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Unter fremden Göttern In Indien will ihn ein Yogapriester rekrutieren, mit nepalesischen Schamanen besteigt er deren heiligen Berg, auf einem Öltanker im Indischen Ozean freundet er sich mit einem Seemann an, der ständig Kricket übt, aber nie mehr an Land will. Es sind Geschichten dieser Art, die Wolfgang Büscher von seinen Asienreisen mitgebracht hat. Er erzählt sie auf melodiös-sinnliche Weise, auf den literarischen Spuren von Rudyard Kipling und Joseph Conrad. "Schönere literarische Reiseberichte werden Sie in der Gegenwartsliteratur nicht finden." DEUTSCHLANDFUNK…mehr

Produktbeschreibung
Unter fremden Göttern
In Indien will ihn ein Yogapriester rekrutieren, mit nepalesischen Schamanen besteigt er deren heiligen Berg, auf einem Öltanker im Indischen Ozean freundet er sich mit einem Seemann an, der ständig Kricket übt, aber nie mehr an Land will. Es sind Geschichten dieser Art, die Wolfgang Büscher von seinen Asienreisen mitgebracht hat. Er erzählt sie auf melodiös-sinnliche Weise, auf den literarischen Spuren von Rudyard Kipling und Joseph Conrad.
"Schönere literarische Reiseberichte
werden Sie in der Gegenwartsliteratur nicht finden." DEUTSCHLANDFUNK
  • Produktdetails
  • rororo Taschenbücher Nr.24816
  • Verlag: Rowohlt Tb.
  • Seitenzahl: 158
  • Erscheinungstermin: 1. März 2010
  • Deutsch
  • Abmessung: 190mm x 115mm x 18mm
  • Gewicht: 130g
  • ISBN-13: 9783499248160
  • ISBN-10: 3499248166
  • Artikelnr.: 26385883
Autorenporträt
Büscher, Wolfgang
Wolfgang Büscher, geboren 1951 bei Kassel, ist Schriftsteller und Autor der «Welt». Seine Reiseerfahrungen, schrieb «Der Spiegel», «gehören zum Besten, was in den letzten Jahren in deutscher Sprache erschienen ist». Büscher veröffentlichte zahlreiche Bücher, darunter «Berlin - Moskau» (2003), «Deutschland, eine Reise» (2005), «Hartland» (2011) und «Ein Frühling in Jerusalem» (2014). Für sein Werk wurde er vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Kurt-Tucholsky-Preis, dem Johann-Gottfried-Seume-Literaturpreis und dem Ludwig-Börne-Preis.
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 07.11.2008

