jia Pingwas in der klassischen Ästhetik des Wandels stehender chinesischer Wenderoman "Verrottete Hauptstadt" und Can Xues "Die Straße der fünf Gewürze" als Bewusstseinsstrom moderner Scheinnormalität und Werk radikaler Innerlichkeit.

Trotz der verwirrenden Vielfalt der chinesischen Gegenwartsliteratur, die nicht mit Meinungsfreiheit verwechselt werden dürfe, erkennt Zimmer literaturgeschichtliche Kontinuitäten. Da wären eine von Lu Xun zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts bis Can Xue sich fortschreibende Konfuzianismuskritik, die im Motiv der Jugend die Rede von der Erneuerung symbolisiert, oder ironische Neufassungen von Bauern- und Heimatliteratur.

Verstetigt hat sich in Chinas Literaturgeschichte ferner ein Spiel mit Verschlüsselung und Homophonen sowie eine doppelbödige phantastische Literaturtradition, wie Zimmer in einem luziden Kapitel über Gängelung, Vor-, Nach- und Selbstzensur, erklärt. So spricht Yan Lianke, der kritische Prosa wie "Dem Volke dienen" verfasst hat, von Selbstzensur als "Tanz in einem eisernen Käfig" im Irrglauben, frei zu sein.

Einen breiten Raum im Buch nimmt ferner die Generation der "Post-80er", also der nach 1980 geborenen Autoren, ein. Typisch für sie sind Gattungen wie Campusliteratur, "Adoleszenzliteratur" und castingartige Literaturwettbewerbe. Aus einem solchen ging auch Han Han hervor, der als Rebell und Vertreter der "Herumtreiberliteratur", deren Markenzeichen eine Anti-Haltung und Rabaukenkultur sind, näher porträtiert wird. So ist Hans Roman "1988 - Ich möchte mit dieser Welt reden" eine enigmatisch-atmosphärische Evokation der Zeit vor der Katastrophe. Die Flucht des Protagonisten vor der auch auf das politische Klima bezogenen "dicken Luft" ist zugleich Roadtrip, Zeitroman und rite de passage durch Stationen chinesischer Geschichte.

Als Beispiel für engagierte neue Fantasyliteratur wird Cai Jun vorgestellt. Hinter wohligem Gruseln verstecke sich bei ihm "sozialer Horror" und Kulturkritik in Kodierungen, die dem Regierungskonzept einer "harmonischen Gesellschaft" ironisch gegenüberstehe und in diesseitigen Höllen Gesellschaftskritik übe - wie der in der Konsumunterwelt eines Shoppingcenters spielende Roman "Wandlungen der Hölle". So sieht Zimmer Chinas Gegenwartsliteratur als faszinierendes Experiment und als Taktmesser der Demokratisierung im Land. Zwischen ihren Zeilen wird die Systemfrage gestellt, doch Zimmer attestiert der chinesischen Literatur auch Auto-Amnesie, spricht von "Literaturblasen", Eintagsfliegen und dem Schielen auf Marktgängigkeit. Wirtschaftlich habe sich China vom komatösen Zustand, in den es 1989 geraten war, erholt, ein endgültiges kulturelles und literarisches Erwachen stehe aber noch aus.

STEFFEN GNAM

Thomas Zimmer: "Erwachen aus dem Koma?" Eine literarische Bestimmung des heutigen Chinas.

Tectum Verlag, Baden-Baden 2017. 510 S., geb., 49,95 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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