Zwischen Berlin und Beirut - Sartorius, Joachim (Hrsg.)
    Buch mit Leinen-Einband

Ein neuer West-östlicher Diwan
Autoren aus Deutschland treffen Kollegen in Ländern des Nahen Ostens, dann kommen diese zum Gegenbesuch nach Deutschland, und aus den wechselseitigen Erfahrungen entsteht Literatur: Ein West-östlicher Diwan.
Bei der Begegnung in Beirut debattieren Autoren über den Wettstreit zwischen Muezzin und Glockengeläut, im Nildelta erkunden sie die "Erinnerungen, die Orte gespeichert haben"; sie laden zum Spaziergang ein durch das "traurige Berlin, das ich liebe", berichten von den Satellitenschüsseln selbst auf den kleinsten Hütten am Rande Casablancas. Ihre…mehr

Produktbeschreibung
Ein neuer West-östlicher Diwan

Autoren aus Deutschland treffen Kollegen in Ländern des Nahen Ostens, dann kommen diese zum Gegenbesuch nach Deutschland, und aus den wechselseitigen Erfahrungen entsteht Literatur: Ein West-östlicher Diwan.

Bei der Begegnung in Beirut debattieren Autoren über den Wettstreit zwischen Muezzin und Glockengeläut, im Nildelta erkunden sie die "Erinnerungen, die Orte gespeichert haben"; sie laden zum Spaziergang ein durch das "traurige Berlin, das ich liebe", berichten von den Satellitenschüsseln selbst auf den kleinsten Hütten am Rande Casablancas. Ihre Gedichte umkreisen die "Flügel des Schicksals" am Potsdamer Platz in Berlin und berichten von Fes -" "jedes minarett eines teppichs faden"; ihre Reportagen führen nach Bahrain und Teheran, nach Istanbul und Kairo.

Dieser Band versammelt Erfahrungen aus 5 Jahren literarischer Begegnungen mit der Chance, die Literatur bietet: den radikal subjektiven Blick und die Fähigkeit, kulturelle Grenzen hinter sich zu lassen. Erfunden wurde dieses Austauschprogramm namens "West-östlicher Diwan" 2002 am Wissenschaftskolleg zu Berlin, und seither wird es gemeinsam mit den Berliner Festspielen und anderen Kooperationspartnern umgesetzt. Bis 2007 haben 22 Autorinnen und Autoren an diesem Projekt teilgenommen - jetzt werden auserlesene Früchte der Begegnungen in einem Buch zusammengetragen: Ein faszinierender neuer West-östlicher Diwan.