Zu Gast bei fremden Göttern
Allzu exotisch: Wolfgang Büscher ist auf dem Weg durch Asien
Wolfgang Büscher ist berühmt geworden mit Büchern, die von Deutschland erzählen. Schon der Titel seines ersten Buchs aus dem Jahr 1998, „Drei Stunden Null. Deutsche Abenteuer”, gibt eine Ahnung von der besonderen Perspektive, aus der er schreibt: Die dritte Stunde Null, das ist für ihn der Epochenbruch von 1989, der seinerzeit auch als das Ende der Ideologien gedeutet worden ist. Büscher nun nutzte die neue Freiheit des Blicks, um Erfahrungswirklichkeiten zu erschließen, die vorher ideologisch zugedeckt waren. Er, der literarische Reporter und Reiseschriftsteller, erschloss sich so eine deutsche Geschichtslandschaft, die durch den Eisernen Vorhang lange erzählerisches Sperrgebiet gewesen war.
Dabei hatte der besondere Büscher’sche Erfahrungshunger sich seine eigene Weltbeobachtungsgangart erschaffen: Schon in „Drei Stunden Null” wanderte Büscher den ehemaligen Mauerstreifen um West-Berlin ab. In „Berlin – Moskau” machte er sich zu Fuß auf den Weg von der deutschen zur russischen Hauptstadt. Und in „Deutschland. Eine Reise” wanderte er weite Strecken der aktuellen deutschen Außengrenze ab. Immer führten ihn seine Wanderungen im Raum vor allem in eine geschichtliche Tiefe, die den Blicken der schneller reisenden Zeitgenossen und Powerflaneuren entging. Und obwohl das Wandern eine bodenständige und langsame Fortbewegungsart ist, führte sie Büscher sehr weit – nicht nur geographisch: Das Deutschland, das Büscher in seinen ersten drei Büchern entdeckte, war so überraschend fremdartig und exotisch, dass es oft wie ein Märchenland anmutete. So fremd und so bedrohlich nah wie jener unvergessene Ossi, von dem Büscher berichtet, wie er am Morgen des 10. November plötzlich im Café M in Berlin Schöneberg steht und mit fremdartigem Ostberliner Akzent „Kaffekonjack” bestellt – und die Westberliner Stammgäste, schreibt Büscher, begriffen: „Die Party ist aus. Sie sind da.”
Das neue Buch von Wolfgang Büscher heißt „Asiatische Absencen”. Man will mit diesem Buch so recht nicht glücklich werden. Vielleicht hat die Enttäuschung schon mit der Wahl des Gegenstandes zu tun: Denn das Asien, von dem Büscher erzählt, ist dem Leser ein ferner und fremder Kontinent. Die Stärke Büschers, das Eigene zu verfremden, kann deshalb hier nicht greifen: Das ohnehin schon Exotische wird in seiner Exotik nur noch einmal unterstrichen. Weshalb auch der Beschreibungsduktus Büschers, der ein glänzender Stilist ist, an seinem neuen Gegenstand plötzlich ein bisschen zu dick, zu sirupartig wirkt.
An der Seite des Schamanen
Dabei hatte sich Büscher schon einmal sehr weit hinein in den asiatischen Kontinent begeben. Adenauers Bonmot, wonach bereits östlich der Elbe die asiatische Steppe beginne, muss Büscher, den gesamtdeutschen Nationalarchäologen, schon immer gewurmt haben. Er hat deshalb die Sichtsperren der rheinischen Republik konsequent niedergerissen. In dem großartigen Kapitel „Das Klavier in der Steppe” aus „Drei Stunden Null” ist er den Spuren deutscher Siedler gefolgt und hat deren Nachfahren noch in der kasachischen Steppe kurz vor der chinesischen Grenze ausfindig gemacht – und bei ihnen noch etwas konserviert gefunden von dem, was einmal Deutschland war. Wie sich da das Eigene und das Fremde, das Nahe und das Ferne durchmischen, war atemberaubend – und öffnete einem einen neuartigen Blick auf Deutschland wie auf Asien.
In seinem neuen Buch durchreist Büscher Asien, ohne dabei auf der Suche nach deutschen Hinterlassenschaften zu sein. Was dieses Buch mit seinen früheren verbindet, ist hingegen dies: Büscher ist als Anti-Ideologe hingebungsvoller Empirist. Seine Erfahrungsoffenheit ist dabei so groß, dass sie auch das miteinschließt, was die Schulweisheit übersteigt. Am Leben und Wirken der Völker und Nationen haben Büscher die mythologisch-religiösen Schubkräfte schon immer fasziniert.
Es ist daher kein Zufall, was ihn vor allem an Asien interessiert: Die heiligen Kühe, die Schamanen und die Götter. Namentlich das Indien-Kapitel erinnert einen deshalb stark an Martin Mosebachs Indien-Reportage „Stadt der wilden Hunde”, die sich auf ebenso komische wie pietätvolle Weise an der Allgegenwart des Heiligen und Göttlichen entzündet hatte. Auch Büscher will dem Heiligen mit pietätvollem Ernst begegnen. Er wird dabei zu einem Ethnologen, der die Distanz zu seinem Untersuchungsgegenstand zu durchbrechen versucht. Kann man, fragt er sich und den Leser einmal, „bei einem fremden Gott zu Gast sein wie in einem fremden Land?” Und er berichtet von seiner eigenen mystischen Grenzerfahrung, zu der ihn ein hochangesehener Schamane „mitgenommen” habe – gleichsam wie auf dem Sozius-Sitz eines Motorrads der religiösen Ekstase. Da ist er dann ganz nahe dran an Shiva. Büscher nimmt die Beschreibung der eigenen Ekstase sehr ernst. Er sucht Bilder, die stark genug sind, die starke Ungewöhnlichkeit dieser Erfahrung zu fassen. Und doch lässt sich die mystische Grenzerfahrung nicht kommunizieren, und so sind „Asiatische Absencen” ein Erfahrungsbericht aus einem Reich jenseits der Erfahrung. Ein bisschen zu exotisch, um uns wirklich fremdartig zu berühren.IJOMA MANGOLD
WOLFGANG BÜSCHER: Asiatische Absencen. Rowohlt Berlin Verlag, Berlin 2008. 159 Seiten, 16,90 Euro.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung exklusiv über www.sz-content.de
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Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 28.11.2008

Diese Sonne glüht nicht franziskanisch

Es muss nicht immer Deutschland sein: Wolfgang Büscher bereist Asien, hat sein Lebensthema aber auch hier immer parat.

