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Die USA sind verloren, der Westen ist tot, die internationale Ordnung am Ende - Untergangsprognosen haben Konjunktur. Doch wer so argumentiert, ergibt sich kampflos dem nationalistischen Zeitgeist, meint Thomas Kleine-Brockhoff. Statt zu jammern, sollten die Verteidiger der liberalen Demokratie lieber in die Offensive gehen. Der Berliner Politikberater stellt deshalb das Prinzip des robusten Liberalismus vor, um Glaubwürdigkeit und Handlungsfähigkeit des Westens wiederherzustellen.
Klar benennt Kleine-Brockhoff die Fehler des Westens nach 1989 und fordert eine Abkehr von der missionarischen
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Produktbeschreibung
Die USA sind verloren, der Westen ist tot, die internationale Ordnung am Ende - Untergangsprognosen haben Konjunktur. Doch wer so argumentiert, ergibt sich kampflos dem nationalistischen Zeitgeist, meint Thomas Kleine-Brockhoff. Statt zu jammern, sollten die Verteidiger der liberalen Demokratie lieber in die Offensive gehen. Der Berliner Politikberater stellt deshalb das Prinzip des robusten Liberalismus vor, um Glaubwürdigkeit und Handlungsfähigkeit des Westens wiederherzustellen.

Klar benennt Kleine-Brockhoff die Fehler des Westens nach 1989 und fordert eine Abkehr von der missionarischen Idee, die ganze Welt müsse die westliche Ordnung annehmen. Stattdessen wirbt er für einen zurückhaltenden und realistischen Liberalismus, der seinen Idealen einfacher treu bleiben, seine Regeln besser befolgen und sie erfolgreicher verteidigen kann. Was das konkret bedeutet, zeigt Kleine- Brockhoff anschaulich an drei drängenden Fragen unserer Zeit: dem Schutz von Flüchtlingen, der humanitären Intervention und dem Handel mit China.

Dieses Buch ist ein Mutmacher für die Freunde der Freiheit und die Kräfte der Mitte. Der vielgescholtene Westen und seine Ideale - sie werden noch gebraucht.
  • Produktdetails
  • Verlag: Edition Körber
  • Artikelnr. des Verlages: 275
  • Seitenzahl: 208
  • Erscheinungstermin: 23. September 2019
  • Deutsch
  • Abmessung: 211mm x 126mm x 22mm
  • Gewicht: 359g
  • ISBN-13: 9783896842756
  • ISBN-10: 3896842757
  • Artikelnr.: 56539711
Autorenporträt
Thomas Kleine-Brockhoff ist Vizepräsident und Berliner Büroleiter des German Marshall Fund of the United States. Von 2013 bis 2017 war er Leiter Planungsstab & Reden im Bundespräsidialamt; dort beriet er den Bundespräsidenten in politischen Fragen und leitete die Gruppe, die seine Reden vorbereitete. Von 1989 bis 2007 arbeitete Kleine-Brockhoff als Politikredakteur und Korrespondent der ZEIT in Hamburg, Bonn und Washington, D.C. Er veröffentlicht Analysen und Kommentare zur deutschen Außenpolitik und den transatlantischen Beziehungen in deutsch- und englischsprachigen Medien.
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 15.10.2019