Mit Beiträgen von Abbas Beydoun, Marica Bodrozic, Rashid al-Daif, Ulrike Draesner, Gamal al-Ghitani, Qassim Haddad, Joachim Helfer, Guy Helminger, Michael Kleeberg, Shahriar Mandanipur, Martin Mosebach, Albert Ostermaier, Ulrich Peltzer, Ingo Schulze, Miral al-Tahawy, Ilija Trojanow, Abdallah Zrika
  • Produktdetails
  • Neue Orientalische Bibliothek
  • Verlag: Beck
  • Seitenzahl: 287
  • Erscheinungstermin: August 2007
  • Deutsch
  • Abmessung: 207mm x 128mm x 22mm
  • Gewicht: 370g
  • ISBN-13: 9783406563683
  • ISBN-10: 3406563686
  • Artikelnr.: 22802822
Autorenporträt
Joachim Sartorius, geboren 1946, wuchs in Tunis auf und lebt heute - nach langen Aufenthalten in New York, Istanbul und Nicosia - in Berlin. Seit 2001 leitet er die Berliner Festspiele. Sein lyrisches Werk wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt. Er veröffentlichte mehrere, in Zusammenarbeit mit Künstlern entstandene Bücher und ist Herausgeber der Werkausgaben von Malcolm Lowry und William Carlos Williams sowie verschiedener Anthologien. Auszeichnung 1998 für seine Übersetzung amerikanischer Lyrik von John Ashbery und Wallace Stevens mit dem Paul-Scheerbart-Preis sowie mit zahlreichen Stipendien ausgezeichnet.
Rezensionen
Besprechung von 03.01.2008
Die Bücher eines Feldarbeiters im Nildelta
Deutsch-orientalische Schriftstellerverschickung: Die Anthologie „Zwischen Berlin und Beirut. West-östliche Geschichten”
Ein wenig sozialistische Völkerfreundschaft, ein Quentchen interreligiöser Dialog, eine Kelle voll weltenrettendem Humanismus und als Würze eine gute Prise Kampf der Kulturen – so könnte ein Zyniker die Schriftstellerlandverschickung nennen, die unter dem Titel „West-östlicher Diwan” zwischen 2002 und 2007 deutsche und orientalische Schriftsteller einander näherbringen wollte.
Wenig verwunderlich, ist denn auch bei allen zweiundzwanzig Autoren das Bemühen zu spüren, die klassischen Orient-Okzident-Klischees früherer Reiseschriftsteller zu überwinden. Natürlich gelingt das nicht immer, aber man kann feststellen: Je literarischer die Verarbeitung des Auslandsaufenthaltes wird, desto lesenswerter sind die Texte, desto deutlicher wird, was eine literarische Arbeit tatsächlich dem Journalismus voraushaben kann. So betören etwa die marokkanischen Gedichte Ulrike Draesners durch eine Empfindsamkeit in der Wahrnehmung, die in ihrer Reportage hinderlich wirkt. Und anders als die eher berichterstatterische Prosa der meisten orientalischen Gäste gehört die Lyrik des Libanesen Abbas Beydoun zu denjenigen Texten des Bandes, die bleiben könnten.
Überragend sind Martin Mosebachs Miniaturen über Kairo. Sie arbeiten das Typische heraus, ohne auch nur einen Satz lang ins Klischee zu verfallen: „Der junge Rechtsanwalt stammt aus einem Dorf im Nildelta. Seit er fünf Jahre war, hat er mit den Eltern täglich zwölf Stunden auf dem Feld gearbeitet. Nachts hat er gelesen; vergeblich hat der Vater ihn geschlagen, um ihn von den Büchern wegzubringen. Er schwärmt vom Rechtsstaat, vom Recht für die Armen, von Freiheit und Bildung für alle. ‚Meine Idole, die größten Menschen, die je gelebt haben: Adolf Hitler, Karl Marx und der Prophet Mohammed.’” Auch wenn nicht alle Texte diese Qualität haben, ist das Buch dank seiner Stimmenvielfalt abwechslungsreich und gibt dem Leser das Gefühl, selbst im Orient unterwegs zu sein. Und durch die orientalischen Autoren wird uns der fremde Blick auf uns nahegebracht – ein Blick, der uns ebenso verzerrt erscheint wie den Orientalen unser Blick auf sie. STEFAN WEIDNER
JOACHIM SARTORIUS (HRSG.): Zwischen Berlin und Beirut. West-östliche Geschichten. Verlag C. H. Beck, München 2007. 288 Seiten, 24,90 Euro.
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Besprechung von 11.10.2007
Kunstguss

So schön kann sie klingen, die orientalische Erzählkunst: "Sie erinnert sich nicht mehr daran, wie sie in jenes Haus gekommen ist, doch noch immer, wenn sie ihr Haar ausbreitet, ergießt es sich wie zarte geflochtene Weizenähren, ihre Augen sind so grün wie der Flaum frisch geschlüpfter Entenküken." Miral al-Tahawis Beschreibung ihrer Großmutter läutet einen der eindrucksvollen Essays der "West-östlichen Geschichten zwischen Berlin und Beirut" ein. Aufgewachsen in der Welt von Karawanen und alten Stammesriten, erzählt die Ägypterin von Traditionen und europäischen Impressionen, von ihrem Heimatdorf und den Erfahrungen im fremden Berlin. Das Leben in und zwischen zwei Welten ist der ständige Begleiter in all den Reportagen, Gedichten und Dialogen: lesenswert. (Joachim Sartorius [Hrsg.]: "Zwischen Berlin und Beirut. West-östliche Geschichten". C. H. Beck Verlag, München 2007. 273 S., geb., 24,90 [Euro].)

Kito

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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Stefan Weidner findet, dass die Anthologie mit Texten, die aus dem Austausch von deutschen und orientalischen Autoren von 2002 bis 2007 hervorgegangen ist, insgesamt ein buntes Bild vom eigenen Blick auf die Fremde und vom fremden Blick auf uns zeichnet. Am besten sind die Texte immer dann, wenn sie sich literarisch mit der Auslandserfahrung auseinandersetzen, betont der Rezensent. So gibt er auch den Marokko-Gedichten von Ulrike Draesner ausdrücklich den Vorzug gegenüber ihrer Reportage, und er glaubt, dass im Gegensatz zu den vor allem Bericht erstattenden Beiträgen des überwiegenden Teils der orientalischen Schriftsteller die Gedichte des libanesischen Lyrikers Abbas Beydoun von bleibendem Wert sind. Als brillant preist Weidner Martin Mosebachs Textminiaturen über Kairo, dem es darin gelinge, das Spezifische zu fassen, ohne Klischees zu vermitteln.

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