Von Hannes Hintermeier

Es gibt die Theorie, dass ein Schriftsteller im Grunde immer nur ein Buch schreibt. Wenn sie zuträfe, hätte sie etwas sehr Bequemes, weil dann die Produktenttäuschung ausbliebe. Und das nicht nur beim Publikum, sondern merkwürdigerweise auch bei der Kritik, denn die ist häufig genauso wenig frei von solchen Gedanken. Sie will wie der gewöhnliche Kunde im Supermarkt gleichbleibende Qualität bei immergleichem Inhalt. Von dieser Kundenzufriedenheit leben weite Teile der belletristischen Produktion, zum Beispiel jener riesige graue Markt von historischen Romanen. Die Verlage wissen genau, welche Jahrhunderte gerade ,gehen' und welche auf keinen Fall.

In eine solche Produktschiene sähe mancher Kritiker gern den Wanderkönig Wolfgang Büscher gedrängt. "Du bist Deutschland!", ruft man ihm tadelnd zu, bleib bei und mit deinen Leisten auf deutschem Boden. Aber Büscher, im Zivilberuf Redakteur der Wochenzeitung "Die Zeit", hat sich Auszeiten in Asien genommen. Und den Deutschland-Begriff hat er in seinen anderen Büchern ohnehin schon stark gedehnt, über den Ural hinaus. Nun also ein schmales Bändchen mit Reiseberichten, der Titel ist eine Verkaufsbremse. "Asiatische Absencen" können und wollen gar nicht mit "Berlin - Moskau" konkurrieren, denn sie sind Fluchten aus dieser teutonischen Festlegung; wann sie stattfanden, verrät uns der Autor höchstens in Andeutungen, ob es nachgereichte Stücke aus der Schublade sind oder frisch erlebte, das soll bewusst keine Rolle spielen. Fünf Geschichten sind versammelt, die längste davon umfasst knapp sechzig Seiten.

"Ein Nachmittag in Indien" zeigt den Autor inmitten eines Fieberschubs durch Nordindien reisend. Unter anderem landet er im Palast eines Maharadschas, der einer Affenhorde auf der Sitar ein Konzert gibt. In "Mekong Mama" entführt ihn ein enigmatischer Fremder erzählend in die Kriegstage von Phnom Penh, in denen er als Jäger und Sammler der Roten Khmer die leere Stadt durchstreifte. Zusammen mit einem vom Gott Shiva faszinierten Ethnologen begibt sich Büscher nach Nepal, um den Spuren von Schamanen zu folgen - was ihm auch eindrucksvoll gelingt. Auf einem viertausend Meter hoch gelegenen Plateau erreicht er eine Kultstätte, und wenngleich er persönlich keinen Kontakt zu Shiva findet, macht er nach seiner Rückkehr aus Wolkenbänken und Entrücktheit der Schamanin Mai auf Knien einen Heiratsantrag. "Man verliebt sich immer in die erste Schamanin", tröstet ihn sein Begleiter. Das sind Szenerien, die weit weg sind von den Exotismen großdeutscher Provinz.

Mit der Exotik ist es nun so eine Sache: Sie fordert den ganzen Schriftsteller, schon die Abbildung des Alltags ist um so viel schwieriger, weil die Bezugsgrößen zur westlichen Lebensform fehlen. Aber der Autor durchlebt eben keinen falschen Film, sondern eine Welt, die sehr viel mehr Ebenen und Daseinsformen kennt als die unsere. Kredit hat dort eine andere Bedeutung: Es ist ein Vorschuss auf die Bereitschaft, sich auf etwas einzulassen, das einen zweifellos verändern wird - in welche Richtung auch immer. Riskant schmal ist der Grat, auf dem dies erzählerisch bewältigt werden kann. Das ist Wolfgang Büscher ebenso bewusst wie der Umstand, dass er jetzt in der Chatwin-Liga spielen muss. Da verkrampft man leicht einmal. Das macht sich gelegentlich in einer Bildsprache bemerkbar, die zu wenig variiert, immer wieder "drischt" der Regen auf die Kreaturen ein.

Hier forscht ein deutsches Gewissen nach dem Moment.