Schrumpfkur
mit Optimismus
Thomas Kleine-Brockhoffs
Empfehlungen an den Westen
Vor ein paar Wochen, während der diesjährigen Generaldebatte der Vereinten Nationen in New York, richteten Deutschland und Frankreich eine Art Familientreffen aus. Vertreter aus etwa 60 Staaten nahmen an dieser ersten Sitzung der Allianz für Multilateralismus teil, die Außenminister Heiko Maas ersonnenen hatte. Zahlreiche Außenminister nutzten die Gelegenheit für Bekenntnisse zur internationalen Zusammenarbeit. Im Anschluss erhielten die Teilnehmer Gelegenheit, sich bei sechs Initiativen einzuschreiben, die von der Stärkung des humanitären Völkerrechts reichen bis zur Regulierung autonomer Waffensysteme. Jedem Staat stand dabei vollkommen frei, à la carte zu wählen, welcher der Initiativen er sich anschließt. Wer wollte, konnte darin ein Lebenszeichen der Verfechter einer liberalen, auf Kooperation und Regeln fußenden Weltordnung erkennen. Zu sehen war allerdings eben auch, wie diffus die Verteidigung der liberalen Weltordnung bislang wirkt. Von einer organisierten Gegenwehr gegen populistischen Furor, nationalen Egoismus und den scheinbaren Triumph des Autoritären kann bislang keine Rede sein.
Das ist auch der Befund von Thomas Kleine-Brockhoff in seiner Streitschrift für eine „neue liberale Ordnung“. Kleine-Brockhoff, während der Präsidentschaft von Joachim Gauck dessen außenpolitischer Berater, liefert das allerdings nur den Ausgangspunkt für eine überraschende, weil zutiefst optimistische Analyse. Der Berliner Büroleiter des German Marshall Fund wendet sich gegen Fatalisten, die aus den „realen Krisensymptomen der Gegenwart“ nichts anderes abzuleiten wüssten „als das Ende des Westens und seiner Ordnung, und das in naher Zukunft“. Kleine-Brockhoff hat so etwas wie einen politischen Leitfaden für pragmatischen Optimismus vorgelegt, der sich sowohl absetzt von dem mitunter konfus wirkenden Aktionismus im politischen Raum als auch vom abgeklärten Pessimismus auf Seiten etlicher Politikbeobachter. Seinen Optimismus schöpft Kleine-Brockhoff nicht zuletzt aus der Überzeugung, dass gerade der Erfolg autoritärer, antiwestlicher und antidemokratischer Kräfte das Wachstum von „Antikörpern“ beschleunigen werde. Kleine-Brockhoff, der lange in den USA gelebt hat, verniedlicht die katastrophalen Folgen der Außenpolitik Donald Trumps nicht, hält aber einen guten Ausgang für zumindest denkbar. Der nächste US-Präsident werde „Dinge anders machen, korrigieren, reparieren wollen“. Auf diesen Moment müsse sich die europäische, die deutsche Politik vorbereiten.
Insbesondere entwirft Kleine-Brockhoff das Konzept eines „robusten Liberalismus“ mit den Maximen Freiheitlichkeit, Multilateralismus, Selbstbeschränkung und Abwehrbereitschaft. „Robuster Liberalismus“, schreibt er, „setzt auf einen Universalismus, der weniger verspricht und mehr hält“. Die Medizin, die Kleine-Brockhoff dem Westen verabreichen möchte, ist eine Schrumpfkur. Indem er „sehr wohl auf den Prinzipien der Freiheitlichkeit besteht, zugleich aber die liberale Überdehnung beendet und den demokratischen Bekehrungseifer einhegt“, soll er wieder an Stärke gewinnen. Was er mit diesem Bekehrungseifer meint, legt der Autor am Beispiel des früheren britischen Premierministers Tony Blair dar, den er als Befürworter humanitär begründeter militärischer Interventionen für die Verkörperung hält des „Typus des offensiven Liberalen, der die Welt verbessern möchte und sich nicht damit zufriedengibt, das Schlimmste zu verhindern“. Die Rolle von Bundeskanzlerin Angela Merkel während der Flüchtlingskrise 2015 hält er für „zumindest in der Rückschau zwiespältig“. In einem historisch entscheidenden Moment habe sie durch „Großmut und Normentreue“ ein Bekenntnis zum liberalen Internationalismus abgelegt, durch ihren „Rigorismus“ die Lösung künftiger Flüchtlingskrisen aber eher erschwert.
Den Widerspruch zwischen dem universellen Anspruch liberaler Werte und pragmatischer Selbstbeschränkung kann Kleine-Brockhoff nicht auflösen und will es auch nicht. Er zeigt einfach nur, dass es – etwa in der Flüchtlingspolitik oder gegenüber China – zwar bescheidene, aber eben doch Handlungsoptionen gibt. Man muss den Vorschlägen im Einzelnen gar nicht folgen, um sich von der Prämisse insgesamt anstecken zu lassen: dass die Alternative zu westlicher Selbstüberschätzung eben nicht in zynischer Realpolitik zu suchen ist, sondern in machbarem und durchaus tatkräftigem Liberalismus.
DANIEL BRÖSSLER
Das Erstarken von autoritären
Kräften könnte die Bildung
von „Antikörpern“ erleichtern
Thomas
Kleine-Brockhoff:
Die Welt braucht den Westen. Neustart für eine liberale Ordnung.
Edition Körber, Hamburg 2019. 208 Seiten,
18 Euro.
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
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