Literatur muss werden, was Reise war. Fünf Sorten Reisende unterscheidet Nietzsche, erster und niedrigster Grad "sind solche, welche reisen und dabei gesehen werden - sie werden eigentlich gereist und sind gleichsam blind; die nächsten sehen wirklich selber in die Welt; die dritten erleben etwas infolge des Sehens; die vierten leben das Erlebte in sich hinein und tragen es mit sich fort; endlich gibt es einige Menschen der höchsten Kraft, welche alles Gesehene, nachdem es erlebt und eingelebt worden ist, endlich auch notwendig wieder aus sich herausleben müssen, in Handlungen und Werken, sobald sie nach Hause zurückgekehrt sind."

Die eindrückliche Geschichte "Der Kricketspieler" kommt zunächst wie die planste und banalste daher. Sie spielt Mitte der neunziger Jahre; der Autor wartet in Dubai auf einen Supertanker, der ihn aufnehmen und mit an seinen Zielort Singapur befördern soll. Nach Mitternacht erhält er einen Anruf, dann fährt man ihn zur Küste Omans. In schwärzester Nacht wird er mit einem kleinen Motorboot auf die arabische See hinausgefahren, wo das Schiff für ihn bremst, das nicht zu sehen ist. Da erscheint ein rotes Zeichen, eine "frische Schweißnaht am Himmel, gezackt. Ich starrte sie an, bis ich begriff: Das Gezackte war eine Kammlinie, das waren Berge. Und das Rote war die aufgehende Sonne hinter den Bergen von Oman. Nichts an diesem Aufgang war rosenfingrig, nichts franziskanisch. Arabiens Sonne war nicht der freundliche Stern unserer Lieder. Sie war nackte, glutrote Gewalt. Jetzt schoß der Glutball herauf, wütend, der Schrecken der Welt. Seine Despotie war in Minuten errichtet, alles beugte den Nacken, bedeckte sich."

Es fällt schwer, sich Wolfgang Büscher als glücklichen Menschen vorzustellen, jedenfalls in jenem unbekümmerten Sinn, in dem angelsächsische Reisende die Welt erobern, indem sie mal eben beschließen, einen kurzen Spaziergang im Hindukusch zu unternehmen. Hier forscht deutsches Gewissen - und es gräbt tief, Humor oder gar Selbstironie kennt diese Selbsterforschung nicht, wohl aber ein uraltes Verlangen: "Eine Sehnsucht faßte mich an, hier zu sein, nur immer hier. Wunsch nach Dauer. Nach Land. Nach Tagen, die enden wie dieser, in diesem roten Königslicht."

Die erzählerische Ökonomie paart sich mit dieser sehr grundsätzlichen Ernsthaftigkeit und lässt dennoch Raum für bloß Angedeutetes. Der leichte Übergang in einen Trancezustand, den man der Absence als Symptom der Epilepsie in der Antike nachsagte, versöhnt mit dieser Schwere: Wolfgang Büscher wird seinem Lebensthema nicht entkommen, er hat es immer im Gepäck. Aber wie er es schultert, ist auch diesmal ein Schauspiel für sich.

Wolfgang Büscher: "Asiatische Absencen". Rowohlt Berlin, Berlin 2008. 159 S., geb., 16,90 [Euro].

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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Sein Lebensthema, das ahnt der Rezensent, nimmt der Verfasser dieser Reiseberichte immer mit, egal, wohin die Reise geht. Dass Wolfgang Büschers Thema kein allzu seichtes ist, sondern mit dem urdeutschen, eher hurmorfreien Topos der Sehnsucht zu tun hat, stellt Hannes Hintermeier mit regelrechter Erleichterung fest. Wer so in die Welt, hier gen Asien, reist, um auf nepalesische Schamaninnen zu treffen oder über Oman eine gewalttätige Sonne aufgehen zu sehen, legt Hintermeier nahe, schafft es womöglich auch, der bloßen Exotik Vielschichtigeres abzugewinnen. Dass der Grat solchen Erzählens schmal ist und die "Chatwin-Liga" weit, weiß Hintermeier und sieht über gelegentliche bildsprachliche Verkrampfungen des Autors darum großzügig hinweg. Ansonsten nämlich herrscht "erzählerische Ökonomie" gepaart mit "grundsätzlicher Ernsthaftigkeit" plus Platz für "bloß Angedeutetes".

© Perlentaucher Medien GmbH